Merriam-Ziesel

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Merriam-Ziesel
Foto folgt.

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Merriam-Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus canus
Merriam, 1898

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Merriam-Ziesel (Spermophilus canus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Im Englischen wird dieser Ziesel Merriam's Ground Squirrel genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Russell & Wilson, 2008).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

Merriam-Ziesel sind eher eine kleine Art innerhalb der Ziesel mit einem gräulichen Fell, kurzen Ohren sowie einem kurzen und dünnen Schwanz. Das Fell ist kurz und glatt. Dorsal ist das Fell gräulich und leicht mit rosa verwaschen. Ventral zeigt sich eine cremefarbene bis weißliche Färbung. Die Seiten des Kopfes, das laterale Fell sowie die Hinterbeine sind gräulich mit leicht rosa bis rötlich getönt. Der Schwanz ist gräulich bis graubraun, ventral auch zimtbraun gefärbt (Russell & Wilson, 2008).

Unterschiede

Der Merriam-Ziesel kann von anderen Vertretern der Gattung durch die fehlenden Rückenflecken oder Streifen unterschieden werden. Er ist trotzdem kleiner als die meisten anderen Arten. So ist das Fell des Washington-Ziesel (Spermophilus washingtoni) beispielsweise stark gesprenkelt. Schwer zu unterscheiden ist der Merriam-Ziesel vom Townsend-Ziesel (Spermophilus townsendii) und vom Piute-Ziesel (Spermophilus mollis). Alle drei Arten sind klein, haben kurze Ohren, einen dünnen langen Schwanz und ein Fell ohne Markierungen. Der Merriam-Ziesel hat jedoch einen kürzeren und breiteren Schädel sowie eine größere Jochbeinbreite. Der Piute-Ziesel hat einen etwas kleineren Schwanz (Russell & Wilson, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Merriam-Ziesel erreicht je nach Unterart und Geschlecht unterschiedliche Maße. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 188 bis 211 (202,9) mm, eine Schwanzlänge von 31 bis 50 (41,4) mm, eine Hinterfußlänge von 29 bis 34 (31,8) mm, eine Condylobasallänge von 35 bis 37,5 (36,2) mm, eine Jochbeinbreite von 22,7 bis 24,0 (23,6) mm, eine Hirnschädelbreite von 16,9 bis 18,1 (17,4) mm sowie ein Gewicht von 146,0 bis 300,2 (196,6) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 193 bis 218 (200,8) mm, eine Schwanzlänge von 33 bis 49 (39,6) mm, eine Hinterfußlänge von 30 bis 32 (31,2) mm, eine Condylobasallänge von 34,4 bis 38,7 (36,4) mm, eine Jochbeinbreite von 21,7 bis 25,9 (24,1) mm, eine Hirnschädelbreite von 16,4 bis 17,8 (17,2) mm sowie ein Gewicht von 143,8 bis 210,0 (171,7) g. Das Gewicht schwankt saisonal zum Teil stark. Unmittelbar nach dem Winterschlaf weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Männchen sind etwas schwerer als Weibchen. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3. Die Backenzähne sind hypsodont und p3 ist mittelgroß (Russell & Wilson, 2008).

Lebensweise

Merriam-Ziesel sind ausgesprochen ruhig und leben zurückgezogen. Nur bei Gefahr geben sie ein schrilles Quietschen oder Pfeifen von sich. Durch die unauffällige Fellfärbung sind die Tiere in ihrem Lebensraum sehr gut getarnt und für natürliche Feinde kaum auszumachen. Der Merriam-Ziesel ist tagaktiv bis dämmerungsaktiv, jedoch nicht das ganze Jahr über aktiv. Während der kalten Jahreszeit hält die Art einen längeren Winterschlaf. Über den Sommer bis in den Herbst hinein fressen sich die Tiere eine dicke Fettschicht an, von der sie während des Winterschlafes zehren. Typischerweise endet der Winterschlaf Anfang März. Kurze Zeit danach beginnt die Paarungszeit. Merriam-Ziesel leben zwar am Boden, die Tiere gelten jedoch als gute Kletterer. Sie begeben sich während der Nahrungssuche durchaus auch in Büsche oder niedrige Bäume. Auch gilt die Art als exzellenter Schwimmer. Im Lebensraum der Tiere müssen nicht selten Bäche und Flüsse überquert werden. Die Art besiedelt selbst gegrabene Höhlen, die sich meist unter Pflanzen wie beispielsweise Beifuß (Artemisia) oder unter Steinen und Felsen befindet. Merriam-Ziesel bleiben meist in der Nähe ihrer Bauten, in die sie bei Gefahr sehr schnell flüchten. Die aktive Zeit verbringen die Tiere hauptsächlich mit dem Sammeln von Nahrung. Der Merriam-Ziesel lebt einzelgängerisch. Bei Gruppen handelt es sich um Mütter mit ihrem Nachwuchs. Die Reviere der Männchen sind größer und überschneiden sich mit denen der Weibchen. Die Reviere zweier Männchen überschneiden sich in der Regel nicht. Ein Revier weist eine durchschnittliche Größe von einem ha auf. Die durchschnittliche Siedlungsdichte (inklusive Jungtiere) liegt bei rund 20 Individien je ha (Russell & Wilson, 2008).

Unterarten

Die Einteilung in Unterarten gilt als umstritten. So erkennen beispielsweise Thorington & Hoffmann (2005) keine Unterarten an.

Verbreitung und Lebensraum

Der Merriam-Ziesel ist in denwestlichen USA in den Bundesstaaten Idaho, Nevada und Oregon endemisch (IUCN, 2014). Merriam-Ziesel besiedeln meist wüstenähnliche Habiate, in denen Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata) dominiert. Aber auch auf Agrarflächen, entlang von Bächen und Flüssen sowie entlang von Bahnschienen fühlen sich die Tiere zu Hause. Zu den typischen Bäumen im Lebensraum der Tiere gehört zum Beispiel der Westamerikanische Wacholder (Juniperus occidentalis). Die Böden haben eine meist hohe Durchlässigkeit (Russell & Wilson, 2008).

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden des Merriam-Ziesels zählen insbesondere die Schleiereule (Tyto alba) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Währscheinlich stellen aber auch andere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie Falken (Falco) den Tieren nach. Unter den Raubtieren (Carnivora) zählen aufgrund von Kotanalysen auch der Silberdachs (Taxidea taxus), der Kojote (Canis latrans), der Langschwanzwiesel (Mustela frenata) und der Streifenskunk (Mephitis mephitis) zu den Prädatoren. Auch größere Schlangen (Serpentes) können leicht einen Ziesel erlegen (Russell & Wilson, 2008).

Ernährung

Ernährt sich vielseitig sowohl von pflanzlicher als auch tierischer Kost. Es stehen neben grünen Pflanzenteilen, Wurzeln, Knollen, Körnern und Sämereien auch Insekten (Insecta) auf der Speisekarte. Zum Leidwesen der Farmer werden auf landwirtschaftlichen Flächen insbesondere Gräser, Schneckenklee (Medicago), andere Kleearten und Getreide gefressen. An Nutzpflanzen stehen insbesondere Sonnenblumen (Helianthus), Reiherschnäbel (Erodium) und andere Hülsenfrüchte hoch im Kurs (Russell & Wilson, 2008).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt im März kurz nach dem Winterschlaf. In einer Saison bringt ein Weibchen in der Regel nur einen Wurf zur Welt, der aus 5 bis 10 (8) Jungen besteht. Nur selten und nur bei günstigen Bedingungen kann es im August zu einem 2. Wurf kommen. Der erste Wurf kommt zwischen Ende April und Anfang Mai zur Welt. Die Trage- und auch Säugezeit erstreckt sich meist über 3 bis 4 Wochen. Die Geburt erfolgt in der mütterlichen Erdhöhle. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 5 Paar Milchdrüsen, je 2 Paare im Bauch- und Brustbereich sowie 1 Paar im Bereich der Leiste (Russell & Wilson, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Auch wenn der Merriam-Ziesel heute noch nicht zu den bedrohten Arten gehört, so sind die aktuellen Bedrohungen mitunter beträchtlich. In der Roten Liste der IUCN wird der Merriam-Ziesel in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die Hauptbedrohung geht heute von der Kultivierung der tropischen Regenwälder, insbesondere durch die Umwandlung von Lebensraum der Tiere in landwirtschaftliche Flächen oder Weideland aus. In der Landwirtschaft wird der Merriam-Ziesel als Ernteschädling betrachtet. Ein Teil der Lebensräume liegt in geschützten Gebieten (IUCN, 2014).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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