Menschenaffen

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Menschenaffen
Echtschimpanse (Pan troglodytes verus)

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen
Wissenschaftlicher Name
Hominidae
Gray, 1825

Menschenaffen (Hominidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Primaten (Primates) und der Unterordnung Trockennasenaffen (Haplorhini). In der Familie werden 7 rezente Arten geführt, darunter auch der Mensch. In Abgrenzung zu den Gibbons, den Kleinen Menschenaffen, bezeichnet man die Familie auch als Große Menschenaffen. Im Englischen werden sie Great apes genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Zu den engsten Verwandten des Menschen gehören die Schimpansen (Pan). Genetische Analysen belegen, dass sich die gemeinsame Stammeslinie vor rund 6 Millionen Jahren trennte. Die Stammeslinie der Bonobos (Pan paniscus) und der Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes) trennte sich vor etwa 1,5 Millionen Jahren im frühen Pleistozän. Die Trennung ist auf eine Isolation auf der Südseite des Kongo zurückzuführen. Die beiden Arten der Gorillas (Gorilla) entwickelten sich wahrscheinlich vor etwa 5 Millionen Jahren im Miozän aus einer gemeinsamen Stammlinie. Getrennt wurden die Populationen im Miozän im Kongobecken durch einen gigantischen See, der erst im Laufe von Jahrmillionen austrocknete. Aufgrund von Molekularanalysen ist heute bekannt, dass sich Orang-Utans vor rund 14 Millionen Jahren von demjenigen Stamm trennten, aus dem die afrikanischen Menschenaffen und letztlich auch der Mensch hervorging. Die südasiatischen Sivapithecus-Formen (S. indicus, S. sivalensis und S. parvada) aus dem späten Miozän, vor 12 bis 9 Millionen Jahren, waren den Orang-Utans schon sehr ähnlich und gelten daher als die Vorfahren der beiden rezenten Arten. Aus Indochina sind riesige pleistozäne Orangs bekannt, die wahrscheinlich vor etwa 1 Millionen Jahren im mittleren Pleistozän ausstarben. Auf Sumatra und Borneo fand man fossile Formen, die ein Alter von rund 40.000 Jahren aufweisen. Diese Art war mit gut 30 Prozent deutlich größer als die rezenten Arten. Im Pleistozän kamen kleinere Vertreter der Gattung auch auf Java vor.

  • Siehe auch zum Thema Evolution des Menschen den Hauptartikel: Neandertaler (Homo neanderthalensis)

Beschreibung

Aussehen

Große Menschenaffen erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 73 bis 180 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 180 oder mehr Kilogramm. Die kleinste Art ist der Bonobo (Pan paniscus), der auch Zwergschimpanse genannt wird, die größte Art ist der Gorilla (Gorilla gorilla). Weibchen bleiben grundsätzlich kleiner und leichter als Männchen. Bei den Schimpansen liegt der Größenunterschied zwischen 10 und 20 Prozent. Männchen sind zudem deutlich kräftiger als Weibchen. Das Fell der Schimpansen ist überwiegend schwarz gefärbt. Im Schnauzenbereich zeigt sich ein weißlicher Bart. Dieser fehlt dem Bonobo, dessen Gesicht zudem nicht bräunlich bis fleischfarben, sondern schwarz gefärbt ist. Die Haut an Händen und Füßen ist bei beiden Schimpansenarten schwarz gefärbt.
Bis zu 50 Zentimeter lang: das Fell der {{L Orang-Utans (Pongo pygmaeus)}}
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Bis zu 50 Zentimeter lang: das Fell der {{L Orang-Utans (Pongo pygmaeus)}}
Mit zunehmendem Alter dunkelt die Haut im Gesicht der Gemeinen Schimpansen deutlich ab. Das Fell der Gorillas (Gorilla) ist ebenfalls schwarz, wobei sich im Stirnbereich beim Gorilla gorilla eine rötlichbraune Färbung zeigen kann. Die Haut der Gorillas ist immer schwarz gefärbt. Die Männchen beider Gorilla-Arten weisen einen silbriggrauen bis weißlichen Sattel auf. Die Haare in diesem Bereich sind ausgesprochen kurz. Das langhaarige Fell der Orang-Utans (Pongo) weist eine rötlichbraune bis orangebraune Färbung auf. Im Bereich der Arme kann das Fell eine Länge von nahezu 50 Zentimeter erreichen. Das Gesicht ist nur spärlich behaart, fast nackt. Erwachsene Männchen zeichnen sich durch extreme Backenwülste aus, die aus Bindegewebe bestehen und ihre Dominanz zum Ausdruck bringen. Ältere Männchen haben im Kinnbereich zudem einen weißlichen Bart. Nackte Hautstellen weisen eine blaugraue Färbung auf.

Schimpansen und Otang-Utans sind an das Leben in den Bäumen angepasst. Die Arme sind deutlich länger als die Beine. Die Schultergelenke sind sehr beweglich und die Finger stark verlängert. Es verwundert nicht, dass beispielsweise Schimpansen hauptsächlich in den Bäumen leben und hier meist auch auf Nahrungssuche gehen. Die Nachtruhe verbringen sie zum Schutz vor Fleischfressern ausschließlich in den Bäumen. Durch Biegen und Brechen von Ästen bauen Schimpansen regelrechte Nester hoch oben in den Baumkronen. Sie sind jedoch auch häufig am Boden zu beobachten, wo sie auch längere Strecken zurücklegen. Am Boden bewegen sich Menschenaffen im Knöchelgang fort. Ihre Arme sind an diese Fortbewegungsart angepasst: wo die Speiche, also der Radius, auf die Handgelenkknochen trifft, weist sie eine Leiste auf, die verhindert, dass das Handgelenk umknickt. Das Handgelenk trägt dabei das Körpergewicht. Bonobos und Schimpansen sind in der Lage aufrecht zu stehen. Mehr als wenige Schritte bringen sie jedoch selten zu Stande. Orang-Utans können leicht eine Armspannweite von über 200 Zentimeter erreichen. Gorillas leben im Gegensatz zu den Schimpansen fast ausschließlich am Boden. Vor allem die Männchen sind zum Klettern zu schwer. Die Jungtiere der Gorillas oder Weibchen im gewissen Umfang klettern sehr wohl in Bäumen umher.

Die Gehirne der Schimpansen und Bonobos sind mit 300 bis 400 ccm sowohl absolut als auch relativ zur ihrer Körpergröße sehr groß. Beiden Arten kann man eine gewisse Intelligenz und Lernfähigkeit nicht absprechen. Dies auch in Bezug auf den Werkzeuggebrauch und die koordinierte Jagd auf Beutetiere. Die Gehirne der Gorillas weisen ein Volumen von durchschnittlich 506 ccm auf, die der Orang-Utans etwa 411. Im Vergleich ist das Gehirn der Kleinen Menschenaffen, den Gibbons, mit rund 95 qcm verhältnismäßig klein. Das Gehirn des Menschen weist eine Größe von rund 1.400 ccm auf.
Aufrechter Gang beim Bonobo
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Aufrechter Gang beim Bonobo
Bei den Weibchen der Schimpansen entwickeln sich mit einsetzender Pubertät im Bereich der Genitalien periodische Schwellungen. Die Schwellungen treten vor allem an 12 bis 20 Tagen in der Zyklusmitte auf. Die Menstruation liegt zwischen 35 Tagen bei Schimpansen und 40 Tagen beim Bonobo. Die Männchen der Schimpansen und Bonobos weisen relativ zu ihrer Körpergröße über enorme Hoden. Daher verwundert es nicht, dass sie fast pausenlos kopulieren können. Im Gegensatz zu den Schimpansen verfügen Gorillas über nur kleine Ohrmuscheln und die Nasenöffnungen sind von breiten, ringförmigen Wülsten umgeben, die bis zur Oberlippe reichen.

Gebiss und Schädel

Der überaus robust gebaute Schädel ist durch ein abgeflachtes Gesicht und nach vorne gerichteten Augen geprägt. Auch ein rundlicher Hirnschädel ist bei allen Arten vorhanden. Die Augen liegen in einer knöchernen Kapsel. Dadurch sind die Augenhöhlen von der dahinter liegenden Kiefermuskulatur getrennt. Die Kiefer sind kräftig ausgeprägt, das Gebiss weist bei allen Arten 32 Zähne auf. Die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p2/2, m3/3. Bei den meisten Arten sind die Schneidezähne schaufelartig ausgeprägt, die niederkronigen und breiten Backenzähne zeichnen sich durch eine mehr oder weniger quadratische Form aus. Die Eckzähne sind mit Ausnahme des Menschen sehr groß ausgeprägt. Bei den Männchen sind die Eckzähne stets größer ausgeprägt und dienen mitunter als Waffen in Rivalenkämpfen. Der Unterkiefer ist relativ tief und die beiden Kieferhälften sind in der Mittellinie, wie auch die Stirnbeine, miteinander verschmolzen. Gorillas verfügen unter den Menschenaffen über die größten Zähne und die am kräftigsten ausgeprägten Molaren. So können sie auch große Mengen an Nahrung bewältigen. Aufgrund dessen ist auch die Kau- und Schläfenmuskulatur kräftig entwickelt. Vor allem bei den männlichen Gorillas ist daher ein Scheitelkamm stark ausgeprägt. Dieser ist bei Gorilla-Weibchen und den Schimpansen deutlich schwächer ausgeprägt. Der Scheitelkamm geht am Hinterkopf in einen Hinterhauptkamm über. DIe Kiefer der Orang-Utans sind ebenfalls sehr massiv. Die großen und flachen Backzähne sind mit ausgeprägten Schmelzrunzeln versehen und eigenen sich besonders für den Verzehr holziger Früchte.

Maße und Gewichte

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Körperlänge male Körperlänge female Gewicht male Gewicht female
Gemeiner Schimpanse Pan troglodytes 77 - 92 cm 70 - 85 cm 40 - 90 kg 30 - 80 kg
Bonobo Pan paniscus 73 - 83 cm 70 - 76 cm bis 39 kg bis 31 kg
Gorilla Gorilla gorilla bis 180 cm bis 150 cm 140 - 180 kg bis 90 kg
Berggorilla Gorilla beringei bis 180 cm bis 150 cm 140 - 180 kg bis 90 kg
Borneo Orang-Utan Pongo pygmaeus bis 97 cm bis 78 cm 60 - 90 kg 40 - 50 kg
Sumatra Orang-Utan Pongo abelii bis 97 cm bis 78 cm 60 - 90 kg 40 - 50 kg

Lebensweise

Bonobos und Schimpansen

Die tagaktiven Bonobos und Schimpansen leben in zum Teil größeren Gemeinschaften. Eine Gruppenstärke von bis zu 150 Individuen ist dabei die Regel. Zwischen den Mitglieder bestehen meist, jedoch nicht immer soziale Bindungen. Für gewöhnlich unterhalten die Mitglieder jedoch freundschaftliche soziale Beziehungen. Zwischen verschiedenen Gruppen herrscht grundsätzlich Zwietracht. Dies gilt für Schimpansen stärker als für Bonobos. Größere Gruppe teilen sich nicht selten am Tage in kleinere Trupps und durchstreifen auf der Suche nach Nahrung das Territorium. Die Größe der Trupps richtet sich nach dem Nahrungsangebot. Im Schnitt umfasst eine Gruppe zwischen 3 und 15 Individuen.
Enge Bindung zwischen Mutter und Kind bei den Schimpansen
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Enge Bindung zwischen Mutter und Kind bei den Schimpansen
Bei den Bonobos sind die Trupps meist etwas größer als bei den Schimpansen. Die Männchen der Schimpansen sind insgesamt geselliger als Weibchen. Letztere bleiben meist mit ihrem Nachwuchs innerhalb der Gruppe alleine. Bei den Bonobos ist ein solcher Verhaltensdimorphismus weniger stark ausgeprägt. Befindet sich ein Weibchen im Östrus, so wird sie meist von mehreren Männchen umlagert. Bei beiden Arten verbleiben die Männchen mit dem Erreichen der Geschlechtsreife in ihrer Geburtsgruppe. Weibchen schließen sich hingegen anderen Gruppen an, verlassen also ihre Geburtsgruppe. Meist handelt es sich dabei um eine Nachbarkommune. Auch unter den erwachsenen Weibchen kann es zwischen den Gruppen zur Fluktuation kommen. Ein Wechsel wird den Weibchen jedoch selten leicht gemacht, da sie beim Etablieren in einer neuen Gruppe immer der Aggressivität des ansässigen Weibchens ausgesetzt sind.

Was die sozialen Beziehungen angeht, so zeigen sich zwischen Bonobos und Schimpansen deutliche Unterschiede. Schimpansen bilden Männerbünde, die meist zu Dominanzhierarchien führen. Um einen entsprechend hohen Rang in der Dominanzhierarchie wird zum Teil heftig konkurriert. Männchen kennen neben einer solchen Dominanzhierarchie aber auch freundschaftliche Wechselbeziehungen. Sie groomen (Lausen, Fellpflege) beispielsweise deutlich häufiger miteinander als Weibchen. Nach einem Konflikt kommt es meist zur Versöhnung. Auch hier beweisen Männchen mehr Sozialkompetenz als Weibchen. Ein weiteres wichtiges soziales Verhalten ist das Bilden von Allianzen. Einige Männchen bilden beispielsweise mit Verbündeten Allianzen gegen andere, die beim Ausfechten von Rangordnungen wichtig sind. Auch unter den Weibchen kann es zu Dominanzbeziehungen kommen, denen es allerdings an einer Rangordnung fehlt. Weibchen sind grundsätzlich den Männchen untergeordnet. Die Bindung unter den Weichen der Bonobos ist deutlich stärker. Ein Verbünden ist bei ihnen an der Tagesordnung. Auch ein groomen unter den Bonobo-Weibchen ist häufiger zu beobachten. Nicht selten reiben sie dabei auch ihre Genitalien aneinander. Weibchen verbünden sich häufiger gegen Männchen, die sich dann unterwürfig verhalten und ihnen an Futterplätzen den Vortritt lassen. Unter den Bonobo-Männchen sind Allianzen unbekannt, groomen ist bei ihnen jedoch auch die Regel. Kommt es zwischen 2 Schimpansenkommunen zu Auseinandersetzungen, so kooperieren die Männchen miteinander. Zu echten Konfrontationen kommt es hingegen nur selten. In der Regel reichen Drohgebärden und Imponiergehabe aus, um einen Streit zu schlichten. Ein unterlegener Trupp zieht dann still und leise weiter. Eher selten kommt es zu regelrechten Verfolgungsjagten. Ist die gegnerische Gruppe stark unterlegen, kann es auch zu heftigen Kämpfen kommen, die durchaus auch tödlich enden können. Tödliche Aggressionen durch männliche Kooperation ist unter Säugetieren sehr selten. Dies ist im Wesentlichen nur von Schimpansen und dem Menschen bekannt. Warum sich Schimpansen ähnlich dem Menschen verhalten ist nicht bekannt. Man vermutet, dass der Wettstreit zwischen Kommunen den siegreichen Männchen Zugang zu mehr Weibchen verschafft, oder aber den Weibchen, die in der Gruppe der siegreichen Männchen den Zugang zu mehr und besserer Nahrung verschafft.

Gorillas und Berggorillas

Gorillas zeigen von allen Großen Menschenaffen die stabilsten Gruppenmuster. Nicht selten weist eine Gruppe über mehrere Jahre eine konstante Zusammensetzung auf. In Untergruppen teilen sich Gorillas nur in den westlichen Regionen des Verbreitungsgebietes auf. Die Gorillaverbände können eine Stärke von bis zu 30, selten auch bis zu 40 Individuen aufweisen. Eine durchschnittliche Gruppe weist eine Stärke von 5 bis 10 Tiere auf.
Jungtier: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
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Jungtier: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
Die Gruppen in den östlichen Regionen sind in der Regel größer als in den westlichen Regionen. Eine Gruppe umfasst ein dominantes Männchen (Silberrücken), mehrere Weibchen sowie deren Nachwuchs unterschiedlichen Alters. Die Weibchen innerhalb einer Gruppe sind meist nicht miteinander verwandt, wenngleich dies vorkommen kann. Die sozialen Bande unter den Weibchen halten sich in Grenzen. Ähnlich den Schimpansen verlassen auch die Weibchen der Gorillas mit Erreichen der Geschlechtsreife meist die Geburtsgruppe und schließen sich anderen Verbänden an. Etwa die Hälfte aller Männchen verlassen mit Erreichen der Geschlechtsreife ihre Gruppe und ziehen meist die nächsten Jahren einzelgängerisch umher oder bilden kleine Junggesellentrupps. Während der Ruhephase versammelt sich die ganze Gruppe um den dominanten Silberrücken. Die Erwachsenen schlafen oder groomen einander, die Jungtiere spielen. Das Groomen ist dabei Ausdruck von Freundschaft untereinander und stärkt die kooperative Partnerschaft. Groomen unter nicht miteinander verwandten Weibchen ist jedoch eher selten zu beobachten. Auch ausgeprägte Rangunterschiede sind zwischen den Weibchen nicht vorhanden. Unter den Gorillas kommt es nicht selten zur Kindstötung (lat. Infantizid). Etwa ein Drittel der Jungtiere, die sterben, werden vom einem Männchen getötet, die nicht ihr Vater sind. Der Grund liegt auf der Hand: Weibchen, die ihr Jungtier verlieren produzieren keine Muttermilch mehr und sind somit eher wieder paarungsbereit. Gorillas weisen neben den Löwen (Panthera leo) oder Bengalische Hanuman-Languren (Semnopithecus entellus) die höchste Infantizidrate auf. Zu Infantiziden kommt es vor allem dann, wenn sich ein Weibchen mit Nahwuchs einer anderen Gruppe anschließt. Dringt ein Männchen in eine bestehende Gruppe ein, so kommt es meist zu einem heftigen Kampf zwischen dem Silberücken und dem Eindringling. Nicht selten endet ein solcher Kampf für den Unterlegenen tödlich.

Orang-Utans

Orang-Utans sind ausgesprochen gemächliche Primaten. Sie bewegen sich nur langsam durch ihren Lebensraum und lassen dabei keine Eile aufkommen. Wahrscheinlich ist ihr Lebensstil eine Anpassung an ihren Lebensraum mit einer geringen Mortalitätsrate und Zeiten mit einem knappen Nahrungsangebot. Weibchen kommen erst im Alter von 10 Jahren in die Pubertät und bringen erst im Alter von etwa 15 Jahren erstmals Nachwuchs zur Welt. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Unter allen Säugetieren, abgesehen vom Menschen, weisen Orang-Utans die längste Kindheit auf.
Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
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Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
Im ersten Lebensjahr wird ein Jungtier von der Mutter getragen und ständig beaufsichtigt. Auch die Säugezeit ist mit 3 oder mehr Jahren ausgesprochen lang. Der Abstand zwischen zwei Geburten beträgt nahezu 8 Jahre. Damit haben Orang-Utans die geringste Reproduktionsrate aller Säugetiere, da ein Weibchen in ihrem Leben maximal 4 Jungtiere zur Welt bringt.

Anders als Schimpansen und Gorillas leben Orang-Utans meist einzelgängerisch. Selten bilden einzelne Weibchen Kleinstgruppen, die meist aus zwei Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Eher selten befindet sich auch ein Männchen in der Gruppe. Männchen leben fast ausschließlich einzelgängerisch und treffen nur während der Paarungszeit auf die Weibchen. Die Reviere einzelner Tiere weisen eine Größe von bis zu 5 Quadratkilometer auf. Nur selten überschneiden sich die Reviere einzelner Individuen. Orang-Utans halten sich überwiegend in den Bäumen auf und betreten den Boden allenfalls um einen Baum zu wechseln. In den Bäumen halten sie sich dort auf, wo sich Früchte, ihre Hauptnahung, befinden. Stehen einzelne Bäume nah genug beieinander, so schwingen sie an Ästen von einem Baum zum anderen. Für die Nacht bauen Orang-Utans sich ein Nest aus Zweigen und Ästen. Dabei gehen sie äußerst geschickt vor. Schon die Jüngsten erlernen den Nestbau von ihren Müttern. Ein Nest kann sich in Höhen von 15 bis 20 Metern befinden. Ein solches Nest ist wie ein Wegwerfartikel, es dient als Nachtlager lediglich für eine Nacht. Regnet es, so sind sie in der Lage sich aus Zweigen und Blättern regelrechte Regenschirme zu bauen, mit denen sie sich vor Nässe schützen. Wasser wird strikt gemieden. Schwimmen können sie nicht. Die Kommunikation untereinander erfolgt durch Tastkommunikation und Lauten. Man hat festgestellt, das Orang-Utans über mehr als zehn verschiedene Töne produzieren können. Vor allem das Brüllen der Männchen ist bereits aus beträchtlicher Entfernung zu hören. Zur Kommunikation zählen auch verschiedene Gesten und Gesichtsausdrücke. Die mehrfach am Tage ertönenden lauten Rufe der Männchen halten untergeordnete Geschlechtsgenossen fern. Treffen dennoch 2 adulte Männchen aufeinander, so kommt es zu aggressivem Imponiergehabe, zu Verfolgungsjagden und in letzter Konsequent am Boden zum Kampf. Subadulte Männchen werden im Revier nur geduldet, solange sie respektvoll Abstand halten.

Werkzeugherstellung

Werkzeugherstellung wurde bis jetzt bei Schimpansen und Orang-Utans nachgewiesen. Andere Primatenarten und Tiere bis hin zu Insekten nutzen Werkzeuge vor Ort, stellen diese jedoch in keinem Fall selbst her. Bekannte Beispiele der Werkzeugherstellung bei Schimpansen ist der Nahrungserwerb mit Stöcken. Beliebte Leckerbissen sind beispielsweise Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera). Da diese Tiere teilweise unterirdisch oder in harten Lehmbauten leben, werden die Baue mit Stöcken aufgebrochen und die angreifenden Individuen mit dünnen Ästen geködert. Danach können sie gefahrlos aufgenommen werden. Stöcke werden auch dazu genutzt, um Löcher im Boden oder in Bäumen zu vergrößern. So kommen Schimpansen beispielsweise an Honig oder ähnliches heran. Nüsse und hartschalige Sämereien werden auf einen flachen Stein gelegt und mit einem Stock oder einem Stein bearbeitet. Man hat festgestellt, dass bestimmte Steine seit Generationen, wenn nicht seit Jahrhunderten genutzt werden. Der bewusste Gebrauch und die Herstellung der Werkzeuge wird dadurch belegt, dass die Tiere die Gegenstände oft über weite Strecken mit sich transportieren, um sich an der Nahrungsquelle damit einen Vorteil zu verschaffen.

Der Gebrauch und die Herstellung von Werkzeugen ist nicht angeboren. Junge Schimpansen benötigen jahrelange Übung, bis sie mit Werkzeugen sachgerecht umgehen können. Jungtiere erlernen durch zuschauen und nachahmen. Der Werkzeuggebrauch unterscheidet sich zwischen einzelnen Populationen zum Teil stark. Man geht davon aus, dass es sich dabei um sozial erlernte Traditionen handelt. Einem sozio-ökologischen Ansatz zufolge müssen für eine erfolgreiche Weitergabe dieses Wissens die (1) ökologische Gelegenheit, die (2) motorischen und (3) mentalen Fähigkeiten, sowie die (4) sozialen Strukturen zur Weitergabe vorhanden sein.

Verbreitung und Lebensraum

Regenwald in Malaysia: Lebensraum der Orang-Utans
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Regenwald in Malaysia: Lebensraum der Orang-Utans

Schimpansen (Pan) sind im westlichen Teil Afrikas und in Zentralafrika weit verbreitet und besiedeln tropischen Regenwälder und deren Ränder. Gorillas weisen das kleinste Verbreitungsgebiet auf. Gorillas (Gorilla gorilla) sind in Zentralafrika in zersplitterten Regionen in Angola, Kamerun, in der Zentralafrikanischen Republik, im Kongo, in Äquatorial-Guinea, in Gabun und in Nigeria anzutreffen. In den meisten Regionen stehen Gorillas unmittelbar vor der Ausrottung. Wie die Schimpansen bewohnen auch Gorillas tropische Regenwälder. Die zweite Art der Gorillas, der Berggorilla (Gorilla beringei), lebt in den Bergregenwäldern von Ruanda, dem Kongo und Uganda bis in Höhen von rund 3.700 Metern über NN. Die Verbreitungsgebiete der beiden Arten der Gorillas überschneiden sich nicht. Ihre Lebensräume sind weit voneinander getrennt. Die einzigen Menschenaffen in Asien leben auf Sumatra und Borneo. Es sind die Orang-Utans (Pongo). Sie bewohnen mit 2 Arten die Regenwälder im Tiefland und in den Bergen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Großen Menschenaffen in Afrika zählt in Abhängigkeit vom Verbreitungsgebiet vor allem der Leopard (Panthera pardus). Jungtiere werden gelegentlich von Felsenpythons (Python sebae) oder Kampfadlern (Polemaetus bellicosus) gerissen. Die überwiegend in Bäumen lebenden Orang Utans haben keine natürlichen Feinde. Im Verbreitungsgebiet vorkommende Tiger (Panthera tigris) erbeuten nur ganz selten einen Orang-Utan. Zu den Plagegeistern gehören verschiedene Menschenläuse (Pediculidae) wie Pediculus schaeffi. An Endoparasiten sind verschiedene Saugwürmer (Trematoda), Fadenwürmer (Nematoda) und ähnliches nachgewiesen.

Ernährung

Menschenaffen ernähren sich vorwiegend vegetarisch. Orang-Utans und Schimpansen fressen gelegentlich auch Fleisch. Gorillas ernähren sich fast ausschließlich von Blättern. Schimpansen jagen aktiv nach anderen Primaten oder anderen Säugetieren. Dabei ist eine gemeinsame Jagd und Teilen der Beute die Regel, was eine mögliche Bedeutung für die Evolution des Jagdverhaltens sein kann. Bei einigen Arten wie beispielsweise den Schimpansen kann der Gebrauch von Werkzeugen beobachtet werden. Die Nahrungssuche erfolgt alleine, paarweise oder mitunter auch in Gruppen.

Schimpansen der Gattung Pan sind am Tage auf Nahrungssuche, meist von morgens bis abends. Die Nahrungssuche erstreckt sich somit über einen Zeitraum von bis zu 13 Stunden am Tag. Etwa die Hälfte dieser Zeit entfällt auf die Nahrungssuche.
Beutetiere der Schimpansen:Roter Stummelaffe (Piliocolobus badius)
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Beutetiere der Schimpansen:
Roter Stummelaffe (Piliocolobus badius)
Die restliche Zeit wird für die Aufnahme der Nahrung aufgewandt. Weit oben auf der Speisekarte stehen Früchte, Blätter, Blüten, Sämereien, Rinde und andere Pflanzenteile. Im Jahresverlauf schwankt das Angebot der Nahrung zum Teil stark. Blätter stehen jedoch das ganze Jahr über auf der Speisekarte, Früchte nur saisonal. Zusätzlich zur pflanzlichen Nahrung stehen Insekten (Insecta), Larven und zahlreiche Wirbeltiere (Vertebrata) auf der Speisekarte. Die tierische Kost kann bei Schimpansen bis zu 5 Prozent ausmachen. Bonobos nehmen im Gegensatz zu den Schimpansen deutlich weniger tierische Nahrung zu sich. Letztere haben es beispielsweise auf andere Primaten (Primates) wie beispielsweise Rote Stummelaffen (Piliocolobus), kleine Antilopen und Schweine sowie andere Kleinsäuger abgesehen. Die Jagd auf größere Beutetiere erfolgt koordiniert in Gruppen, wobei sich an der Jagd überwiegend Männchen beteiligen. Bonobos gehen meist einzeln auf Jagd. Nach einem Jagderfolg kann es unter den Männchen der Schimpansen mitunter zu heftigen Kämpfen um einen Kadaver kommen. In der Regel wird die Beute jedoch gerecht geteilt. An der Beute werden auch Mitglieder einer Gruppe beteiligt, die nicht an der Jagd teilgenommen haben. Vor allem Weibchen im Östrus werden bedacht.

Gorillas fressen zwar überwiegend Früchte, doch geben sie sich auch mit Pflanzenstängeln, Mark und Blättern zufrieden, falls Früchte Mangelware sind. Jungtiere und juvenile Tiere klettern zur Nahrungssuche und -aufnahme auch in Bäume. Erwachsene Männchen bleiben aufgrund ihres hohen Gewichtes ausschließlich am Boden und suchen hier ihre Nahrung. Gorillas fressen ausschließlich vegetarische Kost. Aufgrund des geringen Nährstoffgehaltes der Nahrung müssen sie den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche und -aufnahme verbringen. Bei den Orang-Utans besteht rund 60 Prozent der Nahrung aus reifen und unreifen Früchten, die meist einen hohen Zucker- und Fettgehalt aufweisen. Zusätzlich zu den Früchten werden auch Blätter, Sämereien, Stängel, Gliederfüßer (Arthropoda) und kleinere Wirbeltiere (Vertebrata) verzehrt. Nicht selten fallen den Orang-Utans auch anderen Affen zum Opfer. Sind reife Früchte reichlich vorhanden, so brauchen Orang-Utans kein zusätzliches Trinkwasser. Sind Früchte rar, so trinken sie aus Astlöchern oder ähnlichen Wasseransammlungen. Ist Honig aus Bienenstöcken verfügbar, so wird dieser keineswegs verschmäht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird in Abhängigkeit der Art und des Geschlechtes mit 7 bis 15 Jahren erreicht. Männchen brauchen deutlich mehr Zeit als Weibchen, um die Geschlechtsreife zu erreichen. Die Pubertät bei beiden Geschlechtern beginnt mit dem 4. bis 8. Lebensjahr.
Berggorilla-Weibchen mit Jungtier
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Berggorilla-Weibchen mit Jungtier
Die Weibchen der Orang-Utans sind bis zum 30. Lebensjahr fruchtbar. Nachwuchs bringen die Weibchen der meisten Arten nur alle 3 bis 6 Jahre zur Welt. Das Paarungssystem der Menschenaffen entspricht je nach Art einer Viel-Männchen-Gruppe, in der beide Geschlechter die Partner auch wechseln, oder auch kleinen Haremsgruppen. Ein Männchen des Orang-Utan lebt einzelgängerisch und paart sich mit mehreren Weibchen. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Ein Männchen bemüht sich meist 3 bis 8 Tage um eine potentielle Partnerin. In einer Haremsgruppe der Gorillas ist nur der dominante „Silberücken“ paarungsberechtigt.

Die Weibchen der Gemeinen Schimpansen können sich 12 mal am Tag und Männchen bis zu 50 mal pro Tag paaren. Eine Paarung kann das ganze Jahr über erfolgen. Der Zyklus der Schimpansen-Weibchen beträgt 36 Tage, danach sind sie für 7 bis 17 Tage empfängnisbereit. Der Menstruationszyklus der Gorilla-Weibchen dauert 26 bis 32 Tage an. Vor allem die Weibchen der Schimpansen weisen deutliche Regelschwellungen auf. Die Initiative beim eigentlichen Paarungsakt geht meist vom Männchen aus und geht einher mit Imponiergehabe und Prahlerei. Die Kopulation dauert bei den Schimpansen nur durchschnittlich 7 Sekunden, bei Gorillas bis zu 1,5 Minuten, bei Orang-Utans bis zu 15 Minuten. Es liegen Berichte über das Auftreten von Orgasmen vor. Nach einer Paarung wurde oft beobachtet, dass sich die Geschlechter mit Blättern säubern.

Die Tragezeit erstreckt sich durchschnittlich über 230 bis 270 Tage. Das Weibchen bringt an einer geschützten Stellen meist 1, selten 2 Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht der Jungaffen beträgt rund 1.300 bis 1.900 Gramm. Die Jungtiere klammern sich instinktiv in den ersten Lebensmonaten am Bauch der Mutter fest. Im späteren Verlauf ihrer Jugend reiten sie meist auf dem Rücken. Nur während der Stillzeit sind beim Weibchen die Brüste entwickelt. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt meist zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr. Mit 4 bis 6 Jahren sind die Jungtiere weitestgehend selbständig. Unter den Menschenaffen haben Orang-Utans die längste Kindheit. Die Jungtiere bleiben meist bis zur Geschlechtsreife eng mit der Mutter verbunden. Während dieser Zeit erlernen sie alle nötigen Fähigkeiten, beispielsweise auch den Gebrauch von Werkzeugen. Auch zwischen den Geschwistern herrschen starke soziale Bande vor. Stirbt zum Beispiel das Muttertier, so kümmern sich zum Beispiel bei dem Schimpansen die älteren Geschwister oder die weiblichen Verwandten der Mutter um den noch unselbständigen Nachwuchs. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die weiblichen Tiere die Gruppe, in der sie geboren wurden. Männchen verbleiben in der Geburtsgruppe. Ein Gemeiner Schimpanse kann in freier Wildbahn ein Alter von 40 bis 60 Jahren erreichen, Gorillas erreichen eine Lebenserwartung von 35 bis 50 Jahren. Die Lebenserwartung der Orang-Utans liegt bei über 40 Jahren. In Gefangenschaft werden die Tiere annähernd 60 Jahre alt.

Fortpflanzungsdaten der Männchen

Wissenschaftlicher Name Hodengewicht Gliedlänge, erigiert Ejakulatvolumen Spermiendichte Anzahl Spermien/Ejaklulation
Pan troglodytes 118,8 g 8 cm 1,1 ml 548 Mio./ml 603 Mio.
Pan paniscus 118,8 g 8 cm 1,1 ml 548 Mio./ml 603 Mio.
Gorilla gorilla 29,6 g 3 cm 0,4 ml 65 Mio./ml 65 Mio.
Gorilla beringei 29,6 g 3 cm 0,4 ml 65 Mio./ml 65 Mio.
Pongo pygmaeus 35,3 g 4 cm 1,2 ml 76 Mio./ml 91 Mio.
Pongo abelii 35,3 g 4 cm 1,2 ml 76 Mio./ml 91 Mio.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Verbreitungsgebiet einiger Arten wie dem Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes) ist zwar beträchtlich, jedoch sind die Tiere in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes selten geworden. Die Zukunft der Arten ist ungewisser denn je. Neben der Bejagung haben Schimpansen vor allem unter dem Holzeinschlag zu leiden. Der verfügbare Lebensraum schwindet von Jahr zu Jahr. Die Wälder werden wegen der tropischen Wälder gerodet oder zugunsten von Agrarflächen und Siedlungsraum vernichtet. Gejagt werden die Tiere üblicherweise mit Schlingen, in denen sie sich verfangen. Können sie sich befreien, so verlieren sie nicht selten Füße oder Hände. In der Regel verenden sie so oder so qualvoll. Selbst in geschützten Nationalparks stellt man den Tieren nach. Ein weiteres Problem stellen die Kriege in den Verbreitungsgebieten dar, die den Schutz der Arten behindert oder unmöglich machen.

Berggorilla: Dominanter Silberrücken, Oberhaupt einer Familie
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Berggorilla: Dominanter Silberrücken, Oberhaupt einer Familie
Ähnlich schlecht steht es um die beiden Arten der Gorillas (Gorilla). Die genauen Bestandszahlen sind nicht bekannt. Man geht beim Gorilla (Gorilla gorilla) von kaum 100.000 bis 110.000 Tieren aus. Beim Berggorilla (Gorilla beringei) werden die Populationen auf kaum 10.000 Tiere, die Nominatform Gorilla beringei beringeiauf etwa 600 bis 700 Tiere geschätzt. Die größten Populationen leben im weitflächigen Kongobecken. Die Bedrohungen der Gorillas gehen konform mit denen der Schimpansen. Ausgewachsene Gorillas werden wegen des Fleisches getötet, Jungtiere landen nicht selten im lokalen Haustierhandel. Die Bejagung ist in den Ländern, in denen Gorillas vorkommen zwar gesetzlich verboten, jedoch geht die Bejagung munter weiter. Halbwegs sicher sind die Tiere meist nur noch in mehr oder weniger geschützten Nationalparks. Das Hauptproblem der Nationalparks stellt die fehlende Finanzierung der Schutzprojekte dar. Um der Wilderei Einhalt zu gebieten, ist jedoch ein effektiver Schutz der verbliebenen Populationen unerlässlich. Mittlerweile wird der Tourismus in die Finanzierung miteinbezogen. Ob die eingeleiteten Maßnahmen zum Schutze der Gorillas greifen werden, bleibt abzuwarten. Die halbherzigen Schutzmaßnahmen der Vergangenheit lassen nicht gutes hoffen.

Den asiatische Vertreten der Großen Menschenaffen, den Orang-Utans (Pongo) geht es nicht besser als ihren afrikanischen Verwandten. Auch hier stellt der hohe Jagddruck und die Vernichtung der natürlichen Lebensräume das größte Problem dar. Heute gleicht das Verbreitungsgebiet einem löchrigen Flickenteppich. In weiten Teilen Borneos und Sumatras sind Orang-Utans heute völlig verschwunden. Beide Arten stehen daher kurz vor der Ausrottung. Zu den wenigen Rückzugspunkten gehören heute wenige geschützte Reservate. In den letzten 100 Jahren ist der Bestand der Orang-Utans um 92 Prozent zurückgegangen. Alleine von 1993 bis 2000 halbierte sich der Bestand der in Freiheit lebender Tiere.

Bushmeat

Der Handel mit Wildfleisch (Bushmeat) geschützter Arten stellt vor allem in Zentralafrika ein großes Problem dar. Lokal ist die Bejagung sogar ein größeres Problem als die Abholzung der Wälder. Das Problem sind jedoch nicht nur die Wilderer und die Bauern alleine, sondern die große Nachfrage nach Bushmeat, die bis in größere Städte reicht. Jedes Jahr werden rund 579 Millionen Wildtiere getötet. Dies entspricht etwa 4 Millionen Tonnen. Hinzu kommt, dass die einheimische Bevölkerung weit mehr Fleisch verbraucht als beispielsweise ein Europäer oder Nordamerikaner. Bei den meisten Menschen in Zentralafrika steht Wildfleisch traditionell auf dem Speiseplan - und das meist täglich. Ein weiteres Problem stellt die Explosion der Bevölkerung dar, die den Bedarf an Wildfleisch weiter erhöht. Alleine in den letzten 50 Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt. Weitflächig angelegte Straßen im Dschungel und das Aufkommen moderner Transportmöglichkeiten und Schusswaffen haben die Bejagung und den Transport massiv erleichtert.

Die Fülle an Säugetieren hat es den Wilderern leicht gemacht, an Wildfleisch zu kommen. Man schätzt in den afrikanischen Wäldern das Aufkommen an Fleisch von Säugetieren auf etwa 3 Tonnen pro Quadratkilometer. Im Vergleich dazu bietet der Regenwald im Amazonasbecken kaum die Hälfte an Fleisch. Zudem leben die meisten Säugetiere (rund 80 Prozent) am Boden und sind so leicht zu erlegen. Gefangen werden die Tiere entweder durch das Auslegen von Drahtschlingen oder es kommen moderne Schusswaffen zum Einsatz. Vor allem größere Säugetiere reagieren auf eine übermäßige Bejagung aufgrund ihrer geringen Reproduktionsrate sehr empfindlich. Gerade die großen Säuger stehen im Fokus der Wilderer, da sich die Munitionskosten bei größeren Tieren rasch amortisieren. Aufgrund der heute vorliegenden Informationen und Tendenzen kann darauf geschlossen werden, dass in naher Zukunft vor allem Huftiere und Primaten in den nächsten 2 bis 3 Jahrzehnten ausgerottet sein könnten. Schon heute sind zahlreiche Säugetiere, insbesondere Primaten gefährdet oder gar vom akuten Aussterben bedroht. Dies trifft vor allem auf Arten mit einem regional begrenzten Verbreitungsgebiet zu.

Systematik der Familie Menschenaffen

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Junger Orang-Utan im Frankfurter Zoo
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Junger Orang-Utan im Frankfurter Zoo
Bonobo (Pan paniscus)
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Bonobo (Pan paniscus)
Gorilla (Gorilla gorilla)
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Gorilla (Gorilla gorilla)

Familie: Menschenaffen (Hominidae)

Tribus: Pongini
Gattung: Orang-Utans (Pongo)
Art: Borneo Orang-Utan (Pongo pygmaeus)
Art: Sumatra Orang-Utan (Pongo abelii)
Tribus: Echte Menschen (Hominini)
Gattung: Gorillas (Gorilla)
Art: Westlicher Gorilla (Gorilla gorilla)
Unterart: Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
Unterart: Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli)
Art: Östlicher Gorilla (Gorilla beringei)
Unterart: Östlicher Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri)
Unterart: Berggorilla (Gorilla beringei beringei)
Gattung: Schimpansen (Pan)
Art: Gemeiner Schimpanse (Pan troglodytes)
Art: Zwergschimpanse oder Bonobo (Pan paniscus)
Gattung: Menschen (Homo)
Art: Homo helmei
Art: Homo njarasensis
Art: Homo rhodesiensis
Art: Homo habilis
Art: Homo rudolfensis
Art: Homo erectus
Art: Homo floresiensis
Art: Homo georgicus
Art: Homo ergaster
Art: Homo antecessor
Art: Homo cepranensis
Art: Homo heidelbergensis
Art: Neandertaler (Homo neanderthalensis)
Art: Moderner Mensch (Homo sapiens)

Ausgestorbene Taxa:

Äußere Systematik der Menschenaffen

Echtschimpanse
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Echtschimpanse

Der Stammbaum der Primaten nach Geissmann (2003):

Primaten (Primates)
 ├─ Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
 └─ Trockennasenaffen (Haplorhini)
     ├─ Koboldmakis (Tarsiidae)
     └─ Echte Affen (Anthropoidea oder Simiae)
          ├─ Neuweltaffen (Platyrrhini)
          └─ Altweltaffen (Catarrhini)
              ├─ Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
              └─ Menschenartige (Hominoidea)
                   ├─  Gibbons (Hylobatidae)
                   └─ Menschenaffen (Hominidae)

Anhang

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge