Meerkatzen

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Meerkatzen
Roloway-Meerkatze (Cercopithecus roloway)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Cercopithecini
Gattung: Meerkatzen
Wissenschaftlicher Name
Cercopithecus
Brünnich, 1772

Meerkatzen (Cercopithecus) zählen innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Unterfamilie der Backentaschenaffen (Cercopithecinae).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Meerkatzen erreichen je nach Art eine Körperlänge von 40 bis 70 Zentimeter sowie ein Gewicht von drei bis zwölf Kilogramm. Der sehr lange Schwanz kann eine Länge von 40 bis 100 Zentimeter erreichen. Weibchen bleiben grundsätzlich immer kleiner als Männchen. Das Gewicht der Weibchen erreicht meist nur die Hälfte oder gar nur ein Drittel eines Männchens. Das dichte Fell weist eine variable und durchaus farbenfrohe Färbung auf. Die Färbung und farbliche Zeichnung der Männchen ist zumeist auffälliger und intensiver. Jungtiere sind meist unauffällig gefärbt und ähneln oftmals den Weibchen. Die adulte Ausfärbung stellt sich spätestens mit der Geschlechtsreife ein. Einige Arten der Meerkatzen haben einen charakteristischen Bart an den Wangen. Auch die Kehle und Teile der oberen Brust sind oft markant gefärbt. Die Schnauze ist bei größeren Arten leicht in die Länge gezogen. Die Schnauze und der Bereich um den Nasenrücken und die Augen sind ohne Fell. Die Haut weist an diesen Stellen eine variable, meist aber dunkle Färbung auf.

Lebensweise

Meerkatzen leben in sozialen Gruppen, die meist aus 10 bis 30, selten auch aus bis zu 50 Tieren bestehen. Angeführt wird eine Gruppe von einem dominanten Männchen. In der Gruppe befinden sich zudem mehrere Weibchen sowie deren Jungen. Geschlechtsreife Männchen müssen die Gruppe verlassen und bilden sogenannte Junggesellengruppen. Das dominante Männchen paart sich mit allen Weibchen seiner Gruppe. Meerkatzen sind nur wenig scheu und gelten als ausgesprochen neugierig. Selbst in der Nähe des Menschen wagen sie sich nicht selten auf deren Felder und Plantagen. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen insbesondere Greifvögel, Schlangen und Leoparden.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Meerkatzen erstreckt sich über West- und Zentralafrika. In Bezug auf die Gefährdung der einzelnen Arten lässt sich eine West-Ost-Ausrichtung erkennen. In der Regel sind die Arten in Westafrika und den westlichen Zentralafrika deutlich stärker gefährdet. Das Verbreitungsgebiet reicht im Westen von Guinea bis nach Ostafrika, hier reicht das Verbreitungsgebiet im Norden bis in den südlichen Sudan und im Süden bis nach Tansania, streckenweise auch bis ins nördliche Südafrika.

Dianameerkatze (Cercopithecus diana)
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Dianameerkatze (Cercopithecus diana)

Meerkatzen bewohnen eine Vielzahl an unterschiedlichen Lebensräumen. Sie bewohnen tropische Regenwälder, Sümpfe, Sekundär- und Galeriewälder, die Ränder von Wäldern und teilweise auch halboffene Steppen und Buschland. Meerkatzen leben sowohl in den Baumkronen der Bäume als auch auf dem Erdboden. Im Geäst der Bäume dient der sehr lange Schwanz als Steuer- und Balancierorgan. Eine Wasserquelle ist jedoch stets in der Nähe. Dies können Teiche, Seen oder Flüsse sein.

Ernährung

Primär ernähren sich Meerkatzen von reifen Früchten. Ihr Speiseplan wird durch junge Triebe, Blätter und Blüten sowie durch Insekten und kleinere Wirbeltiere ergänzt. Auf Nahrungssuche gehen sie meist in kleinen Gruppen in den frühen Morgen- und Abendstunden. Ihre Backentaschen dienen ihnen dabei als Nahrungsspeicher.

Fortpflanzung

Meerkatzen erreichen die Geschlechtsreife je nach Art mit drei bis sechs Jahren, wobei Männchen meist ein Jahr länger brauchen, um die Geschlechtsreife zu erreichen. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr, jedoch kommt es in den Monaten November bis Februar vermehrt zu Geburten. Meerkatzen leben in der Regel in Gruppen. Das Männchen, der Anführer einer Gruppe, paart sich mit allen Weibchen der Gruppe. Meerkatzen leben somit polygam. Die Abstände zwischen den Geburten liegen zwischen einem und drei Jahren. Bei einigen Arten schwillt die Vulva bei den Weibchen deutlich an und signalisiert die Paarungsbereitschaft. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 150 bis 185 Tagen bringt ein Weibchen in der Regel ein Jungtier, selten Zwillinge zur Welt. Ein Jungtier weist ein Gewicht von 300 bis 500 Gramm auf. Es ist in den ersten Wochen stark von der Mutter abhängig und wird von ihr zunächst am Bauch, später auf dem Rücken getragen. Das Muttertier trägt insgesamt die Hauptverantwortung bei der Aufzucht des Nachwuchses. Die Färbung des kurzen und samtigen Felles der Jungtiere kann je nach Art stark variieren, das nackte Gesicht ist meist fleischfarben gefärbt und dunkelt mit der Zeit ab. Die Entwöhnung beginnt zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat. Junge Weibchen verbleiben meist in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Männchen verlassen die Gruppe mit Erreichen der Geschlechtsreife und schließen sich Junggesellengruppen an. Meerkatzen können ein Alter von 18 bis 30 Jahren erreichen.

Systematische Einordnung

Die Familie der Meerkatzenverwandten teilt sich in zwei Unterfamilien. Unterteilt wird in die Unterfamilie der Backentaschenaffen, die wiederrum in den Tribus der Pavianartigen und Cercopithecini eingeteilt wird. Die Zweite Unterfamilie stellen die Schlank- und Stummelaffen dar, die in den Tribus Stummelaffen und Schlankaffen unterteilt sind. Die Meerkatzen wurden dem Tribus Cercopithecini zugeordnet.

Rotschwanzmeerkatze (Cercopithecus ascanius)
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Rotschwanzmeerkatze (Cercopithecus ascanius)

Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)

Tribus: Cercopithecini
Gattung: Meerkatzen (Cercopithecus)
Gattung: Grüne Meerkatzen (Chlorocebus)
Gattung: Husarenaffen (Erythrocebus)
Gattung: Sumpfmeerkatzen (Allenopithecus)
Gattung: Zwergmeerkatzen (Miopithecus)
Tribus: Pavianartige (Papionini)
Gattung: Makaken (Macaca)
Gattung: Paviane (Papio)
Gattung: Backenfurchenpaviane (Mandrillus)
Gattung: Dscheladas (Theropithecus)
Gattung: Weißlid-Mangaben (Cercocebus)
Gattung: Schwarzmangaben (Lophocebus)

Arten, IUCN-Status, Herkunft

Die Systematik der Meerkatzen unterliegt einer andauernden Revision. Einige Arten haben erst seit kurzem einen Artstatus, sie wurde bislang als Unterart einer anderen Art geführt. Aus den ursprünglich 19 Arten sind heute bereits 25 Arten geworden. Nachstehend eine aktuelle Übersicht der heutigen Arten innerhalb der Gattung der Meerkatzen (Cercopithecus). Die Gefährdung und der dazugehörige Gefährdungsgrad der einzelnen Arten kann aus der Tabelle entnommen werden.

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Weißkehlmeerkatze Cercopithecus albogularis
C. mitis albogularis
Sykes, 1821 LR Tansania
Rotschwanzmeerkatze Cercopithecus ascanius Audebert, 1799 LR östl. und westliches Zentralafrika
Campbellmeerkatze Cercopithecus campbelli Waterhouse, 1838 LR südliches Westafrika
Blaumaulmeerkatze Cercopithecus cephus Linnaeus, 1758 VU östliches Zentralafrika
Dent-Meerkatze Cercopithecus denti Thomas, 1907 n/a Kongo
Dianameerkatze Cercopithecus diana Linnaeus, 1758 EN südliches Westafrika
Silbermeerkatze Cercopithecus doggetti Pocock, 1907 VU Kongo, Uganda, Ruanda
Dryasmeerkatze Cercopithecus dryas Schwarz, 1932 DD Kongo
Rotbauchmeerkatze Cercopithecus erythrogaster Gray, 1866 EN Benin, Nigeria
Rotohrmeerkatze Cercopithecus erythrotis Waterhouse, 1838 VU Kamerun bis Nigeria
Eulenkopfmeerkatze Cercopithecus hamlyni Pocock, 1907 LR Kongo, Ruanda, Uganda
Goldmeerkatze Cercopithecus kandti Matschie, 1905 EN Kongo, Ruanda, Uganda
Vollbartmeerkatze Cercopithecus lhoesti Sclater, 1899 LR Kongo, Ruanda, Uganda, Burundi Cercopithecus lomamiensis
Cercopithecus lomamiensis Cercopithecus lomamiensis Hart et al., 2012 n/a Demokratische Republik Kongo
Lowe-Meerkatze Cercopithecus lowei Thomas, 1923 n/a Elfenbeinküste, Ghana
Diademmeerkatze Cercopithecus mitis Wolf, 1822 LR Zentralafrika
Monameerkatze Cercopithecus mona Schreber, 1775 LR West- und Zentralafrika
Brazzameerkatze Cercopithecus neglectus Schlegel, 1876 LR Zentralafrika
Große Weißnasenmeerkatze Cercopithecus nictitans Linnaeus, 1766 LR West- und Zentralafrika
Kleine Weißnasenmeerkatze Cercopithecus petaurista Schreber, 1774 LR Westafrika
Kronenmeerkatze Cercopithecus pogonias Bennett, 1833 LR Zentralafrika
Preuss-Meerkatze Cercopithecus preussi Matschie, 1898 EN Kamerun bis Nigeria
Roloway-Meerkatze Cercopithecus roloway Schreber, 1774 CR Elfenbeinküste, Ghana
Nigeria-Blaumaulmeerkatze Cercopithecus sclateri Pocock, 1904 EN Nigeria
Gabun-Meerkatze Cercopithecus solatus Harrison, 1988 VU Gabun
Wolf-Meerkatze Cercopithecus wolfi Meyer, 1891 n/a Zentralafrika

Anhang

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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