Maulwürfe

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Maulwürfe
Pyrenäen-Desman (Galemys pyrenaicus)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Maulwürfe
Wissenschaftlicher Name
Talpidae
Waldheim, 1817

Maulwürfe (Talpidae) gehören innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Spitzmausartigen (Soricomorpha). Man rechnet 40 bis 42 rezente Arten in 17 Gattungen und 3 Unterfamilien zu den Maulwürfen.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Entwicklung

Fossile Funde belegen, dass die stammesgeschichtliche Herkunft der Maulwürfe in Europa liegt. Die ältesten Fossilien stammen aus dem Eozän und weisen somit ein Alter von rund 45 Millionen Jahren auf. Neuere Analysen lassen den Schluss zu, dass die Vorfahren des Sternmulls (Condylura cristata), des Amerikanischen Spitzmulls (Neurotrichus gibbsii) und des Haarschwanzmaulwurf (Parascalops breweri) getrennt vom gemeinsamen Urahnen von Scalopus und den Westamerikanischen Maulwürfen (Scapanus) nach Nordamerika abwanderten.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Maulwürfe zeichnen sich durch einen länglichen und zylindrisch geformten Körper aus. Der Kopf endet zur Schnauze hin kegelförmig. Die kleinsten Arten sind bei den Spitzmaus-Maulwürfen zu finden. Sie erreichen eine Körperlänge von 2,5 bis 7,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,4 bis 7,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 10 bis 12 Gramm. Deutlich größer und schwerer wird der Bisamrüssler (Desmana moschata). Er erreicht eine Körperlänge von 18 bis 21 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 17 bis 21,5 Zentimeter und ein Gewicht von 450 bis 550 Gramm. Das Fell der Echten Maulwürfe ist dicht und kurz. Es weist meist eine bräunliche, schwarzbraune, schwarze oder gräuliche Färbung auf. Bei den Desmanen besteht das Fell aus zwei Schichten: einer dichten Unterwolle und oben aufliegenden gröberen Leithaare, die eine leicht fettige Konsistenz aufweisen. Die Unterwolle ist wasserabweisend. Das Fell der Desmane ist dorsal bräunlich bis rötlichbraun, ventral deutlich heller, meist gräulich gefärbt.

Seitlich der Schnauze verfügen Maulwürfe über Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Sie dienen auch in absoluter Dunkelheit der Orientierung. Die Schnauzenspitze ist üblicherweise unbehaart. Eine Anpassung an die unterirdische Lebensweise stellt der nach hinten gerichtete Penis dar. Ein außen liegendes Skrotum fehlt den Tieren völlig. Die Augen sind sehr klein und liegen meist im Fell verborgen. Ein rudimentärer Charakter ist jedoch nicht anzunehmen, da die Augen trotz ihrer geringen Größe voll funktionsfähig sind. Nur beim Blindmaulwurf (Talpa caeca) liegen die Augen unter der Haut und haben daher nur eine sehr eingeschränkte Funktionsfähigkeit. Die Augen reagieren beim Blindmaulwurf nur auf Helligkeitsunterschiede. Äußere Ohrmuscheln sind nur bei den Spitzmaus-Maulwürfen (Uropsilinae) vorhanden. Mäulwürfe und auch Desmane orientieren sich fast ausschließlich über den Tastsinn. Im Bereich der Schnauze verfügen Maulwürfe über zahlreiche Tastkörper. Diese werden auch als Eimersche Tastkörperchen bezeichnet. Über dieses Organ werden neben den Tastreizen auch elektrische Reize wahrgenommen. Elektrische Reize entstehen durch die Muskelbewegungen von Beutetieren. Diese schwach elektrischen Felder können vom Maulwurf registriert und ausgewertet werden. Bei einigen Arten wie den Desmanen befinden sich Tasthaare auch am Schwanz und an den Beinen.

Europäischer Maulwurf (Talpa europaea)}}
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Europäischer Maulwurf (Talpa europaea)}}
Desmane sind völlig an das Leben im Wasser abgepasst. Der Schwanz ist lateral abgeflacht und dient beim Schwimmen als Ruder. Die Beine der Desmane sind deutlich länger als bei den Echten Maulwürfen. Sie sind zudem kräftiger ausgebildet und enden in größeren Pfoten. Zwischen den Zehen zeigen sich kleine Schwimmhäute, die der Schwimmfähigkeit dienen. Während eines Tauchvorganges sind sowohl die Nasenlöcher als auch die Ohren durch Klappen verschlossen. Der Hauptantrieb geht von den kräftigen Hinterbeinen aus. Bei den Echten Maulwürfen sind die Extremitäten an die Grabtätigkeit angepasst. Die rundlichen Pfoten enden jeweils in fünf Zehen.

Lebensweise

Über die Lebensweise der Desmane ist nur wenig bekannt. Die überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere halten sich am Tage in wassernahen Höhlen, in Felsspalten oder an ähnlich geschützten Stellen auf. Gelegentlich leben sie auch in den verlassenen Bauten von Wasserratten oder ähnlichen Tieren. Eigene Baue werden nicht angelegt. Desmane leben einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs bestehen. Sie sind territorial und markieren ihr festes Revier mit einem Drüsensekret. Der Bisamrüssler (Desmana moschata), der auch Russischer Desman genannt wird, lebt aufgrund variierender Wasserstände eher nomadisch. Die meisten Echten Maulwürfe leben als territoriale Einzelgänger. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Sternmull. Die Geschlechter leben den Winter über in gemeinsamen Bauten. Die Gründe für diese Anomalie liegen weitestgehend im Dunkeln. Die Populationsdichte schwankt je nach Art. Jedoch liegen die Durchschnittwerte bei den meisten Arten zwischen 20 und 30 Tieren pro Hektar. Die Reviergrößen variieren je nach Art, aber auch je nach Geschlecht, Jahreszeit, und Lebensraum. Die Reviere von Männchen und Weibchen überschneiden sich in der Regel. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern liegen auf der Hand: Männchen haben aufgrund ihrer Größe einen deutlich höheren Energiebedarf als Weibchen. Im Frühjahr erweitern männliche Maulwürfe ihr Revier auf der Suche nach einem Weibchen.

Maulwürfe verbringen fast ihr gesamtes Leben unter der Erde. Sie sind daher bestens an ein unterirdisches Leben in völliger Dunkelheit angepasst. Unentwegt sind Maulwürfe in ihrem Revier auf Nahrungssuche und bauen ihr Gangsystem aus. Ein durchschnittliches Gangsystem kann durchaus eine Länge von mehreren Hundert Metern aufweisen. Die Gangsysteme werden sowohl zum Wohnen, für die Nahrungssuche als auch zur Paarung und zur Aufzucht der Jungen genutzt. Zum Koten und Urinieren legen Maulwürfe bestimmte Plätze im Gangsystem an. Die Wohnkessel sind rundliche Gebilde, die mit weichem Material ausgepolstert werden.

Die einzelnen Gänge befinden sich in unterschiedlichen Entfernungen zur Oberfläche. Je nach Jahreszeit nutzen Maulwürfe unterschiedliche Tiefen des Gangsystems. Im Winter oder zur Trockenzeit ziehen sich die Tiere in tiefere Schichten zurück. Im Sommer graben Maulwürfe hauptsächlich knapp unter der Erdoberfläche. Hier kommt er gelegentlich auch an die Erdoberfläche um Erde auszuwerfen oder nach Nahrung zu suchen. Die Reviere werden mit einem Sekret aus Geruchsdrüsen markiert. Diesen Duftstoff können andere Maulwürfe bereits über große Entfernungen wahrnehmen. Dieser Geruch bildet eine unsichtbare Barriere, die von den Tieren nur selten durchbrochen wird. Andererseits dient dieser Geruch einem Männchen aber auch zum Auffinden eines Weibchens. Die Duftmarken sind stark flüchtig und müssen daher oft erneuert werden.

Verbreitung

Maulwürfe sind in Nordamerika, Europa und in Teilen Asiens weit verbreitet. Man bekommt die Tiere so gut wie nie zu Gesicht. Das liegt daran, dass Maulwürfe fast ausschließlich unter der Erde leben. Beliebte Lebensräume sind lichte Wälder, Gras- und Heidelandschaften. Eine Ausnahme bilden die Desmane (Desmaninae), die nicht unter der Erde leben, sondern aquatisch in Seen, Flüssen und ähnlichen Gewässertypen. Ebenfalls abweichend von den Eigentlichen Maulwürfen (Talpinae) verhalten sich Spitzmaus-Maulwürfe (Uropsilinae): sie leben zwar unter der Erde, gehen auch oberirdisch im Laubstreu auf Nahrungssuche.

Prädatoren

Zwar kommen Maulwürfe nur selten an die Erdoberfläche, jedoch sind sie hier aufgrund ihrer relativen Trägheit besonders gefährdet. Je nach Art gehören vor allem Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) zu den natürlichen Fleischfressern, insbesondere Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Virginia-Uhus (Bubo virginianus), Schleiereulen (Tyto alba), Kornweihen (Circus cyaneus), Waldohreulen (Asio otus) oder auch der Sägekauz (Aegolius acadicus).

Unter den Säugetieren stellen Skunks (Mephitidae), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Virginia-Opossums (Didelphis virginiana), Fichtenmarder (Martes americana), Kojoten (Canis latrans) und Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor) den Maulwürfen nach. Aber auch Hauskatze (Felis catus) und Haushunde sowie lokal auch Schlangen (Serpentes) wie der Nordamerikanische Kupferkopf (Agkistrodon contortrix) erbeuten hin und wieder einen Maulwurf.

Ernährung

beliebter Snack: Tauwurm (Lumbricus terrestris)
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beliebter Snack: Tauwurm (Lumbricus terrestris)

Je nach Lebensraum ernähren sich Maulwürfe höchst unterschiedlich. Desmane leben im Wasser und gehen hier auch auf Nahrungssuche. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören unter anderem die Larven von Insekten (Insecta), Süßwassergarnelen (Atyidae), Ringelwürmer (Annelida), Schnecken (Gastropoda), kleinere Fische (Osteichthyes) und Lurche (Amphibia) sowie deren Larven. Echte Maulwürfe ernähren sich von Regenwürmern (Lumbricidae), anderen Würmern, die Larven von Käfern (Coleoptera) und Fliegen (Brachycera) sowie Nacktschnecken (Gastropoda) und andere Gliederfüßer (Arthropoda). Maulwürfe graben Tunnels und fressen das Kleingetier, das dort hineinfällt. Dabei erbeutet ein Maulwurf rund 90 Prozent seiner Nahrung direkt in den Tunneln, wobei es sich um neu gegrabene und um alte Tunnels handeln kann.

Fortpflanzung

Maulwürfe erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Die Paarungszeit beginnt bei allen Arten im zeitigen Frühjahr, in der Regel bereits im März oder im April. In einer Saison kommt es nur zu einem, sehr selten auch zu 2 Würfen. Maulwürfe sind von Hause aus territorial. Aber während der Paarungszeit sind insbesondere die Männchen besonders territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Konkurrenten. Zu dieser Zeit ist auch die Größe des Reviers deutlich umfangreicher. Auf der Suche nach einem Weibchen wird das Gangsystem weitflächig ausgebaut. Die Aktivität der Weibchen ändert sich während der Paarungszeit kaum. Sie warten in ihrem Bau geduldig auf ein Männchen. Bei einigen Arten lassen sich die Geschlechter nicht oder nur schwer auseinander halten, da es an äußeren Geschlechtsmerkmalen fehlt. Dies wird insbesondere dadurch verstärkt, dass die Hoden nicht in ein externes Skrotum absteigen. Die Weibchen vieler Arten besitzen im Gegensatz zu anderen Säugetierweibchen Ovotestes (Sonderform der Zwitterbildung). Diese enthalten eine morphologisch normale Eierstockkomponente, die sich während des Frühjahrs entwickelt und Eizellen produziert, jedoch aber auch einen Hodenbereich, der im Herbst wächst und große Mengen Testosteron produziert. Ob diese physiologische Besonderheit nur eine Laune der Natur ist, oder irgendwelche Vorteile bietet, ist unbekannt.

Die eigentliche Paarung wird unter der Erde im Bau vollzogen. Die Tragezeit der Weibchen erstreckt sich je nach Art über einen Zeitraum von 28 bis 42 Tagen. Ein Wurf umfasst zwischen 2 bis 5, selten bis 7 Jungtiere. Die Geburt erfolgt in der Wohnhöhle des Weibchens. Der Nachwuchs ist mit der Geburt noch nackt und blind. Zu Beginn der dritten Lebenswoche beginnt den Jungtieren das Fell zu wachsen. Kurz danach öffnen sie auch ihre Augen. Aufgrund der nahrhaften Muttermilch wachsen die Jungtiere sehr schnell heran. Die Laktation ist recht kurz, mit 4 bis 5 Wochen werden die Jungtiere abgesetzt und sind kurze Zeit später selbständig und verlassen das Revier der Mutter. Bereits im Frühjahr nach der Geburt können sich die Europäischen Maulwürfe selbst fortpflanzen. Die Lebenserwartung liegt bei 4 bis 5 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten Maulwurfarten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Nur wenige gehören zu den bedrohten oder gar stark bedrohten Arten. Der Bisamrüssler (Desmana moschata), Euroscaptor mizura und der Pyrenäen-Desman (Galemys pyrenaicus) werden in der Roten Liste der IUCN als bedroht (VU, vulnerable) geführt. Deutlich schlechter steht es um Mogera etigo, Mogera tokudae, den Senkaku-Maulwurf (Nesoscaptor uchidai), den Yünnan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus investigator) und den Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes): diese Arten gelten als stark gefährdet (EN, Endangered).

Kurz vor der Ausrottung stehen Euroscaptor parvidens und der Persische Maulwurf (Talpa streeti). Beide Arten sind kritisch gefährdet (CR, Critically endangered). Die Gründe sind bei allen bedrohten Arten ähnlich gelagert: zum einen wird der natürliche Lebensraum vernichtet, zum anderen stellt man den Tieren nach und tötet sie. Der Bisamrüssler (Desmana moschata) wird zudem wegen seines Felles stark bejagt. Maulwürfe gelten in der Landwirtschaft als Schädlinge, da sie gelegentlich die Wurzeln junger Pflanzen beschädigen und diese dann eingehen. In der Regel stellt man den Maulwürfen mit Giftködern nach. Als Gift wird oftmals Strychnin eingesetzt. Diese Tiere verenden daran qualvoll. Zudem stellt dieses Gift auch für andere Tierarten eine Gefährdung dar.

Systematik der Maulwürfe

Bisamrüssler (Desmana moschata)
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Bisamrüssler (Desmana moschata)
Sternmull (Condylura cristata)
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Sternmull (Condylura cristata)

Anhang

Literatur und Quellen

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