Mauersegler

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Mauersegler
Flugstudie

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Segler (Apodidae)
Unterfamilie: Echte Segler (Apodinae)
Gattung: Schwalbensegler (Apus)
Art: Mauersegler
Wissenschaftlicher Name
Apus apus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Mauersegler (Apus apus) zählt innerhalb der Familie der Segler (Apodidae) zur Gattung der Schwalbensegler (Apus).

Der Mauersegler sieht der Familie der Schwalben (Hirundinidae) sehr ähnlich, ist aber mit dieser nicht verwandt und unterscheidet sich im Körperbau und Lebensweise von den Schwalben erheblich. Er wird leicht mit dem Fahlsegler (Apus pallidus), dem Alpensegler (Tachymarptis melba) und mit der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) verwechselt. Im Jahre 2003 wurde der Mauersegler vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Vogel des Jahres erklärt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Kein anderer Vogel ist mehr an das Leben in der Luft angepasst als der Mauersegler. Er gehört zu den schnellsten Vögeln der Welt. Nur wenn der Mauersegler balzt, kann er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometer pro Stunde erreichen. Dagegen sind die Nahrungsflüge viel langsamer. Der Mauersegler gleitet dabei effizienter und gewandter. Der Mauersegler trinkt und schläft sogar im Flug, was unter Vögeln sehr außergewöhnlich ist. Sein schlanker, spitzer Körper und die langen, steifen, sichelförmigen Flügel sind für einen lang anhaltenden Flug aerodynamisch optimal.

Der Mauersegler erreicht eine Körperlänge von etwa sechzehn bis siebzehn Zentimeter, eine Flügelspannweite von 42 bis 48 Zentimeter. Das Körpergewicht eines gesunden, flugfähigen Altvogels beträgt ca 40 Gramm. Das Männchen und das Weibchen unterscheiden sich äußerlich nicht. Der Mauersegler weist einen schwarzen Körper auf, besonders gegen den Himmel wirkt die Färbung dann einheitlich schwarz. Die Kehle ist auffällig weiß gefärbt, im Fluge ist das Weiß der Kehle aber meist nicht sichtbar. Der Kopf ist kurz und der Schnabel ist kaum zu erkennen, während der Schnabelspalt sehr groß erscheint. Die Flügel sind sichelförmig gebogen und spitz. Bei den Jungvögeln sind deutlich dünne weiße Federsäume zu sehen und neben der Kehle ist auch die Stirn weißlich. Der Schwanz ist tief gegabelt und kurz. Die Füße sind winzig, alle vier Zehen sind nach vorne gerichtet. Das reicht aus, um sich an rauen Oberflächen anzuhängen, erlaubt dem Mauersegler aber nicht, sich auf Leitungsdrähten oder Zweigen zu setzen. Daher sieht man ihn so gut wie nie irgendwo ruhen. Der Mauersegler taucht in die Höhlung, in der sich das Nest befindet, ohne wahrnehmbare Unterbrechung ein.

Wie schon anfangs im Artikel erwähnt, zählt der Mauersegler zu den schnellsten Vögeln der Welt. Allerdings ist der Flug oft langsam und geradlinig in langen Gleitstrecken zwischen raschen ausholenden Flügelschlägen. Die Flügel sind dabei extrem steif. Der Mauersegler ist ein geselliger Vogel und man sieht ihn in der Brutzeit in dichten Gruppen mit hohem Tempo, besonders in der Abenddämmerung fliegen. Die Fluggruppen, die am dunklen Himmel wie sichelförmige Flecken aussehen, schießen mit zitternden Flügelschlägen schnell durch die Luft und kommen dann wiederum bei warmen Luftströmungen mit einer einzigen Flügelbewegung aus. Auf Nahrungssuche fliegt der Mauersegler viel langsamer als man meinen möchte. Dagegen erreichen lärmende, sich jagende Gruppen oder balzende Mauersegler eine hohe Geschwindigkeit. Während des Fluges stoßen die Fluggruppen laute und schrille Schreie aus. Es scheint, dass dieses Verhalten für die Sozialbindung der Vögel in einer Kolonie große Bedeutung hat. Der Mauersegler kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von bis zu zehn Jahren erreichen.

Mauersegler - Flugstudie
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Mauersegler - Flugstudie

Verbreitung

Im Sommer ist der Mauersegler in Europa weit verbreitet mit Ausnahme von Island. Der Mauersegler ist ein Langstreckenzieher. Er kommt spät im Frühjahr an und zieht bereits im Spätsommer wieder nach Afrika ab. Die Nahrungsflüge finden über jeder Art von offenem Land, auch Dörfern, Städten und Großstädten statt. Der Mauersegler ist mit seinen Nistplätzen extrem von Gebäuden abhängig geworden, nur noch wenige brüten in Felshöhlungen oder in Baumhöhlen. Doch sind moderne Bauten wie zum Beispiel Neubauviertel für den Mauersegler meist nutzlos. So konzentriert er sich auf alte Gebäude und Strukturen, wie etwa Kirchtürme oder Ruinen.

Ernährung

Der Mauersegler ernährt sich vorwiegend von Geflügelten Insekten, die er in einer Höhe von etwa 1.000 Metern oft in Schwalbengesellschaft jagt und mit dem Schnabel im Fluge fängt. Nebenbei nimmt der Mauersegler auch Spinnen zu sich.

Fortpflanzung

Mauersegler - Flugstudie
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Mauersegler - Flugstudie

Der Mauersegler ist etwa mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Die Brutsaison beginnt in den Monaten von Mai bis Juni. Während dieser Zeit kommt es nur zu einer Jahresbrut. Der Mauersegler nistet tief in Höhlungen, meist in älteren Gebäuden, die tiefe Risse aufweisen, unter Dächern oder in alten Schornsteinen, selten aber in Felswänden oder Bäumen. Das Nest wird von dem Männchen und von dem Weibchen errichtet. Es ist eine flache Konstruktion aus Federn, Stroh, Grashalmen, Papierfetzen, das schüsselförmig oder napfförmig mit Speichel gemauert wird. In dieser Zeit sind bei beiden Geschlechtern die Speicheldrüsen besonders stark vergrößert. Das Weibchen legt zwei oder drei Eier. Das Gelege wird von beiden Partnern abwechselnd gewärmt. Nach einer Brutdauer von etwa 20 bis 27 Tagen schlüpfen die Jungvögel und sind je nach Wetterlage nach mindestens 40 Tagen flügge. Während dieser Zeit werden die Jungvögel von beiden Altvögeln ausreichend mit Nahrung in Form von Insekten versorgt.

Ausführliche Beobachtungen haben gezeigt, daß 40 Mahlzeiten am Tag zu den Jungvögeln gebracht wurden. Die Jungvögel ähneln sehr den Altvögeln. Sie sind aber an den feinen weißen Federsäumen und der hellen blassen Stirn gut zu unterscheiden. Wenn die Jungvögel einmal das Nest verlassen haben, dann kommen sie innerhalb der nächsten drei Jahre kaum zum Sitzen. Kurz nach Verlassen des Nestes ziehen die Jungvögel in die zentral gelegenen afrikanischen Winterquartiere. Dabei legen sie Hunderte von Kilometern auf ihrem ersten Langstreckenflug zurück und sind innerhalb von etwa 48 Stunden in den Winterquartieren. Die Lebenserwartung eines Mauerseglers kann in der Natur zehn Jahre betragen. Es gibt Aufzeichnungen darüber, dass einzelne Mauersegler sogar ein Alter von etwa 21 Jahren erreichten.

Der Mauersegler ist in seinem Bestand noch nicht gefährdet. Er wird auch in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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