Marpissa radiata

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Marpissa radiata
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Marpissa
Art: Marpissa radiata
Wissenschaftlicher Name
Marpissa radiata
(Grube, 1859)

Die Spinnenart Marpissa radiata zählt innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Marpissa. Weitere geläufige Synonyme sind: Marpissa pratensis, Marpissa prompta, Marpissa strigipes.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese Art erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 7 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 8 bis 10 Millimeter, etwa die gleiche Größe wie die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa). Die Geschlechter ähneln sich in Farbe und Form, abgesehen von dem Größenunterschied. Die Grundfärbung ist braun bis hellbraun. Der Vorderkörper ist deutlich länger als breit, mit parallelen Seitenrändern und oberseits relativ flach. Der Rückenschild ist dunkelbraun und dicht mit hellen Härchen besetzt. Die Zeichnung ist deutlich farbiger, speziell auf dem Hinterkörper. Hier ist in der Mitte ein gelblicher Längsstreifen entwickelt, der seitlich von zwei rötlichen, leicht gewellten Längsstreifen und oft zusätzlich von schwarzen Streifen flankiert wird. Die Beine sind einheitlich hell gefärbt. Das erste Beinpaar ist deutlich länger und kräftiger als die übrigen Beine. Das Männchen ist insgesamt wesentlich dunkler gefärbt und zeigt auf dem Hinterkörper dunkle Längsstreifen. Die reifen Tiere findet man vom Herbst bis zum Sommer. <2>

Lebensweise

Die Art baut im Sommer einen sehr auffälligen Schlupfwinkel in zusammengezogenen, vorjährigen Schilfrispen. Dort erfolgt auch die Eiablage. Diese Einester sind vielfach schon aus größerer Entfernung erkennbar, so dass sich die Spinne an ihren Vorkommensorten ziemlich einfach finden läßt. Wie die Rindenspringspinne (Marpissa muscosa) überwintert auch diese Art im ausgewachsenen Zustand. Als Winterquartier sucht sie vorzugsweise Rohrkolbenbestände, wie zum Beispiel Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), auf und verbirgt sich zwischen den Blattscheiden dieser Pflanzen.

Verbreitung

Marpissa radiata lebt am Ufer von Gewässern und auf Feuchtwiesen mit Schilfbeständen. Die Spinne ist in Mitteleuropa weit verbreitet, aber sie ist nur gebietsweise häufiger, vor allem im Nordosten, anzutreffen. Folgende Länder zählen dazu: Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Estonia, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Italien, Kasachstan, Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Serbien und Montenegro, Slowakei, Schweden, Schweiz, Serbien, Kroatien, Kamtschatka sowie Sibirien. Bei uns in Deutschland ist die Spinne in Bayern, Murnau sowie in Rheinland-Pfalz, Krs. Mainz-Bingen, Hahnheimer Bruch, in Ostsachsen, Bonn, Hamburg, in der südlichen Mark, Müggelsee, Oberlausitz sowie an der Niederspree in Sumpfwiesen an Weihern oder in Binsengespinsten zu finden. Nach der Roten Liste in Deutschland ist Marpissa radiata gefährdet. <3>

Ernährung

Wie alle Springspinnen ernährt sich auch diese Spinnenart von Insekten (Insecta). Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielt der Sehsinn eine außerordentliche Rolle. Die Spinne kann die Beute von weitem schon anvisieren und springt gezielt mehrere Zentimeter weit, um sie zu fangen. Überwiegend werden dabei Fliegen (Brachycera) erbeutet.

Fortpflanzung

Zur Paarungszeit, vor allem im Mai, führt das Männchen vor der Partnerin einen Balztanz auf. Das Männchen folgt dann dem Weibchen in seinen Schlufwinkel und vollzieht dort die Paarung. Im Sommer stellt das Weibchen das Wohngespinst gern in zusammengezogenen, vorjährigen Schilfrispen her. Dort erfolgt auch die Eiablage. Diese Art baut drei bis fünf flache Eikokons, die im Einest übereinander geschichtet liegen. Jeder Kokon enthält 20 bis 40 Eier, die von je einer Basal- und Deckplatte umschlossen werden. Der Innenraum des Kokons wird durch eine horizontale Zwischenwand (=Deckplatte) in eine Eikammer und eine Brutkammer (Häutungskammer) geteilt. Etwa eine Woche nach dem Schlüpfen verlassen die Jungspinnen die Eikammer und klettern in die darunterliegende Häutungskammer, wo sie zwei bis drei Wochen lang bleiben. Wenige Tage nach der Häutung schneiden sie ein rundes Loch in die Kokonwand, durch das sie nacheinander herauskommen. Während dieser Zeit bewacht das Weibchen die flachen Eikokons bis zum Schlüpfen der Jungspinnen. Diese werden erst im zweiten Jahr erwachsen und überwintern dann adult.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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