Mamulastelze

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Mamulastelze

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Sperlinge (Passeridae)
Unterfamilie: Motacillinae
Gattung: Stelzen (Motacilla)
Art: Mamulastelze
Wissenschaftlicher Name
Motacilla madaraspatensis
Gmelin, 1789

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Mamulastelze (Motacilla madaraspatensis) zählt innerhalb der Familie der Sperlinge (Passeridae) zur Gattung der Stelzen (Motacilla). Die englische Bezeichnung der Mamulastelze lautet White-browed Wagtail. Der wissenschaftliche Name Motacilla madaraspatensis leitet sich von der Indischen Stadt Madras ab. Der Name wurde 1996 in Chennai geändert, aber der ältere Name Madras wird immer noch viel verwendet. Es sind keine rezenten Unterarten bekannt, daher ist die Art monotypisch.

Die Mamulastelze ähnelt in Größe und Aussehen der Japanstelze (Motacilla grandis) und der Unterart Motacilla alba alboides aus Vietnam und im Gesang der Mekongstelze (Motacilla samveasnae).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Mamulastelze ist ein mittelständischer indischer Vogel und ist die größte Art aus der Gattung der Stelzen (Motacilla). Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 21 Zentimeter. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht in Größe und Aussehen kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Jedoch ist bei dem Weibchen die schwarze Färbung weniger glänzend als bei dem Männchen. Die Mamulastelze ist von schlanker Statur und weist den charakteristischen langen, ständig hin und her wippenden Schwanz dieser Gattung auf. Der Scheitel, der Nacken sowie der Rücken sind von einer schwarzen Tönung. Im Gesicht zeichnet sich deutlich ein breiter weißer Überaugenstreif ab, der sich bis zum Nacken erstreckt. Der spitze Schnabel sowie die Iris der Augen sind schwärzlich geschönt. Das Kinn, die Kehle, die Halsseiten sowie der obere Teil der Brust weisen ebenfalls eine schwarze Färbung auf. Der untere Teil der Brust, die Flanken, der Ober- und Unterbauch sowie der Bürzel und die Unterschwanzdecken sind im Kontrast zur glänzenden schwarzen Tönung weißlich gefärbt. Der Daumenfittich (Alula) ist ebenfalls weißlich getönt. Die kleinen, mittleren und großen Armschwingen der Flügel sowie die kleinen und großen Handschwingen der Flügel sind schwärzlich gefärbt, während die großen Handdecken weißlich erscheinen.
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Die Oberschwanzdecken sowie die Steuerfedern sind schwärzlich und die äußeren Schwanzfedern weisen ebenfalls eine weißliche Tönung auf. Die Extremitäten sind dunkelgrau bis schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. Das jugendliche Federkleid der Jungvögel weist eine graue bis bräunliche Färbung auf.

Lebensweise

Die Mamulastelze ist ein tagaktiver Vogel. Man kann sie paarweise oder in kleineren Trupps beobachten. Einzelgängerisch sieht man die Mamulastelze im Grunde nicht. Mit ihren langen Beinen ist die Mamulastelze ein sehr guter Läufer. Meist sieht man sie trippelnd über den Boden laufen. Während der Nacht bilden größere Schwärme von Mamulastelzen sogenannte Schlafgemeinschaften. Am Tage sind sie hingegen selten in größeren Gruppen zu sehen. Ihr Flug wirkt auffallend wellenförmig. Sie fliegt meist mit hektisch schlagenden Flügeln.

Verbreitung

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Die Mamulastelze ist ein Brüter Indiens und kommt vorwiegend an der südlichen Westküste von Kovalam, an der Malabarküste von Kerala im Südwesten Indiens sowie im indischen Bundesstaat Haryana vor. Die Mamulastelze ist, was ihren Lebensraum angeht, nicht wählerisch. Sie ist eine der wenigen Vögel, die sich gut den städtischen Lebensräumen anpassen kann und wird oft in der Nähe von Wasserspeichern auf den Dächern der Wohngebäude gefunden. Des Weiteren trifft man sie sowohl auf Äckern und Feuchtwiesen als auch in städtischen Parkanlagen und großen Gärten menschlicher Siedlungen an. Meist ist die Mamulastelze aber in der Nähe von offenen Binnengewässern und Feuchtbiotopen zu finden.

Ernährung

Die Mamulastelze ernährt sich fast ausschließlich von tierischer Nahrung. Sie verspeist hauptsächlich kleine Spinnentiere (Arachnida) sowie Insekten (Insecta) und deren Larven. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Mücken (Nematocera) und Fliegen (Brachycera) sowie Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera). Der Speiseplan wird durch allerlei Sämereien ergänzt. Als tagaktiver Vogel ist die Mamulastelze nur am Tage auf der Nahrungssuche zu beobachten. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich auf dem Boden.

Fortpflanzung

Die Mamulastelze erreicht die Geschlechtsreife zu Beginn des zweiten Lebensjahres. Die Paarungs- und Brutzeit erstrecken sich ja nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum meist über das Frühjahr. In einer Saison kommt es meist zu zwei Jahresbruten.
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Mamulastelzen leben in einer monogamen Einehe, die nicht selten über mehrere Jahre oder gar ein Leben lang hält. Außerhalb der Paarungszeit leben einzelne Paare in kleineren Trupps und ziehen sich nur zum Brüten paarweise zurück. Das Nest wird alleine vom Weibchen errichtet. Sie legt ihr napfförmgies Nest meist in einem Mauerspalt, in Nischen von Häusern, in hohlen Bäumen oder in anderen natürlichen Höhlungen in Holz und Moderholz oder an ähnlich geschützten Stellen an. Das Weibchen legt in der Regel zwischen drei und fünf Eier, die eine weißliche bis leicht gräuliche Färbung aufweisen. Die Eier werden über einen Zeitraum von 13 bis 14 Tagen gewärmt. Die Jungvögel werden von dem Weibchen und von dem Männchen reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta) und kleinen Spinnentieren (Arachnida) gefüttert und sind bereits im Alter von 14 bis 16 Tagen flügge. Das jugendliche Federkleid der Jungvögel weist eine graue bis braune Färbung auf.

Gefährdung und Schutz

Die Mamulastelze gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Die Mamulastelze ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Mamulastelze selten oder nur spärlich vor (Grimmett et al., 1998). In der Roten Liste der IUCN wird die Mamulastelze als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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