Malaienliest

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Malaienliest

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Überordnung: Coraciimorphae
Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Unterordnung: Alcedini
Teilordnung: Alcedinides
Parvordnung: Cerylida
Überfamilie: Halcyonoidea
Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
Gattung: Actenoides
Art: Malaienliest
Wissenschaftlicher Name
Actenoides concretus
Temminck, 1825

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Der Malaienliest (Actenoides concretus) zählt innerhalb der Familie der Eisvögel (Alcedinidae) zur Gattung Actenoides. Die englische Bezeichnung des Malaienliest lautet Rufous-collared Kingfisher.

Bislang wurde der Malaienliest in der Gattung Dacelo als Dacelo concreta geführt. Dies wurde im Rahmen einer Revision geändert.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Malaienliest ist ein mittelgroßer Vogel. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 24 Zentimeter. Das Gewicht des Männchens beträgt etwa 70 bis 89 Gramm und das Gewicht des Weibchens etwa 70 bis 90 Gramm. Was bei dem Malaienliest auf dem ersten Blick auffällt, ist der lange breite Schnabel, der eine enorme Länge von 18 Zentimetern aufweist. Die aufwärts gebogenen Schnabelschneiden und der abgeplattete Schnabelfirst zeigen, dass der Malaienliest zu den Jägern gehört. Der Schnabel der Fischer ist dagegen seitlich zusammengedrückt. Die obere Hälfte des Schnabels weist eine dunkelbraune Färbung auf, während die untere Hälfte des Schnabels in einer hellbräunlichen Tönung erscheint. Das Männchen weist eine dunkelgrüne Haube auf. Die Stirn ist schwärzlich geschönt und der Hinterkopf zeigt eine grüne Färbung. Ein breite schwarze Linie erstreckt sich quer durch das Auge und setzt sich bis zum Nacken fort. Des Weiteren zeigt sich ein schmaler gemsartiger Augenstreif über dem Auge. Die Wangen, das Kinn sowie die Kehle zeigen eine gelbliche bis orangefarbene Tönung. Feine blau-violette Borstenhaare zeigen sich an den Ohrdecken, die in der Regel bis zum Mantel reichen. Der Hals sowie die Brust sind im Kontrast zum schwarz gefärbten Mantel rötlich bis hellrosa getönt. Der Rücken und die Flügel zeichnen sich durch eine blau-violette Färbung auf. Die Oberschwanzdecken und der Bürzel zeigen eine schöne intensiv hellblaue Farbe. Der Schwanz selbst ist blau-violett geschönt. Die Flanken, die Steuerfedern sowie die Unterschwanzdecken erscheinen leicht cremefarben. Die Iris der Augen weist eine dunkelbraune Färbung auf. Die Extremitäten sind gelblichgrün geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch die breitere gemsfarbene Augenbraue. Der Rücken, die Schulterfedern, die Armschwingen sowie die Handschwingen der Flügel weisen eine dunkle olivgrüne Färbung auf und jede Feder in dieser Region zeigt einen grossen gelblichgrünen bis hellgelben Punkt, was dem Vogel einen schuppigartigen Aspekt verleiht. Die Jungvögel ähneln im Aussehen den Altvögeln, jedoch weist das junge Männchen einen stark gefleckten Rücken und einen braunen Schnabel auf. Der Flug wirkt etwas schwerfällig, manchmal flatternd, aber geradlinig.

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Lebensweise

Obwohl der Malaienliest ein mittelgroßer Vogel ist, kann man ihn allerdings nur selten beobachten, weil er sehr scheu und viel weniger laut ist als die anderen Arten der Gattung Actenoides. Der Malaienliest lebt eher einzeln, aber man findet ihn manchmal auch in Paaren. Des weiteren legt er ein höchst territoriales Verhalten an den Tag. Der Malaienliest erlernt seine ausgefeilte Technik nur durch Erfahrung auf der Jagd nach Beutetieren. Er jagt allein oder zu zweit. Auf seiner erhöhten Sitzwarte verharrt er sehr ruhig, abgesehen von einigen flüchtigen Bewegungen des Schwanzes oder durch leichte Kopfbewegungen, wenn er das Laub beobachtet oder den Boden nach Beute absucht. Er scheint vor allem an Land zu jagen. Die meiste Zeit hält er sich auf einer erhöhten Sitzwarte auf mit Blick auf den Fluss, um kleine Fische zu erbeuten, vielleicht häufiger als man glaubt. Dieser Vogel scheint die Fähigkeit zu besitzen, den Stachel der Skorpione (Scorpiones) zu entfernen, bevor er sie verzehrt.

Unterarten

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Verbreitung

Der Malaienliest ist auf dem Asiatischen Kontinent verbreitet und besucht die Höhen des Meeresspiegels von bis zu 800 Metern. Aber man kann ihn auch in Höhen bis zu 1.700 Metern in Borneo finden. Im Süden von Burma bis zur Malaysischen Halbinsel, auf Sumatra und Borneo bewohnt er die dichten Wälder. Es gilt als ungewöhnlich und es passiert leicht unbemerkt, aber er ist wahrscheinlich ziemlich häufig in den Regionen anzutreffen, wo der Lebensraum noch intakt ist. Hingegen zieht er sich völlig zurück, wenn der Wald zerstört ist. In der Regel läßt sich der Malaienliest dort nieder, wo noch dichte Vegetation in der Nähe von Gewässern vorhanden ist. Des Weiteren lebt er auch gerne in bemoosten Wäldern. Der Malaienliest sucht auch oft seine Nahrung in morschen oder abgestorbenen Bäumen.

Ernährung

Wie die meisten Lieste, so ernährt sich auch der Malaienliest ausschließlich carnivor. Er verzehrt große Wirbellose wie Zikaden, Bockkäfer (Cerambycidae), Fangschrecken (Mantodea), Spinnentiere (Arachnida) sowie Schnecken (Gastropoda). Des Weiteren nimmt er auch kleine Wirbeltiere wie kleine Fische (Pisces), Blindschleichen (Anguis fragilis) und Schlangen (Serpentes) der Gattung Bauchdrüsenottern (Maticora) und Eidechsen (Lacertidae) zu sich. Der Malaienliest ist auch in der Lage neun Zentimeter lange Skorpione (Scorpiones) zu erbeuten. Bevor er den Skorpion verspeist, entfernt der Malaienliest den Stachel des Skorpions.

Fortpflanzung

Der Malaienliest gräbt oder bohrt Tunnels an ziemlich unterschiedlichen Stellen: wie zum Beispiel an Flussbänken, in kleinen Böschungen oder in einem Hohlraum eines morschen Baumstammes.
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Das Nest befindet sich normalerweise immer in der Nähe von Flüssen. Der Tunnel mißt etwa 10 Zentimeter im Durchmesser und ist rund 60 Zentimeter lang, der in eine 20 Zentimeter breite ovale Kammer mündet. Je nach Verbreitungsgebiet ist die Paarungszeit und die Brutsaison unterschiedlich. Auf Malaysia findet die Brutzeit in den Monaten von April bis Juni statt, auf Borneo von Dezember bis März und auf Sumatra im März. Das Weibchen legt für gewöhnlich zwei Eier. Die Küken verbleiben rund 22 Tage im Nest und werden von dem Weibchen und von dem Männchen reichlich mit Nahrung versorgt. Die Jungvögel ähneln im Aussehen den Altvögeln, jedoch weist das junge Männchen einen stark gefleckten Rücken und einen braunen Schnabel auf.

Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete ist der Malaienliest mittlerweile wegen der großflächigen Habitatzerstörung durch anhaltende Abholzung selten geworden. Selbst in den unzugänglichen Regionen der Montanwälder schreitet die Vernichtung der natürlichen Lebensräume in großen Schritten voran. Aber auch das Absammeln der Eier und die starke Bejagung haben die Populationen deutlich schrumpfen lassen. Auch der verstärkt einsetzende Tourismus, egal mit oder ohne Ökotouch, hat eine nachteilige Auswirkung, da der Malaienliest durch den Tourismus vor allem an den Brutplätzen massiv gestört wird. In der Roten Liste der IUCN wird der Malaienliest als near threatened (gering gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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