Indischer Fischotter

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Indischer Fischotter
Sungai Buloh Wetland Reserve

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Gattung: Lutrogale
Art: Indischer Fischotter
Wissenschaftlicher Name
Lutrogale perspicillata
(Geoffroy Saint-Hilaire, 1826)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Indische Fischotter (Lutrogale perspicillata), der auch Glattotter genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Lutrogale. Im Englischen wird diese Otterart Smooth-coated Otter genannt. Ursprünglich wurde die Art in der Gattung Lutra unter dem wissenschaftlichen Namen Lutra perspicillata geführt. Im Rahmen einer Revision wurde der Indische Fischotter in eine eigene Gattung ausgelagert.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Indische Fischotter erreicht eine Körperlänge von 25 bis 30 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 40 bis 50 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 11 Kilogramm. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen. In Asien ist der Indische Fischotter die größte Art innerhalb der Unterfamilie der Otter (Lutrinae). Der Körper ist kräftig und zylinderförmig gebaut. Dadurch hat er außerordentlich gute Schwimmeigenschaften. Unterstützt wird das Schwimmen durch die Schwimmhäute zwischen den Zehen. Die Beine sind kräftig, aber recht kurz. Die Füße enden jeweils in fünf Zehen. Die vorderen Beine sind ein wenig kleiner als die Hinterbeine. An Land bewegt er sich trotz der kurzen Beine sehr schnell. An Land bewegt sich der Indische Otter aufgrund der kurzen Beine eher hoppelnd fort. Das Fell ist sehr kurz und dicht. Es weist eine bräunliche bis graubraune Färbung auf. Ventral ist das Fell deutlich heller, meist cremefarben gefärbt. Eine ähnliche Färbung zeigt sich auch im Kehl- und Kinnbereich. Das Fell zeichnet sich durch eine sehr dichte Unterwolle aus, die das Fell wasserdicht macht. Wasser gelangt so nicht an die Haut. Das ist auch notwendig, da der Indische Otter über keine schützende Fettschicht verfügt. Die Unterwolle weist eine Länge von bis zu acht Millimeter auf. Die oben aufliegenden Schutzhaare sind etwa 14 Millimeter lang. Die Kombination aus Schutzhaaren und Unterwolle sorgt für Trockenheit der Haut und für eine Isolierung gegen Kälte. Der kleine und rundlich geformte Kopf setzt sich nur wenig vom Hals ab. Die kleinen Ohren liegen weit hinten am Kopf. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Das kräftige Gebiss besteht aus 36 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet: 3/3, 1/1, 4/3, 1/2. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über zwei Paar Zitzen. Beim Tauchen werden die Ohren und Nasenlöcher geschlossen, so dass kein Wasser eindringen kann.

Lebensweise

Indische Fischotter leben gesellig in kleinen Familiengruppen, die aus einem Pärchen und dem Nachwuchs aus ein oder zwei Würfen bestehen. Junge Otter verlassen den Familienverband spätestens mit Erreichen der Geschlechtsreife. Innerhalb der Gruppe dominiert das Weibchen über ihr Männchen und den Nachwuchs. Indische Fischotter sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Zentraler Punkt des Reviers einer Gruppe ist der Erdbau, der von Wasser aus zugänglich ist und oberhalb der Wasseroberfläche am Ufer liegt. Hier bringt das Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Die Reviermarkierung erfolgt über Drüsen im Analbereich. Ein durchschnittliches Revier weist eine Größe von gut 10 Quadratkilometer auf. Die Kommunikation untereinander erfolgt über quitschende bis zwitschernde Laute. Aber auch die Geruchskommunikation spielt eine außerordentlich große Rolle.

Unterarten

Verbreitung

Der Indische Fischotter ist in Südostasien weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Indien, Malaysia, Indonesien, und dem südlichen China. Kleinere Populationen leben im Irak und in Pakistan. Die irakische Population steht kurz vor der Ausrottung oder ist bereits ausgerottet. Indische Fischotter leben in einer Vielzahl von Frischwasser-Lebensräumen. Sie fühlen sich sowohl in Sumpfgebieten, Mangroven, Reisfeldern, Seen und größeren Teichen sowie in Flüssen zu Hause. Sandige und lehmige Flussufer werden besonders gerne besiedelt. Sie leben zwar überwiegend im Wasser, sind aber auch an Land anzutreffen. Ihre Bauten liegen an Land, sind aber nur über im Wasser liegenden Tunnels zugänglich.

Fleischfresser: Leistenkrokodil (Crocodylus porosus)
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Fleischfresser: Leistenkrokodil (Crocodylus porosus)

Prädatoren

In den natürlichen Lebensräumen haben Indische Fischotter nur wenige Fleischfresser. Zu den wenigen Feinden zählen beispielsweise das Leistenkrokodil (Crocodylus porosus) und andere Krokodile (Crocodylidae). Weitere Feinden wären mittelgroße und große Katzen (Felidae) sowie größere Greifvögel (Falconiformes). Den zuletzt genannten Räubern fallen jedoch nur junge und unerfahrene Otter zum Opfer. Innerhalb einer Familiengruppe hält immer ein Tier Wache und warnt die Verwandtschaft bei drohender Gefahr.

Ernährung

Indische Fischotter sind tagaktive Raubtiere, die sich überaus opportunistisch ernähren. Ihre Nahrungspalette besteht hauptsächlich aus kleinen Fischen (Pisces). Aber auch Insekten (Insecta), Froschlurchen (Anura), Regenwürmern (Lumbricidae), kleine oder junge Schildkröten (Testudinata), Muscheln (Bivalvia), Vögel (Aves) die auf dem Wasser leben, Krebstieren (Crustacea) und kleinen Säugetieren (Mammalia) werden bei Gelegenheit gefressen. Die Jagd auf Beute erfolgt in der Regel in kleinen Gruppen. Der Nahrungsbedarf eines Indischen Fischotters liegt bei 500 bis 1.000 Gramm am Tag. Das besonders starke Gebiss ist gut zum Knacken hartschaliger Beutetiere geeignet. Mit den fingerartigen Vorderzehen können sie die Beute gut festhalten.
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Dabei legen sie eine erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag. Muscheln werden nicht nur auf dem Boden eines Gewässers gesammelt, sondern auch ausgegraben. Dabei orientieren sie sich mit ihrem hoch entwickelten Geruchssinn. Ansonsten wird bei der Nahrungssuche auch der hochentwickelte Sehsinn eingesetzt.

Fortpflanzung

Die Geschlechter der Indischen Fischotter erreichen die Geschlechtsreife mit zwei bis drei Jahren. Während Männchen bereits mit zwei Jahren geschlechtsreif werden, brauchen Weibchen meist drei Jahre. Indische Fischotter leben in monogamer Einehe. In den meisten Verbreitungsgebieten liegt die Ranzzeit in den Monaten August bis Dezember. Während dieser Zeit kommt es nur zu einem Wurf. Indische Fischotter paaren sich hauptsächlich an Land, selten im Wasser. Ein trächtiges Weibchen sucht eine adäquate Wohnhöhle auf und polstert sie mit Moosen und Gräsern aus. Eine Wohnhöhle liegt oberhalb der Hochwassergrenze im Uferbereich ihres Heimatgewässers. Nach einer Tragezeit von 63 bis 65 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und vier, selten auch mehr Jungtiere zur Welt. Sie sind anfangs noch nackt und blind. Im Alter von etwa 14 Tagen erkunden sie erstmals ihre Wohnhöhle. Nach vier bis fünf Wochen öffnen sie ihre Augen und ihr Fell beginnt deutliche Formen anzunehmen. Ab der achten bis zehnten Lebenswoche fangen sie unter Aufsicht der Eltern mit den ersten Schwimmübungen an. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa vier Monate. Ab der zehnten oder elften Woche nehmen sie aber schon feste Nahrung zu sich. Insgesamt bleiben die Jungtiere über ein Jahr, teilweise bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. In dieser Zeit erlernen sie die notwendigen Jagdtechniken, die zum Überleben notwendig sind. Indische Fischotter können in Gefangenschaft ein Alter von gut 20 Jahren erreichen. In freier Natur wird ein solch hohes Alter nur bei optimalen Umweltbedingungen erreicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Freiheit meist nur bei 10 Jahren.

Ökologie

Über lange Zeit wurden Indische Fischotter wegen des dichten Felles bejagt. Der Pelz ist jedoch von deutlich geringerer Qualität als die von anderen Otter-Arten. Die Pelze landen zumeist auf dem einheimischen Markt. International besteht kaum eine Nachfrage. In einigen Regionen wie Bangladesh hat man Indische Fischotter abgerichtet und geht mit ihnen traditionell auf die Jagd nach Fischen.

Gefährdung und Schutz

Indische Fischotter gehören heute zu den gefährdeten Otter-Arten. Als solche werden sie auch in der Roten Liste der IUCN geführt. Das Washingtoner Artschutzabkommen stellt den Indischen Fischotter in Anhang II des Abkommens unter Schutz. Hauptursache ist die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere der Trockenlegung von Sumpfgebieten zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen. Aber auch die zum Teil starke Bejagung hat die Populationen deutlich schwinden lassen. Indische Fischotter leben auch auf Reisfeldern. Hier leiden die Tiere unter der Ausbringung von Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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