Lisztaffe

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Lisztaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)
Gattung: Tamarins (Saguinus)
Art: Lisztaffe
Wissenschaftlicher Name
Saguinus oedipus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Lisztaffe (Saguinus oedipus), der auch Pinchéäffchen genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Krallenaffen (Callitrichidae) zur Gattung der Tamarine (Saguinus). Die herabhängenden weißen Haare im Kopf- und Schulterbereich erinnern an die auffällige Haarfrisur des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt. Dieser Tatsache verdanken sie ihren deutschen Namen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Lisztaffe erreicht eine Körperlänge von bis zu 28 cm, eine Schwanzlänge von gut 40 cm sowie ein Gewicht von 470 bis 490 Gramm. Charakteristisch ist die lange weiße Mähne an Kopf und Schulter, die an der vorderen Stirn beginnt. Das Gesicht und die kleinen Ohren sind dunkelgrau bis schwärzlich, ebenso die Innenflächen der Hände und Füße. Die Arme, Unterschenkel und die Bauchseite sind ebenfalls mit einem langen weißen Fell bedeckt. Der Rücken und der erste Teil des Schwanzes sind rötlich- bis dunkelbraun. Der hintere Schwanzteil ist fast schwarz. Die Nägel an den Zehen haben sich im Laufe der Evolution zu kräftigen Krallen umgewandelt. Ihre Beine sind recht lang. Diese Tatsache und der sehr lange Schwanz, der als Balancierorgan fungiert, sind ein Indiz für die hervorragenden Klettereigenschaften der Lisztaffen. Im Geäst können sie durchaus auch Sprünge von einigen Metern bewältigen. Die tagaktiven Affen leben in kleinen Gruppen von bis zu zwölf Tieren und weisen eine soziale Struktur auf. Sie bewohnen ein Revier von gut zehn Hektar, das aber nicht agressiv verteidigt wird. Sie gehen Artgenossen eher aus dem Weg.

Gefährdung

Zu den natürlichen Feinden zählen Raubkatzen, Schlangen und große Raubvögel. Lisztaffen sind heute stark vom Aussterben bedroht. Ihre Bestandszahlen sind Jahr für Jahr weiter rückläufig. Seit 1976 werden sie in der Roten Liste des IUCN als stark bedrohte Art geführt. Neben der Zerstörung der Lebensräume durch Abholzung der Primär- und Sekundärregenwälder sind noch der Wildfang für medizinische Labore und die Bejagung durch die einheimische Bevölkerung für den Verzehr zu nennen.

Verbreitung

Der Lisztaffe ist in den Sekundärregenwäldern von Nordwest-Kolumbien bis Panama verbreitet. Er findet seine Verbreitung insbesondere in den Regionen Rio Magdalena bis Rio Cauca. Dichten Regenwald meiden Lisztaffen, sie bevorzugen offene Wälder und deren Ränder.

Ernährung

Neben Blattwerk, Blüten und Baumsäfte fressen sie auch Insekten und Spinnentiere, Amphibien, kleine Reptilien sowie Vogeleier und Jungvögel. Sie finden ihre Nahrung in den Baumkronen ihrer Lebensräume.

Fortpflanzung

Lisztäffchen
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Lisztäffchen

Lisztaffen erreichen die Geschlechtsreife mit 18 bis 20 Monaten. Die Fortpflanzungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, eine Paarung kann ganzjährig stattfinden. Innerhalb einer Gruppe paart sich nur das ranghöchste Weibchen. Sie bringt nach einer Tragezeit von 140 bis 145 Tagen ein oder zwei Jungtiere zur Welt. Sie haben bereits ein Fell, geöffnete Augen und wiegen etwa 40 bis 45 Gramm. An der Aufzucht beteiligt sich auch in gewissem Maße der Vater. Die Jungtiere werden durchschnittlich zwei bis drei Monate gesäugt. Lisztaffen können in Freiheit ein Alter von zehn bis fünfzehn Jahren erreichen. In Gefangenschaft auch über zwanzig Jahre.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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