Kräuselspinnen

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Kräuselspinnen
Nigma walckenaeri

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Dictynoidea
Familie: Kräuselspinnen
Wissenschaftlicher Name
Dictynidae
Pickard-Cambridge, 1871

Kräuselspinnen (Dictynidae) oder genauer Eigentliche Kräuselspinnen, zählen innerhalb der Klasse der Spinnentiere (Arachnida) zur Ordnung der Webspinnen (Araneae). In der Familie werden in 48 Gattungen mehr als 560 rezente Arten geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Kräuselspinnen gehören zu den eher kleinen Netzspinnen und erreichen je nach Art eine Länge von 1,5 bis 5,0 Millimeter. In der Körperfärbung unterscheiden sich die einzelnen Arten zum Teil erheblich. Zahlreiche Arten sind meist unauffällig schwarzbraun, braun bis graubraun gefärbt, andere jedoch ausgesprochen vielfarbig und bunt. Bei vielen Arten zeigt sich dorsal im Bereich des Opisthosoma eine zum Teil sehr variable Hinterleibszeichnung. Die in Mitteleuropa vorkommende Nigma walckenaeri gehört zweifelsohne zu den farbenprächtigsten und auffälligsten Arten. Ebenso ist diese Art die größte Art in der Familie. Markantes Merkmal fast aller Kräuselspinnen ist das Cribellum, sie gehören demnach zu den cribellaten Spinnentieren. Das Cribellum ist ein Organ, mit dessen Hilfe Fangwolle ohne Leimtröpfchen produziert werden kann. Das kammartige Calamistrum sitzt am Metatarsus des vierten Beinpaares und dient zum herauskämmen der Fangwolle aus dem Cribellum. Die Mittelaugen sind bei einigen Arten, insbesondere bei den Vertretern der Gattung Lathys, eher klein und punktförmig. Kräuselspinnen verfügen über 8 Augen, die in 2 Reihen angeordnet sind. Der Opisthosoma ist überwiegend kugelartig geformt und setzt sich deutlich von dem sehr viel kleineren Prosoma ab. Im Bereich der Laufbeinpaare zeigt sich eine meist spärliche Bedornung, die nur bei wenigen Arten kräftiger ausfällt. Die Beinlänge erreicht je nach Art die Länge des Körpers bis hin zur 1,5fachen Länge des Körpers.

Lebensweise

Kräuselspinnen ähneln in der Lebensweise dem ecribellaten Haubennetzspinnen (Theridiidae). Das regelmäßig gewebte Fanggewebe dieser Spinnen ist in der Regel mit dem Schlupfwinkel verbunden. Die Schlupfwinkel befinden sich in Blattwinkeln, Astgabeln oder an ähnlich geschützten Stellen. Vom Schlupfwinkel aus ziehen sich fächerartig Speichenfäden zu weiter entfernten Pflanzenteilen. Zwischen die Speichenfäden weben Kräuselspinnen quer verlaufende Kräuselfäden. Die Form dieser Fäden war für die Familie namensgebend. Die Netze entstehen meist auf der Oberseite großer Blätter, die Schlupfwinkel befinden sich nicht selten auf dem Blattgrund. Bis auf die Vertreter der Gattung Mallos, die in Mexiko vorkommt, leben alle anderen Arten einzelgängerisch. Mallos zeichnet sich durch große Gemeinschaftsnetze aus.

Verbreitung

Kräuselspinnen kommen fast weltweit sowohl in tropischen und subtropischen als auch in gemäßigten und kaltgemäßigten Regionen der Erde vor. Es handelt sich bei den Kräuselspinnen um sesshafte Netzspinnen. In Mitteleuropa treten etwa 20 Arten in Erscheinung. Kräuselspinnen besiedeln je nach Verbreitungsgebiet und Art zahlreiche Lebensräume. Es werden sowohl aride als auch feuchte Lebensräume besiedelt. Einige Arten leben in Bodennähe, nicht selten auch unter Steinen, andere Arten leben in der mittleren Krautschicht. Auch die Meeresküsten werden von einige Arten besiedelt.

Ernährung

Kräuselspinnen ernähren sich von kleinen bis mittelgroßen Insekten (Insecta), die mit der Fangwolle erbeutet werden. Es handelt sich meist um Fliegen (Brachycera), Mücken (Nematocera) und andere Geflügelte Insekten (Pterygota) ähnlicher Größe. Hat sich ein Beutetier im Netz verfangen, so wird es umgehend eingesponnen und mit einem Biss gelähmt. Zeitgleich wird ein Verdauungsenzym injiziert, das die Beute von innen her verflüssigt. Später wird das Beutetier ausgesaugt, zurück bleibt letztlich nur die leere Hülle.

Fortpflanzung

In Mitteleuropa erstreckt sich die Paarungszeit für gewöhnlich über den Sommer, in nördlichen Regionen später, in südlichen Regionen entsprechend früher. Um die Paarungsbereitschaft eines Weibchens zu prüfen, zupft das Männchen vorsichtig am Netz eines Weibchens. Dies ist auch notwendig, denn bei einem paarungsunwilligen Weibchen wird ein Männchen schnell zu einem Beutetier. Eine ausgiebige Balz ist nicht zu erkennen. Während der Kopulation hält das Männchen die Cheliceren des Weibchens mit den eigenen hoch. Im Zuge der eigentlichen Kopulationen führt ein Männchen seine Pedipalpen in die Epigyne (Geschlechtsöffnung) des Weibchens abwechselnd ein. Das Weibchen legt ihre Eier in einem seidenen Kokon ab, der im Schlupfwinkel deponiert wird. Die Männchen sterben kurze Zeit nach der Paarung. Ihre Lebenserwartung ist nach der Reifehäutung demnach sehr gering.

Rezente Gattungen

G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g G a t t u n g
Aebutina Ajmonia Altella Anaxibia Arangina Archaeodictyna
Arctella Argenna Argennina Atelolathys Banaidja Blabomma
Brommella Callevophthalmus Chaerea Chorizomma Cicurina Devade
Dictyna Dictynomorpha Emblyna Hackmania Helenactyna Hoplolathys
Iviella Lathys Mallos Marilynia Mashimo Mastigusa
Mexitlia Mizaga Nigma Paradictyna Penangodyna Phantyna
Qiyunia Rhion Saltonia Shango Sudesna Tahuantina
Tandil Thallumetus Tivyna Tricholathys Viridictyna Yorima

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022

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