Kolbenfinger

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Kolbenfinger

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Laubfrösche, Echte Kröten und Verwandte (Hyloidea)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Gattung: Hypsiboas
Art: Kolbenfinger
Wissenschaftlicher Name
Hypsiboas faber
(Wied-Neuwied, 1821)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kolbenfinger (Hypsiboas faber), auch unter den Synonymen Hyla faber, Hyla fulva und Hyla wachei bekannt, zählt innerhalb der Familie der Laubfrösche i.w.S. (Hylidae) zur Gattung Hypsiboas. Im Englischen wird der Kolbenfinger blacksmith treefrog genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 8,0 Zentimeter, während das Männchen gegenüber dem Weibchen kleiner ist. Der Kolbenfinger weist einen sehr breiten Kopf auf. Die Fäbung ist meist braun, ohne dass ein echtes Muster außer die dunklen gebänderten Hinterbeine erkennbar ist. Der Körper ist schmal und flach. Die Extremitäten sind relativ kurz und enden an den vorderen Beinen in vier, an den hinteren Beinen in fünf Zehen. Die Zehen weisen an der Unterseite sogenannte Haftlamellen auf, die eine rundliche Form besitzen. Mit den Haftlamellen kann sich der Kolbenfrosch an senkrechten und glatten Untergründen und Oberflächen festhalten. Die Pupillen, die eine goldgelbe Färbung aufweisen, sind waagerecht geschlitzt. Bei Lichteinfall ziehen sie sich zusammen, bei Dunkelheit weiten sich die Pupillen deutlich. Das Männchen besitzt eine Schallblase, die als Resonanzkörper den Quak-Lauten dient

Lebensweise

Der Kolbenfinger lebt in den tropischen Regenwäldern von Brasilien und hält sich in hohen Bäumen auf, wo er sich unter Zweigen bewegt. Bevorzugt werden vom Kolbenfinger feuchte und schattige Umgebungen.

Verbreitung

Der Kolbenfinger kommt in Argentinien, Brasilien und in Paraguay vor. Seine natürliche Lebensräume sind subtropische oder tropische feuchte Niederungen, Flüsse, intermittierende Süßwassersümpfe, Plantagen, ländliche Gärten, stark degradierte ehemalige Wälder und Teiche.

Ernährung

Kolbenfinger
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Kolbenfinger

Der Kolbenfinger ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) und deren Larven wie Mücken (Nematocera), Stechmücken (Culicidae) und Fliegen (Brachycera). Darüber hinaus erbeutet der Kolbenfinger aber auch Milben (Acari), Webspinnen (Araneae), Blattläuse (Aphidoidea) und Weberknechte (Opiliones) sowie Würmer. Die Kaulquappen ernähren sich von Algen, Mikroorganismen, Plankton und zellulären Abfallstoffen.

Fortpflanzung

Der Kolbenfinger hat ein relativ kompliziertes Paarungsritual. Das Männchen baut nämlich an einem geschützten Ort zwischen den Blättern, unter dem Boden eine Art Nest unterhalb des Grundwasserspiegels. Das Männchen gräbt keinen Tunnel, sondern einen Krater in den sumpfigen Boden, in dem sich anschließend ein Wasserfilm bildet. Mit lautem Quaken lockt das Männchen das Weibchen an. Findet sich ein Weibchen führt das Männchen das Weibchen zum Nest und verpaart sich mit dem Weibchen. Das Weibchen legt nach erfolgreicher Paarung die befruchteten Eier im Nest ab. Nach der Reifung der Eier schlüpfen die Larven. Dies geschieht in der Regel in zwei bis drei Tagen. Kurz nach dem Schlupf ernähren sie sich vom Dottersack ihres Eies. Kurz danach machen sie bereits Jagd auf Mikroorganismen und Plankton und zelluläre Abfallstoffe. Dabei sind sie keineswegs wählerisch. Erbeutet wird alles, was sich überwältigen läßt. Das Gebiss besteht aus hornartigen Kiefern, die mit feinen Raspelzähnen besetzt sind. Der Körper ist langgestreckt und setzt sich letztlich aus einem Kopf und Magen sowie kräftigem Schwanz zusammen. Der Schwanz dient den Kaulquappen zur Fortbewegung und Steuerung. Der Schwanz ist mit einem Saum versehen, der sich bis zum Kopf erstreckt. Die Augen liegen seitlich am Kopf. Die Atmung erfolgt über innere Kiemen, dem sognannten Spritzloch (Spiraculum). Gegen Ende der larvalen Entwicklung erfolgt die Ausbildung der Extremitäten. In der Übergangsphase hält sich der Jungfrosch meist noch in der Nähe des Laichgewässers auf, ehe er vollständig das aquatile Leben aufgibt. Während der Anfangsphase lebt der Jungfrosch noch von seinen Reserven, wobei der Schwanz vollständig resorbiert wird. Erst danach geht der Jungfrosch aktiv auf die Jagd und verläßt sein Heimatgewässer. Dabei stellt er seine Ernährungsgewohnheiten vollständig um.

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Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Kolbenfinger heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Er ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Kolbenfinger selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird er als least concern (nicht gefährdet) geführt. Lokal häufig tritt der Kolbenfinger im entsprechenden Lebensraum auf. Zu der größten Bedrohung zählt der Verlust von Lebensraum durch die Zerstörung der natürlichen Wälder.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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