Kleingrison

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Kleingrison

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Grisons (Galictis)
Art: Kleingrison
Wissenschaftlicher Name
Galictis cuja
Molina, 1782

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kleingrison (Galictis cuja) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung der Grisons (Galictis). Im Englischen wird der Kleingrison Lesser Grison genannt.

Inhaltsverzeichnis

Veraltete Synonyme

Kleingrisons sind in der Vergangenheit unter zahlreichen Synonymen geführt worden. Dazu gehören beispielsweise Mustela cuja (Molina, 1782), Mustela quiqui (Molina, 1782), Galictis vittata (Nehring, 1886), Grison furax (Thomas, 1907), Grisonella melina (Thomas, 1921), Grisonella huronax (Thomas, 1921), Grisonella ratellina (Thomas, 1921), Grisonella shiptoni (Thomas, 1921) und Grison vittata (Krumbiegel, 1942). Die aufgeführten Synonyme gelten als veraltet oder falsch interpretiert. <1>

Fossile Funde

Als Vorläufer des Kleingrison gilt der Trigonictis, der im mittleren Pleistozän in Nord- und Südamerika auftauchte. Der Kleingrison stammt unmittelbar von dieser Gattung ab. Aus dieser Gattung entstammt auch der Großgrison (Galictis vittata) und der Tayra (Eira barbara). Der Kleingrison tauchte in seinem heutigen Verbreitungsgebiet im südlichen Südamerika erstmals vor 2,5 Millionen Jahren auf. Fossile Funde stammen insbesondere aus der Provinz Buenos Aires, der Provinz Rio Negro und der Provinz Jujuy. <4>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kleingrison ist deutlich kleiner als der Großgrison (Galictis vittata). Er erreicht je nach Geschlecht, Verbreitungsgebiet und Unterart eine Körperlänge von 44 bis 68 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2 bis 3 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 13,5 bis 19 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 5 bis 7,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.200 bis 2.500 Gramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner als Männchen. Ansonsten weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Der Körperbau ist als durchaus schlank zu bezeichnen. Markante Merkmale sind ein langer Hals, ein schmaler Rumpf, kurze Extremitäten sowie ein kurzer buschiger Schwanz. Die Füße sind an den Sohlen unbehaart und enden jeweils in fünf Zehen. Der Kopf ist schmal und dorsal deutlich abgeflacht. Die Seiten des Kopfes und das Gesicht (vor allem der Bereich um das Rostrum) sind schwarz gefärbt. Diese dunkle Färbung setzt sich am Hals und den vorderen Extremitäten fort. Der Oberkopf weist eine cremefarbene Färbung in Form eines Stirnbandes auf und setzt sich scharf von der Färbung der Kopfseiten und des Rostrum ab. Der Nacken ist überwiegend gräulich gefärbt, das restliche Fell, das eine Länge von etwa 7 Millimeter aufweist, zeigt sich in einer gelblichbraunen Färbung. Geografisch kann die Färbung jedoch leicht variieren. Die kurzen Ohren sind kaum sichtbar, da sie überwiegend im Fell verborgen liegen. Sie liegen weit hinten am Schädel. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich schwarz gefärbte Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Das kräftige Gebiss besteht aus 34 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 3/4, 1/1. <4>

Lebensweise

Kleingrisons leben sowohl einzelgängerisch als auch paarweise oder in kleinen Gruppen von zwei bis drei Individuen. Mit einem gewissen Maß an Sozialleben setzen sie sich deutlich von anderen Mardern (Mustelidae) ab. Auch Sozialeinheiten wie Familiengruppen sind bekannt. Eine Hierarchie in den Gruppen konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Kleingrisons sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Dies gilt vor allem für die Nahrungssuche. Auf die Jagd gehen die Tiere überwiegend einzelgängerisch, seltener auch in kleinen Trupps. Der Geruchssinn spielt bei der Jagd eine deutlich größere Rolle als beispielsweise der Sehsinn. Kleingrisons gelten als durchaus verspielt. So kommt es häufig vor, dass mit noch lebenden Beutetieren eine Zeit lang gespielt wird, ehe sie gefressen werden.

Unterarten

Trockenwald im Gran Chaco, Paraguay
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Trockenwald im Gran Chaco, Paraguay

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Kleingrisons ist auf das südliche Südamerika beschränkt. Die nördlichsten Populationen treten in den Anden in Peru auf, im Osten im östlichen Brasilien. Neben dem südlichen Peru und dem südlichen Brasilien werden auch Uruguay, Argentinien, das westliche Bolivien und Paraguay besiedelt. In der Wahl der Lebensräume sind Kleingrisons nicht wählerisch. besiedelt werden sowohl aride Strauch- und Baumsteppen als auch Trockenwäldern, deren Ränder, Dornbuschsavannen, Heidelandschaften, Wiesen und Weiden, Halbwüsten und Savannen sowie Gebirgsregionen (Hochland der Anden) bis in Höhen von rund 3.800, gebietsweise sogar bis 4.200 Metern über NN.

Ernährung

Kleingrison gelten als Allesfresser. Zu ihrer Hauptnahrung gehören Vögel (Aves) aller Art, deren Eier, kleinere Säugetiere (Mammalia) wie Mäuse (Mus), Langschwanzchinchillas (Chinchilla laniger) und Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) sowie kleinere Reptilien (Reptilia), Lurche (Amphibia) und verschiedenste Gliederfüßer (Arthropoda). Verschiedenste Nagetiere (Rodentia) bilden den größten Anteil an der täglichen Nahrung. Untersuchungen des Mageninhaltes von mehreren Probestücken haben ergeben, dass neben Wildkaninchen vor allem Chilenische Chinchillaratten (Abrocoma bennetti), Zwergreisratten (Oligoryzomys), Blattohrmäuse (Phyllotis), Gewöhnliche Degus (Octodon degus), verschiedenste Meerschweinchen (Caviidae), Kaphasen (Lepus capensis), Coruros (Spalacopus cyanus) und Hausratten (Rattus rattus). An Reptilien wurden beispielsweise Mabuyen (Mabuya) nachgewiesen. An Vögel werden Eier und Nestlinge von Inkatauchern (Podiceps occipitalis) und Rolland-Tauchern (Rollandia rolland) gefressen. <2>

Beliebter Snack: Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
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Beliebter Snack: Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
Wildkaninchen wurden in Südamerika eingeführt und haben sich mittlerweile plageartig ausgebreitet und vermehrt. Der Kleingrison trägt also zur Regulation der Wildkaninchen-Population bei. Hin und wieder bessern Beeren und Früchte den Speiseplan auf. Das Verbreitungsgebiet des Kleingrison deckt sich streckenweise mit dem des Andenschakals (Pseudalopex culpaeus). Mit dem Andenschakal steht der Kleingrison vor allem im zentralen Chile in Nahrungskonkurrenz. Zu den Nahrungskonkurrenten gehört auch die Schleiereule (Tyto alba). <3>

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich über den späten Winter bis in das Frühjahr hinein. Das Paarungsverhalten ist nicht ausgiebig erforscht, man geht davon aus, dass es sowohl zu einer monogamen als auch polygamen Lebensweise kommen kann, wobei eine polygame Lebensweise die Regel sein dürfte. Die Geschlechter trennen sich jedoch, nachdem der Nachwuchs selbständig geworden ist. Außerhalb der Paarungszeit leben Kleingrison also einzelgängerisch. Nach einer Tragezeit von gut 40 Tagen bringt ein Weibchen zwei bis fünf Jungtiere an geschützter Stelle, meist in einer Höhle oder einem Erdbau, zur Welt. Zu den Geburten kommt es je nach Verbreitungsgebiet zwischen März und April oder zwischen August und September. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern sich fast ausschließlich die Mütter. In Freiheit wurde eine väterliche Obacht noch nicht beobachtet. Die Säugezeit und die Lebenserwartung in Freiheit sind nicht bekannt. In Gefangenschaft kann ein Kleingrison ein Alter von etwa 10 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Kleingrison erfüllt in seinem Lebensraum eine wichtige ökologische Rolle. Er reguliert mit seinem Appetit die Populationen zahlreicher kleiner Tiere wie beispielsweise Mäuse und Kaninchen. In der Nähe des Menschen werden sie daher gerne gesehen. In Südamerika werden Kleingrisons gerne als Haustiere gehalten. Zudem werden sie bei der Jagd nach Kurzschwanzchinchillas (Chinchilla brevicaudata) und Langschwanzchinchillas (Chinchilla lanigera) eingesetzt. <5> Trotz der weitreichenden Zerstörung der natürlichen Lebensräume gelten Kleingrisons noch nicht zu den bedrohten Marderarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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