Kaukasisches Eichhörnchen

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Kaukasisches Eichhörnchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Gattung: Eichhörnchen (Sciurus)
Art: Kaukasisches Eichhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Sciurus anomalus
Güldenstädt, 1785

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Kaukasische Eichhörnchen (Sciurus anomalus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Eichhörnchen (Sciurus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das Kaukasische Eichhörnchen erreicht eine Körperlänge von 19 bis 23 cm, ein Gewicht, je nach Geschlecht, von 210 bis 350 g sowie eine Schwanzlänge von bis zu 15 cm. Das Fell weist eine graubraune bis rotbraune Färbung auf, die mitunter auch leicht ins Gelbliche gehen kann. Das Bauchfell ist dabei deutlich heller, meist gelblich bis ocker gefärbt.
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Zur kalten Jahreszeit sind die Ohren mit Haarbüscheln gekennzeichnet. Außerdem ist das Fell im Winter deutlich dichter und länger. Der buschige Schwanz dient zum einen dem Männchen dem Imponiergehabe vor der Paarung und zum anderen bei Sprüngen und beim Klettern als Steuer- und Balancierhilfe. Über den Augen, oberhalb der Nasenspitze an den Wangen und an den Unterschenkeln der Vorderbeine hat das Kaukasische Eichhörnchen Tasthaare, die auch der Orientierung dienen. Die Beine sind recht kurz und enden in vier Zehen, die mit scharfen Krallen versehen sind.

Kaukasische Eichhörnchen leben einzelgängerisch und kommen nur während der Paarung zusammen. Sie beanspruchen kein festes Revier, nutzen aber ein Streifrevier von gut 1.000 Hektar Größe, in dem sie Artgenossen grundsätzlich aus dem Weg gehen. Aufgrund vieler Parasiten in ihrem Fell betreiben Kaukasische Eichhörnchen oft eine ausgedehnte Fellpflege. Dazu gehören auch Staub- und Grasbäder. Die tagaktiven Tiere verbringen den Großteil ihres Lebens in den Baumwipfeln, wo sie auch ihre Nahrung finden. Sie sind sehr gute Kletterer, die durchaus Sprünge von einigen Metern bewältigen können. Am Boden können sie aus dem Stand 50 bis 80 cm weit springen. Das Kaukasische Eichhörnchen hält nur eine kurze Winterruhe, die oft zur Nahrungsaufnahme unterbrochen wird. Zu den natürlichen Feinden zählen neben Greifvögel vor allem marderartige Raubtiere. Im Kaukasus werden heute noch Kaukasische Eichhörnchen zwecks Pelzgewinnung gejagt. Für einen Pelzmantel werden über 100 Pelze benötigt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gering gefährdet geführt.

Verbreitung

Das Kaukasische Eichhörnchen ist insbesondere im Kaukasus im Nahen und Mittleren Osten und weit verbreitet. Es ist insbesondere in Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Griechenland, Iran, Irak, Israel, Jordanien, im Libanon, Syrien und in der Türkei anzutreffen. Es lebt in Wäldern mit entsprechendem Baumbestand. Zu den bevorzugten Baumarten gehören Eichen, Buchen, Haselnuss- und Walnussbäume sowie einige andere Arten. Sie halten sich fast ausschließlich in den Bäumen auf. Den Boden betreten sie nur, um einen Baum zu wechseln.

Ernährung

Ihre Nahrung finden sie hauptsächlich in den Wipfeln der Bäume. Neben Nüssen, Eicheln, Knospen, jungen Trieben, Baumsamen und Beeren fressen sie aber auch Insekten, Vogeleier und die Brut von Vögeln. Im Herbst suchen sie gelegentlich am Boden auch nach Pilzen. Auf Nahrungssuche gehen sie in der Regel in den frühen Morgen- und Abendstunden. Im Sommer meiden sie grundsätzlich die heiße Mittagszeit. In Zeiten von Nahrungsüberschuss legen sie in Erdlöchern und Baumhöhlen einen Wintervorrat an Nahrung an. Mithilfe ihres guten Geruchssinnes und eines hervorragenden Gedächtnisses finden sie ihre Vorratslager fast immer wieder. Ein Kaukasisches Eichhörnchen benötigt pro Tag, je nach Alter und Geschlecht, zwischen 30 und 70 g an Nahrung. Ihre Schneidezähne werden an harter Nahrung wie Nüsse ständig abgewetzt und wachsen lebenslang. Innerhalb der ökologischen Entwicklung des Waldes spielen sie eine große Rolle, da sie durch Fallenlassen der Früchte zur natürlichen Aufforstung beitragen.

Fortpflanzung

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Die Geschlechtsreife wird im zweiten Lebensjahr erreicht. Die Paarungszeit beginnt im auslaufenden Winter oder dem zeitigen Frühjahr. Zum Paarungsritual gehören Verfolgungsrennen zwischen Männchen und Weibchen, an dem durchaus mehrere Männchen teilnehmen können. Ihre Nester legen sie meist in Astlöchern oder kleinen Baumhöhlen an. Sie werden dann mit weichem Material ausgepolstert. Im Innern können die Nester einen Durchmesser von bis zu 15 cm haben. Nach einer erfolgreichen Paarung beträgt die Tragezeit etwa 40 Tage. Zum ersten Wurf kommt es im zeitigen Frühjahr, zum zweiten Wurf in der Regel im August. Das Weibchen bringt meist drei bis sechs, selten mehr Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, blind und weisen ein Gewicht von sechs bis acht Gramm auf. Der erste spärliche Flaum wächst ihnen nach zwei Wochen. Ihre Augen öffnen sie das erste Mal nach etwa vier Wochen. Ab diesem Zeitpunkt wachsen ihnen auch ihre Schneidezähne. Erst ab der neunten oder zehnten Woche verlassen sie erstmals ihr schützendes Nest. Die Entwöhnung erfolgt ab der sechsten Woche. Befinden sich die Jungtiere außerhalb des Nestes und droht Gefahr, so ist zu beobachten, daß das Weibchen die Jungen im Maul tragend ins Nest trägt. Ein Großteil der Jungtiere, das sind etwa 80 Prozent, erreichen nicht das erste Lebensjahr. In Freiheit können Kaukasische Eichhörnchen bis zu zehn Jahre alt werden, in Gefangenschaft bis fünfzehn Jahre.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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