Katzenmakis

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Katzenmakis
Großer Katzenmaki (Cheirogaleus major)

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Katzenmakis
Wissenschaftlicher Name
Cheirogaleidae
Gray, 1873

Katzenmakis (Cheirogaleidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Primaten (Primates) und zur Unterordnung Feuchtnasenaffen (Strepsirhini). Der Familie werden 30 Arten in 5 Gattungen zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Katzenmakis gehören zwar zu den eher primitiven Primaten, einige Arten haben jedoch hoch spezialisierte physiologische Anpassungen wie beispielsweise eine mehrmonatige Winterruhe während der kalten Jahreszeit entwickelt. Katzenmakis gehören innerhalb der Primaten zu den kleinsten Arten. Der Zwerg-Mausmaki (Microcebus myoxinus) erreicht lediglich eine Körperlänge von 9 bis 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 24 bis 38 Gramm. Der Masoala-Gabelstreifenmaki (Phaner furcifer) ist in der Familie der größte Vertreter. Er erreicht eine Körperlänge von 22 bis 20 Zentimeter und ein Gewicht von 350 bis 500 Gramm. Das kurze und dichte Fell weist bei den meisten Arten eine unauffällige graubraune bis bräunliche Färbung auf. Ventral ist das Fell bei allen Arten deutlich heller, meist weißlich bis cremefarben gefärbt. Der Körperbau der Katzenmakis ist üblicherweise schlank und lang gestreckt. Die Extremitäten erscheinen eher kurz. Die Fortbewegung erfolgt auf allen Vieren. Markante Merkmale der Katzenmakis sind der kleine Kopf, die zumeist großen Augen und ebenfalls großen Ohren. Die Ohren sind meist nackt oder nur spärlich behaart. Sehr lang ist auch der Schwanz, in dem die Tiere Fettreserven für den Winterschlaf speichern. Das Gebiss der Katzenmakis besteht aus 36 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 3/3, 3/3.

Lebensweise

Katzenmakis sind nachtaktiv und halten sich fast ausschließlich in den Bäumen auf. Einige Arten der Mausmakis (Microcebus) und der Riesenmausmakis (Mirza) steigen zur Nahrungssuche gelegentlich auf den Waldboden hinab. Aufgrund der Nachtaktivität ist das Tapetum lucidum hoch entwickelt und ermöglicht es den Tieren auch in absoluter Dunkelheit zu sehen. Die meisten Arten sind in der Lage, während der kühlen Jahreszeit eine Art Winterschlaf abzuhalten. Dies ist zumindest bei den Mausmakis (Microcebus) und Fettschwanzmakis (Cheirogaleus), wahrscheinlich auch bei den Büschelohrmakis (Allocebus) der Fall. Der Winterschlaf kann sich über mehrere Monate erstrecken. Es ist jedoch kein echter Winterschlaf, sondern eher ein Torpor, also ein physiologischer Schlafzustand und mit einer Lethargie vergleichbar ist. Um möglichst viel Energie zu sparen senken Katzenmakis ihren Grundumsatz und die Körpertemperatur deutlich ab. Die Körpertemperatur fällt dabei auf die Umgebungstemperatur. Dies ist im madegassischen Winter etwa eine Temperatur von 15 Grad Celsius. Um den Torpor zu überstehen, legen sich Katzenmakis im Sommer eine dicke Fettschicht an bzw. verdoppeln ihr Gewicht nahezu. Bei den Mausmakis fallen nur die Weibchen in den Torpor, Männchen sind das ganze Jahr über aktiv. Die Vertreter der Gabelstreifenmakis (Phaner) und der Riesenmausmakis (Mirza) sind ganzjährig aktiv, halten also keinen Torpor.

Brauner Mausmaki (Microcebus rufus)
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Brauner Mausmaki (Microcebus rufus)
Trotz vieler Ähnlichkeiten und der Überschneidung der Lebensräume bildeten sich bei den Arten unterschiedliche Sozialsysteme aus. Die nachtaktive Lebensweise bedingt meist Einzelgängertum. So sind die Tiere vor allem bei der nächtlichen Nahrungssuche in der Regel alleine unterwegs. Einige Arten wie Graue Mausmaki (Microcebus murinus) sind territorial und besetzen feste Reviere. Dies ist vor allem bei den Weibchen der Fall. Die Reviere überlappen jedoch mit denen naher Verwandter. Männchen legen insbesondere während der Paarungszeit eine hohe Territorialität an den Tag und beanspruchen zu dieser Zeit deutlich größere Reviere. Während der Nahrungssuche geben Katzenmakis Duftnoten ab und kommunizieren mit benachbarten Individuen über verschiedene Laute von denen einige im Ultraschallbereich liegen. Bei einigen Arten der Gabelstreifenmakis (Phaner) leben die Tiere paarweise und verteidigen gemeinsam ein Revier. Kotmarkierungen und ein Gesangsduett dienen bei dieser Art der Reviermarkierung. Vertreter der Mausmakis (Microcebus) leben nicht selten in größeren, gemischtgeschlechtlichen Gruppen zusammen. Die Gruppen weisen in der Regel eine Stärke von 5 bis 15 Tieren auf.

Verbreitung

Katzenmakis sind auf Madagaskar endemisch. Hier bewohnen sie die Küstenwälder vom Norden bis in den Süden der Insel. Besiedelt werden je nach Art unterschiedliche Waldtypen wie Regenwälder und Feuchtwälder. Im Westen von Madagaskar wird auch Trockenwald, im Süden auch Dornenwald besiedelt. An der madegassischen Ostküste fehlen Katzenmakis fast vollständig. Hier sind nur Büschelohrmakis (Allocebus) in den tropischen Regenwäldern anzutreffen. In den meisten Regionen überschneiden sich die Verbreitungsgebiete der einzelnen Arten, so dass man davon ausgehen kann, dass es zu hybriden Zonen kommen kann. In den Wäldern sind Katzenmakis in den mittleren bis oberen Waldschichten anzutreffen. Während der Ruhephasen halten sich die Tiere vorzugsweise in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Stellen auf. Einige Arten der Katzenmakis sind auch in kultivierten Wäldern, Plantagen und in der Nähe des Menschen anzutreffen.

Prädatoren

Prädator: die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis)
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Prädator: die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis)

Katzenmakis stehen in ihrem natürlichen Lebensraum auf der Speisekarte zahlreicher Fleischfresser. Dazu zählen insbesondere die Fossa (Cryptoprocta ferox), Madagaskar-Waldohreulen (Asio madagascariensis), Malegasseneulen (Tyto soumagnei), Madagaskar-Schleiereulen (Tyto alba hypermetra) und Madagaskarweihen (Circus maillardi). Aber auch unter den Schlangen (Serpentes) sind einige Fleischfresser zu finden. Hier sind insbesondere die Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis), die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis) und die Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili) zu nennen. Gelegentlich greifen auch verwilderte Hauskatzen (Felis catus) Katzenmakis an. Der Hauptfeind Nummer eins ist und bleibt der Mensch. Er stellt einigen Arten wegen des Fleisches nach.

Ernährung

Innerhalb der Familie der Katzenmakis haben die Species unterschiedliche Ernährungsstrategien entwickelt. Mausmakis (Microcebus) ernähren sich von Früchten, kleinen Gliederfüßern (Arthropoda) wie Insekten (Insecta), Spinnentieren (Arachnida) sowie Baumsäfte. Aber auch Blätter, jungen Triebe, Blüten, Nektar und Blütenpollen werden gerne gefressen. Eher selten werden auch kleine Säugetiere (Mammlia) und Nestlinge von Vögeln (Aves) gefressen. Saisonal kann die Nahrung stark schwanken. Während der Regenzeit werden beispielsweise überwiegend Früchte gefressen. Dies ist insbesondere von Dezember bis April der Fall. Gabelstreifenmakis (Phaner) ernähren sich fast ausschließlich von Baumsäften. Ihre meißelartigen Zähne sind zum Einritzen der Rinde geeignet. Riesenmausmakis (Mirza) bevorzugen Früchte, gehen aber auch auf die Jagd nach Kleingetier. Fettschwanzmakis (Cheirogaleus) gehören zu den Allesfressern, die auch Wirbeltiere (Vertebrata) wie Lurche (Amphibia), Vögel (Aves), deren Nestlinge und kleine Säugetiere (Mammalia) fressen. An pflanzlicher Nahrung stehen bei den Fettschwanzmakis beispielsweise die Früchte, Blüten und Nektar der Feigen (Ficus), Guaven (Psidium), Lorbeergewächse (Lauraceae), Brechsträucher (Psychotria) und diverse Schmetterlingsblütler (Faboideae) auf der Speisekarte. Nektar wird hauptsächlich durch Lecken aufgenommen.

Fortpflanzung

Die meisten Arten der Katzenmakis erreichen die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr, spätestens jedoch im Alter von gut 14 Monaten. Je nach Art leben die Tiere in einer festen Partnerschaft oder pflegen eine polygame Lebensweise. In Abhängigkeit von der Art kommt es pro Jahr zu ein oder zwei Würfen. Die Paarungszeit erstreckt sich zumeist von September bis in den Januar hinein. Zu dieser Zeit ist Nahrung meist reichlich vorhanden. Einige Arten paaren sich jedoch auch ganzjährig. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat das Männchen nichts oder nur wenig zu tun. Nach einer Tragezeit von rund 60 bis 90 Tagen bringt ein Weibchen je nach Art 1 bis 4 Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt im Nest der Weibchen, das sich zumeist in einer Baumhöhle oder an ähnlich geschützter Stelle befindet. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa knapp 2 Monate. Die ersten Wochen verbleiben die Jungtiere ausschließlich im Nest. Danach begleiten sie die Mutter auf der Suche nach Nahrung. Mit 10 Wochen sind die Jungtiere selbständig und verlassen die Mutter. Die Lebenserwartung in Freiheit beträgt unter günstigen Umständen zwischen 5 und 6 Jahre. In Gefangenschaft ist auch eine Lebenserwartung von 10 bis 12 Jahren möglich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN werden nur 9 Arten geführt. Dies liegt daran, dass die anderen Arten erst in den letzten Jahren entdeckt wurden. Als bedroht (VU, Vulnerable) wird der Große Riesenmausmaki (Mirza coquereli) geführt. Der Büschelohrmaki (Allocebus trichotis), der Zwerg-Mausmaki (Microcebus myoxinus) und der Goldbraune Mausmaki (Microcebus ravelobensis) gelten als stark gefährdet (EN, Endangered). Je nach Art können Katzenmakis durchaus hohe Dichten erreichen. Für Arten mit großen Verbreitungsgebieten besteht daher nur eine geringe Gefahr. Viele der Arten weisen jedoch nur ein kleines Verbreitungsgebiet auf und sind auch nur unzureichend erforscht. Die Hauptbedrohung geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Aber auch die Bejagung durch den Menschen stellt für einige Arten eine große Gefahr dar.

Systematik der Familie Katzenmakis

Familie: Katzenmakis (Cheirogaleidae)

Gattung: Fettschwanzmakis (Cheirogaleus) - 7 Arten
Gattung: Büschelohrmakis (Allocebus) - 1 Art
Gattung: Mausmakis (Microcebus) - 16 Arten
Gattung: Riesenmausmakis (Mirza) - 2 Arten
Gattung: Gabelstreifenmakis (Phaner) - 4 Arten

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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