Jangtse-Riesenweichschildkröte

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Jangtse-Riesenweichschildkröte

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Weichschildkröten (Trionychidae)
Gattung: Euphrat-Weichschildkröten (Rafetus)
Art: Jangtse-Riesenweichschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Rafetus swinhoei
(Gray, 1873)

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte (Rafetus swinhoei), auch unter den Synonymen Oscaria swinhoei und Rafetus leloii bekannt, zählt innerhalb der Familie der Weichschildkröten (Trionychidae) zur Gattung der Euphrat-Weichschildkröten (Rafetus). Im Englischen wird die Jangtse-Riesenweichschildkröte yangtze giant softshell turtle, red river giant softshell turtle, shanghai softshell turtle oder swinhoe's softshell turtle genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte erreicht eine Körperlänge von etwa 100,0 Zentimeter und eine Körperbreite von etwa 70,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 70,0 bis 100,0 Kilogramm. Der Carapax kann eine Länge und eine Breite von mehr als 50,0 Zentimeter erreichen. Der Kopf kann über 20,0 Zentimeter in der Länge und 10,0 Zentimeter in der Breite messen. Das Männchen wird in der Regel kleiner als das Weibchen. Der Carapax ist relativ flach, im vorderen Bereich des Carapax zeigt sich eine Erhebung, eine Art von Höcker. Wie bei allen Weichschildkröten, so ist auch der Panzer der Jangtse-Riesenweichschildkröte nicht starr, sondern weich und biegsam. Die Oberfläche des Carapax ist glatt und zumeist olivgrün bis olivbraun gefärbt. Der ventrale Plastron ist überwiegend ockerfarben oder cremefarben getönt. Der Plastron der juvenilen Tiere weist eine rötliche Färbung auf. Wie der Carapax, so wirkt auch der Plastron lederartig. Der Kopf und die sichtbare Haut ist gelblichbraun bis olivgelb gefärbt. Die Haut im Nacken ist ausgesprochen faltig. Der Hals ist lang und deutlich dünner als der massige Kopf. Die Augen treten leicht hervor. Die Iris der Augen ist gelblich und die Pupille ist dunkel gefärbt. Die Nasenspitze ist zu einem verlängerten Schnorchel umgebildet. Der obere Teil der Schnauze endet stumpf. Adulte Männchen und Weibchen lassen sich nicht nur anhand der Größe unterscheiden. Beim Männchen ist die Schwanzwurzel deutlich dicker ausgebildet als beim Weibchen. Die Extremitäten enden in langen Zehen, die jeweils mit einer kleinen Kralle versehen sind. Zwischen den Zehen hat die Jangtse-Riesenweichschildkröte deutlich sichtbare Schwimmhäute, die sie zu einer sehr guten Schwimmerin machen.

Lebensweise

Jangtse-Riesenweichschildkröten sind fast ausschließlich am Tage aktiv und führen ein einzelgängerisches Leben. Die Geschlechter treffen sich nur zur Paarungszeit. Tagsüber liegen sie meist in der Sonne und tanken Wärme. Dabei sitzen sie in der Regel am Gewässerrand oder auf ins Wasser hineinragende Baumstämme oder Äste. In den frühen Morgen- und Abendstunden sowie in der Dämmerung gehen sie auf Nahrungssuche. Während der Nacht oder bei Gefahr ziehen sich die Jangtse-Riesenweichschildkröten ins Wasser zurück. Meist graben sie sich in den schlammigen Gewässergrund ein. Auch wenn sie Luft atmen müssen, können sie unter Wasser zu einem geringen Teil Sauerstoff über die Haut aufnehmen.

Verbreitung

Hoan Kiem Lake, Hanoi, Vietnam
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Hoan Kiem Lake, Hanoi, Vietnam

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte bewohnte ursprünglich den Yangtze River und den Lake Taihu an der Grenze der Provinzen Jiangsu und Zhejiang im östlichen China sowie in Gejiu, Yuanyang, Jianshui und Honghe in der Provinz Yunnan im Süden Chinas.

Ernährung

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte ernährt sich von Fischen (Pisces), Krabben (Brachyura), Schnecken (Gastropoda), Froschlurchen (Anura), Wasserhyazinthen (Eichhornia) und von Pflanzen. Ihre Nahrung finden Jangtse-Riesenweichschildkröten am Gewässergrund. Mit ihrer Schnauze stöbern sie im Schlamm nach Nahrung oder drehen auch schon mal Steine um. Sie sind keine Lauerjäger, sie gehen überwiegend aktiv auf Beutefang.

Fortpflanzung

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte erreicht die Geschlechtsreife je nach Ernährungszustand und Geschlecht erst im Alter von sieben bis neun Jahren. Sie lebt außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen sich nur während der Paarungszeit, die im Frühjahr beginnt. Hat sich ein Paar gefunden, so erfolgt die Kopulation schwimmend unter Wasser. Der Plastron des Männchens ist konkav geformt. So kann er bequem auf dem Weibchen platz nehmen und sein Geschlechtsteil in die Kloake des Weibchens einführen. Die Eiablage erfolgt wie bei allen Schildkröten an Land. Dazu sucht das Weibchen eine Sandbank auf, die nicht überflutet werden kann. Sonnige Sandbänke werden dabei eindeutig bevorzugt. Das Weibchen gräbt mit ihren kräftigen Beinen flache Gruben und legt 60 bis 100 oder mehr Eier ab. Sie legt die Eier in der Nacht oder im Laufe des Vormittags. Nach erfolgter Eiablage schließt das Weibchen die Grube sorgsam und kehrt ins Wasser zurück. Mit dem Schlupf und der Aufzucht hat das Weibchen nichts zu tun. Eine Brutpflege wird also nicht betrieben. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungtiere nach 90 bis 150 Tagen.

Gefährdung und Schutz

Die Jangtse-Riesenweichschildkröte ist eine extrem seltene Art in Vietnam und in China. Nur noch vier lebende Exemplare gibt es, je eine Jangtse-Riesenweichschildkröte im Hoan Kiem Lake und im Son Tay in Hanoi, Vietnam und zwei Jangtse-Riesenweichschildkröten im Suzhou Zoo in China. Es ist nur zu hoffen, dass das eine Paar im Suzhou Zoo in China sich weiter fortpflanzt. Die Art steht kurz vor dem Aussterben. Deshalb wird sie in der Roten Liste IUCN als vom Aussterben bedroht gelistet. Das letzte bekannte Exemplar wurde im Jahr 1998 in freier Wildbahn im Red River zwischen Yuanyang und Jianshui in China gefangen, es wurde dann wieder ausgesetzt. Ein Exemplar starb im Jahr 2005 im Beijing Zoo und ein weiteres Exemplar starb im Jahr 2006 im Shanghai Zoo. Beide wurden bei Gejiu in den 1970er Jahren gefangen. In den Jahren 1999, 2000 und 2005 sind im Hoan Kiem Lake unverhofft Jangtse-Riesenweichschildkröten aufgetaucht und wurde von einem großen Publikum auf Film gebannt. Es wird aber angenommen, dass es sich hierbei nur um eine einzige Jangtse-Riesenweichschildkröte im Hoan Kiem Lake handelt. Wegen offener Wunden wurde sie im April 2011 gefangen, da die Wunden unbedingt behandelt werden mußten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Holger Vetter, Peter P. van Dijk: Schildkröten der Welt 4. Ost- und Südostasien. Chimaira Mai 2006. ISBN 3930612844
  • Andreas S. Hennig: Haltung von Wasserschildkröten. Natur und Tier-Verlag; Auflage 1, Dez. 2004. ISBN 3931587959
  • Fritz J. Obst: Die Welt der Schildkröten. Müller Rüschlikon, Auflage 2, (1988). ISBN 3275008552

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