Irawadidelfin

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Irawadidelfin

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Grindwale (Globicephalinae)
Gattung: Orcaella
Art: Irawadidelfin
Wissenschaftlicher Name
Orcaella brevirostris
Owen in Gray, 1866

IUCN-Status
Data Deficient (DD) - IUCN

Der Irawadidelfin (Orcaella brevirostris) zählt innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae) zur Gattung Orcaella. Im Englischen wird die Art Irrawaddy dolphin genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Irawadidelfine erreichen eine Körperlänge von 180 bis 275 (210-230) Zentimeter sowie ein Gewicht von 100 bis 190 (114-133) Kilogramm (in Klammern Durchschnittswerte). Dorsal und lateral zeigt sich bei den Tieren eine blaugraue Färbung, die ventral in ein Hellgrau übergeht. Der Kopf ist kräftig und rundlich ausgeprägt. Dies trifft vor allem auf die Melone zu. Die Schnauze weist keine für Delfine typische Schnabelform auf. Die kleine Rückenfinne ist sichelartig geformt und endet in einer eher rundlichen Spitze. Die Rückenfinne liegt knapp hinter der Rückenmitte. Der Körper ist insgesamt recht stämmig und torpedoartig geformt. Die Schwanzflosse (Fluke) ist relativ schmal und nur wenig gegabelt. Die Brustflossen (Flipper) liegen im hinteren Bereich des ersten Körperdrittels. Irawadidelfine verfügen über 58 bis 60 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 12 bis 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 9 bis 12 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae) und 28 bis 30 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Das Gebiss weist je Kieferhälfte zwischen 12 und 20 Zähne auf. Das recht große Herz weist eine Breite von 12,7 Zentimeter auf. Der Magen ist in 3 Kammern unterteilt. Messungen der rektalen Temperatur haben Werte zwischen 36,5 und 37,2 Grad ergeben.

Lebensweise

Die tagaktiven Irawadidelfine sind gesellig wie alle Delfine und leben in kleinen Schulen mit einer Stärke von bis zu 10 Individuen. Es treten jedoch in seltenen Fällen auch einzelgängerisch lebende Tiere auf. Dabei handelt es sich meist um ältere Männchen. Irawadidelfine tauchen meist nur im Oberflächenwasser. Ihre Tauchgänge erstrecken sich dabei über 70 bis 150 Sekunden. Die längste gemessene Tauchzeit erstreckte sich über 12 Minuten. Sie tauchen durchschnittlich in Tiefen von 2,5 bis 18 Metern. Die Schwimmgeschwindigkeit beträgt zwischen 20 und 25 km/h. Saisonale Wanderungen sind schlecht dokumentiert, daher liegen nur wenig detaillierte Untersuchungen vor. Im Fluss Irawadi sind Wanderungen zwischen Mai und Oktober dokumentiert.

Unterarten

Verbreitung

Der Irawadidelfin kommt in weiten Teilen Südostasiens und im westlichen Pazifik in tropisch warmen Gewässern vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Golf von Bengalen bis in den Nordosten Australiens. Es werden die Küsten des nordöstlichen Indien, Thailand, Myanmar, Bangladesh, Malaysia, Vietnam, Laos, Singapur, Kambotscha, Brunei, der Golf von Papua, Sumatra, Sulawesi, Irian Jaya und zahlreichen Inseln in Südostasien. In Australien werden sind Irawadidelfine an der West-, Nord- und Nordostküste anzutreffen. Die Tiere leben in Küstengewässern, Buchten, Mündungsdelta und schwimmen auch in größere Flüsse hinein. Sichtungen bestätigen, dass sie bis zu 1.440 Kilometer flussaufwärts schwimmen. Gewässer mit schlammigem Untergrund werden bevorzugt besiedelt. Irawadidelfin können in Salz- und Brackwasser, aber auch dauerhaft in Süßwasser leben.

Ernährung

Irawadidelfine ernähren sich je nach Verbreitungsgebiet von Krebstieren (Crustacea) wie Schwebegarnelen (Mysida), aber auch von verschiedenen Fischen wie Welse (Siluridae), Haiwelse (Pangasiidae), Karpfenfische (Cyprinidae), Sardellen (Engraulidae), Heringe (Clupeidae), Wolfsheringe (Chirocentridae), Halbschnäbler (Hemirhamphidae), Ponyfische (Leiognathidae), Tigerfische (Terapontidae), Kardinalbarsche (Apogonidae), Scheinschnapper (Nemipteridae), Krokodilsfische (Platycephalidae), Süßlippen (Haemulidae) und Eidechsenfische (Synodontidae). Dies haben zahlreiche Analysen von Mageninhalten ergeben. Pro Tag nehmen Irawadidelfine zwischen 5 und 8 Kilogramm an Nahrung zu sich. Dies entspricht bis zu 8 Prozent des Körpergewichtes. <1>

Fortpflanzung

Irawadidelfine erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 4 bis 6 Jahren. Die Paarungszeit ist im Grunde an keine feste Jahreszeit gebunden. In einigen Flüssen wie beispielsweise dem Mekong erstreckt sich die Paarungszeit von März bis Juni. Nach einer Tragezeit von etwa 14 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Es weist eine Körperlänge von 96 Zentimetern und ein Gewicht von 12,3 Kilogramm auf. Die Geburt kann sich über einen Zeitraum von bis zu 2 Stunden erstrecken. Unmittelbar nach der Geburt drückt die Mutter ihr Jungtier zum Atmen an die Wasseroberfläche. Die Säugezeit beträgt zwischen 6 bis 12 Monate. Bereits im 6. Oder 7. Lebensmonat nehmen die Jungtiere zusätzlich zur Muttermilch bis zu einem Kilogramm an fester Nahrung zu sich. Die durchschnittliche Körperlänge im 7. Lebensmonat beträgt 153 Zentimeter, das Gewicht liegt bei rund 45 Kilogramm. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei mehr als 30 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Über die aktuelle Bestandssituation ist nur wenig bekannt. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie “DD”, Data Deficient geführt. Irawadidelfine werden im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) in Anhang II des Abkommens gelistet. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes stellt die einheimische Bevölkerung den Tieren wegen des Fleisches nach. Sie sind eine leichte Beute, da sie nahe der Küste oder in Flüssen leben und ausgesprochen langsam nahe der Wasseroberfläche schwimmen.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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