Horsfield-Rundblattnase

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Horsfield-Rundblattnase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hufeisennasenartige (Rhinolophoidea)
Familie: Rundblattnasen (Hipposideridae)
Unterfamilie: Hipposiderinae
Gattung: Eigentliche Rundblattnasen (Hipposideros)
Art: Horsfield-Rundblattnase
Wissenschaftlicher Name
Hipposideros larvatus
Horsfield, 1823

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Horsfield-Rundblattnase (Hipposideros larvatus), die auch unter der Bezeichnung Intermediate Rundblattnase bekannt ist, zählt innerhalb der Familie der Rundblattnasen (Hipposideridae) zur Gattung der Eigentlichen Rundblattnasen (Hipposideros).

Die Familie der Rundblattnasen (Hipposideridae) ist eng mit der Familie Hufeisennasen (Rhinolophidae) verwandt und wird manchmal als deren Unterfamilie Hipposiderinae klassifiziert.

Wegen der Klassifizierung gab es schon heftige Kontroversen. Namensgebend für die Familie Rundblattnasen ist der häutige Nasenaufsatz, der ein hufeisenförmiges Gebilde darstellt und sich in der vorgewölbten nasalen Region befindet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die insektenfressende Horsfield-Rundblattnase erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 80 Millimeter. Die Unterarm-Länge mißt ungefähr 65 Millimeter und das Körpergewicht beträgt etwa 14 bis 20 Gramm. Das Fell, das den gesamten Körper und die Extremitäten bedeckt, weist eine dunkel grau-braune bis rötlich-braune Färbung auf. Die Ohren und die Nase zeigen ein dunkles Grau bis Braun. An der hufeisenförmigen Unterseite des aufgerichteten Nasenblattes befinden sich beidseitig drei zusätzliche Blättchen, die effektiv mitschwingen. Hierüber wird ein Ultraschall abgegeben, der zur Orientierung und der Echolokation dient.

Das Querblatt ist im Gegensatz zum Nasenblatt aufgerichtet und der Mittelkiel der Sella (Sattel) fehlt bei dieser Art völlig. Mit den seitlich liegenden großen Ohren wird der reflektierte Schall aufgenommen und zum Gehirn weitergeleitet. Hinter dem Nasenblatt zeichnet sich bei dem Männchen deutlich eine sackförmige Drüse ab, die eine wachsartige Substanz absondert. Bei dem Weibchen ist die sackförmige Drüse weniger gut ausgebildet. Die Horsfield-Rundblattnase zeichnet sich durch sehr große dreieckig geformte Ohren aus, hauptsächlich wegen des gut entwickelten Antitragus. Auch bei dieser Art fehlt an den Ohren der Tragus (kleine Knorpelmasse an der Ohrmuschel). Die Kehle ist spärlich behaart. In der Schulterregion befinden sich mehrere kleine weiße Punkte.

Die Augen sind relativ klein. Sie kann aber trotzdem Helligkeitsstufen und Formen problemlos differenzieren. Die Tasthaare im Gesicht dienen zur Wahrnehmung von Luftströmen. Auffälligstes Merkmal ist die aus zwei Hautschichten bestehende Flugmembran, die sich von den Handgelenken bis zu den Fußgelenken erstreckt. Der Daumen ist sehr kurz und verfügt über eine kleine Kralle. Die anderen vier Finger sind stark verlängert und bilden letztlich den Spannweitenbereich der Flugmembran. Auch die Knochen im Armbereich, insbesondere die Speiche und die Elle sind deutlich verlängert. An jeder Zehe des Fusses befinden sich zwei Phalangen (Knochen, aus denen sich Finger und Zehen zusammensetzen) und das kurze Endstück liegt innerhalb des kleinen Uropatagium (hintere Flughaut). Die Mundregion des Schädels ist sehr kräftig ausgebildet.

Die Geschlechter weisen einen minimalen Geschlechtsdimorphismus auf. Das Weibchen ist während der Säugezeit an den Brustdrüsen leicht zu erkennen. Ansonsten schafft bei der Bestimmung ein Blick in den Genitalbereich Abhilfe. Die Horsfield-Rundblattnase ist eine gesellige Fledermausart, die in kleinen Kolonien von bis zu 100 Tieren lebt. Sie hält sich während des Tages in Höhlen, verlassenen Gruben oder an ähnlichen dunklen Orten auf. Mit Einbruch der Nacht wird sie munter. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als gering gefährdet geführt. Fühlt sich die Horsfield-Rundblattnase bedroht oder in die Enge getrieben, so kann sie schmerzlich zubeissen. Dabei kann der Biss eine Myriade von Parasiten übertragen, denen die meisten Parasiten dem Menschen kaum gefährlich werden können.

Unterarten

Verbreitung

Grotte auf der Insel Nicobar
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Grotte auf der Insel Nicobar

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Horsfield-Rundblattnase erstreckt sich über Brunei, Myanmar, Südwest-China, Thailand, Malaysia (Sabah, Sarawak), Borneo, Hainan, Assam, Laos, Vietnam, Indonesien (Bali, Java, Kalimantan, Sumatra), Kambodscha, Bangladesh, Nicobar bis nach Indien. Sie lebt meist in tropischen und subtropischen Tiefland-Regenwäldern. In Höhenlagen ist sie meist nur bis in Höhen von 1.200 Metern anzutreffen. Während des Tages hält sich die Horsfield-Rundblattnase an höhlenartigen Plätzen auf. Aktiv wird sie mit Einbruch der Dunkelheit.

Prädatoren

Zu den Hauptfeinden der Horsfield-Rundblattnase zählen große nächtliche Raubvögel, wie Eulen. Des weiteren gehören zahlreiche Schlangen zu den Fressfeinden und kleine fleischfressende Säugetiere wie zum Beispiel die Kleinfleck-Zibetkatze (Viverra tangalunga), auch Tangalunga genannt.

Ernährung

Zum Nahrungsspektrum der Horsfield-Rundblattnase gehören zahlreiche Insekten wie Käfer (Coleoptera), Lepidoptera (Schmetterlinge) und Geradflügler (Orthoptera), zum Beispiel Heuschrecken. Obwohl sehr selten, kommt es doch vor, dass sie auch kleine Vögel und Spinnen verspeist.

Die Horsfield-Rundblattnase ist eine geschickte Jägerin, indem sie die Echolokation verwendet, verstärkt durch ihre in hohem Grade angepaßte Nase und Nasenlöcher ist die Jagd nach Beutetieren sehr erfolgreich. Es werden im Umkreis konstante Frequenzen etwa von 50 bis 58 kHz ausgestrahlt und halten ungefähr 20 bis 30 Sekunden lang an.
Horsfield-Rundblattnase
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Horsfield-Rundblattnase
Die Horsfield-Rundblattnase ist keine ununterbrochene Flugjägerin. Statt dessen zieht sie es vor, kurze Flüge zu unternehmen, um die Beute in der Luft abzufangen. Sie riskiert sehr selten über offenes Gewässer zu fliegen. Meistens versucht sie ihre Beute über einen Strom oder einen Nebenfluss zu jagen, die an den Uferböschungen reichlich Deckungsmöglichkeiten bieten. Motten bilden einen Hauptanteil ihrer Nahrung. Diese Insekten haben eine Gehörstrecke von etwa 20 bis 50 kHz. Forschungen haben ergeben, dass diese Insekten die Impulse der Echolokation spürten und erlernten somit die Möglichkeit, der angreifenden Horsfield-Rundblattnase auszuweichen oder sich zu verstecken.

Als Insektenfresser spielt die Horsfield-Rundblattnase eine wichtige Rolle im Ökosystem. Des weiteren bilden die Exkremente der Fledermaus einen natürlichen Dünger für die Flora, sogar Einheimische sammeln den Dung und verwenden ihn als Düngemittel für ihre Felder.

Fortpflanzung

Die Horsfield-Rundblattnase erreicht die Geschlechtsreife mit ein bis zwei Jahren. Die Paarungszeit richtet sich je nach Nahrungsangebot. Sie kann sich über Juli bis August sowie über Februar bis Mai erstrecken. Nach einer Tragezeit von 110 bis 125 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein Jungtier zur Welt. Es weist ein Gewicht von gut fünf Gramm auf und ist relativ weit entwickelt. Drei Wochen nach der Geburt kann das Jungtier schon fliegen. Das Jungtier wird etwa 40 bis 80 Tage lang gesäugt. Bis zum Absetzen des Jungtieres bleibt es aber noch bei der Mutter. Erst danach ist das Jungtier selbständig. In Freiheit erreicht eine Horsfield-Rundblattnase ein Alter von acht bis zehn Jahren, in Gefangenschaft kann das erreichbare Alter durchaus auch zwölf bis vierzehn Jahre betragen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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