Indisches Spitzhörnchen

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Indisches Spitzhörnchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzhörnchen (Scandentia)
Familie: Spitzhörnchen (Tupaiidae)
Unterfamilie: Tupaiinae
Gattung: Anathana
Art: Indisches Spitzhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Anathana ellioti
(Waterhouse, 1849)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Indische Spitzhörnchen (Anathana ellioti) zählt innerhalb der Familie der Spitzhörnchen (Tupaiidae) zur Gattung Anathana. Im Englischen wird die Art Madras Treeshrew oder Madras Tree Shrew genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Zugehörigkeit der Spitzhörnchen wurde lange Zeit diskutiert. Mehrfache Verschiebungen der phylogenetischen Zuordnung waren die Folge. Zur Zeit der Entdeckung, im frühen 20. Jahrhundert, ordnete man die Spitzhörnchen den Tenrekartigen (Afrosoricida) oder den Rüsselspringern (Macroscelidea) zu. In den 1920er Jahren stellten Forscher Ähnlichkeiten in der Muskulatur, Hirn- und Schädelmorphologie sowie in der Entwicklung des Auges mit den Primaten (Primates) fest. Im Jahre 1945 revidierte Simpson diese Zuordnung jedoch wieder, da die Ähnlichkeiten als konvergente Entwicklungen angesehen wurden. Seither werden Spitzhörnchen in einer eigenen Ordnung geführt (Nowak, 1999).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Indische Spitzhörnchen erreicht eine Körperlänge von 160 bis 185 mm, eine Schwanzlänge von 165 bis 195 mm sowie ein Gewicht von etwa 160 g. Vom Aussehen her ähnelt die Art den Vertretern der Gattung der Eigentlichen Spitzhörnchen (Tupaia), jedoch sind die Ohren deutlich größer. Das Fell der Indischen Spitzhörnchen ist dorsal überwiegend bräunlich, und ist dorsal oft mit dunkelbraunen, gelblichen oder schwwärzlichen Sprenkeln versehen. Ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Das Gebiss besteht aus 38 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/3, 1/1, 3/3, 3/3. Die Eckzähne sind eher schwach entwickelt (Nowak, 1999).

Lebensweise

Das Indische Spitzhörnchen gilt zwar als guter Kletterer, ist aber nicht in Bäumen zu Hause. In felsigem Gelände bewegen sich die Tiere jedoch sicher über Felsen. In Bäume klettern Indische Spitzhörnchen allenfalls bei Gefahr oder anderen außergewöhnlichen Anlässen. Die Tiere leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Bei gesichteten Gruppen handelt es sich in der Regel um ein Muttertier mit ihrem Nachwuchs. In den Ruhephasen und in der Nacht suchen Indische Spitzhörnchen geschützte Stellen wie Höhlen unter Steinen oder ähnliches auf (Nowak, 1999).

Verbreitung

Indische Spitzhörnchen sind auf dem Indischen Subkontinent endemisch. Die Vorkommen erstrecken sich dabei südlich des Ganges. Nördlich des Ganges, also im Nordwesten Indiens kommt die Art demnach nicht vor. Feuchtwälder, aber auch Trockenwälder gehören zum natürlichen Lebensraum der Tiere. In der Nähe des Menschen werden auch gelegentlich landwirtschaftliche Flächen wie Äcker und Weiden besiedelt (IUCN, 2011, Nowak, 1999).

Ernährung

Indische Spitzhörnchen gelten als Allesfresser. Neben Früchte und Beeren stehen vor allem Insekten (Incesta) wie Schmetterlinge (Lepidoptera) und deren Raupen sowie Ameisen (Formicoidea) auf der Speisekarte. Aber auch Ringelwürmer (Annelida) werden häufig gefressen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt hauptsächlich in den Morgen- und Abendstunden (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Indischen Spitzhörnchen ist fast nichts bekannt. Die Hoden der Männchen liegen nicht wie bei anderen Spitzhörnchen-Arten scrotal, sondern abdominal. Ein Weibchen bringt meist 5 Jungtiere zur Welt (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Art gehört noch nicht zu den gefährdeten Species. In der Roten Liste der IUCN wird das Indische Spitzhörnchen in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet die Art in Anhang II des Abkommens. Nur lokal ist ein Bestandsrückgang aufgrund von Vernichtung des natürlichen Lebensraumes zu verzeichnen. In vielen Teilen Indiens werden Wälder wegen des Holzes oder für den Bau von Siedlungen und Agrarflächen gerodet. Zahlreiche Tiere sterben zudem im Straßenverkehr (Molur et al. 2005 in IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art auch unter den Synonymen pallida Lyon, 1913 und wroughtoni Lyon, 1913 bekannt. Beide Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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