Indischer Glaswels

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Indischer Glaswels

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Welse (Siluriformes)
Familie: Echte Welse (Siluridae)
Gattung: Glaswelse (Kryptopterus)
Art: Indischer Glaswels
Wissenschaftlicher Name
Kryptopterus bicirrhis
Valenciennes, 1840

Der Indische Glaswels (Kryptopterus bicirrhis) zählt innerhalb der Familie der Echten Welse (Siluridae) zur Gattung der Glaswelse (Kryptopterus). Im Englischen wird der Indische Glaswels glass catfish oder ghost fish genannt.

Es gibt ein paar sogenannte "Glaswelse", die in Zoohandlungen als solche verkauft werden, wie zum Beispiel der Doppelfleck-Glaswels (Ompok bimaculatus) oder der Afrikanische Glaswels (Parailia congica), der innerhalb der Familie Schilbeidae zur Gattung Parailia gehört. Er zeichnet sich durch eine größere Rückenflosse und durch ein zusätzliches Paar Nasalbarteln sowie durch eine Fettflosse aus. Die größte Verwechslungsgefahr besteht zwischen den zwei Arten Kryptopterus bicirrhis und Kryptopterus minor. Zwar gibt es einige morphologische Unterschiede zwischen den beiden Arten, aber es ist sehr schwierig beide Arten - abgesehen von der Körperlänge - auseinanderzuhalten. Kryptopterus minor erreicht eine Körperlänge von etwa 6,5 Zentimetern und Kryptopterus bicirrhis eine Körperlänge von etwa 12 bis 15 Zentimetern. Beide genannten Arten leben in der gleichen Umgebung und beide Arten sind transparent. Tatsächlich ist der Indische Glaswels näher mit dem Flusswels (Silurus glanis) verwandt, der ebenfalls zur Familie der Echten Welse (Siluridae) zählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Indische Glaswels erreicht eine Körperlänge von etwa 12 bis 15 Zentimetern und weist eine schlanke Körperform auf. Die Geschlechter sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Die analen Weichstrahlen betragen 55 - 68, ventral 6 Strahlen, eine rudimentäre Rückenflosse ist vorhanden. Die zwei Kinnbarteln reichen bis zur Analflosse, die Analstrahlen betragen 55 - 68. Das dorsale Profil ist bogenförmig und der Nacken ist ebenfalls gewölbt. Die Brustflosse ist ausgesprochen lang und übertrifft bei weitem die Kopflänge. Die Augen sind besonders groß. Zwei seitliche dünne Streifen am Körper erstrecken sich vom Kopf bis kaudal zur Schwanzflosse. Der Indische Glaswels schimmert silbern-bläulich und ist durchsichtig wie Glas und weist vereinzelt verstreute Pigmentflecken am Kopf und am Unterbauch auf. Im Innern des Körpers kann man die Schwimmblase neben der Brustflosse und andere interne Strukturen wie zum Beispiel den Wirbelsäulenspalt erkennen. In seinen nativen Gewässern würde man denken, dass der Indische Glaswels aufgrund des zarten und zerbrechlichen Körpers eine leichte Mahlzeit für Prädatoren wäre, aber dem ist nicht so. Denn er kann sich in den trüben Gewässern zwischen Pflanzen gut tarnen. Dabei wird die Zahl der Melanophoren (sie enthalten die dunklen Pigmente Eumelanin und Melanin (braun bzw. schwarz)) deutlich reduziert und die Muskeln und der Körper werden dadurch transparent. Die Körperwand enthält Thrombozyten von Guanin in einer silbernen Schicht, die wie ein Spiegel wirkt. Dieser spiegelt das Licht und die Farben des Lebensraumes, so dass der Fisch effektiv getarnt ist.

Lebensweise

Der Indische Glaswels hält sich hauptsächlich in langsam fließenden, tropischen Flüssen auf und steht meist tagsüber ruhig in der Strömung. Er lebt benthopelagisch (Bodenorientierung) im Süßwasser, das eine Temperatur von 21 bis 26 Grad Celsius aufweist. Der pH-Wert beträgt 5 bis 7,5 und die Gesamthärte < 10°. Er ist ein Schwarmfisch und sollte unbedingt im Aquarium mit 10 Individuen gehalten werden, da einzelne Fische verkümmern oder sogar eingehen. Die Mindestgröße eines Aquariums sollte etwa 100 Zentimeter betragen. Wichtig ist die regelmäßige Zugabe von Frischwasser, d.h. regelmäßiger Wasserwechsel. Der Indische Glaswels kann in der Gefangenschaft bei guter Pflege und artgerechter Haltung ein Alter von etwa 10 Jahren erreichen.

Verbreitung

Der Indische Glaswels kommt in Asien vor. Dazu gehören der Mekong, Chao Phraya (neben Mekong und Saluen der größte und wichtigste Fluss Thailands (Südostasien), Xe Bang Fai, die Malaiische Halbinsel, Sumatra, Java sowie Borneo. Des weiteren ist er auch in Hinterindien bis Sulawesi anzutreffen. Er tritt meistens in großen Flüssen mit trüben Gewässern auf. Er hält sich auch auf überschwemmten Feldern auf. Der Indische Glaswels wurde auch schon in über Torf gefilterte Flachland-Ströme in großen Schulen bis zu 100 Fischen gesichtet.

Ernährung

Der Indische Glaswels lebt räuberisch und ernährt sich vor allem von pelagischen Schnabelkerfen (Hemiptera) und von einigen kleinen Fischen (Pisces). Nebenbei verzehrt er auch Würmer, Krebstiere (Crustacea) und Insekten (Insecta).

Fortpflanzung

Die Lebensweise und die Fortpflanzung in der freien Natur wurden von dieser Spezies kaum dokumentiert. Man nimmt an, dass der laichreife Fisch während der Regenzeit in die Überschwemmungsgebiete schwimmt, um dort zu laichen. Mit dem Wasser kehren die Schwärme erwachsener und juveniler Indischer Glaswelse in die ständigen Gewässer zurück, wo sie aufgrund ihrer Transparenz für Prädatoren unsichtbar sind.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Wally Kahl, Burkard Kahl, Dieter Vogt: Kosmos - Atlas Aquarienfische. Sonderausgabe. Kosmos 2003. ISBN 3440094766
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
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