Indigofink

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Indigofink
Männchen im Brutkleid

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Passerida
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Ammern (Emberizinae)
Tribus: Cardinalini
Gattung: Passerina
Art: Indigofink
Wissenschaftlicher Name
Passerina cyanea
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Indigofink (Passerina cyanea) zählt innerhalb der Familie der Finken (Fringillidae) zur Gattung Passerina. Die englische Bezeichnung des Indigofinken lautet Indigo Bunting. Es gibt keine bekannten Unterarten. Die Art ist monotypisch. Allerdings wird der Lazulifink (Passerina amoena) nicht mehr als eigenständige Art gesehen, sondern manchmal als neue Unterart Passerina cyanea amoena (Say, 1832) beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Vögel der Gattung Passerina wirken ziemlich klein und sind weltweit beliebte Käfigvögel. Der Indigofink erreicht eine Körperlänge von etwa 11 bis 13 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 20 bis 22 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 12 bis 18 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht in der Färbung ein deutlicher Dimorphismus. Das Männchen ist in seinem Brutkleid, das leuchtend blaue Farben aufweist, leicht zu identifizieren. Markante Merkmale sind der Fleck auf seinen integralen blauen Federn sowie der kurze konisch geformte zweifarbige Schnabel, wobei der Oberschnabel schwarz und der Unterschnabel grau getönt sind. Im Winter sieht das Männchen in seinem Ruhekleid sehr dem Weibchen ähnlich. Die Winterfedern des Männchen weisen eine braune Farbe auf, die auf die braunen Ränder der Federn zurückzuführen ist. Nur der Steiß, der Schwanz und die Flügel zeigen noch die blaue Tönung. Das Weibchen ist in seinem Gefieder ziemlich unscheinbar, das eine blasse braune Oberseite aufweist. Die Brust, die mehr cremefarben oder sandfarben getönt ist, zeigt mehrere verbreiterte Streifen. An den Flügeln sind ebenfalls blasse helle Säume erkennbar, die manchmal eine klare Flügelbinde bilden. Einige Vögel weisen vereinzelt blaue Federn sowie blau nuancierte Flügel und einen blau getönten Schwanz auf. Im Winter zeigt das Weibchen mehr braune Streifen auf als im Herbst. Die Extremitäten sind schwarz oder grau geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Der Indigofink migriert besonders in der Nacht. Er kann bis zu 3.200 Kilometer zwischen den Winterquartieren und den Brutplätzen zurücklegen. Der Ruf des Indigofinken umfaßt ein deutliches "tzik" und ein kurzes Summen etwa wie "bzeet". Sein Gesang ist eine Serie von Variationen und von hohen, klaren und schnellen Sätzen, die dann in der Tonalität langsamer werden und am Ende gänzlich verklingen. Der Indigofink kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa zehn Jahren erreichen.

Lebensweise

Indigofink - Männchen im Brutkleid
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Indigofink - Männchen im Brutkleid

Der Indigofink lebt für gewöhnlich einzelgängerisch. Das Männchen steckt mit seinem Gesang ein Territorium ab und verteidigt dieses Territorium vehement gegen Eindringlinge. In seinem Revier hält sich normalerweise nur eine Partnerin auf. Es kommt aber auch vor, dass sich mehrere Partnerinnen gleichzeitig in seinem Territroium befinden. Die Nacht verbringt er meistens in kleinen Trupps und während der Paarungszeit und Brutsaison bilden sich auch manchmal kleine Gruppen. Im Winter geht das Männchen oft allein auf Nahrungssuche. Der Indigofink ist ein Langstreckenzieher. Während der Paarungszeit und Brutsaison hört man das Männchen des öfteren singen. Das Männchen hat einen sehr komplexen Gesang. Mit seinem Gesang macht er die anderen Männchen darauf aufmerksam, dass das Revier schon besetzt ist. Die Weibchen fühlen sich wiederum durch den Gesang des Männchens angezogen und inspizieren gründlich das Revier. Das Männchen vollführt in der Paarungszeit einen beeindruckenden Balztanz, indem das Männchen mit ausgebreiteten Flügeln und mit geducktem Kopf vor dem Weibchen oder vor den Weibchen Kreise beschreibt. Für gewöhnlich lebt das Männchen monogam, aber es ist auch nicht ungewöhnlich, wenn man das Männchen mit mehr als einem Weibchen sieht. Pro Saison kann es zu mehreren Bruten kommen und das Männchen kann von Nest zu Nest und von Partnerin zu Partnerin zwischen zwei Bruten wechseln. Nähert sich ein natürlicher Fleischfresser dem Nest, so täuscht der Indigofink eine Verletzung vor und mit einem lauten Ruf etwa wie "chip-chip-chip" lenkt er den Fleischfresser vom Nest ab und versucht den Prädator vom Nest wegzulocken.

Indigofinken müssen oft herhalten, um die Jungen des brutschmarotzenden Glanzkuhstärlings (Molothrus bonariensis) aufzuziehen. Der Zug beginnt in den letzten Augusttagen und dauert bis November. Im Winterquartier vermengen sich die Flüge der Indigofinken oft mit denen von Goldzeisigen (Carduelis tristis) und verschiedenen Pfäffchen (Sporophila). Es kann auch vorkommen, dass der Indigofink in Berührungsgebieten wie zum Beispiel westliche USA, sich mit dem Lazulifink (Passerina amoena) vermischt.
Indigofink - Männchen im Brutkleid
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Indigofink - Männchen im Brutkleid
Indigofinken sind sowohl an der Küste als auch in den Bergen bis in 2.000 Meter Höhe anzutreffen und halten sich in Costa Rica besonders gern in Kaffeepflanzungen auf. Bis Mitte April verlassen sie die Winterquartiere, und bald danach ertönt in den Brutgebieten erneut der Gesang, den die Indigofinken mit Vorliebe von herausragenden Ästen oder von Telegrafendrähten aus vortragen.

Verbreitung

Der Indigofink hält sich gerne auf Feldern in Gebüschen, an Strassenrändern in Dickichten, in der Nähe von Wasser, in Waldlichtungen und an Waldrändern auf. Während der Migrationen zieht der Indigofink die offenen grasartigen Zonen und Laubbaumwälder vor. Im Winter wählt der Indigofink die offenen Lebensräume wie grasartige Felder, Obstgärten, Zitronenbaumplantagen, Kaffeeplantagen sowie die Savannen. Einige Populationen ziehen die großen Ebenen in Nordamerika sowie die Nadelholzwälder im Osten und im Süden vor. Andere Populationen trifft man auch in Utah, in Arizona und in Kalifornien. Indigofinken überwintern in den Küstenregionen von Mexiko, von Zentralamerika und im Norden von Südamerika und in der Karibik.

Ernährung

Indigofink - Männchen im Brutkleid
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Indigofink - Männchen im Brutkleid

Während der Reproduktionssaison ernährt sich der Indigofink von kleinen Spinnentieren (Arachnida) und von Insekten (Insecta), von Grassamen, Früchten und von Beeren. Er nimmt auch Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Wanzen (Heteroptera) sowie Käfer (Coleoptera) zu sich. Im Winter pickt er kleine Samen, Knospen und vereinzelt auch Insekten (Insecta). Seine Hauptnahrung in dieser Periode besteht zum größten Teil aus Grassamen. Er ernährt sich auch von Reissamen in den Reisfeldern. Der Indigofink nimmt kaum Wasser zu sich, da er genug Flüssigkeit mit seiner Nahrung absorbiert.

Fortpflanzung

Die Nester werden nur selten in Bäumen, meistens dagegen im Gebüsch oder in Hecken in nur ein bis zwei Meter Höhe errichtet. Des weiteren werden die Nester auch an Waldrändern, an Strassenrändern und an Bahngleisen angesiedelt. Sie sind napfförmige und oft nicht sehr sorgfältig angefertigte Gebilde aus biegsamen Zweigen, Weidenruten, Gras und Wurzeln, in die der Vogel gern Blätter, Gräser, Halme und Rindenspäne einflicht. Nur das Weibchen baut und benötigt zur Fertigstellung des Nestes etwa drei bis neun Tage. Die Gelege bestehen aus etwa ein bis vier klare, weiße oder bläuliche Eier in der Größenordnung eines Eies pro Tag. Die Inkubation beginnt mit dem letzten gelegten Ei und dauert etwa elf bis vierzehn Tage lang, bis die mit Dunen bedeckten Jungen schlüpfen. Das Weibchen hudert die Küken während der ersten Tage, versorgt sie auch mit Insekten (Insecta), indem sie die Nahrung in den Rachen der Küken würgt, später übergibt das Weibchen den Küken das Futter direkt. Das Nest wird von dem Weibchen durch Entfernen der fäkalen Säckchen der Küken saubergehalten.
Indigofink - Männchen im Brutkleid
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Indigofink - Männchen im Brutkleid
Die Küken entwickeln sich sehr rasch und bleiben nur acht bis vierzehn Tage im Nest. Sie können die Niststätte bei Störung schon im Alter von sieben Tagen verlassen und machen dann gleich die ersten Flugversuche. Im Alter von drei Wochen fliegen die Jungvögel bereits ausgezeichnet. Während die Jungvögel ausschließlich mit Insekten aufgezogen werden, ernähren sich die Altvögel mehr von Sämereien, aber auch von Wildfrüchten. Die Jungvögel erreichen ihre Geschlechtsreife im Alter eines Jahres und die Lebenserwartung kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa zehn Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Der Indigofink gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 5.900.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 28.000.000 Indigofinken (Rich et al. 2003) geschätzt. Der Indigofink ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird der Indigofink als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Auch wenn der Indigofink noch nicht zu den bedrohten Vogelarten gehört, so sind doch in erheblichem Maße die Weibchen, die Gelege und die Küken sehr verletzbar. Besonders gerne stellen Waschbären (Procyon), Opossums (Didelphis), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Katzen (Felidae) sowie Blauhäher (Cyanocitta cristata) den Küken nach. Der Indigofink wird sogar für den Sport und wegen seines Fleisches getötet. Des weiteren ist der Indigofink ein populärer Käfigvogel in Europa und in Mexiko. Trotz der genannten Verletzbarkeiten scheinen die Populationen in ihren Lebensräumen zuzunehmen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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