Indianermeise

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Indianermeise
Juvenile Indianermeise

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Sylvioidea
Familie: Meisen (Paridae)
Unterfamilie: Parinae
Gattung: Baeolophus
Art: Indianermeise
Wissenschaftlicher Name
Baeolophus bicolor
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Indianermeise (Baeolophus bicolor) zählt innerhalb der Familie der Meisen (Paridae) zur Gattung Baeolophus.

Urspünglich wurde die Art unter dem Synonym Parus bicolor geführt. Dieses wurde im Jahre 1996 im Rahmen einer Revision geändert. Die Indianermeise kann leicht mit der Schlichtmeise (Baeolophus inornatus) verwechselt werden. Die Indianermeise läßt sich jedoch durch den unterschiedlichen Gesang klar von der Indianermeise abgrenzen. Starke Ähnlichkeiten bestehen auch zu den nah verwandten Arten Baeolophus atricristatus und Baeolophus ridgwayi.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Indianermeise erreicht eine Körperlänge von 14 bis 16 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 23 bis 26 Zentimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 25 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Die Indianermeise ist überwiegend gräulich gefärbt. Die Oberseite ist dabei deutlich dunkler gefärbt als die hellgraue bis fast weißliche Unterseite. Der Oberkopf ist bei beiden Geschlechtern mit einer aufstellbaren Federhaube gekennzeichnet. Die dunkelgrau gefärbte Federhaube spielt insbesondere bei Erregung durch Gefahr oder während der Balz eine Rolle. Zwischen Schnabelansatz und Stirn ist das Gefieder schwarz gefärbt. Die rundlichen Augen weisen eine schwarze Färbung auf und bilden einen deutlichen Kontrast zum sonst sehr hell gefärbten seitlichen Gesichtsfeld. Die Extremitäten weisen eine gräuliche Färbung auf. Drei Zehen weisen nach vorne, eine Zehe zeigt nach hinten. Der kleine aber sehr kräftige Schnabel ist schwarz gefärbt. Juvenile Vögel ähneln den Erwachsenen, jedoch ist ihre Federhaube noch nicht voll ausgeprägt und die Stirn ist gräulich gefärbt. An den Flanken der Jungvögel zeigt sich andeutungsweise eine leicht rostfarbene Färbung.

Lebensweise

Indianermeisen sind nur wenig gesellige Vögel, die überwiegend paarweise oder in kleinen Familiengruppen leben. Sie halten sich überwiegend in Bäumen und Büschen auf. Hier finden sie auch ihre Nahrung in Form von Insekten und ähnlichem. Auf dem Boden sind sie nur selten zu beobachten. Mit ihrem kräftigen Schnabel stochern sie unter der Rinde nach Nahrung oder lesen Insekten vom Blattwerk ab. Indianermeisen sind tagaktiv und ruhen während der Nacht. Sie gelten als nur wenig scheu und haben auch vor dem Menschen keineswegs Angst. In Parks und Gärten kann man sie leicht an Fütterungen gewöhnen. Auch wenn sie als Standvögel gelten, so ziehen Indianermeisen im Winter in kleineren Gruppen umher. Es handelt sich hierbei lediglich um nahrungsbedingte Wanderungen.

Unterarten

Verbreitung

Indianermeisen sind in den östlichen US-Bundesstaaten sowie im südöstlichen Kanada weit verbreitet. Die Unterart Baeolophus bicolor paloduro lebt im Süden der USA, in Texas. Sie gelten in allen Verbreitungsgebieten als Standvögel, die auch im Winter ihrem Brutgebiet treu bleiben. Im Winter kann es jedoch zu nahrungsbedingten Teilwanderungen kommen. Indianermeisen leben in der offenen Prärie, in Sumpfgebieten, in lichten Wäldern sowie an deren Rändern. In der Nähe des Menschen sind sie auch in Siedlungsräumen und in Gärten und Parkanlagen anzutreffen. Ein Gewässer befindet sich immer in ihrem Lebensraum. Dabei handelt es sich in der Regel um kleinere und größere Flüsse.

Prädatoren

Vor allem die Küken und die Gelege sind sehr gefährdet und fallen nicht selten Raubtieren oder räuberisch lebeneden Vögeln zum Opfer. Trotz der schützenden Baumhöhlen gelangen vor allem Virginia-Opossums (Didelphis virginiana), Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), Östliche Fuchshörnchen (Sciurus niger), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor) oder auch verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) an die Brut. Erwachsene Indianermeisen werden meist von Greifvögeln (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes). Unter den Greifvögeln gelten der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) und der Eckschwanzsperber (Accipiter striatus) zu den gefährlichsten Fleischfressern. Bei Gefahr warnen sich Indianermeisen mit schrillen Warnrufen.

Ernährung

Indianermeisen ernähren sich im wesentlichen von kleinen Spinnentieren (Arachnida) und Insekten (Insecta) sowie deren Larven und Raupen. Auch Schnecken (Gastropoda) Ihre Nahrung suchen sie in Bäumen, zumeist in Stammnähe oder am Stamm selbst in der Rinde. Gelegentlich werden aber auch Sämereien, Waldfrüchte wie Eicheln und Beeren gefressen. Während der warmen und trocknen Jahreszeit sieht man die Indianermeise oft an Wasserstellen, wo sie Trinkwasser zu sich nimmt.

Fortpflanzung

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Juvenile Indianermeise
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Juvenile Indianermeise

Die Indianermeise erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungs- und Brutzeit beginnt in den östlichen US-Bundesstaaten im zeitigen Frühjahr. Dies ist in der Regel ab März der Fall. Die Paarungszeit erstreckt sich in der Regel bis in den Mai hinein. Während dieser Zeit kommt es zu ein bis zwei Gelegen. Die Indianermeise ist ein Höhlenbrüter. In der Regel werden verlassene Spechtnester oder natürlich entstandene Baumhöhlen bezogen. Bevorzugte Bäume sind Eichen oder auch Kiefern. In der Nähe des Menschen werden auch aufgestellte Nistkästen bezogen. In den Höhlen entsteht dann das eigentliche Nest, das aus weichen Pflanzenteilen besteht. Bevorzugtes Baumaterial sind Moose und Flechten, Baumrinde, Gräser sowie Federchen und Tierhaare. Kurz nach der Kopulation legt das Weibchen zwischen vier und acht weißliche Eier, die von ihr über einen Zeitraum von 12 bis 14, in nördlichen Regionen auch 17 Tage gewärmt werden. Während dieser Zeit wird sie vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die geschlüpften Küken sind nackt und blind, sie werden von der Mutter in den ersten Tagen gehudert. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmern sich nach dem Schlupf beide Elternteile. Sie werden überwiegend mit Insekten und Larven gefüttert. Gegen Ende der dritten Lebenswoche, meist im Alter von 18 bis 20 Tagen, haben die Jungvögel die Flugfähigkeit erreicht. Jungvögel aus der ersten Brut helfen den Eltern nicht selten bei der zweiten Brut. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei drei Jahren. Nur unter sehr günstigen Umständen kann ein Alter von gut zehn Jahren erreicht werden.

Gefährdung und Schutz

Indianermeisen gelten heute noch nicht als gefährdet. Daher werden sie in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Jedoch sind seit Jahren sinkende Bestände zu verzeichnen. Mit ein Grund dafür ist die wachsende Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Abholzung und Kultivierung von Wäldern. Viele Bäume, insbesondere Eichen leiden zudem unter nicht erklärbaren Krankheiten und kommen als Brutplatz nicht mehr in Frage. In den östlichen US-Bundesstaaten drängt der Menschen mehr und mehr in die Natur vor und urbanisiert weite Teile. Mittlerweile sind Erhaltungsbemühungen in Bezug auf Lebensraum und ihre gefiederten Bewohner angelaufen. Bleibt zu hoffen, dass diese Bemühungen von Erfolg gekrönt werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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