Igel

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Igel
Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Igelartige (Erinaceomorpha)
Familie: Igel
Wissenschaftlicher Name
Erinaceidae
Fischer, 1817

Igel (Erinaceidae) gehören innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Igelartigen (Erinaceomorpha). Bekannt sind 23 rezente Arten in 2 Unterfamilien und 7 Gattungen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Name Igel bedeutet so viel wie Schlangenfresser. Igel erreichen je nach Art eine Körperlänge von 10 bis 45 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 1 bis 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 15 Gramm bis 2 Kilogramm. Die kleinste Art ist der Zwerghaarigel (Hylomys suillus). Er erreicht eine Körperlänge von 10 bis 15 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 1 bis 3 Zentimeter und ein Gewicht von 15 bis 80 Gramm. Die größte Art ist die auf Borneo endemische Art Hylomys parvus. Er erreicht eine Körperlänge von 27 bis 45 Zentimeter, eine Schwanzlänge von bis zu 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1 bis 2 Kilogramm. Charakteristisch ist das Stachelkleid der Igel. Es besteht aus modifizierten Haaren, die eine Länge von 2 bis 3 Zentimeter erreichen können. Es tragen jedoch nicht alle Igel ein Stachelkleid, Haarigel tragen anstelle dessen ein Fell. Das Stachelkleid bedeckt den Rücken und die Flanken und reicht vom Scheitel bis zum Schwanzansatz. Die Stacheln sind hohl und enden in einer scharfen Spitze. Der flexible basale Teil, also die Basis der Stacheln, dient als Stoßdämpfer bei Stößen. Abseits einer Gefahr liegen die Stacheln flach auf der Haut auf. Durch Muskelkontraktion können die Stacheln aufgerichtet werden. Jeder einzelne Stachel ist dabei mit einem separaten Muskelstrang verbunden. Ventral weist der Körper ein pelziges Fell auf.

Igel sind typische Sohlengänger, die einen sogenannten plantigraden Fuß besitzen, bei dem der ganze Fuß den Boden berührt. Igel weisen einen Kopf auf, der typischerweise in einer länglichen Schnauze endet. Die Gehirnkapsel ist bei allen Arten relativ klein. Die Sinne, insbesondere der Sehsinn und das Gehör sind entwickelt. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich kein Dimorphismus. Männchen sind jedoch an dem längeren Abstand zwischen Genitalien und Anus leicht zu erkennen. Das Gebiss der Igel ist kräftig und gut entwickelt. Je nach Art besteht es aus 36 bis 44 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 3/2-3, 1/1, 3-4/2-4, 3/3.
Äthiopischer Igel (Paraechinus aethiopicus)
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Äthiopischer Igel (Paraechinus aethiopicus)
Der erste Schneidezahn ist in der Regel größer als die anderen Schneidezähne. Die Weibchen verfügen je nach Art über 2 bis 5 Paar Zitzen. Die Vertreter der Stacheligel (Erinaceinae) verfügen über gut entwickelte anale Drüsen, über die sie einen unangenehmen Geruch abgeben können. Die Extremitäten sind kräftig entwickelt, wobei die Vorderbeine kräftiger sind als die Hinterbeine. Die Zehen enden jeweils in scharfe Krallen. Die Krallen dienen zum einem dem Nestbau und zum anderen auch der Nahrungssuche. Trotz ihrer Größe und kurzen Beine sind Igel durchaus gute und schnelle Läufer. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 10 km/h. Auch klettern können sie sehr gut. So können sie leicht Hindernisse wie Zäune und ähnliches überwinden. Sie können zwar auch Graben, diese Tätigkeit erledigen sie jedoch eher weniger effizient.

Lebensweise

Igel sind meist nachtaktiv. Nur wenige Arten sind auch am Tage bei der Nahrungssuche zu beobachten. In der Dunkelheit orientieren sie sich auch über den Sehsinn. Man geht jedoch davon aus, dass Igel nur einfarbig sehen können. Die Hauptorientierung erfolgt jedoch nicht über den Sehsinn, sondern über das Gehör und den olfaktorischen Sinn (Geruchssinn). Besonders gut entwickelt sind die Riechlappen im Gehirn. Der Geruchssinn wird durch das Jakobsonsche Organ im Gaumenbereich unterstützt. Das Jakobsonsche Organ dient vor allem der Partnerfindung und beim Aufspüren von Nahrung. Über diverse Drüsen sondern Igel Sekrete ab. Beim Männchen zeigen sich zusätzliche Drüsen, über die ein Sexualhormon abgegeben wird. Weibchen verfügen zum Befeuchten ihrer Vagina über spezielle Drüsen im Vaginalbereich. In den Mundwinkeln weisen beide Geschlechter Talgdrüsen auf.

Während der Ruhephase am Tage ziehen sich Igel in ihre Nester zurück. Diese befinden sich für gewöhnlich an geschützten Plätzen unter Laub oder in dichter Vegetation. Das Nestinnere ist mit weichen Gräsern und Blättern ausgepolstert. Igel nutzen in einer Saison meist verschiedene Tagesnester. Nicht selten werden die einzelnen Nester von mehreren Tieren genutzt. Geteilt werden Nester jedoch nicht. In den Tagesnestern bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Winternester sind zumeist deutlich robuster gebaut als Tagesnester. In den trockenen, tropischen Regionen nutzen Igel wie beispielsweise der Langohrigel (Hemiechinus auritus) häufig Erdbauten, an denen sie sich am Tage zurückziehen. Am späten Abend werden Igel aktiv und verlassen ihr Nest und gehen auf Nahrungssuche. Dabei bewegen sie sich mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 200 Meter pro Stunde voran. Igel sind nicht territorial und dulden durchaus Artgenossen in ihrem Streifrevier. Sie gehen sich nicht einmal aus dem Weg. Das Teilen des Reviers mit Artgenossen macht Sinn, da die Ressourcen meist weit verteilt sind. Ein festes Revier würde zu groß werden. Ein großes Revier könnte ein Igel auch nicht verteidigen. Nicht selten gehen Igel in engem Kontakt mit Artgenossen auf Nahrungssuche. Dies ist jedoch nur zu beobachten, wenn Nahrung reichlich vorhanden ist. Untersuchungen beim Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) haben ergeben, das sich das jährliche Streifrevier über etwas 40 Hektar erstreckt. In nahrungsreichen Regionen ist ein Streifrevier sogar deutlich kleiner. Im Siedlungsraum des Menschen, insbesondere in ländlich geprägten Vorstädten mit großen Gärten kann es durchaus zu einer hohen Dichte an Igeln kommen.

Winterschlaf

In den gemäßigten und kalten Regionen der Verbreitungsgebiete halten Igel einen Winterschlaf. Dabei wird der Stoffwechsel und die Lebensfunktion drastisch gesenkt. Die Länge des Winterschlafes richtet sich nicht nach den Jahreszeiten, sondern rein nach den Witterungsbedingungen. In tropischen und subtropischen Regionen sind Igel das ganze Jahr über aktiv.
Ein Winterschläfer: der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)
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Ein Winterschläfer: der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)
Dies ist beispielsweise beim Nordafrikanischen Igel (Atelerix algirus) oder auch beim Äthiopischen Igel (Hemiechinus aethiopicus) der Fall. In Südeuropa halten Igel einen kurzen Winterschlaf, der sich meist über 3 bis 4 Monate erstreckt. In Mitteleuropa kann sich die Winterruhe durchaus über einen Zeitraum von 7 Monaten erstrecken. Dies ist in der Regel von Oktober bis April der Fall. Um den zum Teil langen Winterschlaf zu überstehen, lagern Igel im Sommer und im Herbst Fette unter der Haut ein. Am Bauch wird unter der Haut weißes Fett eingelagert, im Bereich der Achseln, des Halses, am Thorax sowie entlang der Wirbelsäule wird braunes Fett eingelagert. Weißes Fett dient zum einen der Isolierung und zum anderen wird es für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels benötigt. Das braune Fett dient in erster Linie der Erwärmung kurz vor Ende des Winterschlafes.

Während des Winterschlafes wachen Igel in der Regel alle 2 Wochen auf und setzen Kot und Urin ab. So verhindern sie das Ansammeln von Kataboliten. Als Katabolismus wird der Abbau von Stoffwechselprodukten von komplexen zu einfachen Molekülen und dient zum einem der Entgiftung des Organismus und zum anderen der Energiegewinnung. Würde also kein Kot und Urin abgesetzt, könnten die organischen und anorganischen Nebenprodukte der biochemischen Zyklen des Körpers das Tier bei zu hoher Konzentration durch Vergiftung töten. Während des Winterschlafes sinkt die Körpertemperatur von 35 Grad Celsius auf 15 bis 20 Grad Celsius. Die Herzfrequenz sinkt von 250 auf rund 10 Schläge pro Minute. Auch die Atemfrequenz sinkt dramatisch. Mitunter kann die Atmung für bis zu 2 Stunden ganz aussetzen. Neben den äußeren Signalen spielen bei den Männchen auch hormonelle Jahreszyklen eine entscheidende Rolle beim Einsetzen der Ruheperioden. Von der Epiphyse abgegebenes Melatonin und von den Keimdrüsen produziertes Testosteron haben dabei eine gegenteilige Wechselwirkung auf den Winterschlaf und die sexuelle Aktivität eines Männchens. Mit der Zunahme der dunklen Stunden im Herbst steigt der Melatonin-Spiegel. Dies hat zur Folge, dass die Aktivität der Sexualorgane und der Testosteron-Spiegel sinkt. Ein hoher Testosteron-Spiegel fördert die Aktivitäten der Keimdrüsen und würde den Winterschlaf hemmen. Bei den Weibchen hängt der Winterschlaf überwiegend nur von den Witterungsbedingungen ab.

Verbreitung

Igel kommen in ganz Europa, Afrika und Asien vor. Im Norden Europas und Asiens liegt die Verbreitungsgrenze nahe der Laubwaldgrenze. Igel fehlen auf Madagaskar, Sri Lanka und in Japan. Außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes sind Igel wie der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) in Neuseeland anzutreffen. Hier wurde die Art eingeführt. Igel bewohnen je nach Vorkommen und Art zahlreiche, höchst unterschiedliche Lebensräume. Dazu gehören lichte Wälder, Grasland, Baum- und Strauchsteppen, Wüsten und Halbwüsten, Regenwälder, Auenwälder, Mangroven, Bergwälder und in der Nähe des Menschen auch Siedlungsraum, insbesondere Gärten, Parks und landwirtschaftliche Flächen.

Prädatoren und Parasiten

Zu den wenigen natürlichen Fressfeinden der Igel gehören Dachse (Melinae) wie der Europäische Dachs (Meles meles) sowie einige größere Eulen (Strigiformes). Die meisten anderen Räuber haben keine Möglichkeit das Stachelkleid zu durchdringen. Dachse und Igel begegnen sich recht häufig. Sie sind beide nachtaktiv und bevorzugen eine ähnliche Nahrung. Da verwundert es nicht, dass die Anwesenheit von Dachsen die Mortalitätsrate in einer Igelpopulation in die Höhe treibt.

Das Stachelkleid hat jedoch nicht nur Vorteile, wie den Schutz vor Beutegreifern. Igel können ihre Haut durch die Stacheln nicht pflegen. Daher haben Ektoparasiten wie Flöhe (Siphonaptera), Milben (Acari) und Zecken (Ixodida) leichtes Spiel mit den Igeln. Auch für Hautinfektionen sind Igel leicht empfänglich. Für zahlreiche weitere Erkrankungen sorgen Endoparasiten und Bakterien. Besonders häufig sind Infektionskrankheiten wie Leptospirose, die durch den Urin der Igel auch auf den Menschen übertragen werden kann. Bei Igeln ist die Selbstbespeichelnung bekannt. Dabei verteilen Igel Speichel über den gesamten Rücken. Der Grund für dieses Verhalten ist bislang nicht abschließend erforscht. Man geht jedoch davon aus, dass Igel so ihre Stacheln reinigen. Vielleicht hat der Speichel auch eine insektizide Wirkung. Der Speichel könnte jedoch auch eine Rolle bei der Partnerwerbung spielen.

Ernährung

Beliebter Snack: Tauwurm (Lumbricus terrestris)
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Beliebter Snack: Tauwurm (Lumbricus terrestris)

Die Zuordnung zur Ordnung der Insektenfresser (Insectivora) läßt die Vorlieben bei der Nahrung schon erahnen. Insekten (Insecta) wie beispielsweise Käfer (Coleoptera) stehen weit oben auf der Speisekarte. Aber auch Wenigborster (Oligochaeta) wie der Tauwurm (Lumbricus terrestris) und andere Würmer werden besonders gerne gefressen. Darüber hinaus zeigen sich Vorlieben für Ohrwürmer (Dermaptera) wie der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) sowie Nacktschnecken (Gastropoda), Grillen (Gryllus) Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und Insektenraupen. Eher seltener werden auch Mäuse (Mus), Wühlmäuse (Arvicolinae), Spitzmäuse (Soricidae) und Maulwürfe (Talpidae) gefressen. Selbst kleinere Reptilien (Reptilia) wie Schlangen (Serpentes) sowie Lurche (Amphibia), die Nestlinge von Vögeln (Aves) und Aas werden nicht verschmäht. Die afrikanischen Vertreter der Igel fressen deutlich mehr Fleisch von Wirbeltieren als die eurasischen Arten. Letzte ernähren sich hauptsächlich von Insekten. In Mangrovensümpfen stehen auch Krebstiere (Crustacea), Fische (Osteichthyes) und Weichtiere (Mollusca) auf der Speisekarte. Einige Arten wagen sich bei der Nahrungssuche sogar ins Wasser.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit für die Population in gemäßigten Regionen beginnt mit Beendigung der Winterruhe. Dies ist in Mitteleuropa ab Mai der Fall und kann sich bis in den August erstrecken. In tropischen Regionen erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr. Männchen erwachen dabei vor den Weibchen aus dem Winterschlaf. Sie beginnen sofort nach dem Erwachen mit der Nahrungsaufnahme, um an Gewicht zuzulegen. Etwa 3 bis 4 Wochen nach den Männchen tauchen die Weibchen aus dem Winterschlaf auf. Zu diesem Zeitpunkt erweitern die Männchen ihr Streifrevier auf der Suche nach einer potentiellen Partnerin. Igel zeichnen sich durch ein auffälliges Balzverhalten aus. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass es nur in weniger als 10 Prozent der Umwerbung in eine Kopulation endet. Wenn sich ein Männchen einem Weibchen nähert, reagiert dieses meist sehr aggressiv. Dies drückt sich durch Senken des Kopfes und lautes Schnauben aus. Das Männchen umkreist das Weibchen und stößt dabei hochfrequente Töne aus. Zwischendurch versucht das Männchen immer wieder aufzureiten. Dies gelingt jedoch nur selten. Nur wenn das Weibchen ein Männchen akzeptiert, gelingt die Kopulation, die für Säuger in der typischen Aufreitposition erfolgt. Das Weibchen legt ihre Stachel flach an den Körper und den Bauch auf den Boden, um dem Männchen das Eindringen zu erleichtern. Während des Aufreitens hält sich das Männchen mit den Zähnen an den Stacheln des Weibchens im Schulterbereich fest.

Unmittelbar nach der Begattung trennt sich ein Pärchen wieder und die Geschlechter gehen getrennte Wege. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen demnach nichts zu tun. Die Lebensweise kann also als polygam bezeichnet werden. Zudem begattet ein Männchen mehrere Weibchen. Ähnlich verhalten sich Weibchen und paaren sich selbst nach Beginn der Trächtigkeit noch mehrmals. In einer Saison kann es durchaus zu 2 Würfen kommen. So erzielen Weibchen einen maximalen Bruterfolg. Die Tragezeit erstreckt sich je nach Art über 30 bis 48 (35) Tage. Ein Weibchen bringt in ihrem Nest im Schnitt 4 bis 5 Jungtiere zur Welt. Diese weisen eine Geburtslänge von gut 7 Zentimeter und ein Gewicht von 10 bis 25 Gramm auf. Bei größeren Igelarten sind die Jungtiere entsprechend etwas größer. Jungtiere kommen ohne ein Stachelkleid zur Welt. Die Stacheln liegen noch unter der Haut verborgen und liegen hier in flüssigkeitsgefüllten Kammern. Die Flüssigkeit wird im Laufe des ersten Lebenstages absorbiert. Sie brechen nach einigen Tagen durch und werden nach 3 bis 4 Wochen durch pigmentierte Erwachsenenstacheln ersetzt. Das erste Stachelkleid ist bereits voll funktionstüchtig und kann bereits nach 3 Tagen aufgestellt werden. Einrollen können sie sich jedoch erst im Alter von 2 bis 3 Wochen. Im Laufe der dritten Lebenswoche brechen die ersten Milchzähne durch. Zu diesem Zeitpunkt verlassen sie erstmals das schützende Nest. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über einen Zeitraum von gut 6 Wochen. Nun ist es für den Nachwuchs an der Zeit auf Nahrungssuche zu gehen, um schnell an Gewicht zuzulegen, damit der erste Winter überstanden werden kann. Die Lebenserwartung der Igel liegt bei durchschnittlich 7 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten Arten der Igel gehören heute noch nicht zu den gefährdeten Arten. Als gefährdet (VU, vulnerable) gilt der Nacktbauchigel (Hemiechinus nudiventris) und der Hughs Igel (Mesechinus hughi). Als stark gefährdet (EN, endangered) gelten der Hainan-Rattenigel (Hylomys hainanensis), der Dinagat-Rattenigel (Podogymnurus aureospinula) und der Philippinen-Rattenigel (Podogymnurus truei). Am schlechtesten steht es um Hylomys parvus. Diese Art steht kurz vor der Ausrottung und wird als kritisch gefährdet (CR, critically endangered) geführt. Die zum Teil akute Bedrohung der Rattenigel (Galericinae) hängt eng mit der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere der tropischen Regenwälder zusammen.

Aber auch in Europa stehen Igel in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes unter Druck. Es kommen vor allem zahlreiche Igel im Straßenverkehr ums Leben. Bei Gefahr rollen sich Igel auf Straßen ein, statt diese schnell zu verlassen. Dies bringt den Tieren in der Regel den Tod. Durch die Fragmentierung der Lebensräume kommt es insbesondere im dicht besiedelten Mitteleuropa zu vielen Todesfällen auf Straßen. Die Fragmentierung der Lebensräume verhindert auch eine genetische Durchmischung, so dass es vielerorts zu einer genetischen Verarmung kommt. In einer Studie konnte festgestellt werden, das 15 Kilometer voneinander entfernte Igelpopulationen eine unterschiedliche genetische Zusammensetzung aufwiesen. Die Dispersion zwischen den beiden Populationen war demnach sehr gering. Da keine Korrelation zwischen geografischer und genetischer Entfernung gefunden wurde, stellen wahrscheinlich Straßen eine Dispersionsgrenze dar. Auch wenn Straßen die Hauptursache für die Sterblichkeit darstellen, so wurde beobachtet, dass Igel zuweilen Straßen als Dispersionsweg nutzen, und entlang von Straßen wandern und so beispielsweise in andere Siedlungsräume gelangen.

Systematik der Igel

Zwerghaarigel (Hylomys suillus)
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Zwerghaarigel (Hylomys suillus)
Langohrigel (Hemiechinus auritus)
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Langohrigel (Hemiechinus auritus)

Familie: Igel (Erinaceidae)

Unterfamilie: Stacheligel (Erinaceinae)
Gattung: Mittelafrikanische Igel (Atelerix)
Art: Weißbauchigel (Atelerix albiventris)
Art: Nordafrikanischer Igel (Atelerix algirus)
Art: Kapigel (Atelerix frontalis)
Art: Pruners Igel (Atelerix pruneri)
Art: Somalischer Igel (Atelerix sclateri)
Gattung: Kleinohrigel (Erinaceus)
Art: Amurigel (Erinaceus amurensis)
Art: Weißbrustigel (Erinaceus concolor)
Art: Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)
Gattung: Ohrenigel (Hemiechinus)
Art: Langohrigel (Hemiechinus auritus)
Art: Indischer Langohrigel (Hemiechinus collaris)
Art: Äthiopischer Igel (Hemiechinus aethiopicus)
Art: Brandts Igel (Hemiechinus hypomelas)
Art: Indischer Igel (Hemiechinus micropus)
Art: Nacktbauchigel (Hemiechinus nudiventris)
Gattung: Steppenigel (Mesechinus)
Art: Daurischer Igel (Mesechinus dauuricus)
Art: Hughs Igel (Mesechinus hughi)
Unterfamilie: Rattenigel (Galericinae)
Gattung: Echinosorex
Art: Großer Rattenigel (Echinosorex gymnura)
Gattung: Kleine Rattenigel (Hylomys)
Art: Hainan-Rattenigel (Hylomys hainanensis)
Art: Spitzmausigel (Hylomys sinensis)
Art: Zwerghaarigel (Hylomys suillus)
Gattung: Podogymnurus
Art: Dinagat-Rattenigel (Podogymnurus aureospinula)
Art: Philippinen-Rattenigel (Podogymnurus truei)

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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