Husarenaffe

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Husarenaffe
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Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)Husarenaffe-2032.jpg
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Gattung: Husarenaffen (Erythrocebus)
Art: Husarenaffe
Wissenschaftlicher Name
Erythrocebus patas
Schreber, 1775

Der Husarenaffe (Erythrocebus patas) zählt innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Gattung der Husarenaffen (Erythrocebus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Husarenaffe erreicht eine Körperlänge von 50 bis 760 Zentimeter, eine Schwanzlänge in etwa der gleichen Länge sowie ein Gewicht von 3.000 bis 12.000 Gramm. Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen. Das dichte aber kurze Fell weist oberseits eine überwiegend rotbraune Färbung auf. Adulte Husarenaffen haben einen charakteristischen weißlichen bis gelblichen Bart an den Wangen und im Bereich der Ohren. Auch die Kehle und Teile der oberen Brust sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Dorsal zeichnet sich stellenweise eine rostbraune Färbung ab. Charakteristisch ist die bräunliche Haube auf dem Oberkopf. Die Schnauze ist leicht in die Länge gezogen. Die Schnauze und der Bereich um den Nasenrücken und die Augen sind ohne Fell. Die Haut weist an diesen Stellen eine dunkelgraue bis fleischfarbene Färbung auf. Oberhalb der Augen und unterhalb der Haube ist das Fell schwärzlich gefärbt. Die Hände und die Füße weisen zumeist eine weißliche Färbung auf. Der Husarenaffe ist sehr gut an das boreale Leben angepasst, seine Füße sind recht schmal. So kann er sich recht gut am Boden fortbewegen. Während der Nahrungssuche füllt er seine Backenbeutel mit Nahrung, die meist später erst verzehrt wird.

Lebensweise

Husarenaffen sind tagaktive Primaten und leben in sozialen Gruppen, die meist aus zehn bis vierzig, selten auch aus bis zu sechzig Tieren bestehen. Angeführt wird eine Gruppe von einem dominanten Männchen. In der Gruppe können sich mehrere rangniedrigere Männchen und eine Scharr von Weibchen sowie deren Jungen befinden. Geschlechtsreife Männchen müssen die Gruppe verlassen und bilden sogenannte Junggesellengruppen. Das dominante Männchen paart sich mit allen Weibchen seiner Gruppe. Husarenaffen sind reviergebunden und verteidigen dieses auch gegenüber Artgenossen. Bei der Revierverteidigung spielen insbesondere die Weibchen eine große Rolle. Die Reviere können eine Größe von bis zu 3.000 Hektar haben. Pro Tag wandern sie auf der Suche nach Nahrung zwischen drei und fünf Kilometer. Husarenaffen gelten als die schnellsten Primaten der Erde. Auf der Flucht können sie leicht eine Geschwindigkeit von 55 km/h erreichen.

Bei der Kommunikation spielen insbesondere Sichtsignale wie die Mimik eine große Rolle. Auch ein reichhaltiges Vokabular scheint den Husarenaffen nicht fremd zu sein. Dies haben Feldforschungen in Zentralafrika ergeben. Körperlicher Kontakt wie die Fellpflege spielen ebenso eine große Rolle. Während des Östrus der Weibchen scheinen auch die Geruchssinne angesprochen zu sein, da der weibliche Zyklus augenscheinlich nicht zu erkennen ist. Die Art ist heute zwar noch nicht vom Aussterben bedroht. Dennoch reduzieren die Zerstörung der Regenwälder ihren Lebensraum nachhaltig. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen insbesondere Greifvögel, Schlangen, Löwen, Geparden, Hyänen und Leoparden.

Verbreitung

Husarenaffen sind im westlichen, zentralen und östlichen Teil Afrikas südlich der Sahara, insbesondere vom Senegal bis nach Äthiopien anzutreffen. Im Süden reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Kamerun. Sie bewohnen im Tiefland trockene Savannen und Steppengebiete sowie Sekundär- und Galeriewäder und halten sich fast ausschließlich auf dem Boden auf. Dichte Waldgebiete werden strikt gemieden. Sie sind dabei nie weit von Gewässern wie Flüsse oder Seen entfernt. In Senegal leben sie auch in Überschwemmungsgebieten großer Flüsse. Der Begrenzungsfaktor für ihre Habitate scheint immer an das Vorhandensein von Wasser geknüpft zu sein.

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Nahrung

Husarenaffen ernähren sich als Allesfresser überwiegend von Blättern, Wurzeln, Beeren, Früchten und Sämereien. Zusätzlich nehmen sie auch Insekten und andere Wirbellose Tiere sowie Kleinsäuger, Vögel und Eier zu sich. Nicht selten betätigen sie sich dabei als Nesträuber. Auf Nahrungssuche gehen sie tagsüber auf dem Boden ihres Lebensraumes. Meist sind sie dabei in Trupps unterwegs. Sie sind täglich auf Trinkwasser angewiesen, sind also immer in der Nähe eines Gewässers anzutreffen.

Fortpflanzung

Der Husarenaffe erreicht die Geschlechtsreife mit rund vier bis fünf Jahren. Der weibliche Zyklus beträgt etwa 30 Tage, ist aber augenscheinlich für einen Außenstehenden nicht zu erkennen. Die Paarungszeit ist zwar nicht saisonal, in Zeiten knapper Nahrung sind allerdings deutlich weniger Geburten zu bemerken. Zudem unterscheidet sich der Zeitpunkt der Paarungsaktivitäten in Abhängigkeit vom Verbreitungsgebiet sehr stark. Die Tiere leben in polygamen Haremsgruppen. Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen innerhalb ihrer Gruppe, von daher haben sie auch kein Interesse an dem Nachwuchs. Nach einer Tragezeit von rund 160 bis 170 Tagen bringt ein Weibchen, ein, ganz selten zwei Jungtiere zur Welt. Die meisten Geburten entfallen auf die Monate November bis Januar. Die Jungaffen haben bereits geöffnete Augen und klammern sich instinktiv am Bauch der Mutter fest. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt ab dem fünften oder sechsten Lebensmonat. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen männliche Jungaffen die Gruppe, Weibchen verbleiben in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Die Lebenserwartung der Husarenaffen liegt bei rund 15 bis 20 Jahren, in Gefangenschaft auch bei etwa 25 Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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