Haplogynae

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Haplogynae
Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides)

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Haplogynae
Wissenschaftlicher Name
Haplogynae

Die Haplogynae sind eine Teilordnung der Echten Webspinnen mit relativ einfach gebauten Geschlechtsorganen. Diese kleine Gruppe unterscheidet sich damit stammesgeschichtlich wesentlich von den Entelegynea mit ihren kompliziert gebauten Geschlechtsorganen, und gleicht den anatomisch einfacheren Vogelspinnenartigen sowie den Gliederspinnen. (Foelix, 1979)

Der Bau der Geschlechtsorgane ist dabei so artspezifisch, dass sie für Arachnologen das sicherste Artbestimmungsmerkmal darstellen. Der Nachteil dabei ist, dass die Spinne die Bestimmung nicht überlebt.

Andere Merkmale (Augen, Spinndrüsen etc.) eignen sich nicht gut zur Unterscheidung. Die meisten Arten der haplogynen Spinnen haben, anders als die meisten entelegynen, nur sechs Augen. Einige Arten der Familie Caponiidae (Caponioidea) sowie Arten der Gattung Tetrablemma (Tetrablemmidae) haben nur vier Augen. Lediglich Angehörige der Plectreuridae haben 8 Augen. Hinsichtlich der Webtechnik sind sowohl Cribellate Spinnen (z.B. Zitterspinnen) wie auch Leimfadenweber (ecribellate Spinnen) in dieser Gruppe - ebenso, wie die frei jagenden Speispinnen.

Inhaltsverzeichnis

Bau der haplogynen Geschlechtsorgane

Die Weibchen der haplogynen echten Webspinnen (Haplogynae) haben, ebenso wie alle Vogelspinnenartigen und „primitivere“ Webspinnen, keine sklerotisierte Platte mit Einführöffnungen (Epigyne) über der Geschlechtsöffnung. Die Geschlechtsöffnung geht mehr oder minder direkt in die Samentaschen (Receptaculum seminis) über, welche wiederum direkt in den äußeren Teil des zweiteiligen Uterus, den Uterus externus, münden. Im Uterus externus findet die Befruchtung statt. Der Einführgang für den Bulbus ist somit gleichzeitig der Befruchtungsgang. (Foelix, 1979)

Der einfache Bau der weiblichen Geschlechtsorgane hat ihre Entsprechung in dem einfachen Bau der männlichen Kopulationsorganen, den Bulben. Sie sind Ausstülpungen der Tarsuswand der Pedipalpen und beherbergen einen spiralförmigen Samenschlauch (Spermophor), der den abgesetzten Spermatropfen pipettenartig aufsaugt und bis zur Kopulation speichert. (Foelix, 1979)

Kopulation und Befruchtung

Der Bulbus wird bei den Haplogynae komplett in den äußeren Samengang der Geschlechtsöffnung bis zum Receptaculum eingeführt. Der Samen wird dann vermutlich durch ein Drüsensekret verdrängt und in das Receptaculum abgegeben. Haplogyne Männchen inserieren in der Regel beide Bulben gleichzeitig. Während bei den Entelegynae eine Vielzahl verschiedener Kopulationsstellungen nachgewiesen wurde, nähern sich die Männchen der Haplogynae dem Weibchen meist von vorne. Die Kopulation gleicht der der Vogelspinnenartigen und Gliederspinnen. Das Weibchen richtet seinen Vorderkörper (Prosoma) nach dem Männchen aus und das Männchen inseriert beide Bulben. Nach der Begattung trennen sich beide vorsichtig von einander. (Foelix, 1979)

Von Bedeutung ist der Bau ebenso für die Evolution, denn die Weibchen von Indicoblemma lannaianum scheinen in der Lage zu sein, den Befruchtungsvorgang voll zu kontrollieren (M. Burger et al., 2005). Es ist möglich, dass auch Weibchen anderer Arten Spermien verschiedener Männchen aufbewahren können und sich nach mehrfacher Kopulation den Befruchtungspartner „aussuchen“ kann.

Die Bulben passen dabei nur in die Geschlechtsöffnung eines artgleichen Weibchens. Das Schlüssel-Schloss Prinzip könnte als wichtiger Mechanismus zur Verhinderung der Kreuzung zweier Arten gedeutet werden (Foelix, 1979). Wahrscheinlich wird die Bastardbildung jedoch eher auf der Verhaltensebene verhindert. Öfter kommt es vor, dass Männchen artfremde Weibchen anbalzen. Reagieren diese aber nicht artspezifisch auf den Partner, wird das Balzverhalten abgebrochen (Crane, J., 1949, Grasshoff, M., 1973).

Systematik

Überfamilien nach Hallan, 2006; Kladogramm nach Griswold et al.

 |------------(Filistatoidea)---------------Filistatidae, 109 Arten	
 |   __|------(Caponioidea)-----------------Caponiidae
 |  |  |__|---(Tetrablemmoidea)-------------Tetrablemmidae
 |  |     |
_|  |     |                    ___/-------Oonopidae - Zwergsechsaugenspinnen
 |  |     |---Dysderoidea_____/   \-------Orsolobidae
 |  |                         \_____/-----Dysderidae - Sechsaugenspinnen
 |__|                               \-----Segestriidae - Fischernetzspinnen
    |
    |  |------Pholcoidea____/-------------Pholcidae, Zitterspinnen
    |  |                    \__/----------Diguetidae
    |  |                       \----------Plectreuridae
    |  |
    |--|   |--Leptonetoidea____/----------Ochyroceratidae
       |   |                   \___/------Leptonetidae
       |---|                       \------Telemidae
           |
           |                  |-----------Sicariidae (incl. Loxoscelidae)
           |--Scytodoidea-----|-----------Scytodidae - Speispinnen, 158 Arten
                              |-----------Drymusidae
                              |-----------Periegopidae

Quellen

  • Burger, M. et al. (2005): Complex genital system of a haplogyne spider (Arachnida, Araneae, Tetrablemmidae) indicates internal fertilization and full female control over transferred sperm. Journal of Morphology 267(2):166-186. [1]
  • Crane, J.: Comparative biology of salticid spiders at Rancho Grande, Venezuela. An Analysis of Display. Zoologica, 34 (1949) 159. Zitiert in Foelix: 1979.
  • Foelix, Rainer F. 1979. Biologie der Spinnen. Georg Thieme Verlag Stuttgart. ISBN 313575801x
  • Grasshoff, M.: Konstruktions- und Funktionsanalyse an Kopulationsorganen einiger Radnetzspinnen. Aufs. u. Red. Senckenberg naturforschende Gesellschaft, 24 (1973) 129. Zitiert in Foelix: 1979.
  • Hallan, Joel 2006: SYNOPSIS OF THE DESCRIBED ARANEAE OF THE WORLD. Texas A&M University Department of Entomology.
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