Hanf

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Hanf

Systematik
Reich: Pflanzen (Plantae)
Unterreich: Gefäßpflanzen (Tracheobionta)
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Kätzchenblütige Pflanzen (Hamamelidae)
Ordnung: Brennnesselartige (Urticales)
Familie: Hanfgewächse (Cannabaceae)
Gattung: Hanf (Cannabis)
Art: Hanf
Wissenschaftlicher Name
Cannabis sativa
Linnaeus, 1753

Hanfkeimling
vergrößern
Hanfkeimling

Der Hanf oder Gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa) zählt innerhalb der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) zur Gattung Hanf (Cannabis). Die Pflanze wurde erstmals im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné beschrieben. Im Englischen wird der Hanf als Hemp bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Hanf ist eine einjährige und krautig wachsende Pflanze, das heißt, sie bildet keine verholzenden Pflanzenteile aus. Sie erreicht je nach Standort und Ökologie eine Höhe von einem bis über drei, dreieinhalb oder sogar vier Metern. Auch die Wuchsart hängt von der Ökologie ab. Der Nutzhanf (Cannabis sativa sativa) wird landwirtschaftlich genutzt. Wird er mit weitem Abstand ausgesäht erreicht er bis über drei Meter Höhe, dann wird er als Rießen-, Schließ- oder Seilerhanf bezeichnet. Bei dichter Aussat bleibt er niedriger und wächst weniger buschig, dann heißt er Spinnhanf. Der Hanf kann schmal aufgebaut sein oder unten sehr ausladend und nach oben zu spitz zulaufend sein. Auch können mehrere Sproßachsen (Stängel) nebeneinander wachsen und dann einen nach oben zu ausladenden, buschigen Wuchs aufweisen. Die Seitentriebe sind ziemlich dicht und weiß behaart. Die Laubblätter des Hanfes sind bis zu sechs Zentimeter lang gestielt und weisen allgemein eine fingerartige Form auf, sie sind in fünf bis sieben Fiedern geteilt, die allesamt am Rand stark gezahnt sind. Hanf ist zweihäusig, was bedeutet, dass eine Hanfpflanze entweder nur männliche (sog. Femelhanf) oder nur weibliche (sog. Hanfhenne) Blüten trägt. Im Regelfall tragen die weiblichen eine reichere Belaubung als die männlichen Hanfpflanzen. Die weiblichen Blüten stehen im Sprossursprung der Laubblätter, sie sind unscheinbar und grünlich gefärbt. Die männlichen Blüten sind als endständige und lockere Rispen ausgebildet. Die Blüten erscheinen zwischen Anfang Juli und Mitte August. Die Samen, die sich nach einer Befruchtung aus den Blüten herausbilden, sind braun, rundlich oval und oft dunkel gezeichnet. Beim Hanf werden die Pollen (männliche Keimzellen) per Windbestäubung zu den weiblichen Blüten getragen.
Hanfblatt
vergrößern
Hanfblatt

Unterarten

Verbreitung

Vorkommen

Das natürliche Vorkommen des Gewöhnlichen Hanfes erstreckt sich mit seinen Unterarten über weite Teile des gemäßigten Zentralasiens, von der Donau über Afghanistan, Iran, Indien, Teile Pakistans, Turkmenistans, Tadschikistans, Kirgistans, Usbekistans und Kasachstans bis hin in den Norden Chinas. Zu Anbauzwecken wurde Hanf jedoch auf allen Kontinenten eingeführt. Heutzutage wird es zu wirtschaftlichen Zwecken vor allem in Nord-, Süd- und Mittelamerika, Asien (vor allem in Indien) und Afrika angebaut, oft jedoch auch aus illegalen Gründen zur Rauschgiftgewinnung.

Standort

Der Hanf hat kaum einen bevorzugten Lebensraum. Er ist in lichten Wäldern ebenso wie in Graslandschaften zu finden. Cannabis gedeiht in der vollen Sonne genauso gut wie im Halbschatten, zu schattige Standorte schaden ihm allerdings. Am besten wächst er auf gut gedüngten und nährstoffreichen Böden, die eine gleichmäßige Wasserführung aufweisen, der Boden darf nicht zu trocken sein. Vor allem während der Wachstumsperiode benötigt der Hanf viel Wasser. Allgemein verträgt er keine sauren Böden, die Säurewerte sollten auf der pH-Skala, die von 0 bis 14 reicht, um die 7 und leicht darüber liegen, also im neutralen bis leicht alkalischen Bereich.

Verwendung

Geschichte

Im alten China war der Hanf bereits zur Zeit Yang Shaos, also 4.000 Jahre vor Christi Geburt, bekannt. Im alten Ägypten sowie bei den Phöniziern im vorderen Asien war Hanf unbekannt. Griechischen Schriftzügen zufolge baute man nördlich des Schwarzen Meeres Hanf an, welcher Flachs völlig gleiche. Auch wird erwähnt, dass man dort erhitzte Hanfsamen auf Steine warf und die durch die Hitze entstandenen Dämpfe zur Berauschung eingeatmet habe. Laut Herodot (um 490 bis 430 v. Chr.) gelang der Hanf durch die Skythen über den Landweg in das westliche Europa, wo er seit der Hallstattzeit von den Kelten angebaut wurde. Anschließend soll Giron II. etwa um 300 v. Chr. Hanf aus Gallien eingeführt haben, um daraus Schiffstaue anfertigen zu lassen. In der lateinischen Literatur wurde Hanf erstmals knapp 100 Jahre v. Chr. durch Lucilius erwähnt. Im damaligen Frankreich wurde Hanf in relativ kleinen Mengen für die Fasergewinnung angebaut. Und im Abendland wurde die berauschende Wirkung erst durch Mediziner aus Arabien bekannt.

Rauschgiftdroge

Hanf wird sehr häufig als Rauschgiftdroge missbraucht, sie ist die häufigste illegale Droge Deutschlands. Haschisch und Marihuana werden in der Regel als Joint (eine Art „Haschisch- oder Marihuana-Zigarette“, die auch mit anderen Stoffen wie „Spice“ oder illegalen Drogen verwendet werden) oder in der Shisha oder Bong (Wasserpfeifen) geraucht (oft mit anderen Stoffen wie Tabak gemischt). Auch in Tablettenform, in Keksen verbacken, roh gekaut und in Getränken untergemischt sowie als Tee wird Cannabis durchaus konsumiert. Für den illegalen Drogenhandel wird in nahezu allen Fällen die Unterart Indischer Hanf (Cannabis sativa indica) verwendet.

Hanfsamen
vergrößern
Hanfsamen

Der unangemeldete Anbau von Hanf ist verboten, ebenso der Handel als Rohpflanze oder Rauschmittel. Widerrechtliches Handeln kann strafrechtlich verfolgt werden und wird im Falle einer Anzeige in jedem Fall bestraft, sofern das Delikt gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aufgedeckt wird. Hanfanbau ist meldepflichtig, darf nur mit Pflanzen mit sehr geringem THC-Gehalt durchgeführt werden und darf nicht dem Konsum als Droge dienen.

Haschisch

Haschisch ist eine der beiden Hauptformen, zu und in denen Hanf zum Konsum als Rauschdroge verarbeitet, gehandelt und konsumiert wird. Das Haschisch wird aus dem Harz der weiblichen Blüten gewonnen. Das Harz wird dann getrocknet und zu Blöcken, Kugeln oder Platten zusammengepresst. Der Gehalt an berauschenden Inhaltstoffen ist im Haschisch zumeist am höchsten. Haschisch wird vor allem mit Tabak gemischt geraucht, seltener wird es aber auch in Getränken und Nahrungsmitteln konsumiert.

Haschisch wird in Form von Platten gerne in Briefen geschmuggelt, allgemein gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, die oft zum Schmuggeln verwendet werden, so beispielsweise in Kuscheltieren, unter Schuhsohlen, eingenäht in Kleidungsstücken oder sogar in Körperöffnungen. In der Regel verlaufen die Schmuggelversuche meist ohne Erfolg für den Schmuggler.

Haschisch gilt als die Einstiegsdroge in den Drogen-Teufelskreis, oft wird aufgrund von „Coolness“, Druck von ebenfalls Drogen konsumierenden Mitmenschen und letztendlich auch Neugier nach „härteren“ Drogen gegriffen.

Marihuana

Unter Marihuana verstehen sich die getrockneten, zerkleinerten und fermentierten Blätter und besonders die harzhaltigen Blüten und Blütenstände (ebenfalls getrocknet) des Hanfes. Wie auch bei Haschisch wird bei Marihuana in der Regel der Indische Hanf (Cannabis sativa indica) verwendet. Die Konsumform Marihuana stammt aus den Vereinigten Staaten von Amerika, dort trat diese Form von Cannabiskonsum als erstes in größeren Mengen auf. Marihuana wird zumeist als Joint geraucht, in reiner Form oder auch mit anderen Kräutern und Tabak gemischt. Seltener wird Marihuana zu einem Tee aufbereitet.

Inhalts- und Wirkstoffe

Die Hauptwirk- und Inhaltsstoffe der Hanfpflanze sind Cannabinoide, THC und THC-Verbindungen, ätherische Öle, Harze, Cholin, organische Säuren und einige andere Nebenwirkstoffe.

Cannabinoide

Cannabinoide sind Stoffe aus dem Stoffbereich der Terpenphenole, die bisher ausschließlich im Hanf nachgewiesen werden konnten. Hierzu zählen: 2-Tetrahydrocannabinol, Tetrahydrocannabivarin, Cannabidiol, Cannabigerol, Cannabichromen, Cannabicyclol, Cannabielsoin, Cannabitriol, Cannabinol, Cannabinodiol u. weitere.

THC und dessen Wirkung

THC ist die Abkürzung für Δ9-Tetrahydrocannabinol (Summenformel C21H30O2), dem ist zu entnehmen, dass THC ebenfalls zu den Cannabinolen bzw. Cannabinoiden zählt. Seine chemische Struktur wurde im Jahre 1964 in Israel entdeckt und seit 1967 ist es möglich, es synthetisch herzustellen. THC ist in Fett löslich, nicht jedoch in Wasser. Dadurch wird es sehr lange im Körper gespeichert, noch Wochen nach dem Konsum sind die Abbauprodukte, die Cannabiole, in Harn und Blut nachweisbar. THC löst sich im Gehirn, der Lunge, Leber und den Nieren sowie auch anderen Organen. Die Bindehaut wird aufgrund gefäßerweiternder Wirkung durch eine gesteigerte Serotoninproduktion besser durchblutet, was zu einer rötlichen Färbung und bei sehr häufigem Konsum zu einer chronischen Entzündung, einer Konjunktivitis, führen kann. Weitere Folgen des durch das THC drastisch erhöten Serotoninspiegels können plötzlich auftretender Heißhunger sein, bewirkt durch die Wirkung auf das limbische System im Gehirn. Da Serotonin auch ein Transmitter für viele weitere Gehirnzellen ist, wird zum Beispiel auch das Sprechen verlangsamt und der Gesichts- und Hörsinn beeinträchtigt.

Haschisch
vergrößern
Haschisch
Allgemeine Wirkung

Die Wirkung der Droge äußern sich in bzw. können sich äußern in Form von:

  • Rauschzustände, Sinnestäuschungen
  • Erhöhung des Umsatzes von Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin im Gehirn
  • Psychotrope, individuelle Wirkung
  • Euphorie
  • Halluzinationen, Angstzustände
  • Verändertes Zeit-/Raumgefühl
  • Bewusstseinserweiterung, gesteigerte oder sinkende Sinneswahrnehmung
  • Gleichgültigkeit
  • Kontaktfreudigkeit
  • Hungergefühl
  • schnellerer Pulsschlag
  • evtl. Rötung der Augen
  • Kreislaufstörungen
  • Gedächtnislücken
  • gestörtes Urteilsvermögen
  • Verwirrtheit
  • Depression
Folgen des Konsums
Die Folgen des Konsums können recht vielfältig ausfallen. Es reagieren auch viele Menschen unterschiedlich auf Cannabis, auch die Langzeitwirkung ist differenziert. Bei regelmäßigem Konsum können Schädigungen des Nervensystems auftreten, und es kann zu einer psychischen Abhängigkeit (Sucht) kommen. Des Weiteren verringert sich die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, und Kreislaufstörungen, ein gestörtes Verhältnis zur Wirklichkeit sowie Realitätsverlust sind ebenfalls zu nennen. Offensichtlich kommen zwar geringere Folgeschäden als durch Alkohol vor, allerdings nur in körperlicher Hinsicht. Die seelischen Schäden grenzen beinahe schon an eine psychische Zerstörung, wenn Hanf über viele (manchmal auch bereits relativ wenige)
Marihuana
vergrößern
Marihuana
Jahre übermäßig konserviert wird. Die meisten Menschen tun sich schwer, den Konsum in einem kontrolliertem Umfang zu behalten. Und wie bereits angesprochen, sind Halluzinationen und Rausch- sowie Erregungszustände auch Wochen nach dem eigentlichen Konsum noch möglich. Ferner kommt es aufgrund Druck von Mitmenschen (Gruppendruck) oder aus "Coolness" oder ganz anderen Gründen in der Regel oder zumindest oft zum anschließenden Griff zu "härteren Drogen".

Ökonomie

Der Anbau von Hanf ist meldepflichtig, wird amtlich überwacht und ist nur mit Rassen zugelassen, welche maximal 0,2 Prozent des Rauschgiftes THC enthalten. Außerdem wird der Anbau in jeglicher Größenordnung nur landwirtschaftlichen Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen gestattet.

Standortansprüche

Im Laufe der Wachstumsperiode, also von Mai bis August, benötigt Hanf eine Niederschlagsmenge von 300 bis 500 Millilitern. Für den Faserhanf ist eine Temperatursumme von insgesamt 1.800 bis 2.000 Grad Celsius innerhalb von 100 bis 130 Tagen zu erreichen, sollte der Hanf der Samengewinnung dienen, so ist eine höhere Temperatursumme von bis zu 2.800 Grad Celsius im gleichen Zeitraum notwendig. Der Boden sollte einen tiefen Grund aufweisen, reich an nährreichen Huminstoffen sein sowie eine gute Kalk- und Stickstoffversorgung garantieren können. Staunässe und sandreiche Böden verträgt der Hanf nicht. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen (Konkurrenz mit anderen Pflanzen ("Unkräutern") und Marktfrüchten) erweist es sich am sinnvollsten, Hanf in Vorgebirgslagen anzubauen.

Anbau, Zucht und Nährstoffversorgung

Die Aussaat des Saatgutes sollte zwischen April und Mai bei etwa 8°C erfolgen. Für die Produktion von Faserhanf ist es vonnöten, eine Saatstärke von 40 bis 60 Kilogramm je Hektar zu säen. Mit dem Ziel Saatgut zu gewinnen empfiehlt, sich eine Saatstärke von 20 bis 25 Kilogramm je Hektar. Der Reihenabstand muss mindestens 15 Zentimeter betragen und kann bis etwa 30 Zentimeter reichen, die Saattiefe kann zwischen 3 und 4 Zentimetern liegen. Hanf benötigt reichlich Stickstoff, etwa 120 Kilogramm je Hektar. Grund dafür ist die hohe Biomasseproduktion der Pflanze. Als sinnvoll erweist es sich auch, mit 160 Kilogramm je Hektar Kaliumoxid (K2O) und mit 70 bis 100 Kilogramm je Hektar Phosphaten zu düngen. Vorteilhaft ist, dass durch die hohe Bestandsdichte bei Faserhanfpflanzung Unkräuter nahezu vollständig verdrängt werden und daher keine Pestizide angewendet werden müssen.

Ernte

Verwendung

Anhang

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • Prof. Dr. Wilfried Probst, Petra Schuchardt: Abitur Duden Biologie. Basiswissen Schule, Bilbliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim, und DUDEN PAETEC GmbH, Berlin, 2. akualisierte Auflage, inkl. CD, ISBN 3411046120
  • Michael Jütte: Biologie Heute entdecken 2, Schroedel-Verlag, ISBN 3-507-86104-6
  • H. Böttgenbach und andere: Bio 2I3, Westermann Verlag, ISBN 3-14-150702-3
  • A. Gerhard, J. Dircksen und P. Höner: Biologie 2/3 N, BSV-Verlag, ISBN 3-7627-4119-0
  • GEO Themenlexikon: Naturwissenschaften und Technik: Begriffe, Methoden, Zusammenhänge; Teil 2 / Bd. 7. ISBN 3765394270
  • GEO Themenlexikon: Medizin und Gesundheit: Diagnose, Heilkunst, Arzneien; Teil 1 / Bd. 9 ISBN 3765394297
  • GEO Themenlexikon: Psychologie: Denken, Fühlen, Handeln; Teil 1 / Bd. 12. ISBN 3765394327
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 1 / Bd. 33. ISBN 3765394638

Referenzierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge