Guamralle

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Guamralle
Im Cincinnati Zoo aufgenommen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
Familie: Rallenvögel (Rallidae)
Gattung: Gallirallus
Art: Guamralle
Wissenschaftlicher Name
Gallirallus owstoni
(Rothschild, 1895)

IUCN-Status
Extinct in the Wild (EW)

Die Guamralle (Gallirallus owstoni), auch unter den Synonymen Hypotaenidia owstoni und Rallus owstoni bekannt, zählt innerhalb der Familie der Rallenvögel (Rallidae) zur Gattung Gallirallus. Im Englischen wird die Guamralle guam rail genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt. Die Guamralle ist mit der Bindenralle (Gallirallus phillipensis) eng verwandt. Verwandte Arten, die früher in der Nähe der Nördlichen Marianen lebten, wurden von der sesshaften Bevölkerung ausgelöscht.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Guamralle erreicht eine Körperlänge von etwa 28,0 bis 33,0 Zentimmeter und ein Gewicht von etwa 170,0 bis 200,0 Gramm. Der Rücken, der Hals und der Schwanz weisen eine dunkelbraune Färbung auf. Die Flügel, der untere Brustbereich, der Bauch sowie die Schwanzunterseite sind schwarz und weiß gestromt. Im Bereich des Halses und im oberen Brustbereich sowie rund um die Augen zeigt sich eine Grauzone. Der Schnabel und die Beine sind von einer dunkelbraunen Färbung. Der Körper ist im Allgemeinen länglich und relativ schmal, so dass die Guamralle leicht in der dichten Vegetation untertauchen kann. Die jungen Vögel haben in ihren ersten drei Wochen ein schwarzes Dunenkleid. Das erwachsene Gefieder erreichen die Jugendlichen erst, wenn sie acht Wochen alt sind. Die Guamralle kann unter günstigen Lebensbedingungen ein Alter von etwa 11 Jahren erreichen.

Lebensweise

Die flugunfähige Guamralle war in den meisten Habitaten auf Guam weit verbreitet, darunter zählten Wälder, Savannen, sekundäres Busch- und Grünland, Farndickichte und landwirtschaftliche Nutzflächen. Jedoch mied die Guamralle Süßwasser-Feuchtbiotope und auch offene Flächen.
Nestjunges - In der Wildnis schon ausgestorben und lebt nur noch im Smithsonian’s National Zoo in Guam
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Nestjunges - In der Wildnis schon ausgestorben und lebt nur noch im Smithsonian’s National Zoo in Guam
Die Guamralle suchte ihre Nahrung entlang der Feldränder und Straßenränder, aber nie weit aus der Deckung entfernt. Im Allgemeinen ernährt sich die Guamralle von Insekten, Geckos und von pflanzlichen Stoffen wie Samen und Blüten niedriger Gräser und Sträucher. Aber auch die eingeführte afrikanische Große Achatschnecke (Achatina fulica) ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Die Guamralle brütet das ganze Jahr über. Die Geschlechtsreife erreicht die Guamralle mit vier Monaten. Der Höhepunkt der Reproduktion fällt in die Regenzeit von Juli bis November. Die Nester werden auf trockenem Boden in dichtem Gras angelegt. Das Gelege besteht aus ein bis vier Eiern, in der Regel sind es drei bis vier Eier.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Guamralle auf Guam endemisch und war bis 1968 weit verbreitet. Zusammen mit den meisten anderen einheimischen Arten war die Zahl stetig rückläufig. Im Jahr 1981 wurde die Population auf etwa 2.000 Individuen geschätzt. Im Jahr 1983 zählte man weniger als 100 Exemplare und 1987 war die Guamralle dann ausgerottet. Die Guamralle überlebte in Gefangenschaft, und zwar in dem Zoo auf Guam und in weitere 14 Zoos in den USA, insgesamt etwa 180 Vögel. Im Jahr 1998 wurde die Guamralle auf Guam in die Wildnis wieder eingeführt, aber es wurde ein rascher Rückgang der Population im Zeitraum von 2000 bis 2002 beobachtet. Von 1989 bis 2007 wurden 853 Vögel in der Gefangenschaft aufgezogen und in der Nähe von Rota, Nördliche Marianen, freigelassen. Auch wenn einige Populationen stark rückläufig bzw. schon ausgestorben sind, gibt es derzeit eine wachsende Population von 40 bis 60 Individuen auf der Insel Duge und eine Population von 20 Vögeln auf der Insel Apanon.

Ernährung

Guamralle bei der Fütterung - In der Wildnis schon ausgestorben und lebt nur noch im Smithsonian’s National Zoo in Guam
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Guamralle bei der Fütterung - In der Wildnis schon ausgestorben und lebt nur noch im Smithsonian’s National Zoo in Guam

Die Guamralle ernährt sich hauptsächlich von tierischer Nahrung, einschließlich Weichtiere, Insekten und kleine Geckos. Die afrikanische Große Achatschnecke (Achatina fulica), die auf Guam eingeführt wurde, ist ein wichtiger Bestandteil der Ernährung für die Guamralle. Ferner verzehrt die Guamralle auch kleinere Mengen an Pflanzenmaterial wie Samen und Blätter. Nach Nahrung sucht die Guamralle vorwiegend auf dem Boden. Gelegentlich fängt die Guamralle auch tieffliegende Insekten, wie zum Beispiel Schmetterlinge.

Fortpflanzung

Die reproduktive Gewohnheiten der Guamralle sind nur von den in der Gefangenschaft gehaltenen Vögeln bekannt. Die Guamralle ist mit fünf Monaten geschlechtsreif. Die Fortpflanzungszeit ist nicht explizit. Die weibliche Guamralle kann das ganze Jahr über Eier legen. Aber die Brutzeit erfolgt in der langen Regenzeit von Juli bis November. Es ist möglich, dass die Guamralle mehrmals im Jahr brütet. Das Nest wird in dichter Vegetation aus Baumwoll-Gräsern und Laub angelegt. Das Weibchen legt ein bis vier, in der Regel drei bis vier Eier. Die Nester werden meist von verwilderten Hauskatzen und vor allem von der Braunen Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) geplündert. Am Nestbau sind beide Geschlechter beteiligt. Auch die Inkubation der Eier werden von beiden Geschlechtern wahrgenommen. Gleich nach dem Schlupf verlassen die Jungen das Nest. Die Jungen werden manchmal von den Eltern gefüttert, aber meist zeigen die Eltern nur, was fressbar ist und was nicht.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN starb das letzte Exemplar in der freien Natur 1987 wegen Plünderung durch die eingeführte Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) und somit gilt die Guamralle in der freien Wildnis auf Guam als ausgestorben. Eine Population lebt und brütet in der Gefangenschaft. Die Guamralle bleibt in der Wildnis solange als ausgestorben, bis eine Population wieder in der Wildnis fest etabliert ist. Auf der Insel Rota versuchte man die Wiedereinführung der Guamralle, jedoch sind diese gescheitert. Verantwortlich für das Scheitern der Wiedereinführung sind die verwilderten Hauskatzen. Die Zucht in Gefangenschaft begann im Jahr 1984. Seit 1987 sind Bemühungen im Gange, um eine sich selbst erhaltende experimentelle Population auf der nahe gelegenen schlangenfreie Insel wieder einzuführen.
Guamralle beim Hudern - In der Wildnis schon ausgestorben und lebt nur noch im Smithsonian’s National Zoo in Guam
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Guamralle beim Hudern - In der Wildnis schon ausgestorben und lebt nur noch im Smithsonian’s National Zoo in Guam
Im Jahr 1999 brüteten dort die Vögel zum ersten Mal. Weitere Vögel wurden an vier Standorten in die Wildnis entlassen, aber der Erfolg war gemischt. Ende 1998 wurden einige in Gefangenschaft gezüchtete Vögel im Norden von Guam in einem kleinen Bereich (24 Hektar), der durch eine Barriere vor Schlangen geschützt wurde, ausgesetzt. Und, obwohl diese Vögel gezüchtet wurden, ist diese Population ist jetzt ausgestorben. Es müssen strengere Maßnahmen implementiert werden, um die Ausbreitung der Braunen Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) von Guam nach Rota zu verhindern. Bevor ein weiteres Wiedereinführungs-Programm unternommen wird, müssen die verwilderten Hauskatzen unbedingt kontrolliert werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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