Großtrappe

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Großtrappe
Russia, Saratov region, Zhadovka

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
Familie: Trappen (Otididae)
Gattung: Otis
Art: Großtrappe
Wissenschaftlicher Name
Otis tarda
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Großtrappe (Otis tarda) zählt innerhalb der Familie der Trappen (Otididae) zur Gattung Otis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Großtrappe erreicht eine Körperlänge von 80 bis 105 Zentimeter sowie eine Flügelspannweite von 190 bis 260 Zentimeter. Das Weibchen ist deutlich kleiner als das Männchen. Es erreicht ein Gewicht von bis zu 4.000 Gramm, das Männchen hingegen ein Gewicht von bis zu 17.000 Gramm. Die Großtrappe zählt somit zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Neben der Größe unterscheiden sich die Geschlechter auch beim Gefieder. Das Gefieder ist bei beiden Geschlechter oberseits rotbraun gefärbt. Dunkle und helle Querbänder durchziehen dabei das gesamte Obergefieder in einer feinen Strichelung. Der Kopf sowie der Hals, die Brust und die Bauchseite sind gräulich bis weißlich gefärbt.

Großtrappe - Russia, Saratov region, Zhadovka
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Großtrappe - Russia, Saratov region, Zhadovka

Das Männchen weist im Bereich der oberen Kehle, unmittelbar unter dem Schnabel, gräuliche bis weißliche Bartfedern auf, die durchaus eine Länge von gut zehn Zentimeter aufweisen können. Beim Männchen zeigt sich zudem im Bereich der Brust ein breites, hellbraunes Band. Der Großtrappe fehlt die Bürzeldrüse. Als Bodenbewohner fehlen den Vögeln auch die hintere Zehe. Drei kräftige Zehen zeigen nach vorne. Die fehlende Hinterzehe ist ein Indiz für einen reinen Bodenbewohner. Die meisten Populationen gelten als durchaus sesshafte Vögel. Nur in strengen Wintern erfolgt lokal ein Zug in südlichere Gefilde. Im Flug hält die Großtrappe ihren Kopf gerade gestreckt. Der Flug wirkt bei dem Gewicht schwerfällig aber durchaus kräftig.

Unterarten

Verbreitung

Historisch war die Großtrappe in weiten Teilen Mittel-, Ost- und Südeuropas verbreitet. Der hohe Jagddruck und die Vernichtung der natürlichen Lebensräume haben die Verbreitung auf wenige Bereiche in Europa schrumpfen lassen. In Deutschland kommt die Großtrappe nur noch in wenigen Gebieten in Ostdeutschland vor. In der ehemaligen DDR war die Großtrappe weit verbreitet. Nach der deutschen Wiedervereinigung ging durch Veränderungen in der Landwirtschaft, z.B. neue Anbaumethoden, der Bestand drastisch zurück. 1998 gab es in ganz Deutschland nur noch 90 Tiere. Es wird versucht, den Bestand zu erhalten und zu vergrößern. Die größten Populationen leben heute noch in Spanien und in Ungarn. Ursprünglich war die Großtrappe in reinen Steppengebieten zu Hause. Heute gilt sie als Kulturfolgerin und bewohnt vor allem Kultur- und Agrarlandschaften. Dazu gehören Heidelandschaften, Äcker und Brachflächen.

Großtrappe
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Großtrappe

Ernährung

Zur bevorzugten Nahrung gehören insbesondere Sämereien, Gräser und Kräuter, Wurzeln, Knospen sowie gelegentlich tierische Nahrung wie Würmer, Schnecken, Insekten und deren Larven. Auch kleinere Wirbeltiere werden nicht verschmäht. Auf Nahrungssuche geht die Großtrappe am Tage.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt bereits im zeitigen Frühjahr, meist bereist Ende Februar oder im März. Das Männchen lebt polygam, das heißt es begattet in einer Saison mehrere Weibchen und hat im folgenden mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Während der Balzzeit beeindruckt der Hahn die umworbenen Weibchen mit seinem aufgeblasenen Kehlsack im Brustbereich, mit dem er dumpfe, dunkle Balzrufe produziert. Das Nest entsteht an geschützter Stelle in einer flachen Erdmulde. Eine Erdmulde wird spärlich mit Pflanzenteilen ausgepolstert. Das Weibchen legt zwischen zwei und drei gräuliche Eier, die eine feine, braune Sprenkelung aufweisen. Das Weibchen bebrütet die Eier über einen Zeitraum von 26 bis 28 Tagen. Die geschlüpften Küken sind Nestflüchter und folgen kurz nach dem Schlupf der Mutter. In den ersten ein bis zwei Wochen werden die Jungen von der Mutter gefüttert, danach suchen sie selbständig nach Nahrung. Mit etwa vier Wochen sind die Jungvögel flügge, bleiben aber noch bis zum nächsten Frühjahr bei der Mutter. In Gefangenschaft kann eine Großtrappe durchaus ein Alter von 40 bis 50 Jahren erreichen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt allerdings deutlich darunter.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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