Großer Tümmler

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Großer Tümmler

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Echte Delfine (Delphininae)
Gattung: Tursiops
Art: Großer Tümmler
Wissenschaftlicher Name
Tursiops truncatus
(Montagu, 1821)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Große Tümmler (Tursiops truncatus), auch unter den Synonymen Tursiops gephyreus, Tursiops gilli und Tursiops nuuanu bekannt, zählt innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae) zur Gattung Tursiops. Im Englischen wird der Große Tümmler common bottlenose dolphin, bottle-nosed colphin, bottlenosed dolphin oder bottlenose dolphin genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Große Tümmler erreicht eine Körperlänge von 190 bis 370 Zentimeter sowie ein Gewicht von 180 bis 550 Kilogramm. Männchen werden deutlich größer und schwerer als Weibchen. Die Haut ist oberseits überwiegend gräulich gefärbt. Die Bauchseite und der Bereich unter dem Maul sind deutlich heller. Charakteristisch ist die relativ kurze Schnauze und die sichelförmige Rückenflosse, die beim Schwimmen an der Oberfläche deutlich sichtbar ist und die Art leicht erkennen läßt. Die Kiefer des Großen Tümmlers enthalten jeweils bis zu 28 scharfe, konisch geformte Zähne, mit denen sie ihre Beute packen. Forschungen haben ergeben, daß sie im Verhältnis zum Menschen über ein sehr großes Gehirn aufweisen. Sie sind hochintelligent und sozial. Am Bauch hat der Große Tümmler zwei große Bauchflossen, die eine Länge von 30 bis 50 Zentimeter aufweisen können. Die waagerechte Schwanzflosse hat einen Durchmesser von rund 60 bis 70 Zentimeter.

Lebensweise

Große Tümmler leben in sozialen Gruppen, die man in der Fachsprache auch Schulen nennt. Eine Schule besteht aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Die Gruppenstärke liegt bei rund zehn bis fünfzehn Tieren. Auf offener See können die Schulen auch deutlich größer sein. Geschlechtsreife Männchen ohne eigenen Verband schliessen sich zu sogenannten Junggesellengruppen zusammen. Auf ihren täglichen Wanderungen schwimmen Tümmler oft zwischen 50 und 80, nicht selten auch über 100 Kilometer. Sie können Tauchtiefen von einigen hundert Meter erreichen. Große Tümmler haben ein breites Spektrum an Lauten, mit denen sie sich verständigen. Es handelt sich dabei um Pfeifgeräusche in unterschiedlichen Höhen und Längen. Forscher vermuten dahinter eine Art Sprache. Auf der Nahrungssuche setzen die Tiere Klicklaute ein. Das Verfahren gleicht der Echo-Ortung. Treffen dabei Töne auf ein Objekt, so werden die Schallwellen zurückgesandt. Über die Ohren und das Maul nehmen die Tümmler die Schallwellen auf und leiten sie zum Innenohr. Auch der Sehsinn ist bei ihnen ausgesprochen gut entwickelt. Aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes gelten die Großen Tümmler heute noch nicht als gefährdet.

Unterarten

Tümmler in einer Show
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Tümmler in einer Show

Die Einteilung in Unterarten ist nicht unumstritten. Einige Forscher sehen in den Unterarten eigene Arten.

Verbreitung

Der Große Tümmler ist in allen gemäßigten und tropischen Regionen der Weltmeere beheimatet. Auch in großen Meeren wie dem Mittelmeer, dem Schwarzen Meer und in der Nordsee ist er häufig anzutreffen. Die Tümmler bevorzugen flache, küstennahe Gewässer und Lagunen, sind aber auch auf offener See anzutreffen. Gelegentlich dringt er in küstennahe Flussdelta ein.

Ernährung

Der Große Tümmler ernährt sich vor allem von Fischen. Darüber hinaus stellt er aber auch Tintenfischen, Aalen, Garnelen und anderen Krebstieren nach. Pro Tag benötigt ein Tümmler zwischen fünf und sieben Kilogramm an Nahrung. Auf Nahrungssuche gehen sie dabei meist in Gruppen.

Fortpflanzung

Großer Tümmler
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Großer Tümmler

Der Große Tümmler erreicht je nach Geschlecht nach acht bis dreizehn Jahren die Geschlechtsreife. Männchen benötigen dabei deutlich mehr Zeit als Weibchen. Die Paarungszeit erstreckt sich in den subtropischen und tropischen Gewässern zwischen März und Mai. Es kann gebietsweise aber auch im ganzen Jahr zu Paarungen und Geburten kommen. Ein Weibchen bringt meist alle drei Jahre ein Jungtier zur Welt. Die Tragezeit beträgt rund 360 Tage. Bei der Geburt versammelt sich die ganze Gruppe um das werfende Weibchen und beschützen es. Das Jungtier, auch Kalb genannt, kommt mit dem Schwanz zuerst zur Welt. Unmittelbar nach Beendigung der Geburt drückt die Mutter ihr Neugeborenes an die Wasseroberfläche, damit es atmen kann.

Das Kalb misst meist eine Länge von 100 bis 120 cm und weist ein Gewicht von zehn bis fünfzehn Kilogramm auf. Es wird für rund zwölf bis achtzehn Monate gesäugt. Das Jungtier nimmt aber bereits ab dem siebten Monat auch feste Nahrung zu sich. Ein Jungtier hat ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter in der Regel bleibt es bis zu drei Jahren bei ihr und lernt die Fähigkeiten fürs Leben. In Freiheit liegt die Lebenserwartung des Großen Tümmlers bei etwa 25 Jahren. In Gefangenschaft können sie auch deutlich über 30 Jahre alt werden.

Menschen und Große Tümmler

In einigen Teilen der Erde wird der Große Tümmler heute noch wegen seines Fleisches gejagt. Vor allem in Japan, Indonesien und anderen Teilen Südostasiens gilt sein Fleisch als Delikatesse. In Europa und Nordamerika wird der Tümmler seit mehr als 50 Jahren nicht mehr verfolgt. Weitmehr Tümmler sterben allerdings in den Treibnetzen der großen Fischtrawler. Sie verfangen sich in den Netzen und ertrinken dabei.

Einige Zoos und Aquarien halten heute Große Tümmler und präsentieren sie in Shows. Er hat sich als sehr gelehriger Säuger herausgestellt und scheint in den Shows auch seinen "Spaß" zu haben, was natürlich eine Lüge ist. Allerdings weist kaum eine Einrichtung eine auch nur ansatzweise artgerechte Haltung auf. Die Großen Tümmler brauchen sehr viel Platz. Inwieweit sie deshalb an seelischen Qualen leiden ist abschließend noch nicht erforscht. In den USA wird seit Jahren eine Delfintherapie bei kranken Kindern eingesetzt. Hier will man insbesondere behinderten und autistischen Kindern helfen. Die Therapien haben keinen erwiesenen Erfolg. Es ist bewiesen, daß die Tiere auf Menschen aggressiv reagieren, da sie durch die Gefangenschaft depressiv und frustriert sind.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Große Tümmler heute noch nicht zu den bedrohten Delfinarten. Der Große Tümmler ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Große Tümmler selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Große Tümmler als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Mark Carwardine: Wale und Delfine in europäischen Gewässern. Delius Klasing Verlag, 2003 ISBN 3768814564
  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329
  • Mark Simmonds: Wale und Delfine der Welt. Delius Klasing Verlag, 2006 ISBN 3768817660

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