Große Steinfliege

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Große Steinfliege

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Steinfliegen (Plecoptera)
Unterordnung: Arctoperlaria
Überfamilie: Perloidea
Familie: Perlidae
Unterfamilie: Perlinae
Tribus: Perlini
Gattung: Perla
Art: Große Steinfliege
Wissenschaftlicher Name
Perla grandis
Rambur, 1841

Die Große Steinfliege (Perla grandis), auch unter dem Synonym Perla alpicola bekannt, zählt innerhalb der Familie Perlidae zur Gattung Perla. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Große Steinfliege erreicht eine Körperlänge von etwa 20,0 bis 28,0 Millimeter. Sie ist recht unauffällig, meist düster und wenig kontrastreich gefärbt. Die Flügel sind bei dieser etwas bräunlich getönt. Sie besitzt ein Paar schmale Vorderflügel mit auffälligen Queraderreihen sowie ein Paar breitere Hinterflügel und zwei eingliedrige Hinterleibsanhängsel (Cerci). Die Mundwerkzeuge sind bei der adulten Steinfliege verkümmert, während bei den Larven die Mundwerkzeuge ziemlich kräftig erscheinen. Die Flügel werden in Ruhestellung flach übereinander über dem Hinterleib zusammengelegt. Bei den Erwachsenen und Nymphen sind die Antennen recht lang. Die Komplexaugen sind bei den Erwachsenen gut entwickelt. Des Weiteren sind noch drei Punktaugen (Ocellen) ausgebildet. Die Beine sind ziemlich kräftig und die dreigliedrigen Tarsen tragen an der Spitze zwei Klauen und sind mit einem kleinen Haftpolster versehen. Das zeite Tarsalglied ist deutlich kürzer als das dritte Tarsalglied. Der Hinterleib bei der Großen Steinfliege wirkt ziemlich langgestreckt. Ferner sind insgesamt zehn Hinterleibssegmente erkennbar. Bei dem Männchen ist das hintere Ende als Begattungsorgan umgewandelt.

Lebensweise

Die Große Steinfliege ist eine ausgesprochene Gebirgsbachart und tritt in den Bächen des Mangfallgebirges auf. Die Larve der räuberischen Großen Steinfliege lebt in schotterreichen Bächen und kleineren Flüssen der Voralpen und ernährt sich von wirbellosen Kleintieren der Gewässersohle. Eine extrem lange Eientwicklung von drei Jahren weist die Große Steinfliege im Oberlauf der Thur in der Ostschweiz auf.

Verbreitung

Große Steinfliege - Larve
vergrößern
Große Steinfliege - Larve

Die Große Steinfliege ist in ganz Europa verbreitet. In Westeuropa ist die Große Steinfliege an den bewaldeten Ufern von niedrigen Gewässern zu finden. Die Larven leben in schnell fließenden Bächen, im frischem Wasser und in sauerstoffreichen Flüssen und sowie im Bereich von Felsen. Sie halten sich versteckt unter Steinen und unter Kies auf und werden kaum von ihren natürlichen Feinden, den Fischen, entdeckt.

Ernährung

Die tag- und nachtaktiven Larven der Großen Steinfliege ernähren sich räuberisch von anderen kleinen Insekten (Insecta), insbesondere werden Zuckmücken (Chironomidae) von den Larven erbeutet. Die Prädationsaktivität hängt von der Tag- und Nacht-Periodik ab. Der Jagderfolg wird unter anderem durch die Substratbeschaffenheit und die Konkurrenz beeinflußt. Nachts weisen die Larven eine zwei- bis dreimal höhere Prädationsrate als am Tag auf. Nur die Larven nehmen Nahrung zu sich. Die Imagines haben verkümmerte Mundwerkzeuge und leben von den Fettreserven, die sie sich als Larve angefressen haben.

Fortpflanzung

Die Große Steinfliege durchläuft eine unvollständige Verwandlung, d. h., dass in ihrem Entwicklungszyklus vom Ei über die Larve zum Erwachsenen das Puppenstadium fehlt. Wenige Tage nach der Paarung legt das Weibchen einen Eiballen mit etwa 200 bis 400 Eiern ab. Die befruchteten Eier befinden sich an der Unterseite des Hinterleibes des Weibchens und werden vor der Eiablage für eine geraume Zeit herumgetragen. Die Eiablage des Weibchens erfolgt durch das Eintauchen des Hinterleibes während des Fluges an den Ufersubstraten direkt unterhalb des Wasserspiegels. Dabei verteilt sich die Hüllsubstanz, die den Zusammenhalt der Eier bewirkt, blitzartig auf der Wasseroberfläche, sie spritzen auseinander und sinken vereinzelt auf den Boden des Gewässers. Auf die Eientwicklung folgt die Entwicklung der Larven. Während des Wachstums erfolgen Häutungen, bei denen die Larven ihre Außenhaut (Exoskelett) abstreifen und dann eine neue größere Außenhaut bilden. Die Larven haben zwei längere Schwanzfäden. Nach dem Larvenstudium erfolgt direkt die Imago. In reifem Stadium kriecht verläßt die Larve das Gewässer und häutet sich zum letzten Mal. Aus ihr schlüpft die flugfähige Steinfliege. Die adulten Steinfliegen leben etwa vier bis sechs Wochen. Während dieser Zeit finden die Paarung und Eiablage statt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
'Persönliche Werkzeuge