Große Rohrratte

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Große Rohrratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Familie: Rohrratten (Thryonomyidae)
Gattung: Thryonomys
Art: Große Rohrratte
Wissenschaftlicher Name
Thryonomys swinderianus
(Temminck, 1827)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Große Rohrratte (Thryonomys swinderianus) zählt innerhalb der Familie der Rohrratten (Thryonomyidae) zur Gattung Thryonomys. Im Englischen wird die Große Rohrratte greater cane rat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Große Rohrratte erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 35,0 bis 61,0 Zentimeter und eine Schwanzlänge von etwa 6,5 Zentimeter. Männchen erreichen ein durchschnittliches Gewicht von etwa 4,5 Kilogramm, während das Gewicht der Weibchen etwa 3,5 Kilogramm beträgt (Merwe, 2000). Die Große Rohrratte weist eine gerundete Nase und kurze Ohren auf. Die Schneidezähne wachsen kontinuierlich (Mills, 1997). Das Fell ist grob und weist abgeflachte Borsten auf. Der Rücken ist gelblich-braun gefärbt und die Bauchseite weist ein helleres Grau auf. Die Vorderpfoten sind kleiner als die Hinterpfoten und haben drei gut entwickelte mittlere Zehen, während die erste und die fünfte Zehe stark reduziert sind. Die Hinterpfoten haben keine erste Zehe und alle Zehen weisen stark ausgebildete Klauen auf (Fitzinger, 1997). Die zahnärztliche Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3 (Merwe, 2000).

Lebensweise

Große Rohrratten können in der Regel in Gruppen mit einem Männchen, mehreren Weibchen und Jungtieren von mehr als einer Generation auftreten. Sie sind nachtaktiv und bilden Wanderwege durch Gras und Schilf, die zu den Nahrungsplätzen und zum Wasser führen. Für den Unterschlupf bauen sie im hohen Gras Nester und unter dem hohen Gras flache Höhlen. Sie sind gute Schwimmer und Taucher (Fitzinger, 1997). Wenn Gefahr droht, dann stampfen sie mit ihren Hinterpfoten und Grunzen laut oder flüchten in Richtung Wasser.

Verbreitung und Lebensraum

Große Rohrratte
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Große Rohrratte

Die Große Rohrratte ist in Afrika, südlich der Sahara verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht von Gambia bis in den Südsudan und von Süden bis in den Norden Namibias und Südafrika. In den südwestlichen Teilen von Südafrika kommt die Große Rohrratte nicht vor (Fritzinger, 1997). Die Große Rohrratte ist in der Nähe von Sümpfen und Flussufern (Mills, 1997) zu finden. Populationen können auch in sehr hoher Dichte in Plantagen von Kulturpflanzen zum Ärgernis der Landwirte (Merwe, 2000) eindringen. Der Lebensraum der Großen Rohrratte ist bedroht, da Waldflächen gerodet werden, um neues Ackerland für die Landwirte zu gewinnen (Asibey, 1999).

Ernährung

Die Große Rohrratte ist ein reiner Pflanzenfresser und die natürliche Ernährung sind vor allem Gräser und Zuckerrohr. Gelegentlich verzehrt sie auch Rinde, gefallene Früchte, Nüsse und viele verschiedene Arten von Kulturpflanzen. Einige kultivierte Äcker werden regelmässig aufgesucht, dazu zählen unter anderem Zuckerrohr, Mais, Hirse, Maniok, Süßkartoffeln und Kürbisse (Fitzinger, 1997), gerne verzehrt die Große Rohrratte Elefantengras und Süßkartoffeln. Ferner bevorzugt sie Pflanzen mit viel Feuchtigkeit und löslichen Kohlenhydraten (Agbelusi, 1997). Die Große Rohrratte schneidet die Gräser und andere Pflanzen mit den Schneidezähnen, wodurch ein lautes klapperndes Geräusch zu hören ist (Mills, 1997).

Fortpflanzung

Große Rohrratten leben in Gruppen, die jeweils aus einem Männchen und mehreren Weibchen bestehen, vor allem während der Paarungszeit ist dies der Fall. In der Trockenperiode trennt sich das Männchen von der Gruppen und lebt einzelgängerisch. Die Weibchen leben weiterhin zusammen in der Gruppe. Die Paarungszeit ist abhängig von der Witterung. In der Regel erfolgt die Paarung in der Regenzeit. Das Weibchen bringt pro Jahr 2 Würfe mit in der Regel 4 Nachkommen. Der Östrozyklus dauert etwa 6,62 Tage und die Tragzeit beträgt 137 bis 172 Tage (Fitzinger, 1997). Die Jungen wiegen etwa 129,0 Gramm und sind relativ gut entwickelt. Ihre Augen sind nach der Geburt offen und haben ein dichtes Fell. Die Geschlechtsreife erreicht die Große Rohrratte in einem Alter von 1 Jahr (Fitzinger, 1997).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Große Rohrratte heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Große Rohrratte selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als LC, Least Concern (nicht gefährdet) geführt.

Weitere Synonyme

  • Aulacodus swinderianus - Temminck, 1827
  • Thryonomys angolae - Thomas, 1922
  • Thryonomys calamophagus - (De Beerst, 1897)
  • Thryonomys logani - Romer & Nesbitt, 1930
  • Thryonomys raptorum - Thomas, 1922
  • Thryonomys semipalmatus - (Heuglin, 1864)
  • Thryonomys variegatus - (Peters, 1852)

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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