Griechische Landschildkröte

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Griechische Landschildkröte
Griechische Landschildkröte - Testudo hermanni hermanni

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung: Testudo
Art: Griechische Landschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Testudo hermanni
Gmelin, 1789

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) zählt innerhalb der Familie der Landschildkröten (Testudinidae) zur Gattung Testudo.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Griechische Landschildkröte erreicht eine Panzerlänge von 20 bis 26 cm, selten auch bis 30 cm. Das Gewicht bei adulten Schildkröten liegt bei 3.000 Gramm, in Ausnahmefällen auch bis 4.000 Gramm. Männchen bleiben grundsätzlich kleiner und leichter als Weibchen. Der Carapax ist bei beiden Geschlechtern stark gewölbt. Die Grundfärbung ist ein gelbliches Ocker oder hellbraun und ist durchsetzt mit dunkelbraunen bis schwarzen Fleckungen. Das fünfte Wirbelschild zeigt vor allenm bei den östlichen Populationen eine Schlüssellochzeichnung. Der Plastron weist eine cremefarbene bis hellbraune, mit gelbem Einschlag versehene Färbung auf. Auf jeder Seite des zweigeteilten Bauchpanzers zeichnet sich ein breiter und dunkler Längsstreifen ab. Der Kopf ist überwiegend gelblich bis bräunlich mit olivbraunen Schimmer. Bei östlichen Populationen ist an der Wange ein gelblicher Fleck (Sobokularfleck) erkennbar, der aber nicht zwingend vorhanden sein muß. Die Extremitäten wirken plump und sind meist braun bis dunkelbraun gefärbt. Die Zehen enden in kräftige Krallen.

Ab Schwanzende ist ein Hornnagel bzw. ein nagelähnlicher Fortsatz erkennbar, der beim Männchen deutlich stärker ausgeprägt ist. Der Schwanzschild ist beim Männchen gewölbt, bei Weibchen eher flach gehalten. Erwachsene Männchen kann man zudem leicht am längeren Schwanz und an einer breiteren Schwanzwurzel erkennen. Die tagaktiven, einzelgängerisch lebenden Griechischen Landschildkröten bewohnen ein Revier von einer Größe von einem bis zwei Hektar. Pro Tag wandern sie auf der Suche nach Nahrung zwischen 100 und 400 Meter. Gegen Ende Herbst suchen sie sich einen Unterschlupf und halten eine drei bis fünf monatige Winterruhe. Als wechselwarme Tiere sieht man die Griechische Landschildkröte oft beim Sonnenbaden. Die Sonneneinstrahlung bringt ihren Stoffwechsel auf Trapp und fördert die Verdauung der stark faserhaltigen Nahrung. Zu den Hauptfeinden von jungen Schildkröten zählen insbesondere Greifvögel, Ratten, Füchse und ähnliche Tiere. Erwachsenen Tieren kann vor allem das Wildschwein gefährlich werden.

Gefährdung, Schutz

Die Griechische Landschildkröte steht aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens, Anhang II, unter weltweitem Schutz. Die Haltung ist meldepflichtig. Hauptgründe für den starken Rückgang der Populationen sind insbesondere die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und die Überweidung durch Nutzvieh.

Unterarten

Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich über den Süden und den Südosten Europas. Dabei ist sie insbesondere in Albanien, Bosnien-Herzegovina, Bulgarien, Croatien, Südfrankreich, Griechenland, Italien, Mazedonien, Rumänien, Slovenien, Spanien und Türkei. In Höhenlagen ist sie bis in Höhen von 1.500 Metern anzutreffen. Sie lebt in lichten Wäldern, Heidelandschaften sowie auf Kulturflächen wie Gärten und reines Ackerland.

Ernährung

Die Griechische Landschildkröte ist hauptsächlich ein Pflanzenfresser. Sie ernährt sich vorwiegend von Gräsern, Kräutern Blättern, Blüten und Früchten. Zu einem geringen Teil greift sie auch auf tierische Nahrung wie wirbellose Tiere und sogar Aas zurück.

Fortpflanzung

Griechische Landschildkröten erreichen die Geschlechtsreife frühestens nach sechs bis acht Jahren. Männchen brauchen in der Regel ein Jahr länger als Weibchen. Je nach Population kann sich die Geschlechtsreife auch bis zum zehnten oder vierzehnten Lebensjahr hinziehen. Die Paarung erfolgt meist im Frühjahr nach der Winterruhe oder im Herbst. Vor der eigentlichen Paarung verfolgt das Männchen das Weibchen regelrecht. Dabei kann es durchaus zu schmerzhaften Bissen durch das Männchen kommen. Ist ein Weibhen paarungsbereit, so zieht sie ihren Kopf ein und entblößt so ihre Kloake. Jetzt kann das Männchen aufreiten.

Kurz vor der Eiablage gräbt das Weibchen an geschützter Stelle eine Grube, in der sie meist drei bis sechs Eier ablegt. Nach erfolgter Eiablage wird die Grube sorgsam verschlossen. Die Eier weisen eine Länge von rund 35 mm sowie ein Gewicht von etwa 15 Gramm auf. Insgesamt kann es bis zu drei Gelegen in einer Saison kommen. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 90 bis 120 Tagen schlüpfen die Jungschildkröten. Griechische Landschildkröten wachsen ein Leben lang. Ab dem 20. Lebensjahr verlangsamt sich das Wachstum allerdings rapide. In Freiheit können Griechische Landschildkröten ein Alter von bis zu 50 Jahren erreichen. In Gefangenschaft kann durchaus auch ein Alter von bis zu 100 Jahren errreicht werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Holger Vetter, Peter P. van Dijk: Schildkröten der Welt 4. Ost- und Südostasien. Chimaira Mai 2006. ISBN 3930612844
  • Fritz J. Obst: Die Welt der Schildkröten. Müller Rüschlikon, Auflage 2, (1988). ISBN 3275008552
  • Manfred Rogner: "Die Griechische Landschildkröte , Testudo hermanni hermanni, T. h. boettgeri, T. h. hercegovinensis". Natur und Tier - Verlag GmbH, Münster, 2007, ISBN 978-3-937285-44-3

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