Grauwangendrossel

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Grauwangendrossel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Drosseln (Turdinae)
Gattung: Musendrosseln (Catharus)
Art: Grauwangendrossel
Wissenschaftlicher Name
Catharus minimus
Lafresnaye, 1848

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Grauwangendrossel (Catharus minimus) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Musendrosseln (Catharus). Im Englischen wird dieser Fliegenschnäpper Grey-cheeked Thrush oder Bicknell's Thrush genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Grauwangendrossel erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 17 bis 20 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 29 bis 34 Zentimeter sowie ein Gewicht von 30 bis 35 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Das Gefieder ist oberseits olivbraun gefärbt, ventral zeigt sich eine weißliche bis gräuliche Färbung. Die Brust ist mit einer bräunlichen Fleckung versehen. Eine ähnliche Färbung und Fleckung ist an den Kopfseiten zu erkennen. Die Augen sind von einem feinen gräulichen Augenring umgeben. Die Augen an sich sind dunkel gefärbt. Der Oberkopf und der Nacken sind graubraun, die Stirn weist eine gräuliche Färbung auf. Die relativ langen Flügel sind spitz zulaufend, der Schwanz ist leicht eckig geformt. Die Unterschwanzdecken sind weißlich gefärbt. Die Extremitäten weisen eine hellbraune bis fleischfarbene Färbung auf und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. Die Jungvögel ähneln den im Ruhekleid befindlichen Altvögeln.

Lebensweise

Grauwangendrosseln gehören zu den Singvögeln und fallen vor allem während der Paarungszeit durch ihren ausgefeilten Gesang auf. Der Gesang ertönt dabei hauptsächlich von den Männchen, meist in der Morgen- und Abenddämmerung. Die Vögel leben während dr Paarungszeit ausgesprochen territorial. Eindringlinge werden energisch aus dem eigenen Revier vertrieben. Drohgebärden umfassen neben dem Gesang auch Flügelschlagen sowie Heben und Senken des Schwanzes. Aus den Winterquartieren treffen die Männchen zuerst in den Brutgebieten ein. Sie suchen sich zunächst ein Revier, stecken dieses ab und warten auf ein Weibchen.

Unterarten

Verbreitung

Grauwangendrosseln sind in weiten Teilen Nordamerikas und Russlands verbreitet. In Europa, auch in Deutschland, ist die Grauwangendrossel gelegentlich als Vagabund zu beobachten. Die Hauptvorkommen erstrecken sich über Kanada. Hier sind die Vögel vor allem in den Provinzen Ontario, Manitoba, British-Columbia, Labrador, Neufundland und Saskatchewan anzutreffen. Grauwangendrosseln gelten als Zugvögel, die im Herbst in südlichen Gefilde ziehen. Die nordamerikanischen Populationen überwintern für gewöhnlich im nördlichen Südamerika, meist in Kolumbien, Venezuela oder im nördlichen Brasilien. Die russischen Populationen ziehen wahrscheinlich ins südöstliche oder südliche Asien. Die Brutgebiete liegen in der offenen Tundra oder lichten Nadel- und Laubwäldern. In den Winterquartieren sind sie vor allem in tropischen Regenwäldern anzutreffen.

Ernährung

Die Grauwangendrossel ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven und Raupen, Spinnentieren (Arachnida) und anderen kleinen Gliederfüßern (Arthropoda). An Insekten werden insbesondere Käfer (Coleoptera), Ameisen (Formicoidea), Wanzen (Heteroptera), Bienen (Apoidea) und Wespen (Vespoidea) gefressen. Bei Gelegenheit werden auch Regenwürmer (Lumbricidae) keineswegs verschmäht. Während der Reifezeit stehen auch Nüsse, Früchte und Beeren auf dem Speiseplan. Die Nahrungssuche erfolgt hauptsächlich auf dem Boden, Früchte und Beeren werden aber auch direkt in den Bäumen und Büschen gefressen. Auf dem Waldboden wird mit dem Schnabel nach Beutetieren gestochert oder mit den Füßen erscharrt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Grauwangendrossel mit gut einem Jahr. Im April, spätestens im Mai kehren die Vögel aus ihren Winterquartieren zurück in die Brutgebiete. Pro Saison kommt es je nach Verbreitungsgebiet zu ein, sehr selten auch zu zwei Bruten, die sich über den Zeitraum von April bis August erstrecken. Geht ein Gelege verloren, so kommt es in der Regel zu einem kleineren Nachgelege. Die Brutgebiete liegen in Wäldern, meist werden Nadelwälder bevorzugt. Grauwangendrosseln führen eine monogame Einehe, die meist nur eine Saison hält. Während der Brutzeit sind vor allem die Männchen ausgesprochen territorial. So entfaltet das Männchen einen ausgefeilten Gesang, bei dem sich einzelne Strophen wiederholen. Zum einen sucht das Männchen so Kontakt zu seiner Partnerin und zum anderen werden Rivalen auf Distanz gehalten. Wagt sich ein Rivale dennoch in das Revier, so wird er energisch vertrieben.

Das napfartige Nest wird hauptsächlich vom Weibchen gebaut. Es ist recht stabil und wird in einer Astgabel meist aus dünnen Ästchen, Grashalmen, Rinde, Moosen und Flechten errichtet. Es entsteht meist in Büschen oder niedrigen Bäumen. Ausgepolstert wird das Nest mit weichem Material wie Federchen, Grasteilen und Tierhaaren. Die inneren Wände werden zusätzlich mit Schlamm ausgekleidet. Dies dient offensichtlich der Wärmedämmung. Das Weibchen legt zwischen drei und fünf, selten auch sechs hellblaue bis grünlichblaue Eier. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus vier Eiern. Die Brutzeit dauert je nach Verbreitungsgebiet 13 bis 14 Tage. Nur das Weibchen brütet die Eier aus. Das Männchen wacht während dieser Zeit über sein Weibchen und das Gelege und reicht ihr Futter. Die geschlüpften Küken sind bei der Geburt noch nackt und blind. Sie öffnen ihre Augen meist gegen Mitte der ersten Lebenswoche. Gefüttert wird die Brut mit allerlei Insekten und Larven. Nach bereits 15 Tagen sind die Jungvögel flügge und selbständig. Sie bleiben jedoch noch einige Tage bei den Eltern. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt, sie dürfte aber bei sechs bis acht Jahren liegen.

Gefährdung und Schutz

Die Grauwangendrossel gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 4.1 Millionen Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 12 Millionen Individuen geschätzt (Rich et al. 2003). <1> Die Grauwangendrossel ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist sehr häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird sie daher als least concern (nicht gefährdet) geführt. Die Grauwangendrossel ist zudem in den USA durch den US Migratory Bird Act geschützt. Eine ernst zunehmende Bedrohung stellt jedoch die Vernichtung der natürlichen Lebensräume dar. Dies ist vor allem in den Brutgebieten zu beobachten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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