Grauschnäpper

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Grauschnäpper
Russia, Republic of Altai, Atrybash

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Fliegenschnäpper (Muscicapinae)
Tribus: Muscicapini
Gattung: Muscicapa
Art: Grauschnäpper
Wissenschaftlicher Name
Muscicapa striata
Pallas, 1764

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Grauschnäpper (Muscicapa striata) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung Muscicapa.

Der Grauschnäpper ähnelt in Größe und Aussehen der Gartengrasmücke (Sylvia borin) und dem Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) und wird mit den genannten zwei Arten leicht verwechselt. Einige Unterscheidungsmerkmale weisen die zwei genannten Arten allerdings auf, unter anderem sind bei der Gartengrasmücke (Sylvia borin) der Schwanz kürzer, die Flügel einfarbiger und die Körperhaltung ist weniger aufrecht als bei dem Grauschnäpper. Das Weibchen des Trauerschnäppers (Ficedula hypoleuca) weist auf den Flügeln weiße Streifen auf.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Grauschnäpper ist kleiner als ein Haussperling, doch ähnlich gefärbt. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 14 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 23 bis 25 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 14 bis 19 Gramm. Der Grauschnäpper zeigt eine aufrechte Sitzhaltung. Der Rücken ist einheitlich graubraun. Der Kopf weist eine hellbraune Färbung auf und ist oben fein gestrichelt. Des weiteren sind bei dem Grauschnäpper deutlich große dunkle Augen zu erkennen. Der Schnabel ist kurz und breit. Auf der Brust sieht man dagegen undeutliche hellgraue Striche. Die Kehle weist ebenfalls feine dunkelgraue Striche auf. Die Unterseite ist heller gefärbt, fast weißlich. Auf den Flügeln sind helle Federränder sichtbar. Die Flügelspitzen sind lang und der lange einfarbige Schwanz ist nach unten gerichtet. Die Extremitäten sind kurz und schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Im Flug des Altvogels sind deutlich die langen und schmalen Flügel sowie der einfarbige Schwanz erkennbar. Der Grauschnäpper zuckt oft mit dem Schwanz und mit den Flügeln auf seiner Ansitzwarte. Die Jungvögel weisen einen gefleckten Oberkopf auf und auf dem Rücken erkennt man deutlich cremefarbene Flecken.

Der Flug ist kräftig, schnell, schießt über längere Entfernungen mit kleinen Folgen schneller Flügelschläge.
Grauschnäpper
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Grauschnäpper
Der Grauschnäpper unternimmt von einer Sitzwarte aus kurze Jagdflüge auf vorüberfliegende Insekten (Insecta) wie zum Beispiel Fliegen (Brachycera) in raschen Wendungen und kehrt meist wieder zum Ausgangspunkt zurück. Diese Technik verleiht einem sitzenden Grauschnäpper meist ein unverwechselbares wachsames Aussehen, man erkennt ihn, auch wenn er keine auffälligen Gefiedermerkmale aufweist. Eine wichtige Voraussetzung für den Grauschnäpper ist eine offene Sitzwarte mit freiem Blick auf vorbeifliegende Insekten (Insecta).

Der Ruf des Grauschnäppers ist kurz und scharf und klingt wie "zrri". Der Warnruf hört sich dagegen ein- oder zweisilbig wie ein "ist-tete" an. Der Gesang wird in großen Tonabständen ohne abgesetzte Strophen mit Einzelelementen in Pausen vorgetragen. Er ist unauffällig, hoch, nicht laut und klingt etwa wie "zi zi sri zrü tsr". Der Grauschnäpper kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa drei bis fünf Jahren erreichen.


Verbreitung

Der schlanke, aufrecht sitzende, kurzbeinige Grauschnäpper brütet in fast ganz Europa, fehlt allerdings in Island. Des weieren findet man den Grauschnäpper auch in Nordwestafrika und ostwärts bis Mittelsibirien. Er ist ein Sommervogel, der oft im Frühjahr spät zurückkommt. In Deutschland ist er ein weit verbreiteter Brüter im Tiefland und im Mittelgebirge. Der Grauschnäpper zählt zu den Langstreckenzieher von April bis September.
Vogel Migration
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Das Winterquartier liegt in Afrika, und zwar von den Tropen bis zur Südspitze. Insbesondere brütet der Grauschnäpper an Waldrändern und Waldlichtungen, auch in Gärten mit Bäumen und Büschen sowie in Parkanlagen und häufig auch an Häusern.

Auch der Grauschnäpper ist ein Zugvogel, der in Mittel- und Westeuropa in verschiedenen Richtungen von den Brutplätzen abzieht und eine Zugscheide bildet. Die Populationen der Britischen Inseln ziehen zunächst in südlicher Richtung und vermeiden dadurch, die äußere Biskaya überfliegen zu müssen. Um nach Spanien und nach Portugal zu gelangen, ist in Südfrankreich ein Abschwenken nach Südwesten erforderlich. Die Populationen aus den Beneluxländern, Westdeutchland und der Schweiz halten sich dagegen von vornherein ziemlich genau in Südwest-Richtung. Über der Iberischen Halbinsel müssen sie allerdings ihre Richtung ändern, und zwar nach Süden, um ihr tropisches Winterquartier in Afrika zu erreichen und nicht auf den Atlantik hinaus zu geraten. Von Brutvögeln östlich 12 Grad östlicher Länge gibt es nur noch ganz wenige Funde in Spanien. Die Hauptrichtung des Wegzuges aus einem Herkunftsgebiet zwischen 12 Grad und 15 Grad östlicher Länge ist Südsüdwest. Damit gelangen diese Vögel vor allem nach Italien. Weiter östlich beheimatete bevorzugen als Wegzugsrichtung Südsüdwest bis Südsüdost, ziehen also über Österreich, Kroatien und Griechenland ab. Auf dem Frühjahrsflug werden offenbar im wesentlichen die selben Routen beflogen.

Ernährung

Der Grauschnäpper fängt meist fliegende Insekten (Insecta) im Jagdflug vom Sitzplatz in Bodennähe bis Baumwipfelhöhe und kehrt zum selben Platz wieder zurück. Er ernährt sich vorwiegend von Fliegen (Brachycera), Schmetterlingen (Lepidoptera), Stechmücken (Culicidae), Echten Wespen (Vespinae) sowie von Libellen (Odonata). Während der Migrationen nimmt er auch Früchte zu sich.

Fortpflanzung

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Grauschnäpper

Die Paarungszeit und Brutsaison finden in den Monaten von Mai bis August statt. Während dieser Zeit kommt es häufig zu einer Jahresbrut, selten auch zu zwei Jahresbruten. Das Weibchen baut ein napfförmiges Nest aus Gräsern, Blättern, Halmen, Federn, Haaren oder Moosen in einer Halbhöhle, in einer Nische oder in einer weit offenen Höhlung am Baum, unter toter Rinde, unter einem Dachvorsprung im Gebälk, in Mauerlöchern und Mauerecken, in dichten Kletterpflanzen und auch in einem offenen Nistkasten. Der eigentliche Legebeginn ist im Mai/Juni. Das Weibchen legt drei bis fünf Eier oder auch vier bis sechs Eier ins Nest. Die Eier weisen eine weißliche Grundfarbe mit veränderlicher grünlicher oder bläulicher Tönung auf. Des weiteren sind die Eier lebhaft bräunlich bis rotbräunlich befleckt. Das Weibchen wärmt die Eier etwa 12 bis 15 Tage lang allein. Die Jungvögel werden im Nest von dem Männchen und von dem Weibchen reichlich mit Nahrung in Form von fliegenden Insekten (Insecta) versorgt bis sie endgültig voll befiedert sind. Sie weisen einen gefleckten Oberkopf auf und auf dem Rücken erkennt man deutlich cremefarbene Flecken. Die Jungvögel werden aber auch noch 15 Tage lang nach dem Verlassen des Nestes von den Altvögeln weiterhin betreut. Die Lebenserwartung des Grauschnäppers kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa drei bis fünf Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Der Bestand nimmt durch massive Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft, durch Abholzung und Verschwinden alter Waldbestände und durch Verschlechterung der winterlichen Lebensräume ab. In Frankreich genießt der Grauschnäpper besonderen Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird der Grauschnäpper als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

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Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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