Grauer Steppenlemming

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Grauer Steppenlemming

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Arvicolini
Gattung: Steppenlemminge (Lagurus)
Art: Grauer Steppenlemming
Wissenschaftlicher Name
Lagurus lagurus
Pallas, 1773

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Graue Steppenleming (Lagurus lagurus) zählt innerhalb der Familie Cricetidae zur Gattung der Steppenlemminge (Lagurus). Der Namensbestandteil "Lemming" ist irreführend, da sie nur entfernt mit den Lemmingen (Lemmini) verwandt sind. Allenfalls ihr Aussehen ähnelt dem der Lemminge. In der Vergangenheit, im Pleistozän, also vor rund zwei Millionen Jahren, waren die Steppenlemminge bis nach Westeuropa verbreitet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Graue Steppenlemming erreicht eine Körperlänge von 8 bis 12 cm. Hinzu kommt ein kurzer, behaarter Schwanz in einer Länge von gut 20 mm. Das Gewicht liegt bei 25 bis 35 g. Weibchen bleiben wenig kleiner und leichter als Männchen. Das dichte Fell weist eine gräuliche Färbung auf. Ein dunkelbrauner bis schwarzer Aalstrich reicht dorsal vom Oberkopf bis zum Schwanzansatz. Die Bauchseite ist deutlich heller und fast weißlich gefärbt. Die sehr kleinen Ohren sind meist unter dem Fell verborgen. Die Augen sind knopfartig klein und liegen seitlich am Kopf. An der Schnauzenspitze liegen seitlich die Schnurrhaare, die der Orientierung dienen.

Graue Steppenlemminge leben in kleinen Familienverbänden. Dabei besteht eine Gruppe meist aus einem Pärchen und dessen Nachwuchs. Die Tiere leben in unterirdischen Bauten. Die Bauten bestehen aus mehreren Gängen, die üblicherweise knapp unter der Grasnarbe verlaufen. Zentraler Punkt eines Baues ist die Wohnhöhle, die meist in Tiefen von bis zu 100 Zentimeter liegen kann. Ein Bau verfügt durchschnittlich über zwei bis drei Ausgänge. Die Wohnhöhle ist recht klein und hat meist nur einen Durchmesser von 10 bis 15 cm. Graue Steppenlemminge sind nachtaktive Nager, die sich tagsüber in ihren Bauen aufhalten. Bei oft vorkommenden Massenvermehrungen kann es zu ausgedehnten Wanderungen kommen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der östlichen Ukraine bis in die westliche Mongolei. Darüber hinaus findet man diese Tiere auch im nordwestlichen China. Sie bewohnen ausgesprochen trockene Halbwüsten und Steppen mit spärchlicher Baum- und Strauchvegetation. Sie leben in unterirdischen Bauten und kommen nur zur Nahrungssuche an die Erdoberfläche.

Ernährung

Graue Steppenlemminge ernähren sich ausschließlich von Pflanzenteilen aller Art. Der Nachwuchs wird die ersten zwei Wochen mit Muttermilch versorgt. Bei massenhaftem Auftreten gelten sie als Schädlinge. Sie können insbesondere auf Getreideflächen erheblichen Schaden anrichten. Auf Nahrungssuche gehen Steppenlemminge in den Abendstunden und in der Nacht.

Fortpflanzung

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Graue Steppenlemminge erreichen die Geschlechtsreife bereits mitte des zweiten Lebensmonats. In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten pflanzen sie sich für gewöhnlich im Frühjahr und im Sommer fort. Je nach Verbreitungsbegiet kann es zu zwei bis vier Würfen in einem Jahr kommen. Weibchen bringen ihrem Nachwuchs im Wohnkessel ihrer Bauten zur Welt. Diese Wohn- und Wurfkammern liegen meist bis zu einem Meter unter der Erde. Nach einer kurzen Tragezeit von 19 bis 21 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich acht, selten auch bis zwölf Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind anfangs noch nackt und blind. Sie sind nach bereits drei bis vier Wochen selbstständig. Die Lebenserwartung der Steppenlemminge liegt bei bis zu drei Jahren. In freier Wildbahn wird dieses Alter allerdings selten erreicht.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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