Rotbauch-Springaffe

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Rotbauch-Springaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Springaffen (Callicebinae)
Gattung: Springaffen (Callicebus)
Species: Rotbauch-Springaffe
Wissenschaftlicher Name
Callicebus moloch
Hoffmannsegg, 1807

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rotbauch-Springaffe (Callicebus moloch) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartige (Cebidae) zur Gattung der Springaffen (Callicebus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Rotbauch-Springaffe erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 29 bis 39 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 33 bis 48 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 8,5 bis 10 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2,6 bis 3,2 Zentimeter sowie ein Gewicht von 510 bis 730 Gramm. Der lange Schwanz dient beim Klettern der Stabilisierung, als Greifschwanz kann er nicht eingesetzt werden. Das lange und durchaus weiche Fell weist dorsal eine gräuliche bis rotbraune Gründfärbung auf. Die Bauchseite ist meist etwas heller und sehr variabel gefärbt. Insgesamt variiert die Färbung je nach Unterart und Vorkommen leicht. Der Kopf wirkt rundlich und setzt sich durch das dichte Fell kaum merklich vom Hals ab. Die Ohren sitzen seitlich am Kopf. Die Hände und Füße enden jeweils in fünf Zehen. Das kräftige Gebiss weist die zahnmedizinische Formel 2/2, 1/1, 3/3, 3/3 (ICPM) auf. Daraus ergibt sich eine Summe von 36 Zähnen.

Lebensweise

Die tagaktiven Rotbauch-Springaffen sind ausgesprochen territoriale Primaten, die in kleinen Familiengruppen leben. Eine Familie besteht aus einem Pärchen sowie deren Nachwuchs. In der Regel umfasst eine Gruppe drei bis vier, selten bis fünf Individuen. Je nach Nahrungsangebot umfasst das Revier einer Gruppe zwischen einem und fünf Hektar. Bevorzugte Lebensräume sind in der Nähe von Flussläufen Überschwemmungsflächen und Sumpfgebieten, in Galeriewäldern sind sie eher selten anzutreffen. Die Tiere leben fast ausschließlich in den Bäumen, nur selten steigen sie auf den Waldboden hinab. Wenn, dann allenfalls um einen Baum zu wechseln. In der Regel werden Entfernungen zwischen Bäumen durch Sprünge überwunden. Die Ruhephasen werden ebenfalls in den Bäumen abgehalten. Die Ruhephasen erstrecken sich über die Nacht und die Mittagszeit. Während der Mittagszeit widmen sich Graue Springaffen in der Regel der gegenseitigen Fellpflege. Dies stärkt insbesondere die Familienbande.

Unterarten

Die Einteilung in Unterarten ist nicht unumstritten. Einige Forscher sehen in den Unterarten des Grauen Springaffen eigenständige Arten. In der Literatur findet man in diversen Schriften unterschiedliche Einteilungen. Jones & Anderson zeigen in ihrem Aufsatz aus dem Jahre 1978 beispielsweise acht Unterarten auf. Sie beziehen sich dabei auf Hinweise von Hershkovitz (1963), Rode (1938) und Thomas (1908). Eine fundierte Revision liegt noch nicht vor.

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
- Callicebus moloch bruneus Wagner, 1842 LC Rondônia, Brasilien
Roter Springaffe Callicebus moloch cupreus Spix, 1823 LC Amazonas, Brasilien
Weißschwanz-Springaffe Callicebus moloch discolor Geoffroy, 1848 LC Amazonas, Brasilien
Hoffmanns Springaffe Callicebus moloch hoffmannsi Thomas, 1908 LC Pará, Brasilien
Grauer Springaffe Callicebus moloch moloch Hoffmannsegg, 1807 LC Pará und Maranhão, Brasilien
Weißstirn-Springaffe Callicebus moloch ornatus Gray, 1866 VU östliches Kolumbien

Verbreitung

Der Rotbauch-Springaffe ist mit seinen Unterarten im nördlichen und zentralen Teil Südamerikas verbreitet. Bis auf die kolumbianische Unterart Weißstirn-Springaffe (Callicebus moloch ornatus) kommen alle weiteren Unterarten nur in Brasilien vor. Hier sind sie insbesondere in den Bundesstaaten Rondônia, Amazonas, Pará und Maranhão anzutreffen. Die genaue Verteilung der Unterarten ist der obigen Tabelle zu entnehmen. Der Lebensraum der Grauen Springaffen erstreckt sich über die Feuchtgebiete entlang des Amazonas und des Orinoco sowie deren Nebenflüsse. Die kolumbianische Unterart ist in den Regionen um die Flüsse Río Meta und Río Guayabero anzutreffen. Die Tiere halten sich im tropischen Regenwald in Wassernähe meist in mittlerer Höhe von Bäumen auf. Den Waldboden betreten sie nur selten.

Ernährung

Rotbauch-Springaffen ernähren sich als Allesfresser, sowohl von Früchten, Knospen, Blüten und Blättern als auch von tierischer Kost wie kleine Vögel, Vogeleier, Insekten, deren Larven und kleinen Wirbeltieren. Auf Nahrungssuche gehen sie ausschließlich am Tage. Rund drei Viertel ihre aktiven Zeit entfällt auf die Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen die Rotbauch-Springaffen mit 10 bis 12 Monaten, jedoch kommt es meist erst im zweiten oder dritten Lebensjahr zur ersten Paarung. Die Paarungszeit der Rotbauch-Springaffen erstreckt sich in ihren natürlichen Lebensräumen von Dezember bis März oder April, die Tiere leben in monogam ausgerichteten Familiengruppen. Dies ist unter Primaten eher ungewöhnlich. Die Paarbindung hält in der Regel ein Leben lang. Nach einer Tragezeit von 138 bis 150 Tagen bringt das Weibchen meist ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten, aber bereits dokumentiert. Ein Jungtier weist eine Gesamtlänge von gut 23 Zentimeter, eine Schwanzlänge von etwa 11 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 3,7 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,4 Zentimeter sowie ein Gewicht von rund 75 Gramm auf. In der ersten Zeit trägt die Mutter den Säugling am Bauch. Später wird das Jungtier auch vom Vater getragen. Mit Erreichen der Geschlechtsreife, spätestens jedoch nach zwei Jahren, verlassen die Jungtiere den Familienverband und gründen eine eigene Familie. Rotbauch-Springaffen können in Freiheit ein Alter von über zehn Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Die Nominalform sowie die meisten Unterarten gelten heute als noch nicht bedroht. Nur die in Kolumbien anzutreffende Unterart, der Weißstirn-Springaffe (Callicebus moloch ornatus), gilt als bedroht und wird in der Roten Liste der IUCN als solche geführt. Alle anderen Unterarten sind in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet aufgeführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Unterart in Anhang II unter Schutz. Aufgrund der fortschreitenden Zerstörung und Abholzung der natürlichen Lebensräume ist die Art jedoch zusehens bedroht.

Anhang

Literatur und Quellen

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