Graubindiger Mohrenfalter

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Graubindiger Mohrenfalter
Männlicher Graubindiger Mohrenfalter

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Unterordnung: Glossata
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
Tribus: Erebiini
Gattung: Erebia
Art: Graubindiger Mohrenfalter
Wissenschaftlicher Name
Erebia aethiops
(Esper, 1777)

Der Graubindige Mohrenfalter (Erebia aethiops), auch als Waldteufel bekannt, zählt innerhalb der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) zur Gattung Erebia. Im Englischen wird der Graubindige Mohrenfalter Scotch Argus genannt. Der Graubindige Mohrenfalter zeigt Ähnlichkeiten mit dem Weißbindigen Mohrenfalter (Erebia ligea) sowie mit dem Weißbindigen Bergwald-Mohrenfalter (Erebia euryale).

Die BUND NRW Naturschutzstiftung hat in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. den Graubindigen Mohrenfalter zum Schmetterling des Jahres 2003 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der männliche Graubindige Mohrenfalter erreicht eine Flügelspannweite von etwa 44 bis 48 Millimeter und der weibliche Graubindige Mohrenfalter erreicht eine Flügelspannweite von etwa 46 bis 52 Millimeter. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus, wobei das Weibchen insgesamt heller gefärbt ist als das Männchen. Der Graubindige Mohrenfalter weist auf der Unterseite der Hinterflügel eine breite, graue oder gelbbraune Binde auf. Die Grundfärbung zeigt ein kräftiges Schokoladenbraun. Die Unterseite ist im basalen Bereich wie das Postdiskalband grau oder gelbbraun gefärbt, vor allem erscheint diese Färbung bei dem Weibchen etwas intensiver. Die Flügelfransen sind mattgrau, bei dem Weibchen sind die Flügelfransen leicht kariert gezeichnet. Die Oberseite der Vorderflügel und der Hinterflügel sind dunkelbraun mit einer orangeroten Binde, die jeweils vier bis fünf weiß gekernte Augenflecke einschließen. Insgesamt zeigt der Graubindige Mohrenfalter ein farbenprächtiges Aussehen. Des Weiteren die Duftmarke bei dem Männchen sehr ausgeprägt. Besonderes Merkmal bei dem Graubindigen Mohrenfalter ist die Reduktion der Vorderbeine, die besonders bei dem Männchen zu behaarten Putzbeinen ausgebildet sind. Weitere Merkmale sind die viel kürzeren Palpen und die nicht gespalteten Krallen.
Weiblicher Graubindiger Mohrenfalter
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Weiblicher Graubindiger Mohrenfalter
Das Männchen ist mit einfachen Valven ausgestattet. Eine Tendenz zur Schließung der Diskoidalzelle (Mittelzelle) auf dem Hinterflügel besteht und die vordere Diskoidalzelle ist stets geschlossen. Das Flügelgeäder erscheint ziemlich einheitlich, wobei ein oder zwei Adern auf dem Vorderflügel blasig erweitert sind. Das gelbbraun gefärbte Ei ist rundlich geformt und weist senkrechte Rippen auf. Die frisch geschlüpfte Raupe weist eine Länge von zwei Millimetern auf. Kurz bevor sich die Raupe verpuppt hat sie eine Länge von sechs Millimetern erreicht. Die Raupe weist eine hell graubraune Färbung mit einer dunklen Rückenbinde auf. Daneben sind weitere dunkle Längsstreifen zu erkennen. Des Weiteren ist die Raupe dicht und fein beborstet und ist mit einem ziemlich großen Kopf ausgestattet.

Lebensweise

Der Graubindige Mohrenfalter fliegt erst sehr spät im Jahr. Die Flugzeit des Graubindigen Mohrenfalters findet von Ende Juli bis Ende August, gelegentlich bis Mitte September in einer Generation statt. Die Eier werden einzeln nur an bestimmten kurzen Süßgräsern in einer Höhe von etwa zehn Zentimetern im Halbschatten abgelegt. Zu den bevorzugten Süßgräsern gehören unter anderem Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Fieder-Zwenke (Brachyopodum pinnatum), Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Einjähriges Rispengras (Poa annua), Mittleres Zittergras (Briza media), Seggen (Carex), und Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata). Die Raupe ernährt sich in der Nacht und versteckt sich am Tag in der Vegetation. Die Überwinterung erfolgt als Bodenpuppe.

Unterarten

Verbreitung

Weiblicher Graubindiger Mohrenfalter
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Weiblicher Graubindiger Mohrenfalter

Der Graubindige Mohrenfalter ist in Süddeutschland, im mitteleuropäischen und im osteuropäischen Frankreich, in der Schweiz, in Belgien und im Osten von Russland bis Westsibirien und im Kaukasus sowie im nördlichen Balkan in einer Höhe von etwa 400 bis 900 Metern und in der Türkei verbreitet. Weitere Populationen sind in Schottland und im nördlichen England zu finden. Der Graubindige Mohrenfalter hält sich gerne auf Waldwiesen, an Waldrändern, Waldlichtungen, in Büschen sowie in Nadelwaldzonen auf.

Ernährung

Der erwachsene Graubindige Mohrenfalter ernährt sich vorwiegend von Nektarpflanzen. Zu den Nektarpflanzen zählen Silberdistel (Carlina acaulis), Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Oregano (Origanum vulgare), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule) und Nickende Distel (Carduus nutans). Zur Nahrungsaufnahme wird der Saugrüssel ausgerollt und in eine Blüte getaucht. Im Laufe der Evolution hat sich der Saugrüssel aus den verlängerten Außenladen des Unterkiefers gebildet. Im Ruhezustand ist der Saugrüssel zu einer Spirale unterhalb des Kopfes aufgerollt. Dagegen verfügt die Raupe über kräftige Mundwerkzeuge. Unabläßlich ist die Raupe mit Fressen beschäftigt. Zu den bevorzugten Süßgräsern der Raupe gehören unter anderem Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Fieder-Zwenke (Brachyopodum pinnatum), Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Einjähriges Rispengras (Poa annua), Mittleres Zittergras (Briza media), Seggen (Carex), und Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata).

Weiblicher Graubindiger Mohrenfalter
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Weiblicher Graubindiger Mohrenfalter

Fortpflanzung

Im Laufe der Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Falter durchläuft der Graubindige Mohrenfalter eine vollständige Metamorphose. Die Entwicklung erstreckt sich über vier Entwicklungsstadien: Ei, Raupe, Puppe und fertiger Schmetterling. Mit dem Schlupf aus der Puppe oder kurze Zeit später ist der Graubindige Mohrenfalter auch geschlechtsreif und kann sich fortpflanzen. Ein juveniles Stadium gibt es bei dem Schmetterling nicht. Die Geschlechtsorgane liegen bei beiden Geschlechtern im Bereich des Hinterleibes. Zur Begattung berühren sich die Falter jeweils mit dem Hinterleib. Dabei schauen sie in die entgegengesetzte Richtung. Die Partner verhaken sich dabei regelrecht. Bei der eigentlichen Begattung führt das Männchen sein Begattungsorgan in das Weibchen ein. Der in das Weibchen übertragene Samen wird in einer Begattungstasche, der sogenannten Bursa copulatrix, gespeichert. Unmittelbar vor der Eiablage wird dann jedes einzelne Ei befruchtet. Die zunächst gelblichen, später gelbbraunen Eier werden von dem Weibchen einzeln nur an bestimmten Süßgräsern in einer Höhe von etwa zehn Zentimetern im Halbschatten abgelegt, die der Raupe später als Futterpflanzen dienen. Nach etwa vier Häutungen verpuppt sich die Raupe. Die Puppe befindet sich meist dicht über dem Erdboden im Einflussbereich der bodennahen Luftfeuchte und stellt das Überwinterungsstadium dar. Die Bodenpuppe weist eine ockerfarbene bis dunkelbraune Färbung auf und ist zylinderartig geformt. Erst im nächsten Frühjahr schlüpft dann der voll ausgebildete Graubindige Mohrenfalter. Gelegentlich kommt es vor, dass die Puppe zwei Jahre überwintert. Diese Überwinterung wird auch als Diapause bezeichnet. Die Art bildet stets nur eine Generation im Jahr aus. Die Lebenserwartung des Graubindigen Mohrenfalters beträgt durchschnittlich vierzehn Tage.

Gefährdung und Schutz

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat der Mensch seine Umwelt verändert wie nie zuvor. Diese Veränderungen bedeuten immer Verarmung und damit Rückgang der ökologischen Nischen. Die Gründe dafür sind äußerst vielfältig und stehen untereinander und mit anderen Faktoren in einer Wechselbeziehung.
Habitat: Magerrasen
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Habitat: Magerrasen
Am wichtigsten sind die Verarmung der Landschaft und Flurbereinigung, Trockenlegung, Urbanisierung und Straßenbau, die allgegenwärtige Verschmutzung sowie der Einsatz von Düngern, Pflanzenschutzmitteln und weiteren Giftstoffen. Besonders empfindlich scheinen die Raupen auf Staub zu reagieren. Blattflächen, die mit einer feinen Staubschicht versehen sind, werden von den Raupen nicht gefessen, die Tiere verhungern eher. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie vor allem der gegenwärtige Abrieb der Autoreifen vom Fressen abhält. Die meisten Schmetterlinge (Lepidoptera) sind wohl deswegen am Aussterben, weil ihre Nährpflanzen keinen Platz zum Überleben mehr haben. Wenn ein Landwirt einen trockenen Magerrasen zu düngen beginnt, verschwinden innerhalb kürzester Zeit 80 bis 90 Prozent aller Pflanzenarten. Mit ihnen sterben die phytophagen Insekten, an erster Stelle die Schmetterlinge (Lepidoptera) und die Langfühlerschrecken (Ensifera) sowie die Kurzfühlerschrecken (Caelifera). In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass sich auch viele erwachsene Schmetterlinge (Lepidoptera) ernähren müssen. Wenn sie nicht die richtigen Blüten finden, sterben sie aus, selbst wenn die Raupennahrung noch wächst. Man kann in dieser Beziehung einen praktischen Naturschutz betreiben, indem man entsprechende Pflanzen in Gärten, auf Wiesen, an Wegrändern oder auf Feldern pflanzt und pflegt wie zum Beispiel: Silberdistel (Carlina acaulis), Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Oregano (Origanum vulgare), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Stängellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Nickende Distel (Carduus nutans), Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Fieder-Zwenke (Brachyopodum pinnatum), Echter Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), Einjähriges Rispengras (Poa annua), Mittleres Zittergras (Briza media), Seggen (Carex), und Gewöhnliches Knäuelgras (Dactylis glomerata).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Valerio Sbordoni, Saverio Forestiero: Weltenzyklopädie der Schmetterlinge Arten, Verhalten, Lebensräume. München Südwest Verlag, 1985 ISBN 3-517-00876-1
  • Dr. Frieder Sauer: Sauers Naturführer Raupe und Schmetterling. Karlsfeld Fauna-Verlag, 1988, 4. Auflage ISBN 3-923010-00-1

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