Rindenlaus

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Rindenlaus

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Staubläuse (Psocoptera)
Unterordnung: Psocomorpha
Teilordnung: Caeciliusetae
Überfamilie: Caeciliusoidea
Familie: Stenopsocidae
Gattung: Graphopsocus
Art: Rindenlaus
Wissenschaftlicher Name
Graphopsocus cruciatus
(Linnaeus, 1768)

Die Rindenlaus (Graphopsocus cruciatus), auch unter dem Synonym Chermes abietis bekannt, zählt innerhalb der Familie Stenopsocidae zur Gattung Graphopsocus. Im Englischen wird die Rindenlaus barklouse genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 2,0 bis 2,4 Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 2,6 bis 2,9 Millimeter erreicht. Bei dem Männchen wirken der Kopf, der Hals, der Vorder- und Hinterleib etwas komprimiert und sind nicht sehr deutlich voneinander getrennt. Der Kopf und Hals bilden eine Wölbung. Der Hals ist breit, hinten so breit als der Vorderleib und mit schief gegen den Kopf gerundeten Seiten. Die Rückenbeulen des Thorax etwas glänzend und erhöht, eben so die ziemlich großen Brustbeulen. Der deutlich geringte Hinterleib ist kurz, ziemlich eiförmig und auf dem Bauch faltig. Die Fühler sind lang, dünn und fünfgliederig. Die zwei Wurzelglieder sind kurz, fast etwas länger als breit. Die drei folgenden gleich lang, das vierte und fünfte verkehrt eiförmig, das Endglied oval. Die Beine erscheinen ebenfalls recht lang. Die Borsten am Kopf sind sehr kurz und selbst bei sehr guter Vergrößerung kaum zu sehen. Die Flügel ragen im Zustand der Ruhe weit über den Hinterleib hinaus. Der Kopf und Vorderleib sind dunkel rostrot gefärbt, zuweilen dunkel rostbraun, die Rückenbeulen des letzteren und die Brustbeulen schwärzlich verdunkelt. Der Hals und der Hinterleib sind rostrot und ziemlich einfarbig. Bei älteren Tieren dunkler als bei kürzlich entwickelten. Das ganze Tier ist weiß flaumig gepudert, auf dem Hinterteil des Hinterleibes ist der weiße Flaum länger und über den Rand hinausragend, unten am After zeigt sich ein Querfleck, der mehlartig weiß erscheint. Die Fühler und die Beine sind gleichfarbig rostgelb gefärbt. Die Flügel sind mit einem milchweißen Anstrich versehen, manchmal schimmern sie sogar regenbogenfarbig.

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Rindenlaus

Das Weibchen ist halbrund, gewölbt, gleich einem runden Sack, ohne deutlichen Ausdruck des Kopfes, jedoch mit mehr deutlichem Ausdruck der Körperringe. Der Endring steht zuweilen spitz vor. Die Fühler und Beine sind auch beim Weibchen recht lang geraten. Der Rüssel ist breit, im Verhältnis zum Körper ziemlich kräftig und erscheint nicht sehr lang. Das Weibchen weist oben und unten eine unreine gelb-grünliche bis oliv-grünliche Färbung auf, unten ist die Färbung etwas heller als oben. Die Fühler und die Beine sind von einer olivbraunen Tönung und der Rüssel ist glänzend schwarz gefärbt. Die nicht abgeriebenen Exemplare sind mit einem dichten weißen Flaum bedeckt und die leicht abgeriebenen haben auf den Ringen eine Querreihe weißer Flaumfleckchen, die bei ganz abgeriebenen Exemplaren verschwinden. Es kommen nicht selten Individuen vor, welche kleiner sind und einen kürzeren gedrungenen Hinterleib haben und bei geringster Berührung davon fliegen. Wahrscheinlich sind dies Männchen. Die Larven sind gelblich, werden aber später rostfarbig und behalten am Vorderleib einen etwas gelblichen Anstrich und färben sich an den Flügelscheiden etwas bräunlich.

Lebensweise

Im Monat Mai, so bald sich die Knospen an den Laubbäumen entfalten, findet man an den jungen Trieben schuppige Erweiterungen der Blätter. Diese schuppige Erweiterung nimmt bis gegen Ende des Monats Juni zu, zuweilen bis zur Größe einer mittleren Haselnuss. In den Monaten Juli und August färbt sich diese Erweiterung gelblich und zuletzt gelb-bräunlich. Zu dieser Zeit öffnen sich die Schuppen am oberen Rand gleich den Zapfen der Nadelhölzer aus denen dann die Rindenlaus schlüpft. Kurz nach dieser Periode sitzt das Weibchen an den Blättern fest und legt ihre Eier ab, die sie mit einem weißen Flaum überspinnt. Die Eier sind im Verhältnis zu dieser groß, länglich oval, von gelber oder grünlich-gelber Färbung und etwas durchscheinend und übersteigt selten die Zahl von zehn. Schon im April bis Anfang Mai des folgenden Jahres zeigen sich mehrere Weibchen an den Knospen und legen ihre gelben oder grünlich-gelben Eier in großen Klumpen ab, aus welchen sich die geflügelten Rindenläuse entwickeln.

Verbreitung

Die Rindenlaus kommt in fast allen Teilen der Welt vor. Sie hält sich auf Laubbäumen, selten auf Nadelhölzern auf. Im Herbst trifft man die Rindenlaus auch in Wohnungen an.

Ernährung

Rindenlaus
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Rindenlaus

Der Lebensraum einer Rindenlaus erstreckt sich vom Stamm über die Äste bis hin zu den Blättern. Dort ernährt sich die Rindenlaus von Pilzen, Algen und auch von Flechten. Im Herbst kann die Rindenlaus dann in einer großen Anzahl auftreten und dringt dann auch gelegentlich in die menschlichen Siedlungen.

Fortpflanzung

Die Rindenläuse haben während des Jahres meist zwei Generationen mit einer nicht vollständigen Verwandlung. Die erste dieser Generation erscheint im Vorsommer, ist geflügelt und besteht aus Männchen und Weibchen. Die zweite Generation dagegen zeigt sich im Spätsommer, ist ungeflügelt und enthält wahrscheinlich nur Weibchen. Die im Herbst erscheinenden, mit einem weißen Flaum bedeckten Weibchen überwintern in den Rindenritzen und legen im Mai an die Unterseite der Triebknospen ihre zartgestielten, gelbe oder grünlich-gelbe Eier in großen Klumpen von etwa fünf bis zehn Stück. Die Eier werden dann mit einem seidigen weißen Flaum bedeckt. Dabei stechen sie die von ihnen belegten Knospen an. Der hierdurch entstehende Reiz bringt einen starken Saftzufluß in den einzelnen Teilen der Knospen hervor. Infolgedessen werden die enthaltenen Blattrudimente sehr fleischig und wachsen stark in die Dicke und Breite, wodurch die ganze Knospe ein zapfen- oder erdbeerähnliches Aussehen annimmt. Innerhalb dieser eigentümlichen Auswüchse leben die Larven, je 10 bis 20, in kleinen Zellen zusammen. Nach etwa 10 bis 14 Tagen platzen die Ränder der einzelnen Schuppen und dabei kommen die Puppen zum Vorschein. Die Entwicklung der Rindenlaus durchläuft über drei bis sechs Larvenstadien bzw. Nymphenstadien. Die Larven und Imagines teilen sich den gleichen Lebensraum und die Überwinterung findet im Eistadium, gelegentlich als Nymphe statt. Gleich danach kann es gleich zu einer zweiten Brut kommen. Erfolgt ihre Entwicklung jedoch erst im August und September, so legen sie ihre Eier erst im nächsten Jahr. Die Lebenserwartung der Rindenlaus beträgt etwa drei Monate.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
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