Grüne Meerkatzen

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Grüne Meerkatzen
Südliche Grünmeerkatze (Chlorocebus pygerythrus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
Tribus: Cercopithecini
Gattung: Grüne Meerkatzen
Wissenschaftlicher Name
Chlorocebus
Brünnich, 1772

Grüne Meerkatzen (Chlorocebus) zählen innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Unterfamilie der Backentaschenaffen (Cercopithecinae). In der Gattung werden 6 rezente Arten geführt. Im Englischen wird die Gattung Vervet Monkeys oder Green Monkeys genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Die Wurzeln der Ordnung der Primaten (Primates) lassen sich bis zum Zeitalter der Sauropsida zurückverfolgen. Fossile Belege reichen zurück bis ins frühe und mittlere Eozän (30-35 Millionen Jahre). Vor 12 Millionen Jahren, in mittleren Miozän, sorgte ein Klimawandel für zahlreiche neue Fruchtsorten. Eine ideale Bedingung für die Entstehung neuer Primatenarten. Im mittleren Miozän tauchten die ersten Meerkatzen (Cercopithecus), Paviane (Papio) und Makaken (Macaca) und auch Grüne Meerkatzen (Chlorocebus), die ursprünglich den Meerkatzen (Cercopithecus) zugerechnet wurden, auf (Wilson & Reeder, 1993.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Geschlechter der Grünen Meerkatzen weisen einen deutlichen Dimorphismus auf. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 30,0 bis 49,5 (42,5) Zentimeter sowie ein Gewicht von 3,4 bis 5,3 (4,1) Kilogramm. Männchen sind größer und schwerer. Sie weisen eine Körperlänge von 42,0 bis 60,0 (49,0) Zentimeter und ein Gewicht von 3,9 bis 8,0 (5,5) Kilogramm auf. Bei den meisten Arten ist das Fell gelblich bis grünlichbraun gefärbt. Das Fell im Wangenbereich und das ventrale Fell sind weißlich gefärbt. Auch oberhalb der Augen zeigt sich eine weißliche Färbung. Die sichtbare Haut im Gesichtsfeld und an den Händen und Füßen ist nach Groves (2001) schwarz gefärbt. Eine Ausnahme bildet nur die Westliche Grünmeerkatze (Chlorocebus sabaeus). Bei dieser Art ist das Fell golden mit einem leicht grünlichen Schimmer und die Hände und die Füße sind hell gefärbt. Die Länge des Felles kann je nach Art und Vorkommen variieren. Bei der Bale-Grünmeerkatze (Chlorocebus djamdjamensis) ist das Fell am längsten und ist ausgesprochen dicht. Das Skrotum (Hodensack) der Männchen weist je nach Art eine bläuliche bis hellblaue Färbung auf, der Penis ist rötlich. Die Jungtiere der Grünen Meerkatzen sind meist schwarz, die Gesichtshaut weist eine fleischfarbene bis rosafarbene Färbung auf. Die Färbung ändert sich jedoch ab dem dritten oder vierten Lebensmonat. Grüne Meerkatzen bewegen sich quadrupedal (Quadrupedie, lat. quadrus vier und pes Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Sie bewegen sich sowohl am Boden als auch in den Bäumen. Eine Präferenz ist hier nicht zu erkennen. Die Fortbewegung, die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt jedoch überwiegend auf dem Boden, die Nachtphase und die sonstigen Ruhephasen verbingen die Tiere in Bäumen. Dies stellt eine Schutzmaßnahme aufgrund der zahlreichen natürlichen Feinde dar. Die aufgenommene Nahrung kann kurzfristig in den vorhandenen Backenbeuteln gespeichert werden.

Lebensweise

Malbrouck-Grünmeerkatze(Chlorocebus cynosuros)
vergrößern
Malbrouck-Grünmeerkatze
(Chlorocebus cynosuros)
Soziale Organisation und Verhalten

Grüne Meerkatzen leben in sozialen Gruppen, die mehrere Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs aufweisen. Die Gruppenstärke kann leicht 50 Individuen, nicht selten sogar 75 Individuen übersteigen. Die durchschnittliche Gruppenstärke liegt jedoch bei nur 25 Tieren. Innerhalb einer Gruppe sind stets mehr Weibchen als Männchen vorhanden. Das durchschnittliche Geschlechter-Verhältnis liegt bei 1:1,5 (male, female).

Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife verlassen Männchen die Geburtsgruppe und schließen sich anderen Gruppen an. Dies ist in der Regel im Alter von etwa 5 Jahren der Fall. Auch im folgenden kommt es durchaus häufig zum Wechsel der Gruppe. In der Regel ist dies alle 2 Jahre der Fall (Seyfarth, 1983). Männchen verlassen die Gruppe, weil sie von den dominanten Weibchen vertrieben werden. Nicht selten kommt es dabei zu heftigen Kämpfen. Der Grund für die Vertreibung liegt auf der Hand, da so eine Inzucht innerhalb der Gruppe vermieden wird. Die Männchen finden in der Regel schnell eine neue Gruppe, da sich die Reviere mehrerer Gruppe immer überlagern. Sie müssen daher keine weiten Strecken wandern, um eine neue Gruppe zu finden. Ist ein Männchen in einer neuen Gruppe integriert, so besitzt es zunächst den niedrigsten Rang in der Gruppe. Ähnlich den Weibchen zeigt sich bei den Männchen eine lineare Hierarchie, die auf Dominanz beruht. Männchen und Weibchen bilden dabei getrennte Hierarchiestrukturen. Die Rangfolge unter den Männchen wird in heftigen Kommentkämpfen ausgefochten. Einen Vorteil haben dabei alte und ausgewachsene Männchen, die zudem einen guten Ernährungszustand aufweisen sollten. Hat ein Männchen den Status eines Alpha-Männchens erreicht, so kann er diesen Status meist für 3 bis 5 Jahre halten. Danach wird es von jüngeren, kräftigeren verdrängt. Paarungsberechtigt ist in der Regel nur das Alpha-Männchen. Eher selten pflanzen sich auch rangniedrigere Männchen fort. Alpha-Männchen beschränken sich dabei auf die Paarung mit hochrangigen Weibchen, untergebene Männchen mit rangniedrigen Weibchen.

Weiblicher Nachwuchs bleibt ein Leben lang in der Geburtsgruppe und bildet daher den Kern einer Gruppe. Unter den Weibchen ist eine lineare Hierarchie zu beobachten. Ältere bzw. hochrangige Weibchen dominieren über jüngere. Dieses Verhalten zeigt sich vor allem bei der gegenseitigen Körperpflege wie dem Grooming. Hoch gestellte Weibchen haben zudem einen leichteren Zugang zu Nahrungsressourcen, insbesondere zu hochwertiger Nahrung. Dieses Verhalten stellt bei den Grünen Meerkatzen den reproduktiven Erfolg sicher. Bei einem nicht ausreichenden Ernährungszustand würde die Menstruation (Amenorrhoe) ausbleiben oder die Qualität der Muttermilch wäre nicht ausreichend. Eine nahrhafte Milch ist für ein gesundes und schnelles Wachstum des Nachwuchses entscheidend. Weibchen legen häufig ein agonistischen (von Agonismus, griech. agonistikos = kämpferisch) Verhalten an den Tag oder Gründen mit anderen Weibchen Koalitionen. In der Regel werden Ränge innerhalb der Hierarchie jedoch von der Mutter auf die Töchter vererbt.

Kommunikation
Westliche Grünmeerkatze(Chlorocebus sabaeus)
vergrößern
Westliche Grünmeerkatze
(Chlorocebus sabaeus)

Die vokale Kommunikation spielt im Sozialverhalten eine große Rolle. Dies ist besonders in der Räuber-Beute-Beziehung der Fall. Man hat festgestellt, dass Grüne Meerkatzen für jedes Raubtier unterschiedliche Laute von sich gibt (Seyfarth et al., 1980a). Die verschiedenen Ausrufe dienen hauptsächlich der Alarmierung der ganzen Gruppe. Die Tiere flüchten zumeist auf Bäume oder ähnlich schützende Strukturen. Kleinere Raubtiere oder auch Schlangen werden durchaus häufig in der Gruppe angegriffen und so lange bedrängt, bis sie den Rückzug antreten (Seyfarth et al., 1980a). Um die Verteidigung der Gruppe kümmern sich insbesondere die Männchen. Schon Jungtiere und selbst Säuglinge kennen die Bedeutung der Alarmrufe und wissen diese zu deuten. Die unterschiedlichen Laute vermitteln den Tieren Informationen über die wahrgenommene Bedrohung und lösen eine entsprechende Reaktion aus. Neben der vokalen Kommunikation spielt vor allem die visuelle Kommunikation eine entscheidende Rolle, insbesondere in der Räuber-Beute-Beziehung. Beutetiere werden üblicherweise über den Sehsinn lokalisiert.

Innerhalb der Kommunikation einer Gruppe spielt der Sehsinn auch im sozialen Verhalten untereinander eine große Rolle. Vor allem das bläulich gefärbte Scrotum der Männchen signalisiert anderen Mitgliedern einer Gruppe den Status eines Männchens. Durch das Spreizen der Beine zeigen vor allem dominante Männchen ihr Scrotum. Dieses Verhalten ist immer ein Zeichen von Aggression und dient sowohl der Abschreckung von gruppenfremden Männchen als auch rangniedrigeren Männchen der eigenen Gruppe.

Aktivitätsmuster

Die tägliche Aktivität, insbesondere die Nahrungssuche und die -aufnahme unterliegen saisonalen Mustern. Zu den täglichen Aktivitäten zählen neben der Nahrungssuche und -aufnahme vor allem Wanderungen und Ruhephasen. Besonders aktiv sind grüne Meerkatzen während der Regenzeit. Zu dieser Zeit erfolgt die Nahrungssuche und -aufnahme am Vormittag, meist bis 11h. Bis zum frühen Nachmittag erfolgen Ruhephasen und Körperpflege. Während der Trockenzeit sinkt der zeitliche Anteil von Wanderungen an der Gesamtaktivität deutlich. Der Zeitaufwand für die Nahrungssuche und -aufnahme steigt hingegen und dehnt sich auch auf die Nachmittagsstunden aus. In den frühen Abendstunden erfolgen weitere Suchwanderungen nach Nahrung sowie gegen Ende das Aufsuche der Schlafbäume. Grüne Meerkatzen halten sich während der Nachtruhe in mittleren Höhen von 7 bis 8 Metern über dem Boden in Bäumen auf. Hier sind sie vor den meisten Raubtieren in Sicherheit. Die Schlafbäume befinden sich in Wäldern, seltener auch in offenem Gelände.

Revierverhalten

Grüne Meerkatzen sind zwar nicht territorial, sie beanspruchen jedoch ein Streifrevier, dass mit anderen Gruppen geteilt wird. Die Größe des Streifreviers richtet sich nach saisonalen Gegebenheiten, den vorhandenen Nahrungsressourcen und der Größe einer Gruppe. Die täglichen Wanderbewegungen verlaufen nach Harrison (1983) in den westafrikanischen Verbreitungsgebieten über 670 bis 2.670 Meter, die Reviere weisen je nach Art, Lebensraum und Verbreitungsgebiet eine Größe von bis zu 2 km² auf. In der Nähe des Menschen sind die Reviere üblicherweise kleiner, da der Zugang zur Nahrung leicht ist und Nahrung auf landwirtschaftlichen Flächen reichlich vorhanden ist. Die Siedlungsdichte liegt in Abhängigkeit von den Nahrungsressourcen zwischen 9 und 255 Individuen je km² (Harrison,1983). Zwischen einzelnen Gruppen wurden im Rahmen von Feldstudien zahlreiche Wechselwirkungen beschrieben. Diese sind üblicherweise freundlicher Natur, jedoch tritt zwischen 2 Gruppen auch agonistisches Verhalten auf. Dies ist vor allem bei Nahrungsknappheit der Fall. Die Territorialität kann durchaus als fakultativ verstanden werden und richtet sich nach der Habitatqualität, der häufigen oder weniger häufigen Nachstellung durch Prädatoren, den saisonalen Gegebenheiten, der Siedlungsdichte, der Reviergröße und den vorhandenen Nahrungsangebot. Je größer ein Revier, desto seltener kommt es zur Konfrontation. Ein Revier wird vor allem dann verteidigt, wenn die Nahrungsressourcen leicht zu verteidigen sind und Grüne Meerkatzen viel zu verlieren haben. Mit hinein spielten auch energetische Kosten für die Verteidigung einer Ressource.

Vorkommen und Lebensraum

Grüne Meerkatze(Chlorocebus aethiops)
vergrößern
Grüne Meerkatze
(Chlorocebus aethiops)

Verbreitung

Grüne Meerkatzen sind in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara verbreitet. Keine andere Gattung der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) weist so ein großes Verbreitungsgebiet auf. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Senegal im westlichen Afrika, östlich bis nach Äthiopien und Eritrea, südlich bis ins südliche Afrika. Nicht besiedelt werden die tropischen Regenwälder im zentralen Afrika, insbesondere im Kongobecken. An den Rändern tropischer Regenwälder sind Grüne Meerkatzen nach Groves (2001) jedoch regional anzutreffen. In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten kommen Grüne Meerkatzen in 39 afrikanischen Staaten vor. Darüber hinaus wurden einige Arten auf einigen Inseln eingeführt. Dies ist beispielsweise auf Barbados und St. Kitts und Nevis in der Karibik sowie auf den Kap Verden der Fall. Dort wo Grüne Meerkatzen eingeführt wurden, haben sie sich zu Schädlingen in der Landwirtschaft entwickelt.

Die Verbreitung nach Arten im Einzelnen:

Grüne Meerkatzen kommen vom zentralen Sudan, südlich bis Dschibuti, Äthiopien und Eritrea vor. Nachgewiesen ist die Art auch im südwestlichen Ägypten. In den südöstlichen Regionen kann es zur Hybridisierung mit der Südlichen Grünmeerkatze (Chlorocebus pygerythrus) kommen (Dandelot and Prevost, 1972).
Die Bale-Grünmeerkatze ist in Äthiopien endemisch. Ihr Verbreitungsgebiet ist sehr klein und erstreckt sich über das Bale-Gebirge und die daran angrenzende Region um Oromiyaa.
Die Malbrouck-Grünmeerkatze ist von den südlichen Regionen der Republik Kongo bis ins nördliche Namibia und Sambia verbreitet. Die westliche Verbreitungsgrenze bildet der Fluss Luangwa.
Südliche Grünmeerkatze(Chlorocebus pygerythrus)
vergrößern
Südliche Grünmeerkatze
(Chlorocebus pygerythrus)
Südliche Grünmeerkatzen kommt in östlichen Äthiopien, im südlichen Somalia, in Kenia, Tansania, Uganda, Sambia, Malawi, Mosambik, Simbabwe, Botswana und Südafrika vor.
Westliche Grünmeerkatzen sind im Senegal, und von Guinea-Bissau bis nach Ghana verbreitet. Eingeführt wurde die Art auf Barbados und St. Kitts und Nevis in der Karibik sowie auf den Kap Verden (Grubb et al.,2003).
Die Tantalus-Grünmeerkatze ist in Sudan, Uganda, Kenia, westlich bis nach Togo, Benin, Nigeria, Niger, Tschad, Kamerun, Äquatorialguinea, der Zentralafrikanische Republik, Republik Kongo, und Ghana. Im nördlichen Uganda kann es zur Hybridisierung mit Chlorocebus sabaeus kommen.

Lebensraum

In Bezug auf den Lebensraum kann man Grüne Meerkatzen durchaus als Generalisten bezeichnen. Besiedelt werden viele höchst unterschiedliche Lebensräume. Es werden sowohl aride Lebensräume wie Halbwüsten und Savannen als auch die Ränder von tropischen Lebensräumen, Mangrovensümpfe und Sumpfgebiete besiedelt. Sie sind sowohl auf Meereshöhe als auch in Höhenlagen von bis zu 4.500 Metern anzutreffen. Es können alle Lebensräume genutzt werden, die ausreichend Wasser und Nahrung bieten. Auch entsprechende Schlafbäume müssen vorhanden sein. Besonders gerne werden bewaldete Flussufer bewohnt. Ebenfalls stark frequentiert werden landwirtschaftliche Flächen, wo sie sich mitunter als Ernteschädlinge betätigen. Schlafbäume werden vor allem in lichten Laubwäldern, Galeriewäldern oder im Baum- und Buschland aufgesucht. Die klimatischen Bedingungen sind je nach Vorkommen und Lebensraum höchst unterschiedlich. Die mittlere Niederschlagsmenge liegt beispielsweise im westlichen Afrika bei 900 bis 1.000 mm. Die Temperaturen kommen in der trockenen Jahreszeit leicht 35 bis 40°C erreichen.

Prädatoren

Zum Schutz vor natürlichen Feinden verbringen Grüne Meerkatzen ihre Nachtruhe und die Ruhephasen auf Bäumen. Hier sind sie vor den meisten Raubtieren (Carnivora) in Sicherheit (Novak 1999). Zu den wichtigsten natürlichen Feinden zählen je nach Vorkommen vor allem der Leopard (Panthera pardus), der Geparden (Acinonyx jubatus), Löwen (Panthera leo) und andere Katzen (Felidae) wie der Karakal (Caracal caracal) oder der Serval (Leptailurus serval). Unter den Caniden stellen insbesondere Schabrackenschakale (Canis mesomelas) den Grünen Meerkatzen nach. Weitere Feinde sind Hyänen (Hyaenidae), Paviane (Papio) und größere Greifvögel (Falconiformes) wie der Kampfadler (Polemaetus bellicosus) oder der Kronenadler (Stephanoaetus coronatus). Greifvögel haben es zumeist auf Jungtiere abgesehen. Hin und wieder erbeutet auch eine größere Schlange (Serpentes) ein Jungtier. Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der die Tiere vor allem wegen des Fleisches bejagt.

Ernährung

Grüne Meerkatzen gehören zu den Allesfressern. Da sie in zahlreichen Lebensräumen anzutreffen sind, weisen die einzelnen Arten ein breites Spektrum an Futterpflanzen und tierischer Nahrung auf. An pflanzlicher Kost stehen insbesondere Gräser und Kräuter, Blätter und junge Triebe, Sämereien, Nüsse und andere Waldfrüchte, Blüten, Knospen, Früchte und Beeren auf der Speisekarte. Zahlreiche Pilze (Fungi) werden ebenfalls gefressen. An tierischer Kosten werden Gliederfüßer (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und deren Larven sowie kleine Nagetiere (Rodentia) und Kriechtiere (Reptilia) gefressen. In Bäumen oder am Boden werden auch die Nester von Vögeln (Aves) geplündert. Abgesehen haben es die Grünen Meerkatzen sowohl auf Eier als auch Jungvögel. Sind Früchte verfügbar, so werden diese bevorzugt gefressen. Gleiches gilt für Blüten. Insgesamt variiert die aufgenommene Nahrung saisonal sehr stark. Reichlich Nahrung ist vor allem nach der Regenzeit oder nach Buschfeuern mit einhergehendem Regen vorhanden. Ist nicht genügend Nahrung vorhanden, so stellen sich sehr schnell Mangelerscheinungen ein, die mit Haarausfall oder Veränderungen der Haut einhergehen können. Auf landwirtschaftlichen Flächen finden Grüne Meerkatzen immer einen reich gedeckten Tisch vor. Hier werden insbesondere Getreide sowie Gemüse und Obst gefressen. Besonders bevorzugt aus dem Angebot von Feldern und Plantagen sind Süßkartoffeln (Ipomoea batatas), Mais (Zea mays), Mangos (Mangifera) Guaven (Psidium), Papayas (Carica papaya), Gurken (Cucumis), Erdnuss (Arachis hypogaea) und Bananen (Musa). Größere Trupps können dabei erheblichen Schaden an Pflanzungen anrichten.

Fortpflanzung

Weibchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 4 bis 5 Jahren, unter günstigen Bedingungen auch schon im Alter von 3 Jahren. Männchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 6 Jahren. Grüne Meerkatzen pflanzen sich im Wesentlichen saisonal fort. Die Paarungszeit erstreckt sich ja nach Region über unterschiedliche Zeiten. Im östlichen Afrika Paaren sich die Tiere meist zwischen Juli bis September, in südlichen Regionen von April bis Juni. In der Karibik, wo die Tiere eingeführt wurden, erfolgt die Paarung ganzjährig. Die Geburten fallen vor allem in die Regenzeit oder kurz nach der Regenzeit. Zu dieser Zeit ist Nahrung für alle reichlich vorhanden. Der Ovarialzyklus der Weibchen erstreckt sich über 32,5 Tagen. Der Höhepunkt der Empfänglichkeit wird am 13. Tag des Zyklus erreicht. Ovarialzyklen erstrecken sich zwar über das ganze Jahr, treten während de Trockenzeit jedoch nur unregelmäßig auf. Nach einer Tragezeit von 163 bis 165 (165) Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Zwischen den einzelnen Geburten liegen meist 2 Jahre. Die Jungensterblichkeit liegt im ersten Lebensjahr je nach Region zwischen 50 und 60%. Die Gründe für eine hohe Mortalität liegen in den zahlreichen natürlichen Feinden, Krankheiten und in der Unterernährung. Um den Nachwuchs kümmert sich in den ersten Lebenswochen ausschließlich die Mutter. Ab dem zweiten Lebensmonat interagieren auch andere Weibchen sowie Geschwister mit dem Säugling. Die Mutter hat jedoch immer ein Auge auf dem Nachwuchs und greift, wenn es notwendig ist, schützend ein. Ab dem Alter von 3 bis 4 Monaten beginnt die Selbständigkeit und die Jungen verbringen immer mehr Zeit außerhalb der Reichweite der Mutter. Ab diesem Zeitpunkt sind zahlreiche Mitglieder einer Gruppe an der Aufzucht in irgendeiner Weise involviert. Vor allem im Spiel mit Geschwistern erlernen die jungen das Aufbauen und Pflegen sozialer Kontakte. Innerhalb der Gruppe nehmen Säuglinge in der Hierarchie die niedrigste Stufe ein. Ihr Rang steigt mit zunehmendem Alter. Grüne Meerkatzen können unter sehr günstigen Bedingungen ein Alter von 11 bis 13 Jahren erreichen. Eine solch hohe Lebenserwartung wird in Freiheit jedoch nur selten erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Bis auf die Bale-Grünmeerkatze (Chlorocebus djamdjamensis) gelten alle anderen Arten als noch nicht gefährdet (LC, Least Concern). Die Bale-Grünmeerkatze gilt als gefährdet und wird in der Roten Liste der IUCN als solches (VU, Vulnerable) geführt. Alle Arten werden im Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang II geführt. Grüne Meerkatzen sind in der medizinischen Forschung, insbesondere in der Humanforschung, ein begehrtes Studienobjekt. Sie sind leicht zu händeln und stehen evolutionär in enger Beziehung zum Menschen. Untersucht werden vor allem die Auswirkungen des HIV-Virus und Bluthochdruck. Grüne Meerkatzen sind insbesondere für den Simiane Immundefizienz-Virus (SIV, engl. simian immunodeficiency virus) anfällig. SIV gilt als Ursprungsvirus für das menschliche Immunschwächevirus HIV.

Zu den Hauptbedrohungen gehört in weiten Teilen die Bejagung durch die einheimische Bevölkerung und Trophäenjäger (Wilderer) sowie die Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Geographisch weit verbreitet ist die Bejagung der Tiere. Begehrt ist vor allem das Fleisch, das als Buschfleisch auf den lokalen Märken landet. Grüne Meerkatzen werden auch lebendig für den illegalen Haustierhandel gefangen und fristen dann ein Leben in Gefangenschaft. Meist werden die Mütter getötet und die Säuglinge verkauft. Aufgrund der Ausmaße der Bejagung sind in naher Zukunft deutliche Rückgänge in den Populationen zu erwarten. Die Verluste durch Prädatoren spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Der Handel mit den Tieren ist durch CITES stark reglementiert. Dennoch findet vor allem in Ländern wie Gambia und Senegal ein schwunghafter Handel statt. Grüne Meerkatzen sind aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit auch in der Nähe des Menschen, insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen, anzutreffen. Dies macht die Tiere besonders für die Bejagung anfällig. Lokal gelten bereits einige Populationen als ausgerottet. Dramatische Bestandsrückgänge sind auch in den Regionen zu verzeichnen, wo der Mensch den Lebensraum der Primaten zerstört.

Systematik der Grünen Meerkatzen

Ursprünglich gab es in der Gattung der Grünen Meerkatzen (Chlorocebus) nur eine Art, die Grüne Meerkatze (Chlorocebus aethiops). Die anderen heute bekannten Arten wurden als Unterarten der Grünen Meerkatze geführt. Aufgrund der morphologischen Unterschiede und Unterschiede in der Lebensweise wurde die Art in 6 eigenständige Arten gesplittet. Bis vor wenigen Jahren wurde die Grüne Meerkatze (Chlorocebus aethiops) zudem in der Gattung der Meerkatzen (Cercopithecus) geführt. Wie schon beim Splitten der Arten, erfolgte die Überführung in eine eigene Gattung wegen der morphologischen Unterschiede zu den Eigentlichen Meerkatzen.

Gattung: Grüne Meerkatzen (Chlorocebus)

Art: Grüne Meerkatze (Chlorocebus aethiops)
Art: Malbrouck-Grünmeerkatze (Chlorocebus cynosuros)
Art: Bale-Grünmeerkatze (Chlorocebus djamdjamensis)
Art: Südliche Grünmeerkatze (Chlorocebus pygerythrus)
Art: Westliche Grünmeerkatze (Chlorocebus sabaeus)
Art: Tantalus-Grünmeerkatze (Chlorocebus tantalus)

Anhang

Literatur und Quellen

Parasiten und Bakterien
Verhaltensweisen
Verwendete Allgemein-/Tertiärliteratur
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

  • keine vorhanden bzw. folgen
'Persönliche Werkzeuge