Goldstumpfnase

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Goldstumpfnase
Präparat

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mamalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Infraordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlank- und Stummelaffen (Colobinae)
Gattung: Stumpfnasenaffen (Rhinopithecus)
Art: Goldstumpfnase
Wissenschaftlicher Name
Rhinopithecus roxellana
Milne-Edwards, 1870

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Goldstumpfnase (Rhinopithecus roxellana) zählt innerhalb der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) zur Gattung der Stumpfnasenaffen (Rhinopithecus). Im Englischen wird diese Primatenart Golden snub-nosed monkey genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Goldstumpfnase erreicht eine Körperlänge von 58 bis 75 Zentimeter sowie eine Schwanzlänge von 50 bis 70 Zentimeter. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Auch in der Fellfärbung weisen die Geschlechter einen deutlichen Dimorphismus auf. Der Rücken, der Kopf, der Nackenbereich, der Schwanz sowie die Schulter und Arme des Männchen weisen eine grauschwarze Färbung auf. Die Nominat-Unterart ist oberhalb trüb orange mit schwärzlichen Tönen, während die Quingling-Goldstumpfnase in der Basis goldgelb (Kopf und Rücken) und die Hubei-Goldstumpfnase blass ockerfarben bis cremfarben gefärbt ist. Diese Partien sind beim Weibchen schwarzbraun gefärbt. Ventral ist das Fell bei beiden Geschlechtern goldgelb gefärbt. Eine ähnliche Färbung zeigt sich im Gesicht und am Hals. Die Nase ist stark abgeflacht und das Maul endet stumpf. Das Gesichtsfeld rund um die Augen, Nase und Maul ist nackt und weist eine blaugraue Färbung auf.

Lebensweise

Das Leben in größeren Trupps ist für die geselligen Goldstumpfnasen die Regel. Saisonal kann die Größe einer Gruppe jedoch schwanken. Im Sommer schließen sich meist mehrere kleinere Gruppen zu einer großen zusammen. Dabei kann ein Gruppe durchaus eine Gruppenstärke von mehreren Hundert Individuen aufweisen. In Winter spalten sich die großen Gruppen auf, wobei die Gruppenstärke dann zwischen 50 und 70 Tiere schwankt. Die kleinere Gruppenstärke im Winter lässt sich mit offensichtlichem Nahrungsmangel erklären. Eine Gruppe besteht aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Das Geschlechterverhältnis bei den geschlechtsreifen Gruppenmitgliedern liegt bei 1:5 bis 1:6 (Männchen, Weibchen). Je nach Gruppenstärke wird ein Streifrevier von bis zu 50 Quadratkilometer beansprucht. Zu allgemeinen Kommunikation gehört neben verschiedenen Lauten vor allem die gegenseitige Fellpflege, die letztlich die Familienbande stärkt.

Unterarten

Verbreitung

Goldstumpfnasen sind in China endemisch. Die letzten Rückzugspunkte liegen heute nur noch im südwestlichen China, insbesondere in den Provinzen Sichuan und Gansu. Hier leben die letzten größeren Populationen in Nationalparks wie Jiuzhaigou und Wolong. Die natürlichen Lebensräume erstrecken sich in gemäßigten Regionen über Gebirgswälder, die sich in Höhen zwischen 1.500 und 3.000 Metern über NN. befinden.

Ernährung

Goldstumpfnasen ernähren sich im wesentlichen von jungen Blättern und Knospen. Aber auch Blüten, Rinde, Sämereien, Früchte und Körner aller Art werden gefressen. Nur gelegentlich stehen auch Insekten und Larven auf dem Speisezettel. Hin und wieder werden auch Insektenlarven gefressen. Die Zusammensetzung der Nahrung schwankt je nach Saison recht stark. So werden im Winter auch Moose und Flechten sowie auf Rinde zurückgegriffen. Die Nahrungssuche erfolgt in Gruppen in der Regel in Bäumen. Auf den Waldboden steigen sie nur gelegentlich hinab, um hier und da ein paar wilde Zwiebeln zu ergattern.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Goldstumpfnasen erreichen die Geschlechtsreife mit vier bis fünf Jahren, Männchen hingegen erst in einem Alter von sechs bis sieben Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den verbliebenen Lebensräumen in den chinesischen Regionen von August bis in den Dezember hinein. Zu einem Wurf kommt es in der Regel alle ein bis zwei Jahre. Goldstumpfnasen führen in den zum Teil sehr großen Gruppen eine polygame Lebensweise. Ein Männchen paart sich zumeist mit mehreren Weibchen. In einer durchschnittlichen Gruppe kommen auf ein Männchen rund fünf bis sechs Weibchen. Das Paarungsverhalten dieser Primaten geht von den Weibchen aus, wobei das Verhalten und der Blickkontakt zu einem Männchen den Paarungsakt auslösen. Die Kopulation erstreckt sich über mehrere Minuten und wird zumeist mehrfach wiederholt. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von rund 210 Tagen ein Jungtier zur Welt. Das Jungtier ist völlig hilflos und auf den Schutz der Mutter angewiesen, es klammert sich in den ersten Lebenswochen am Bauch der Mutter fest. Die Säugezeit erstreckt sich zumeist über 10 bis 12 Monate. Die Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses direkt nichts zu tun. Sie stellen allenfalls Schutz zur Verfügung. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt, in Gefangenschaft kann durchaus ein Alter von bis zu 25 Jahren erreicht werden.

Ökologie

In der Vergangenheit wurden die Goldstumpfnasen bejagt und das Fleisch landete auf den lokalen Lebensmittelmärkten und Restaurants. Trotz des Jagdverbotes geht die Jagd in abgelegenen Regionen jedoch munter weiter. Das Fleisch wird in diesen Fällen illegal gehandelt. Der Schwund durch natürliche Fleischfresser stellt für die Art keine Gefahr dar.

Gefährdung und Schutz

Goldstumpfnasen gehören heute zu den gefährdeten Primaten-Arten. Als solche werden sie auch in der Roten Liste der IUCN geführt (VU, vulnerable). Das Washingtoner Artschutzabkommen stellt die Goldstumpfnasen in Anhang I des Abkommens unter Schutz. Anhang I beinhaltet vor allem Arten, die akut vom Aussterben bedroht sind. Die Ein- und Ausfuhr der hier verzeichneten Arten unterliegen einer strikten Regelung. Im Grund dürfen die hier verzeichneten Arten nur mit behördlichen Genehmigungen mit wissenschaftlichem Charakter ein- und ausgeführt werden. Hauptursache für die Gefährdungssituation ist die Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie die starke Bejagung durch den Menschen. Die Tiere werden wegen des Fleisches und des Felles gejagt. Mittlerweile hat die Chinesische Regierung ein Jagdverbot erlassen, um die letzten Populationen zu schützen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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