Goldaugenspringspinne

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Goldaugenspringspinne
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Salticoidea
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Philaeus
Art: Goldaugenspringspinne
Wissenschaftlicher Name
Philaeus chrysops
Poda, 1761

Die Goldaugenspringspinne (Philaeus chrysops), auch unter dem Synonym Aranea chrysops bekannt, zählt innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Philaeus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese schönste mitteleuropäische Springspinne ist zugleich neben Sitticus longipes auch unsere größte Art dieser Familie. Die Goldaugenspringspinne erreicht in beiden Geschlechtern 7 bis 12 Millimeter Körperlänge. Gelegentlich treten zwergenförmige Männchen von gerade 5 Millimeter Länge auf. Die Goldaugenspringspinne ist durch ihre untersetzte, kurzbeinige Körpergestalt und ihre besonders leistungsfähigen goldfarbenen Augen gut charakterisiert. Vorn an der Stirn liegen nebeneinander vier scheinwerferartig vergrößerte Augen, an jeder Seite des steil abfallenden Kopfteils hintereinander zwei weitere, deutlich kleinere Augen. Das auffallend vergrößerte, mittlere Frontalaugenpaar entspricht gewissermaßen zwei Teleobjektiven. Die beiden Netzhäute können vor- und zurückgeschoben werden und so ein scharfes Abbild des angepeilten Objekts entwerfen. Da die Netzhäute aber zusätzlich seitlich verschoben werden können, vermag die Spinne außerdem ihren Blickwinkel zu verändern, ohne sich selbst zu bewegen. Beide Geschlechter dieser Art sind extrem verschieden gefärbt und gezeichnet. Das Männchen besitzt einen tiefschwarzen Vorderkörper mit weißen Haarflecken hinter und zwischen den Frontalaugen. Die Pedipalpen und die beiden hinteren Beinpaare sind dicht weiß behaart, während die beiden vorderen Beinpaare eine vorwiegend gelborange Behaarung tragen. Der Hinterkörper ist leuchtend hellrot behaart und trägt oben einen lanzettförmigen, schwarzen Fleck, der vom vorderen Ende bis fast zu den Spinnwarzen reicht und innen oft rot gekernt ist. Das deutlich plumpere Weibchen ist sehr variabel gefärbt und gezeichnet. Der Vorderkörper zeigt bei schwarzer Grundfärbung meist zwei oder drei angedeutete, helle Haarstreifen und vorn an den Augen weiße Haarflecke. Der Hintekörper trägt oberseits ebenfalls einen schwarzen Längsstreifen, der aber meist viel breiter ist als beim Männchen und mit der grauen oder braunen Behaarung der Hinterleibsseiten zusammenfließen kann.
Goldaugenspringspinne - Weibchen
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Goldaugenspringspinne - Weibchen
Meist ist aber daneben jederseits ein scharf abgesetzter, weißer oder hellgrauer Streifen entwickelt. In Teilen ihres sehr großen Verbreitungsgebietes, vor allem im südlichen und östlichen Mittelmeerraum, zeigt die Art darüber hinaus noch zahlreiche Abwandlungen des Zeichnungsmusters. So gibt es stellenweise auch Weibchen mit orangerot gefärbtem Hinterkörper oder Männchen mit sehr ausgeprägter, weißer Fleckung auf dem Körper. Dennoch gehören offenbar alle europäischen Tiere zur gleichen Art. Adulte Tiere findet man von Mai bis Juli. <2>

Lebensweise

Die Goldaugenspringspinne ist sehr lebhaft und schnell. Sie ist tagaktiv und sehr wärme- und sonneliebend. Ihr bevorzugter Lebensraum sind warme, mit Steinen durchsetzte Trockenrasen, auf denen durch angrenzendes Gebüsch ein gewisser Windschutz gegeben ist. Hier sieht man beide Geschlechter vor allem am Boden und auf Steinen, seltener auch im niedrigen Gebüsch umherlaufen. Die Männchen tragen untereinander gelegentlich auffallende Scheinkämpfe aus. Dabei, wie auch in der Balz, spielt ihre markante Färbung offenbar eine wichtige Rolle. Zum Wohnen, Überwintern und als Schutz beim Häuten sowie bei ungünstigem Wetter halten sich die Weibchen unter Steinen in Gespinstsäcken verborgen. Dort stellen sie auch ihren Eikokon her und bewachen ihn.

Verbreitung

Die Goldaugenspringspinne ist im Mittelmeergebiet sehr weit verbreitet und in vielen Gegenden ausgesprochen häufig. Sie besiedelt zum Beispiel Felsen unmittelbar an der Meeresküste ebenso wie fast kahle Geröllflächen im Bergland und in den Flußtälern. Auch im Kulturgelände, etwa in Olivenhainen und an Mauern inmitten der Ortschaften ist sie regelmäßig zu finden. Ihr geschlossenes Verbreitungsgebiet reicht bis in die Südalpen, wo sie zum Beispiel in Südtirol stellenweise noch ziemlich häufig vorkommt. Nördlich der Alpen ist sie dagegen recht selten und auf typische Wärmegebiete, wie etwa im Oberrheintal (Kaiserstuhl und Elsaß), beschränkt. Sie lebt hier auf sehr warmen Trockenrasen und in lockeren Gebüschen. Des weiteren ist die Goldaugenspringspinne im nördlichen Bayern anzutreffen, zählt aber zu den stark gefährdeten Arten. Nach der Roten Liste Anhang IV FFH-RL, Anlage 1, Sp. 3 der BArtSchV (Bundesartenschutzverordnung) ist die Goldaugenspringspinne in Deutschland vom Aussterben bedroht und daher gesetzlich geschützt. Der Schutzstatus gilt aber auch europaweit nach Anhang A EGVO Nr. 338/97. <3>

Goldaugenspringspinne - Männchen
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Goldaugenspringspinne - Männchen

Ernährung

Die Goldaugenspringspinne lebt räuberisch von anderen Insekten (Insecta) wie zum Beispiel von Grillen (Gryllus) und von Fliegen (Brachycera). Zum Beutefang webt die tagaktive Goldaugenspringspinne keine Netze, sondern erkennt als ausgesprochenes Augentier ihre Opfer recht bald, verfolgt und beschleicht sie, um sie dann im geeigneten Moment anzuspringen und mit einem Biß zu lähmen. Vor dem Sprung befestigt die Spinne jedoch einen Sicherheitsfaden am Boden, zum einen, um nicht von einem größeren Beutetier mitgenommen zu werden, zum andern, um sich blitzschnell zurückziehen zu können. Dabei spielt ihr ausgezeichneter Sehsinn eine wichtige Rolle.

Fortpflanzung

Wie bei allen anderen Spinnen auch, werden die Männchen vor dem Weibchen geschlechtsreif und machen sich auf die Suche nach einer geeigneten Partnerin. Gelegentlich tragen die Männchen untereinander auffallende Scheinkämpfe aus. Trifft ein Männchen auf ein vor der letzten Häutung stehendes Weibchen, so bleibt es bei dem Weibchen und paart sich mit dem Weibchen, sobald sich das Weibchen gehäutet hat. Vor der Paarung wird das Weibchen mit charakteristischen Balztänzen umworben. Das Männchen richtet sich hoch auf, streckt seine Vorderbeine hoch und winkt mit dem ersten Beinpaar, indem das Männchen sich vor dem Weibchen hin und her bewegt, bis beide Tiere sich Kopf an Kopf gegenüberstehen. Nimmt das Weibchen diese Werbung an, d. h., bleibt es still stehen, dann kommt es zur Paarung. Das Weibchen stellt unter Steinen in einem Gespinstsack ihren Eikokon her und bewacht ihn, bis die Jungspinnen schlüpfen, was meist bis zur zweiten Häutung dauert, da die Jungspinnen zuerst fast blind sind und erst nach der zweiten Häutung voll entwickelte Augen haben.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [2] [3] Dipl. Biol. Dr. METZNER, H. (1999): Die Springspinnen (Arachnida, Araneae, Salticidae) Griechenlands. Andrias 14: 1-279, Karlsruhe.
  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Philaeus chrysops (♂,♀) (Poda, 1761)
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