Goldammer

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Goldammer
Emberiza citrinella erythrogenys, Männchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Ammern (Emberizidae)
Gattung: Emberiza
Art: Goldammer
Wissenschaftlicher Name
Emberiza citrinella
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Goldammer (Emberiza citrinella) zählt innerhalb der Familie der Ammern (Emberizidae) zur Gattung Emberiza. Im Jahre 1999 wurde die Goldammer vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Vogel des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Goldammer erreicht eine Körperlänge von 16 bis 17 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 24 bis 28 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 30 Gramm. Die Geschlechter weisen vor allem während der Paarungszeit einen deutlichen Dimorphismus auf. Beim Männchen ist im Prachtkleid der Kopf leuchtend gelb gefärbt. Auch die Kehle und Bauchseite sind bei ihm deutlich sichtbar gelb gefärbt. Der Steiß sowie das Brustband weisen einen leicht rostfarbenen Farbton auf. Lateral zeigt sich eine feine bräunliche Riffelung. Rücken und Flügel sind bräunlich bis rostbraun und mit einer feinen hellen Säumung versehen. Der Oberkopf zeigt vor allem beim Weibchen und im Schlichtkleid beim Männchen eine feine, braungefärbte Längsstreifung. Die Kehle des Männchens ist im Schlichtkleid schwarz gefärbt. Weibchen sind insgesamt dezenter gefärbt und weisen keine kräftigen Gelbtöne auf. Die Gründfärbung variiert zwischen hellgelblich bis gelblichbraun. Die Extremitäten und die Zehen weisen eine fleischfarbene Färbung auf.

Lebensweise

Goldammern leben außerhalb der Paarungszeit in kleinen Trupps, sie sind also durchaus gesellig. Während der Nacht werden vor allem gemeinsame Schlafbäume genutzt. Bei den nördlichen Populationen finden sich bei den Zügen in die Winterquartiere ebenfalls kleinere Gruppen zusammen. Während der Balz- und Brutzeit ziehen sich einzelne Paare in kleine Brutreviere zurück. Im Frühjahr kommen die Männchen vor den Weibchen in den Brutgebieten an und besetzen sogleich ein Revier. Sie sind während dieser Zeit ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen und Eindringlingen. Drohgebärden schließen Aufplustern, Aufstellen der Federhaube auf dem Oberkopf und lautstarken Gesang mit ein. Der Gesang erfolgt von einer exponierten Ansitzwarte aus.

Unterarten

Verbreitung, Lebensraum

Die Goldammer ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom nördlichen Skandinavien, über Ost-, Mittel- und Westeuropa bis in den Süden und Südosten Europas. Im Osten ist die Unterart Emberiza citrinella erythrogenys bis ins westliche Sibirien anzutreffen. Auf der iberischen Halbinsel wird nur der äußerste Norden besiedelt. Auf den Inseln im Mittelmeer sowie in den arktischen Regionen des Hohen Nordens fehlt die Goldammer völlig. In Asien erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis in den Südwesten des Kontinents. Hier ist insbesondere die Unterart Emberiza citrinella erythrogeny anzutreffen. Die kleinste Population bildet Emberiza citrinella caliginosa auf den britischen Inseln.

aufgenommen in Weinstadt
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aufgenommen in Weinstadt

Beliebte Lebensräume stellen vor allem Waldränder mit dichtem Unterholz, Hecken, Ödlandflächen und lichte Auenwälder dar. Die höchste Siedlungsdichte wird in der Regel an Waldrändern erreicht. In den meisten Regionen ist die Goldammer heute noch häufig anzutreffen. jedoch ist seit Jahren ein deutlicher Rückgang der Populationen zu verzeichnen. Je nach Verbreitungsgebiet gilt die Goldammer als Zug- oder Standvogel. Die nördlichen Populationen ziehen im späten Herbst in südliche Gefilde, zumeist nach Mitteleuropa. Die Populationen in den gemäßigten Regionen verweilen ganzjährig in ihren Brutgebieten. Hin und wieder kann es im Winter jedoch zu nahrungsbedingten Wanderungen kommen.

Ernährung

Goldammern ernähren sich als Allesfresser sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Zur tierischen Nahrung zählen vor allem Spinnentiere, Würmer, Insekten und deren Larven. Zur pflanzlichen Nahrung gehören insbesondere Sämereien, Früchte und Beeren, Knospen und Körner aller Art. Der Anteil an tierischer Nahrung ist im Frühjahr und Sommer deutlich höher als der pflanzliche Anteil. Im Winter nimmt eine Goldammer tierische und pflanzliche Kost etwa zu gleichen Teilen zu sich. Der Nachwuchs wird ausschließlich mit Insekten und Larven, gelegentlich auch mit kleinen Spinnentieren versorgt. Die Nahrungssuche erfolgt hauptsächlich auf dem Waldboden, gelegentlich auch im Geäst von Büschen und Bäumen. Auf Nahrungssuche gehen Goldammern vorzugsweise in den frühen Morgen- und Abendstunden, meist in kleineren Trupps.

Emberiza citrinella citrinella, Männchen
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Emberiza citrinella citrinella, Männchen

Fortpflanzung

Die Goldammer erreicht die Geschlechtsreife mit 10 bis 12 Monaten, kann sich also im Frühjahr nach dem Schlupf erstmals verpaaren. Die Paarungszeit beginnt im zeitigen Frühjahr, meist Ende März oder im April. Es kommt nur zu einer Jahresbrut, wobei ein kleineres Nachgelege durchaus möglich ist, falls das erste Gelege verlorengeht. Die Geschlechter führen eine monogame Saisonehe, die mit Beendigung der Brutzeit aufgelöst wird. Nur in südlichen Verbreitungsgebieten kann es zu einer zweiten Jahresbrut kommen. Die napfartigen Nester werden unter dichtem Buschwerk am Boden oder in niedriger Höhe in Büsche angelegt. Der Nistplatz wird dabei vom Weibchen ausgewählt. Es wird vom Weibchen alleine aus Pflanzenfasern, Grashalmen, kleinen Wurzeln und anderen weichen Materialien errichtet. Das Nestinnere wird mit Tierhaaren, Federchen und anderen weichen Materialien ausgepolstert.

Emberiza citrinella erythrogenys, Weibchen
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Emberiza citrinella erythrogenys, Weibchen

Ein Gelege besteht meist aus drei bis fünf Eiern, die eine weißliche bis hellblaue Färbung sowie eine leicht rötliche Fleckung aufweisen. Das Weibchen brütet die Eier über einen Zeitraum von 12 bis 13 Tagen alleine aus. Sie wird während dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Beim Schlupf sind die Küken noch nackt und blind, sie werden in den ersten Tagen von der Mutter gehudert. Gefüttert wird der Nachwuchs mit nahrhaften Insekten und deren Larven, gelegentlich auch mit Würmern. Auch wenn sich beide Altvögel um die Versorgung des Nachwuchses kümmern, so obliegt die Hauptaufgabe der Vorsorgung dem Weibchen. Bereits im Alter von gut 14 Tagen sind die Küken flugfähig, bleiben aber noch einige Tage bei den Eltern. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei vier bis sechs Jahren. Der älteste Ringfund betrug etwas mehr als 11 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Die Goldammer gehört noch nicht zu den gefährdeten Vogelarten. Sie wird von daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Die Bestände sind allerdings seit Jahren rückläufig. Mit ein Grund dafür ist mit Sicherheit die exzessive Landwirtschaft, die Umwelt- und Wasserverschmutzung sowie die allgemeine Zerstörung der natürlichen Lebensräume.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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