Glanzkuhstärling

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Glanzkuhstärling
Männchen - Ibera Marshes, Argentina

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Passerida
Überfamilie: Passeroidea
Familie: Finken (Fringillidae)
Unterfamilie: Ammern (Emberizinae)
Tribus: Icterini
Gattung: Kuhstärlinge (Molothrus)
Art: Glanzkuhstärling
Wissenschaftlicher Name
Molothrus bonariensis
Gmelin, 1789

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Glanzkuhstärling (Molothrus bonariensis) zählt innerhalb der Familie der Finken (Fringillidae) zur Gattung der Kuhstärlinge (Molothrus). Die englische Bezeichnung des Glanzkuhstärlings lautet Shiny Cowbird.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Glanzkuhstärling erreicht eine Körperlänge von etwa 18 Zentimeter, eine Flügelspannweite von etwa 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 31 bis 40 Gramm, wobei das Weibchen leichter und kleiner ist als das Männchen. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von 19 Zentimeter und wiegt 31 Gramm, während das Männchen eine Körperlänge von 20 Zentimeter erreicht und 45 Gramm wiegt. Das Gefieder des Männchens schillert in brillanten Farben, dies können violette, purpurrote, bläuliche, schwärzliche oder blau-schwarz-violette gemischte Farbtöne sein. Die Flügel und der Schwanz weisen eine glänzende blau-grünliche Färbung auf. Der Kopf und die Brust sind glänzender und gefärbter als der Rest des Körpers. Der schwärzlich getönte Schnabel ist konisch geformt und spitz zulaufend. Die Augen weisen eine dunkelbraune Färbung auf. Die Extremitäten sind schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Die Krallen sind ebenfalls schwarz gefärbt und sind verhältnismäßig lang. Das Weibchen zeigt sich mehr in glanzlosen gräulichen bis bräunlichen Federn mit einer hellen Unterseite. Man kann eine leichte bläuliche Helligkeit auf der Oberseite sehen. Im Gesicht des Weibchens zeigt sich ein leicht verwaschener Überaugenstreif. Der Jungvogel ähnelt eher dem Weibchen des Braunkopf-Kuhstärlings (Molothrus ater), wobei die Oberseite glänzend dunkelgrau bis bräunlich getönt ist und die Unterseite dagegen heller erscheint. Des weiteren zeigt sich im Gesicht des Jungvogels ein deutlicher Überaugenstreif, während auf der Brust verwaschene Rillen zu erkennen sind. Bei den sieben Unterarten beider Geschlechter ist die Färbung des Gefieders, die Größe der Flügel und des Schwanzes sowie die Größe und Form des Schnabels unterschiedlich. Der Glanzkuhstärling vollführt einen leicht wallenden Flug, aber er kann auch Sturzflüge in direktem Flug mit einem schnellen Klopfen durchführen. Der Ruf klingt wie ein "chuck" und wird von beiden Geschlechtern gäußert. Der Glanzkuhstärling bringt denselben Ruf hervor, wenn er sich bedroht fühlt oder wenn er Eindringlinge aus seinem Territorium verjagt, aber der Ton klingt dann härter und rauher und wird schnell hintereinander wiederholt. Der Gesang umfaßt drei oder vier "purr" gefolgt von einer aufsteigenden Reihe etwa wie "pe-tss-tseeee". Hin und wieder hört man auch ein Gezwitscher, das drei Einschaltungen umfasst, abgelöst wieder durch ein Gezwitscher, gefolgt mit sechs bis neun Silben. Das Weibchen bringt im allgemeinen ein wildes schnelles und leicht metallisches Gezeter hervor. Das Männchen trägt im Singflug ein klagendes Pfeifen etwa wie "chuck" und ein Gezeter vor.

Lebensweise

Der Glanzkuhstärling sucht seine Nahrung auf dem Boden, indem er mit den Krallen den Boden aufscharrt. Er nimmt auch seine Nahrung in der niedrigen Vegetation zu sich, dabei springt er in die Luft oder spannt seinen Hals, um an die höher gelegene Beute heranzukommen. Wenn er seine Nahrung in den Bäumen sucht, dann bewegt er sich geschickt von Ast zu Ast und erbeutet unter anderem Gliederfüßer (Arthropoda). Er kann auch im stationären Flug nach Beutetieren schnappen.
Glanzkuhstärling - Männchen
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Glanzkuhstärling - Männchen
Manchmal sieht man den Glanzkuhstärling in Trupps mit Stärlingen (Icteridae) nach Insekten (Insecta) jagen. Das Männchen verjagt oft andere Vögel und kann gegenüber anderen Kuhstärlingen (Molothrus) und Arten ähnlicher Größe aggressiv reagieren. Die Aggressionen äußern sich in Drohgebärden mit dem Kopf, mit Schrägstellung des Schnabels oder mit physischen Kontakten wie zum Beispiel Brust an Brust. Die Aggressionen reichen bis zu erbitterten Verfolgungsjagten des Gegners. Während der Verfolgung bringt das Männchen Gesänge und Pfeiftöne hervor. Es wurden auch schon andere Arten von Paraden zwischen Männchen beobachtet, indem im Laufe der geschlechtlichen und aggressiven Turniere der Gegner zum Glätten der Federn des paradierenden Vogels aufgefordert wird. Das Weibchen kann auch wie das Männchen dieselbe Art von Paraden gegenüber anderen Weibchen ausüben. Während der Paarungszeit vollführt das Männchen singende Balzflüge, dabei umkreist er ständig das Weibchen. Nach dem Balzflug gefällt sich das Männchen in prunkvollen Balzstellungen, indem er in der Nähe des Weibchens mit gebogenem Schnabel wippend und knicksend einher stolziert und mit aufgeplusterten Federn, aufgeblähtem Kragen, gebogenen Flügeln und fallendem Schwanz zahlreiche Bücklinge vollführt. Während er seinen Körper hin und wieder schüttelt bringt er kehlige Töne hervor, dabei kommt es vor, dass er seinen Kopf während des Gesangs biegt. Der Glanzkuhstärling ist sehr gesellig, der oft das ganze Jahr über in Gruppen lebt. Man sieht ihn oft gemeinsam mit anderen Arten auf Nahrungssuche oder er verbringt gemeinsam die Nacht mit anderen Arten auf den Schlafbäumen. Andererseits ist der Glanzkuhstärling ein Brutparasit, der seine Eier in das Nest anderer Vögel legt. Der Glanzkuhstärling kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa fünf Jahren erreichen.

Unterarten

Verbreitung

Alexander Springs Ocala National Forest Florida
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Alexander Springs Ocala National Forest Florida

Der Glanzkuhstärling kommt im Süden von Florida vor, wo er wenig gesellig ist. Des weiteren ist er in der Karibik und im Großteil Südamerikas beheimatet. Der Glanzkuhstärling besucht die landwirtschaftlichen Flächen mit Baumbestand und Unterhölzern. Auch trifft man den Glanzkuhstärling auf Wiesen mit Weiden und in lichten Wäldern an. Diese Art kolonisiert die Abholzungsgebiete wie Felder, Gärten und Pflanzungen, aber man findet ihn auch in den Savannen, in Unterhölzern, in Steppen sowie in Mangrovenwäldern. In bestimmten Teilen des Lebensraumes ist er auch in den Stadtgebieten anzutreffen.

Ernährung

Der Glanzkuhstärling ernährt sich als Allesfresser sowohl von tierischer Nahrung als auch von pflanzlicher Kost. Überwiegend nimmt er Insekten (Insecta) aller Art und deren Larven zu sich. Auch Spinnentiere (Arachnida) stehen auf der Speisekarte. Des weiteren pickt der Glanzkuhstärling Sämereien, darunter auch Reis, und Körner sowie Früchte und Beeren. Der Nachwuchs wird von den Wirtstieren ausschließlich mit Insekten (Insecta) und Larven versorgt.

Fortpflanzung

Der Glanzkuhstärling ist ein Parasit der Nester. Allerdings konnte auch bei dem Glanzkuhstärling der Instinkt zum Nestbau noch nachgewiesen werden, wenn er auch unterschwellig ist und zu keinerlei Erfolg führt. Die Weibchen legen viele ihrer nach Form und Farbe höchst unterschiedlichen Eier planlos auf den Boden, wo sie verkommen. Andere Weibchen dagegen bringen mehrere Eier in das gleiche Wirtsvogelnest.
Glanzkuhstärling - Männchen
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Glanzkuhstärling - Männchen
In einem Fall legten sogar dreizehn verschiedene Weibchen nicht weniger als 37 Eier in ein einziges fremdes Nest. Das Nest wird von dem Weibchen ausgewählt und es ist jenes einer anderen Wirtsvogelart. Das Ei und das Küken des Glanzkuhstärlings werden von den Wirtsvogelarten gewärmt und versorgt und spiegeln die Charaktere dieser Wirtsvogelart wieder. Die Anzahl der Wirtsvogelarten schwankt zwischen 200 und 250. Speziell wurden mehrere intensive Studien betrieben, indem das Verhalten des Glanzkuhstärlings und das Verhalten des Hauszaunkönigs (Troglodytes aedon) und der Rahmbauchdrossel (Turdus amaurochalinus) vor, während sowie nach der Brutzeit beobachtet und aufgezeichnet wurden.

Gewöhnlich entfernt das Weibchen eines der Eier der Wirtsvogelart oder zerstört die Eier durch Schnabelhiebe, bevor es sein Ei ablegt. Häufig zerstört das Weibchen auch die Eier der eigenen Art durch Schnabelhiebe. Viele der Wirtsvogelarten akzeptieren das Ei des Glanzkuhstärlings, aber andere Wirtsvogelarten können ihre Eier von dem Ei des Glanzkuhstärlings unterscheiden. Das Ei des Glanzkuhstärlings wird entweder entfernt oder die Wirtsvogelarten geben ihr Nest auf. Der Wirtsvogel kann kleiner oder größer sein als der Glanzkuhstärling selbst und der Wirtsvogel wird mit zwei wichtigen Kriterien: Überfluß und Qualität, gewählt. Die ausgewählten Wirtsvögel sind Vögel, die oft in geschlossenen Hohlräumen oder in Nestern nisten. Wenn das Weibchen des Glanzkuhstärlings ein geeignetes Nest gefunden hat, vollführt das Weibchen kurze und laute Flüge im Bereich des Nestes, um die Wirtsvögel vorübergehend von dem Nest zu verjagen.

Das Ei des Glanzkuhstärlings ist schwach glänzend, weiß, hellgrau bis blassblau oder hell cremefarben, das mit dunklen Flecken und Sprenkelungen markiert ist. Die Inkubationszeit kann zwischen 11 und 15 Tage je nach Wirtsvogelart variieren. Nach dem Schlupf ist das Küken nackt und blind, nur einige spärliche hellgraue Dunen sind auf der nackten Haut sichtbar. Das Küken hat aber gleich nach dem Schlupf einen überaus gesunden Appetit und verdoppelt sein Gewicht schon am ersten Lebenstag. Meist bleibt es als einziges im Nest übrig, weil es seine Stiefgeschwister verdrängt hat. Um seine Nahrung von den Adoptiveltern zu fordern, zeigt das Küken des Glanzkuhstärlings ein ungewohntes, aggressives und energisches Verhalten. Der Jungvogel verläßt das Nest etwa nach 12 bis 15 Tagen. Die Pflegeeltern versorgen den Jungvogel noch etwa zwei bis drei Wochen ausreichend mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta). Der Jungvogel ähnelt eher dem Weibchen des Braunkopf-Kuhstärlings (Molothrus ater), wobei die Oberseite glänzend dunkelgrau bis bräunlich getönt ist und die Unterseite dagegen heller erscheint. Des weiteren zeigt sich im Gesicht des Jungvogels ein deutlicher Überaugenstreif, während auf der Brust verwaschene Rillen zu erkennen sind. Die Lebenserwartung des Glanzkuhstärlings kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa fünf Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Der Glanzkuhstärling gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet erstreckt sich annähernd über 13.000.000 Quadratkilometer. Der Glanzkuhstärling ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen, einschließlich geschätzte 50.000.000 Glanzkuhstärlinge (Rich et al. 2003). In der Roten Liste der IUCN wird der Glanzkuhstärling als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

Links

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