Giftnattern

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Giftnattern
Gewöhnliche Todesotter (Acanthophis antarcticus)

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Giftnattern
Wissenschaftlicher Name
Elapidae
Boie, 1827

Die Giftnattern (Elapidae) sind eine artenreiche Familie der Schlangen (Serpentes) aus der Ordnung der Schuppenkriechtiere (Squamata). Mit ungefähr 170 bisher entdeckten Arten sind sie neben den Vipern (Viperidae) die größte Giftschlangengruppe. Beschrieben hat die Familie erstmals Friedrich Boie im Jahre 1827.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Fossile Funde

Die ersten modernen Giftnattern tauchten vor rund 50 Millionen Jahren auf. Artmäßig waren in Afrika Giftnattern bereits vor 25 Millionen Jahren den Würgeschlangen weit überlegen (McCartney et al., 2014).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im Körperbau ähneln die Giftnattern sehr den Nattern (Colubridae). Die meisten sind lang und schlank. Der Kopf setzt sich je nach Art sehr deutlich bis kaum vom Rest des Körpers ab. In den Maßen sind Giftnattern sehr variabel. Die kleinsten, wie zum Beispiel die Bandy-Bandy (Vermicella annulata), werden gerade mal bis zu 40 cm lang, die größte Art ist die asiatische Königskobra (Ophiophagus hannah) mit bis zu 550 cm Länge. Sie ist die einzige Schlange mit diesen Maximalmaßen, welche nicht zu den Riesenschlangen gehört. Das Gewicht reicht von wenigen Gramm bis etwa 6 Kilogramm. Die größte Giftnatter (und längste Giftschlange) Afrikas ist die Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis), sie erreicht eine Länge von bis zu 450 cm. Australiens größte Giftschlange ist der bis zu 250 cm lange Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus). Amerikas größte Giftnattern sind einige über einen Meter lange Korallenottern (Micrurus). Die Färbung der Giftnattern variiert genauso stark, wie die Länge. Je nach Art kann die Grundfarbe von grau, über braun, schwarz, grau-weiß und gelb bis hin zu rot annehmen. Muster können fleckig, gestreift, geringelt oder in Punkten in verschiedensten Farben, von schwarz bis weiß, auftreten. Auch gibt es viele einfarbige Giftnattern. Giftnattern produzieren ihr Gift in Drüsen im Oberkiefer. Das Giftgemisch wird durch verlängerte, im vorderen Teil des Oberkiefers feststehende Fangzähne (Giftzähne), die eine mehr oder weniger geschlossene Rille als Leitbahn aufweisen, injiziert. Wenn die Zähne und die Giftzähne ausfallen, können sie ein Leben lang nachwachsen.

Lebensweise und Fortpflanzung

Je nach Art sind Giftnattern Boden- oder Baumbewohner, tag- oder nachtaktiv. Einige haben sich auch an ein Leben im Meer angepasst, die meisten gebären dort sogar ihre Jungen, nur die eierlegenden Schlangen suchen noch regelmäßig das Land auf und sonnen sich dort. Wie bei allen Reptilien findet auch bei den Giftnattern eine innere Befruchtung statt. Die meisten landlebenden Giftnattern sind eierlegend. Seeschlangen, die sich ausschließlich im Wasser aufhalten, sind gezwungen, lebende Jungtiere zur Welt zu bringen, sie sind eilebendgebärend.

Ernährung

Aufgrund des großen Artenreichtums der Giftnattern sind die Beutetiere sehr unterschiedlich. Alle Giftnattern sind Fleischfresser (Carnivore). Schlangen, wie Taipane (Oxyuranus) oder Todesottern (Acanthophis), die nur schwer oder selten an Nahrung herankommen, produzieren ein starkes Gift. Um an die Beute heranzukommen, haben die Giftnattern verschiedene Methoden entwickelt. Die meisten Arten legen sich auf die Lauer und warten auf Beute, oder bewegen sich langsam, um die Beute nicht zu verscheuchen. Grüne Mambas (Dendroaspis viridis) sind Ansitzjäger, die auf einem Ast, in einem Busch oder auf einem Baum beispielsweise einem Vogel auflauern. Ist ein Vogel nah genug herangekommen, schlägt die Mamba blitzschnell mit dem Vorderkörper nach vorne und packt den Vogel. Andere, wie der bodenbewohnende Inlandtaipan, suchen ihre Beute oft als aktive Jäger. Wenn die Schlange auf Nahrungssuche ist, züngelt sie heftig mit der Zunge, um Geruchsstoffe mit der Zunge aufzunehmen und führt diese Geruchsstoffe dem Jacobsonschen Organ zu. Hat die Schlange die Geruchsspur aufgenommen, wird die Maus bis zu ihrem Versteck verfolgt.

Nachdem eine Giftschlange ein Beutetier gebissen hat, hält sie dieses fest, bis das Gift sich im Körper verteilt und das Opfer leblos ist, manche beißen auch zu, injizieren das Gift mit einem schnellen Biss und lassen die Beute nochmals entkommen, anschließend wird sie über den Geruchssinn wieder aufgespürt. Dann verschlingt die Schlange die Beute im Ganzen. Damit dies ermöglicht wird, ist der Unterkiefer nicht fest mit dem Oberkiefer verbunden, er kann also ausgerenkt werden. Zusätzlich sind die linke und rechte Hälfte des Unterkiefers sowie die Rippen mit dem Brustbein nicht miteinander bzw. nur mit dehnbaren Bändern verbunden, so dass sie gespreizt werden können.

Prädatoren

Je nach Verbreitung haben Giftnattern verschiedene Prädatoren. Dazu zählen besonders Greifvögel (Falconiformes), welche aus der Luft angreifen und so nicht immer von den Schlangen wahrgenommen werden. Zwar könnte das Gift der meisten Giftnattern innerhalb weniger Minuten tödlich für die Greifvögel sein, aber zu einem Biss kommen sie zumeist nicht mehr. Den Kobras werden vor allem einige Mungo-Arten (Mungo) gefährlich, viele sind sogar immun gegen das Schlangegift der Kobras. In Nord-, Mittel- und dem nördlichen Südamerika müssen sich Giftnattern auch vor Schlangen aus der Gattung der Königsnattern (Lampropeltis) in Acht nehmen. Diese beißen die Giftschlangen in das Maul und erwürgen sie, bevor die ganze Schlange vergeschlungen wird.
Ein Prädator: Wanderfalke
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Ein Prädator: Wanderfalke

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet dieser Schlangenfamilie erstreckt sich über Nord-, Süd- und Mittelamerika, Afrika, Asien und Australien. Seeschlangen bewohnen weite tropische Teile des Pazifischen und Indischen Ozeans. In Europa fehlen die Giftnattern gänzlich. In den jeweiligen Verbreitungsgebieten besiedeln sie unterschiedliche, zumeist tropische und subtropische Gegenden.

Toxizität

Zu den Giftnattern zählen die giftigsten und gefählichsten Schlangen überhaupt. Zwar nicht unbedingt anhand der Todes- und Bissopfer gemessen, aber anhand der Giftstärke. Das Gift (Toxin) eines einzigen, knapp 200 cm langen, Inlandtaipans könnte theoretisch ausreichen, um bis zu 250.000 Mäuse oder 250 erwachsene, gesunde Menschen zu töten. Einige Giftnattern, die Speikobras, können bis zu 3 Meter weit einem Angreifer gezielt Gift in die Augen speien, was unter Umständen zum Erblinden führen kann und Arten wie die Schwarze Mamba (Dendroasis polyepis) und die asiatische Blaue Bauchdrüsenotter (Calliophis bivirgata) können unter entsprechenden Umständen innerhalb von 5 Minuten töten, wenn sie zubeißen. Aber es gibt auch eine Vielzahl von Arten, wie die Südafrikanische Strumpfbandnatter (Elapsoida sundevalli), dessen Biss nur lokale Effekte hervorruft. Die Toxine von Giftnattern sind ein Gemisch aus verschiedensten Substanzen. Zumeist überwiegt bei ihnen der neurotoxische (auf das Nervensytem wirkende) Anteil, aber auch cytotoxische (gewebezersetzende), blutgerinnungsstörende und andere blutschädigende Eigenschaften treten bei vielen Arten auf.

Systematik

Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis)
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Schwarze Mamba (Dendroaspis polylepis)
Gewöhnliche Mamba (Dendroaspis angusticeps)
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Gewöhnliche Mamba (Dendroaspis angusticeps)
Königskobra (Ophiophagus hannah)
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Königskobra (Ophiophagus hannah)
Mozambique-Speikobra (Naja mosambica)
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Mozambique-Speikobra (Naja mosambica)
Kapkobra (Naja nivea)
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Kapkobra (Naja nivea)
Inland-Taipan (Oxyuranus microlepidotus)
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Inland-Taipan (Oxyuranus microlepidotus)
Brillenschlange (Naja naja)
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Brillenschlange (Naja naja)
Monokelkobra (Naja kaouthia)
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Monokelkobra (Naja kaouthia)

Familie Giftnattern (Elapidae)

Unterfamilie: Echte Giftnattern (Elapinae)
Gattung: Schildnasenkobras (Aspidelaps)
Gattung: Wasserkobras (Boulengerina)
Gattung: Kraits (Bungarus)
Gattung: Schmuckottern (Calliophis)
Gattung: Mambas (Dendroaspis)
Gattung: Afrikanische Strumpfbandottern (Elapsoidea)
Gattung: Speikobras (Hemachatus)
Gattung: Hemibungarus
Gattung: Harlekinkobras (Homoroselaps)
Gattung: Arizona-Korallenottern (Micruroides)
Gattung: Korallenottern (Micrurus)
Gattung: Echte Kobras (Naja)
Gattung: Königskobras (Ophiophagus)
Gattung: Paranaja
Gattung: Waldkobras (Pseudohaje)
Gattung: Wüstenkobras (Walterinnesia)
Unterfamilie: Seeschlangen (Hydrophiinae)
Gattung: Acalyptophis
Gattung: Todesottern (Acanthophis)
Gattung: Aipysurus
Gattung: Neuguinea-Kronenschlangen (Aspidomorphus)
Gattung: Astrotia
Gattung: Australische Kupferköpfe (Austrelaps)
Gattung: Kronenschlangen (Cacophis)
Gattung: Ornamentottern (Denisonia)
Gattung: Australische Braunschlangen (Demansia)
Gattung: Disteira
Gattung: Drysdalia
Gattung: Bardicks (Echiopsis)
Gattung: Elapognathus
Gattung: Schildkrötenkopf-Seeschlangen (Emydocephalus)
Gattung: Enhydrina
Gattung: Ephalophis
Gattung: Furina
Gattung: Hemiaspis
Gattung: Hoplocephalus
Gattung: Hydrelaps
Gattung: Ruderschlangen (Hydrophis)
Gattung: Kerilia
Gattung: Kolpophis
Gattung: Plump-Seeschlangen (Lapemis)
Gattung: Plattschwänze (Laticauda)
Gattung: Loveridgelaps
Gattung: Micropechis
Gattung: Tigerottern (Notechis)
Gattung: Fidschiottern (Ogmodon)
Gattung: Taipane (Oxyuranus)
Gattung: Pailsus
Gattung: Parahydrophis
Gattung: Parapistocalamus
Gattung: Plättchen-Seeschlangen (Pelamis)
Gattung: Schwarzottern (Pseudechis)
Gattung: Braunschlangen (Pseudonaja)
Gattung: Rhinoplocephalus
Gattung: Salomonelaps
Gattung: Australische Korallenottern (Simoselaps)
Gattung: Suta
Gattung: Thalassophina
Gattung: Thalassophis
Gattung: Neuguinea-Waldottern (Toxicocalamus)
Gattung: Rauschuppenottern (Tropidechis)
Gattung: Bandy-Bandys (Vermicella)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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