Gewöhnliches Chamäleon

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Gewöhnliches Chamäleon

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
Infraordnung: Leguanartige(Iguania)
Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)
Unterfamilie: Echte Chamäleons (Chamaeleoninae)
Gattung: Chamaeleo
Art: Gewöhnliches Chamäleon
Wissenschaftlicher Name
Chamaeleo chamaeleon
Linnaeus, 1758

Das Gewöhnliche Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) zählt innerhalb der Familie der Chamäleons (Chamaeleonidae) zur Gattung Chamaeleo.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die mittlere Länge des Gewöhnlichen Chamäleons beträgt rund 20 bis 30 Zentimeter. In dieser Länge ist der Schwanz bereits enthalten. Der Körper ist seitlich stark abgeflacht. Dies gilt auch für den Kopfbereich. Im Laufe der Evolution haben sich die Beine und insbesondere die Füße an das Leben in Bäumen und Sträuchern angepasst. Die Zehen haben sich zu Greifhänden umgebildet, mit denen sie sich an Ästen sehr gut festhalten können. Die Zehen stehen sich seitlich gegenüber. An den Vorderbeinen zeigen zwei Zehen nach außen und drei nach innen, an den Hinterbeinen ist es genau umgekehrt. In ihrem Lebensraum bewegen sich gewöhnliche Chamäleons sehr langsam und bedächtig. Zumeist verharren sie in einer Art Starre. Aus dieser Haltung heraus erfolgt auch die Jagd. Die Chamäleon verlassen sich hierbei auf ihre ausgezeichnete Tarnung. Den Boden betreten sie selten. Und wenn, dann nur um einen Baum oder einen Strauch zu wechseln. Die Weibchen betreten den Boden zusätzlich auch zur Eiablage. Das Gewöhnliche Chamäleons ist ein tagaktives Reptil. In der Nacht ruhen sie. Sie leben einzelgängerisch und finden nur zur Paarungszeit zueinander. Chamäleons gehören wie alle Reptilien zu den poikilothermen, also den wechselwarmen Tieren. Sie weisen keine fixe Körpertemperatur auf. Während der Nacht kühlen sie aus. Daher müssen sie sich in den Morgenstunden aufwärmen, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Während der kalten Monate verfallen sie in eine Kältestarre, die bis zum Frühjahr anhält.

Sinne

vergrößern

Die Sinne des Gewöhnlichen Chamäleons sind höchst unterschiedlich entwickelt. Primärer Sinn ist eindeutig der Sehsinn. Insbesondere die Augen gehören wohl zu den am höchsten entwickelten im Reich der Tiere. Die Augen ermöglichen ein Sichtfeld von annähernd 360 Grad. Dabei können die Augen unabhängig voneinander bewegt werden. Durch diese höchst unterschiedlichen Eindrücke muss das Gehirn eine Vielzahl von Informationen bearbeiten. In der Regel fixiert das Chamäleon etwas mit dem einem Auge, während das andere Auge in eine andere Richtung blickt. Die Fokussierung einzelner Objekte erfolgt dabei weit schneller als beispielsweise beim Menschen. Das Auge verfügt über eine Streulinse, mit der das Chamäleon über eine Art Teleskop verfügt. Ein anvisiertes Objekt kann so auf der Netzhaut vergrößert dargestellt werden.

Beutetiere werden über den scharfen Sehsinn lokalisiert und anvisiert. Ist ein Beutetier nah genug herangekommen, so schnellt in einem Bruchteil einer Sekunde die lange Zunge aus dem Maul und fängt das Beutetier. Die Zunge ist mit einem klebrigen Schleim überzogen, an dem Insekten und ähnliches hängenbleiben. Die Zunge kann über eine Länge von gut 40 bis 50 Zentimeter ausgefahren bzw. gestreckt werden. Das Chamäleon hat im Vergleich zu seiner Körperlänge eine der längsten Zungen im Tierreich. Der Gehörsinn ist nur mäßig bis schlecht ausgeprägt. Äußere Trommelfelle besitzt das Chamäleon nicht. Welche Töne, insbesondere in welchen Frequenzbereichen die Tiere Laute wahrnehmen können, ist nicht abschließend geklärt. Auch der Geruchssinn ist mehr oder weniger zurückgebildet. Gerüche werden über das Jacobson´sche Organ im Rachen wahrgenommen.

Farbwechsel, Tarnung

Die Grundfärbung der schuppigen Haut ist grün. Dabei zeigen sich je nach Unterart stellenweise helle und dunkle Flecken. Lateral ist je eine Längsreihe aus weißlichen bis gelblichen Flecken zu sehen. Unterhalb der Epidermis besteht die Haut aus mehreren Schichten. Die eigentliche Epidermis besteht aus verhornten Schuppen. Diese Beschuppung wird von Zeit zu Zeit abgestoßen. Dies ist bei allen Reptilien üblich. Unmittelbar unter der Epidermis liegen in mehreren Schichten Hauttypen, die aus verschiedenen Chromatophoren bestehen. Die drei Chromatophoren werden Guanophoren, Melanophoren und Xanthophoren genannt. Hier ist in einer Plasmamembran Cytoplasma gespeichert. Durch individuelle Stoffwechselvorgänge wird die Farbgebung der einzelnen Farbstoffe innerhalb des Cytoplasma gesteuert. Jede Schicht ist dabei für eine andere Farbgebung verantwortlich. In der obersten Schicht werden gelbe und rote Farbtöne dargestellt, in der mittleren Schicht schwarz. Die unterste Schicht erzeugt insbesondere eine bläuliche Färbung. In dieser Schicht wird auch das Licht reflektiert. Die Gründe für einen Farbwechsel sind vielschichtig. Neben der Thermoregulation dient der Farbwechsel auch dem Gefühlsausdruck und schlussendlich auch der lebensnotwendigen Tarnung.

Unterarten

Verbreitung

vergrößern

Das Gewöhnliche Chamäleon ist im wesentlichen rund um das Mittelmeer an den europäischen und afrikanischen Küsten verbreitet. Sie sind in Portugal, Spanien, auf Sizilien, im Süden der Türkei und Griechenslands sowie auf Zypern, im Libanon, Israel, Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten, Lybien, Algerien, Tunesien und in Marokko anzutreffen. Der übliche Lebensraum sind trockene und lichte Pinienwälder und Buschsavannen. In Höhenlagen sie die Tiere bis in Höhen von 900 Meter über NN zu Hause.

Bedrohung und Schutz

Das Gewöhnliche Chamäleon ist heute noch nicht akut gefährdet. Jedoch werden die Tiere durch den weitreichenden Lebensraumverlust immer weiter zurückgedrängt. Auch der Wildfang für den internationalen Haustierhandel setzt die Art zusehens unter Druck. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere im Anhang II unter Schutz. In der Roten Liste des IUCN wird die Art Gewöhnliches Chamäleon noch nicht geführt.

Ernährung

vergrößern

Gewöhnliche Chamäleons ernähren sich vorzugsweise von Insekten wie Heuschrecken, Käfer, Raupen und ähnliche Tiere. Aber auch Spinnentiere, kleinere Vögel, Säugetiere und Reptilien stehen gelegentlich auf der Speisekarte. Auch Kannibalismus ist unter den Chamäleons an der Tagesordnung. Die Beute wird mit der sehr langen Zunge erbeutet. Die Jagd erfolgt von einer Ansitzwarte aus. Trinkwasser benötigen die Tiere selten, da sie ihren Wasserbedarf über die Nahrung decken können.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich im mediterranen Raum meist von Juni bis in den September hinein. Während der Balz geht das Männchen aktiv auf die Suche nach einem Weibchen. Ob ein Weibchen visuell, akustisch oder über das Jacobson´sche Organ lokalisiert wird, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend erforscht. Ein ausgemachtes Weibchen wird vom Männchen recht rabiat überrumpelt. Der Schwanz des Weibchens wird beiseite geschoben und das Männchen dringt mit seinem Hemipenis in die Kloake des Weibchen ein. Der Hemipenis besteht dabei aus zwei Teilen. Bei der Paarung kommt jedoch nur einer zum Einsatz. Die Samenflüssigkeit läuft dabei über kleine Furchen außen an dem Hemipenis entlang und wird so in der weiblichen Kloake plaziert. Nach einer Trächtigkeit von etwa acht Wochen begibt sich das Weibchen auf dem Boden und gräbt dort eine bis zu zehn Zentimeter tiefe Grube. In diese Grube legt sie zwischen 10 bis 35 Eier, die eine Länge von etwa 17 Millimeter und eine Breite von 11 Millimeter aufweisen. Die Eiablage erfolgt kurz vor der kalten Jahreszeit. Dadurch kommt die Entwicklung der Eier vorübergehend zum Stillstand. Im Frühjahr setzt sich die embryonale Entwicklung fort. So kommt es zu einer sehr langen Inkubationszeit von 250 bis 290 Tagen. Die aus den Eier schlüpfenden Jungtiere kämpfen sich an die Erdoberfläche und weisen eine Länge von rund 35 bis 40 Millimeter auf. Sie begeben sich umgehend auf einen Strauch oder einen niedrigen Baum. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Die Jungtiere wachsen vor allem in den ersten Lebenswochen sehr schnell. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa zwei Jahren. Unter günstigen Umständen ist auch ein Alter von bis zu vier Jahren möglich.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Chamäleons (Chamaeleonidae)

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Manfred Rogner: Echsen, Bd.2, Warane, Skinke und andere Echsen sowie Brückenechsen und Krokodile. Ulmer (Eugen) (1994). ISBN 3800172534
'Persönliche Werkzeuge