Gewöhnliche Rundblattnase

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Gewöhnliche Rundblattnase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hufeisennasenartige (Rhinolophoidea)
Familie: Rundblattnasen (Hipposideridae)
Unterfamilie: Hipposiderinae
Gattung: Eigentliche Rundblattnasen (Hipposideros)
Art: Gewöhnliche Rundblattnase
Wissenschaftlicher Name
Hipposideros caffer
(Sundevall, 1846)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gewöhnliche Rundblattnase (Hipposideros caffer) zählt innerhalb der Familie der Rundblattnasen (Hipposideridae) zur Gattung der Eigentlichen Rundblattnasen (Hipposideros). Es sind 4 Unterarten bekannt. Im Englischen wird die Art Sundevall's Roundleaf Bat genannt.

Die Familie der Rundblattnasen (Hipposideridae) ist eng mit der Familie Hufeisennasen (Rhinolophidae) verwandt und wird manchmal als deren Unterfamilie Hipposiderinae klassifiziert. Wegen der Klassifizierung gab es schon heftige Kontroversen. Namensgebend für die Familie Rundblattnasen ist der häutige Nasenaufsatz, der ein hufeisenförmiges Gebilde darstellt und sich in der vorgewölbten nasalen Region befindet.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten der Gattung ist die Beschaffenheit des Nasenblattes. Die Gewöhnliche Rundblattnase ähnelt Hipposideros beatus, hat jedoch eine größere Unterarmlänge. Die Art ähnelt auch stark Hipposideros ruber, aber auch hier hat die Gewöhnliche Rundblattnase eine etwas längere Unterarmlänge. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Schädelmorphologie und das Fell hat einen höheren Grauanteil, Hipposideros ruber ist mehr bräunlich bis rotbraun gefärbt. Auch im Lebensraum unterscheiden sich beide Arten. Während Hipposideros ruber Wald bevorzugt, lebt die Gewöhnliche Rundblattnase eher in Savannenlandschaften (Wright, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gewöhnliche Rundblattnase erreicht eine Gesamtlänge von 80 bis 90 mm, eine Unterarmlänge von 43 bis 50 mm, eine Schwanzlänge von gut 31 bis 32 mm, eine Hinterfußlänge von 8,0 bis 13,0 mm, eine Ohrlänge von 12,0 mm, eine Flügelspannweite von rund 200 mm, eine Schädellänge von 18,6 bis 18,8 mm, eine Condylobasallänge von 15,1 bis 15,4, eine Jochbeinbreite von 10,1 bis 10,3 mm, eine Hirnschädelbreite von 8,4 mm und ein Gewicht von 7,7 bis 14,2 (10,2) g. Beide Geschlechter ähneln sich in Größe und Gewicht. Unterschiede zeigen sich jedoch zwischen den 4 Unterarten. Das Fell ist gräulich bis graubraun gefärbt, lokal auch orangebraun oder rötlichbraun. Die Fellfärbung kann auch saisonal mit jedem Fellwechsel schwanken. Auch albinistische Formen sind bekannt. Das Gebiss verfügt über 30 Zähne, die zahnmedizinische Formal lautet i1/2, c1/1, p2/2, m3/3. Die Molaren sind teilweise reduziert. Das Milchgebiss verschwindet noch vor der Geburt und hat daher keine Funktion. Die Länge des Baculum (Penisknochen) liegt bei 1,28 mm. Die Signale der Echoordtung liegen im Frequenzbereich von 137,4 bis 147,1 (140) kHz und weisen eine Länge von etwa 7,5 bis 8,0 ms auf. Bei Annäherung an ein Ziel werden die Impulse deutlich kürzer (Wright, 2008).

Lebensweise

Gewöhnliche Rundblattnasen sind gute und gewandte Flieger. Der Beutefang erfolgt im Fluge, selten wird die Beute auch von Blättern oder ähnlichem aufgelesen. Kurze Schwebflüge wurden auch beobachtet. Gewöhnliche Rundblattnasen leben in geselligen Haramsgruppen, die Art ist demnach polygam (Wright, 2008).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist in weiten Teilen Afrikas verbreitet. Im Einzelnen ist die Gewöhnliche Rundblattnase in Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, im Tschad, im Kongo, in der Demokratischen Republik Kongo, in der Elfenbeinküste, Äquatorial-Guinea, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Malawi, Mali, Mauretanien, Marokko, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Saudi-Arabien, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Vereinigte Republik, Togo, Uganda, Jemen und in Sambia nachgewisen. Die Gewöhnliche Rundblattnase besiedelt hauptsächlich bewaldete Savannen. Zu den typischen Gewächsen im Lebensraum der Tiere zählen Akazien (Acacia), Mimosengewächse (Mimosoideae) wie Albizia und Dichrostachys. Die Quartiere der Fledermäuse liegen in Höhlen, Felsspalten, Minen, Baumhöhlen, unter Hausdächern, Kellern, verlassenen Gebäuden und Dachböden. Die menschliche Nähe wird demnach nicht gemieden. Fossile Funde sind nicht bekannt (Wright, 2008).

Biozönose

Die Ruheplätze werden nicht selten mit anderen Fledermausarten wie der Ägyptischen Schlitznase (Nycteris thebaica), Coleura afra und Hipposideros ruber geteilt. Zu den natürlichen Feinden zählt vor allem der Fledermausaar (Macheirhamphus alcinus). Weitere Feinde sind nicht bekannt. Zu den wichtigsten Endoparasiten gehören Trypanosomen (Trypanosoma) wie Trypanosoma leleupi. Dieser Parasit verursacht beim Menschen die Afrikanische Schlafkrankheit, bei deren Endstadium ein Mensch in einem schläfrigen Dämmerzustand verfällt. Bekannte Ektoparasiten sind Fledermausfliegen (Nycteribiidae) wie Nycteribia schmidlii, Pthiridium szisse, Pthiridium integra, Pthiridium ovalis, Pthiridium tecta, Penicillidia allisoni, Penicillidia fulvida, Penicillidia senegalensis, Penicillidia pachymela und Milben (Acari, Acarida) wie Acomatacarus polydiscum, Gahrliepia nana, Periglischrus moucheti, Trombicula minutissima, Trombigastia ascoschongastoides, Trombigastia berghei, Trombigastia laarmani, Trombigastia minor, Trombigastia scapularia, Trombigastia vinckei, Whartonia atracheata und Whartonia oweni (Wright, 2008).

Ernährung

Als Insektenfresser ernährt sich die Gewöhnliche Rundblattnase hauptsächlich von Schmetterlingen (Lepidoptera), Köcherfliegen (Trichoptera), Käfern (Coleoptera), Termiten (Isoptera), Schnabelkerfe (Hemiptera), Zweiflügler (Diptera) und andere Insekten (Insecta) mittlerer Größe. Die aufgenommene Nahrung schwankt dabei sowohl lokal aus auch saisonal (Wright, 2008).

Fortpflanzung

Die Gewöhnliche Rundblattnase erreicht die Geschlechtsreife im Alter von 1 bis 2 Jahren. Ein Weibchen bringt nach einer reinen Tragezeit von 90 Tagen ein einzelnes Jungtier zur Welt. In einigen Regionen kann es zu einer Diapause kommen. Eine Tragezeit kann si so lokaL bis auf 6 Monate ausdehnen. In den ersten Wochen nehmen Mütter ihren Nachwuchs während der Nahrungssuche zurück. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa 3,5 Monate. Bereits 4 Wochen nach der Geburt beginnen die Jungen mit den ersten Flugübungen (Wright, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Gewöhnliche Rundblattnase zählt heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Störungen in den Ruheplätzen können lokal zu Populationsrückgängen führen. Vor allem alter Baumbestand mit den zahlreichen Baumhöhlen werden von den Menschen vernichtet (IUCN, 2014).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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