Gestreifte Guatemala-Vogelspinne

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Gestreife Guatemala-Vogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Aphonopelma
Art: Gestreifte Guatemala-Vogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Aphonopelma seemanni
Cambridge, 1897

Die Gestreifte Guatemala-Vogelspinne (Aphonopelma seemanni), die auch Gestreifte Costa-Rica-Vogelspinne genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Aphonopelma.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gestreifte Guatemala-Vogelspinne erreicht eine Körperlänge von gut 6 Zentimeter. Die Beinspannweite kann bis zu 13 Zentimeter betragen. Bei den Geschlechter zeigt sich ein deutlicher Dimorphismus. Nach der Reifehäutung weisen die Männchen meist eine dunkelbraune Grundfärbung auf, Weibchen sind deutlich variabler gefärbt. Ihre Färbung reicht von hellbraun und gräulich über braun bis hin zu schwarz. Die charakteristische weißliche oder cremefarbene Längsstreifung an den Extremitäten ist beim Weibchen deutlich stärker ausgeprägt. Regional kann die Streifung aber auch beim Weibchen ausgesprochen variabel sein. Die weißen Streifen bilden im Bereich der Patellen und der Tibien einen Doppelstrang, die Metatarsen weisen hingegen nur noch einen Streifen auf. Die Streifen befinden sich grundsätzlich auf der Oberseite der einzelnen Beinglieder.

Der Vorderkörper trägt die vier Beinpaare. Er unterteilt sich in das Oberteil, dem Kopfbrustschild sowie ventral dem Sternum. Das Sternum ist eine sternförmige plattenartige Abdeckung, die als eine Art Panzer dem Schutz dient. Im vorderen Teil des Vorderkörpers befinden sich zum einen das Labium, eine beweglich angebrachte Unterlippe, zum anderen die Kauladen sowie zwei Kiefertaster, die sogenannten Pedipalpen. Diesen vorderen Teil des Vorderkörpers wird auch als Cephalothorax oder Prosoma bezeichnet. Der untere Teil dient dabei ausschließlich der Nahrungsaufnahme. Auf dem oberen Teil des vorderen Teil des Vorderkörpers befindet sich der Augenhügel mit den acht symmetrisch angeordneten Augen. In diesem Bereich befinden sich zudem auch das Gehirn, der Saugmagen und die ersten Teile des Verdauungssystems.

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Der Hinterkörper ist nicht segmentiert und ist über ein beweglich angebrachtes Verbindungsstück, dem sogenannten Petiolus, am Cephalothorax angeschlossen. Der Hinterleib ist nicht wie der Vorderkörper gepanzert und stellt somit den empfindlichsten Teil des Körpers dar. Der Hinterleib dient beim Weibchen zum einen als Vorratsbehälter für die Eier, respektive dem Männchen als Samenbehälter und zum anderen als Nahrungsspeicher für eventuelle Fasten- oder Mangelzeiten, die durchaus einige Wochen oder gar Monate dauern können. Auch das Herz sowie der zweite Teil des Verdauungstraktes liegen im Hinterleib. Am hinteren Ende des Hinterleibes sitzen die länglichen Spinnwarzen, über die die Vogelspinne die Spinnseide synthetisiert und absondert. Die Drüse weist eine orangerote bis orangene Färbung auf. An der stark behaarten Unterseite, die überwiegend schwarzbraun gefärbt ist, liegen die Geschlechtsorgane. Unweit der Geschlechtsorgane sitzen zudem die vier Buchlungen, wobei die vordern beiden Buchlungen nur als kleiner Schlitze erkennbar sind. Die beiden hinteren Buchlungen liegen versteckt.

Die Chelizeren sind zum einem aus dem Basalglied und zum anderen den Chelizerenklauen unterteilt. Diese zweigeteilten Chelizeren bilden das erste Extremitätenpaar und werden, wenn sie nicht gebraucht werden, nach unten geklappt. Im Chelizerengrundglied, also dem Basalglied, liegen die Giftdrüsen, die das Gift in die Klauen leiten. Die Pedipalpen schliessen sich an die Chelizeren an und weisen rein äußerlich Eigenschaften von einem Beinpaar auf. Die Kiefertaster haben allerdings die Funktion eines Tastorgans. Mit Erreichen der Geschlechtsreife des Männchens haben die Kiefertaster noch einen weiteren Zweck; in dem sogenannten Bulbus werden Spermapakete aufgenommen, mit denen später ein Weibchen befruchtet wird. Abgesehen von den weißen Streifen sind die Extremitäten meist dunkelbraun, schwarzbraun oder schwarz gefärbt. Gestreifte Guatemala-Vogelspinnen gehören zu den Giftspinnen. Die Toxizität ist jedoch eher gering und für einen gesunden Menschen nicht gefährlich.

Alle Vogelspinnen weisen fünf verschiedene Haartypen auf. Dies ist auch bei der Gestreiften Guatemala-Vogelspinne der Fall. Die Geruchshaare sitzen an den Tastern und dienen dem Männchen unter anderem zur Erkennung der Paarungsbereitschaft des Weibchens und der Prüfung der Futterqualität. Der gesamte Körper ist mit Tasthaaren versehen, mit denen die Gestreifte Guatemala-Vogelspinne ihre unmittelbare Umgebung prüfen kann. Die empfindlichsten Tasthaare sitzen an den Extremitäten und gehören zu den wichtigsten Sinnesorganen der Vogelspinne. Die Tarsen sowie die Metatarsen sind von winzig kleinen Hafthaaren überzogen, die in kleinen Haarbüscheln die sogenannten Scopula bilden. Mit den Hörhaaren kann die Vogelspinne Schallwellen und Vibrationen wahrnehmen. Mit diesen Hörhaaren kann sie insbesondere niederfrequente Schallwellen wahrnehmen. Diese Hörhaare sind mit einer Membran verbunden, die die Informationen an das Gehirn weiterleiten. Diese Haare sitzen fast ausschließlich im Bereich der Extremitäten. Die Brennhaare sind über den gesamten Abdomen verteilt. Die Brennhaare lösen sich besonders leicht und können mit den Hinterbeinen abgestreift werden. Dies geschieht vor allem bei Bedrohung. Die mit feinen Spitzen versehenen Härchen können beim Menschen bei Kontakt mit den Schleimhäuten eine starke Reizung auslösen. Auf der Haut kann es zu Rötungen und einem starken Juckreiz kommen.

Lebensweise

Gestreifte Guatemala-Vogelspinnen gelten als sesshafte Vogelspinnen. Sie gehören zu den terrestrischen und fossorialen Arten, das heißt sie graben eine Wohnhöhle, die einen Durchmesser von gut fünf Zentimeter und eine Tiefe von ungefähr 30 bis 40 Zentimeter betragen kann. Vor allem die Weibchen bleiben bei ausreichender Nahrung meist an einem Fleck. Die Spinnen leben in Wohnhöhlen, die meist in Hanglage errichtet werden. Die Orientierung erfolgt fast ausschließlich über die zahlreichen Sinnes- oder Tasthaare. Selbst kleine Beutetiere, die in der Nähe einer Wohnhöhle umherschleichen, können problemlos wahrgenommen werden. Ist ein Beutetier erspäht, so wird es in hoher Geschwindigkeit überwältigt und mit einem Giftbiss außer Gefecht gesetzt. Gestreifte Guatemala-Vogelspinnen sind nachtaktiv und halten sich am Tage in ihren Wohnhöhlen verborgen. Männchen wandern nach ihrer Reifehäutung auf der Suche nach einem Weibchen umher. Sie gelten daher als weit weniger sesshaft.

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Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gestreiften Guatemala-Vogelspinne erstreckt sich über weite Teile Mittelamerikas. Als Kerngebiet wird vor allem Guatemala, Belize, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica besiedelt. In der Literatur wird als weiteres Verbreitungsgebiet auch Mexiko und der Süden von Texas angegeben. Wenn dem so ist, so sind die Tiere hier jedoch eher selten anzutreffen. Gestreifte Guatemala-Vogelspinnen leben in ariden Lebensräumen. Dazu gehören Trockenwälder und grasige Steppen. Feuchte Lebensräume werden von dieser Vogelspinne strikt gemieden.

Ernährung

Gestreifte Guatemala-Vogelspinnen sind reine Fleischfresser. Auf der Speisekarte weit oben stehen Insekten (Insecta) wie beispielsweise Schaben (Blattodea), Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera). In Gefangenschaft werden auch Wachsmotten (Galleriinae), die Larven der Mehlkäfer (Tenebrio molitor) und diverse Würmer verfüttert. Dabei wird über die Chelizerenklauen ein Gift in das Beutetier injiziert, das die Beute von innen her auflöst. Nach einiger Zeit saugt die Gestreifte Guatemala-Vogelspinne das Beutetier aus. Übrig bleibt lediglich die leere Hülle.

Fortpflanzung

Adultes Tier mit abgestreifter Haut
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Adultes Tier mit abgestreifter Haut

In Abhängigkeit vom Nahrungsangebot erreicht die Gestreifte Guatemala-Vogelspinne die Geschlechtsreife nach drei bis vier Jahren. Das Männchen erreicht die Geschlechtsreife nach der letzten Häutung, man spricht hier von Reifehäutung. Das Männchen baut in der Paarungszeit ein spezielles Netz (Spermanetz), in das es aus seiner Geschlechtsöffnung, am Hinterleib, einen Spermatropfen absetzt. Diesen nimmt es dann mit dem Begattungsorgan, die im Bereich der Pedipalpen liegen, auf. Erst jetzt geht das Männchen auf die Suche nach einer Partnerin. Weibchen häuten sich übrigens lebenslang viermal im Jahr, das Männchen nach der Reifehäutung nicht mehr. Ist ein Weibchen gefunden, so versucht das Männchen das Weibchen durch charakteristisches Trommeln vor die Wohnhöhle zu locken. Wird das Trommeln erwidert, so ist das Weibchen paarungsbereit und verlässt die Höhle. Das Männchen stemmt das Weibchen mit den Schienbeinhaken, die sich am ersten Beinpaar befinden, so weit in die Höhe, dass es mit den Paarungsfortsätzen, den Bulben an den Pedipalpen, an die Geschlechtsöffnung am Hinterleib des Weibchens gelangt. Dort führt es den stachelähnlichen Fortsatz in die Geschlechtsöffnung ein und gibt das Sperma frei. Danach verlässt das Männchen den Platz des Geschehens sehr schnell, denn es könnte auch als Nahrung angesehen werden.

Nach erfolgreicher Paarung bildet das Weibchen einen Kokon aus Spinnseide. Der Durchmesser des Kokon kann vier Zentimeter im Durchmesser erreichen. Darin legt das Weichen einige Wochen nach der Begattung 100 bis 400 Eier ab. Nach weiteren 10 bis 12 Wochen schlüpfen die Spiderlinge. Kurz nach dem Schlupf verlassen sie die Wohnhöhle der Mutter. Nach dem Schlupf haben die Jungspinnen eine Größe von zwei bis drei Millimeter. Die Spiderlinge sind nun auf sich allein gestellt. In der ersten Zeit sind die Spiderlinge sehr verletzbar und werden meist von verschiedenen Prädatoren gefressen. Zu den natürlichen Hauptfeinden der Spiderlinge gehören vor allem andere Spinnen, Frösche und Kröten. Im ersten Lebensjahr wachsen die Spiderlinge sehr schnell heran. Ab dem zweiten Lebensjahr verlangsamt sich ihr Wachstum. Sie ernähren sich überwiegend von Kleinstinsekten. Nach der Reifehäutung hat das Männchen nur noch eine geringe Lebenserwartung. Weibchen können unter günstigen Umständen ein Alter von 18 bis 20 Jahren erreichen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Volker von Wirth: Vogelspinnen faszinierend & exotisch. Gräfe & Unzer, Februar 2005 ISBN 3774268215
  • Andreas Tinter: Vogelspinnen. Gifte, Lebensweise, Verhalten. Nikol Vlgs.-Ges., Hamburg, Oktober 2001 ISBN 393320349X
  • Ann Webb: Vogelspinnen. Natur und Tier-Verlag, 2000 ISBN 3931587320
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