Gerandete Jagdspinne

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Gerandete Jagdspinne

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie: Raubspinnen (Pisauridae)
Gattung: Dolomedes
Art: Gerandete Jagdspinne
Wissenschaftlicher Name
Dolomedes fimbriatus
Clerck, 1757

Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) gehört innerhalb der Familie der Raubspinnen (Pisauridae) zur Gattung Dolomedes. Im Englischen wird sie Raft spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die weiblichen Gerandeten Jagdspinnen werden 10 bis 22 mm lang, die Männchen bleiben mit einer Körperlänge von 9 bis 13 mm kleiner. Die Weibchen sind ausgewachsen die größten Spinnen Deutschlands. Bei beiden Geschlechtern variiert die Grundfärbung von gelbbraun bis schwarzbraun und geht manchmal auch etwas ins Rötliche. Gerandete Jagdspinnen haben vier Augenpaare, von denen die hinteren zwei in einem Trapez angeordnet sind. An den Seiten des Prosomas (Vorderkörper, Cephalothorax) und des Opisthosomas (Hinterleib, Abdomen) sind auffällige gelbe oder weiße Längsstreifen zu erkennen, daher rührt auch der deutsche Name dieser Art. Bei vielen Nymphen aber auch seltener bei Imagines können diese Streifen auch fehlen, dann ist die Spinne zumeist gelbbraun gefärbt. Die Unterseite des Opisthosomas ist mit vier hellen Längslinien gezeichnet. Bei den deutlicher gezeichneten Männchen sind auf dem Abdomen häufig kleine weißlich, gelblich oder bläulich leuchtende Tupfen vorhanden. Dorsal kann bei adulten Männchen ein kleiner herzförmiger Fleck zu erkennen sein, ansonsten ist der Körper aber dunkelbraun. Die gesamte Körperoberfläche ist seidig glänzend. Die Beine sind braun und verhältnismäßig lang.

Mit dem bräunlichen Flaum an ihren Tarsen (Füße) kann sich die Gerandete Jagdspinne auf dem Wasser bewegen und bei Gefahr auch untertauchen. Beim Tauchen glänzt ihr Körper von anhaftender Luft, und wenn sie wieder auftaucht, platzt diese Luftblase, und die Spinne ist völlig trocken. Da sie wegen ihres Körpergewichtes eigentlich untergehen würde, setzt sie ihre gesamte Körperbehaarung ein, um die Oberfächenspannung des Wassers nutzen zu können. Mit dem zweiten und dritten Beinpaar bewegt sich die Spinne auf dem Wasser fort. Dabei streckt sie die Beine nicht aus, sondern dreht sie im Coxalgelenk am Beinansatz. Somit gleicht diese Art der Fortbewegung nicht der an Land, denn dort versetzt sie die Beine immer diagonal.

Verwechslungsmöglichkeiten

Vom Habitus aus sehr schwer zu unterscheiden sind die Gerandeten Jagdspinnen von den Gerandeten Wasserspinnen (Dolomedes plantarius). Letztere kommen in Mitteleuropa aber seltener vor und weisen auf der Unterseite des Opisthosomas nur zwei helle Linien auf.

Verbreitung

Gerandete Jagdspinnen sind in Europa verbreitet, aber nicht häufig. Sie kommt am Ufer stehender oder langsam fließender Gewässer vor. Sie lebt auf Feuchtwiesen, in Sumpfgebieten, Hochmooren, Bruch- und Auwäldern und Gärten. Da sie sich gern sonnen, kann man sie oft auch auf Moosen oder zwischen Stängeln von Seggen, Rohrkolben und Binsen finden. Nymphen halten sich aber auch weiter an Land auf, teilweise sogar in höheren Lagen, auf Buschwerk beispielsweise.

Ernährung

Kieferklauen der Gerandeten Jagdspinne
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Kieferklauen der Gerandeten Jagdspinne
Die Gerandete Jagdspinne macht als Anschleich- oder Lauerjäger von der Wasseroberfläche aus oder auch an Land Jagd auf Insekten, Spinnen, Kaulquappen und sogar kleinen Fischen oder Fröschen, indem sie sie mit ihren kräftigen Cheliceren blitzschnell ergreift und mittels einem Giftbiss binnen weniger Sekunden tötet. Man findet die Spinne auch häufig in der Ufervegetation der Gewässer, wo sie auf Beute lauert. Dort erfühlt sie mit ihren Beinen nach Wellen im Gewässer, wobei sie die von Wind und die von Beutetieren sehr fein unterscheiden kann. Bevor das Weibchen in der Fortpflanzungsphase ihre Eier in den Kokon legt, macht es extra große Beute, um während des Reifeprozesses davon zu zehren. Vor dem Verzehr zieht die Gerandete Jagdspinne die Beute an Land, denn sie fressen nicht auf dem Wasser. Meistens brauchen sie mehrere Stunden, um die Beute während des Zerkauens mit dem Verdauungssekret vorzuverdauen und diesen Brei mithilfe ihres Saugmagens einzusaugen.


Fortpflanzung

Beide Geschlechter erreichen die Reife erst nach dem zweiten Winter. Die Paarung der Gerandeten Jagdspinnen wird im Mai und Juni vollzogen. Das Männchen wartet darauf, bis das Weibchen Beute macht. Während das Weibchen die Beute frisst, kann sich das Männchen ihm nähern. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, dass das Männchen nicht selbst als Beute endet.

Das Weibchen kann zwei Mal im Jahr ab Ende Juni bis zu 1000 Eier in den von ihr vorher gesponnenen Kokon legen. Dieser ist kugelförmig, hellgrau bis hellbraun und von etwa 10 mm Durchmesser. Das Weibchen trägt ihn in den Cheliceren immer mit sich und bewacht ihn. Kurz vor dem Schlüpfen der Nymphen fertigt das Weibchen ein Glockengespinst dicht am Gewässerufer in niedriger Vegetation, hängt den Kokon darin auf und bewacht ihn weiter.

Die Nymphen entwickeln sich innerhalb zwei Jahre. Nach der ersten Überwinterung im noch subadulten Stadium häuten sie sich im Mai zur adulten Spinne. Jetzt sind sie meist noch hell gefärbt mit einem grünlich-gelben Grundton. Sie halten sich jetzt noch weit vom Ufer entfernt auf und heften sich meist an Pflanzenteilen fest.

Ab dem zweiten Mai ist die Gerandete Jagdspinne ausgewachsen, sie stirbt dann etwa drei Monate später zumeist im August.

Gefährdung und Schutz

Da Gewässer und Feuchtgebiete vor allem durch den Verbau, die Zerstörung und die Verschmutzung immer mehr zurückgehen, ist folglich auch die Gerandete Jagdspinne seltener geworden. Auf der Roten Liste Deutschland ist sie daher als "gefährdet" eingestuft worden. In der internationalen Roten Liste ist sie jedoch noch nicht verzeichnet.

Anhang

Erstbeschreibung

  • Clerck, Carl A. & Lars Salvius: Svenska Spindlar. = Aranei Suecici. Salvius, Stockholm 1757.

Literatur

  • Baehr, Barbara & Martin Baehr: Welche Spinne ist das? Franckh-Kosmos, Stuttgart 1987-2002. ISBN 3-440-09210-0
  • Bellmann, Heiko: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1997-2006. ISBN 3-440-10746-9
  • Bellmann, Heiko: Spinnen. Neumann-Neudamm, Melsungen 1984. ISBN 3-788-80433-5
  • Heimer, Stefan & Wolfgang Nentwig: Spinnen Mitteleuropas. Parey, Berlin 1991. ISBN 3-489-53534-0
  • Heimer, Stefan & Dietmar Senf: Wunderbare Welt der Spinnen. Urania & Landbuch, Leipzig, Jena, Berlin, Hannover 1988. ISBN 3-332-00210-4 ISBN 3-784-20382-5
  • Jones, Dick: Der Kosmos-Spinnenführer. Franckh, Stuttgart 1984-90. ISBN 3-440-06141-8
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