Gemeines Perlboot

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Gemeines Perlboot

Systematik
Klasse: Kopffüßer (Cephalopoda)
Unterklasse: Nautiloidea
Ordnung: Nautiliden (Nautilida)
Familie: Perlboote (Nautilidae)
Gattung: Perlboote (Nautilus)
Art: Gemeines Perlboot
Wissenschaftlicher Name
Nautilus pompilius
Linnaeus, 1758

Das Gemeine Perlboot (Nautilus pompilius), auch als Schiffsboot bekannt, zählt innerhalb der Familie der Perlboote (Nautilidae) zur Gattung der Perlboote (Nautilus). Die englische Bezeichnung des Gemeinen Perlbootes lautet Chambered Nautilus.

Es gibt in der Ordnung Nautiliden (Nautilida) nur eine Familie Perlboote (Nautilidae) mit der einzigen Gattung Perlboote (Nautilus) und sechs Arten. Die Besonderheiten dieser Tiere haben ihren wenigen heute noch lebenden Vertretern eine Reihe verschiedener Namen eingetragen. Wegen ihres schwebenden Dahintreibens auf der Wasseroberfläche und wegen der schimmernden, perlmuttrig glänzenden Innenschicht ihres großen Gehäuses nennt man sie auch Perlboote. Tatsächlich kommen gelegentlich Perlbildungen vor.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Das Gemeine Perlboot erreicht eine Gesamtkörperlänge von etwa 20 Zentimetern. Die gut entwickelte äußere Schale ist symmetrisch gebaut, in einer Ebene (plan-spiralig) nach vorn aufgewunden, gekammert und von einem Rohrfortsatz des Körpers (Sipho) durchzogen. Die gesamte Schale ist bei dem Gemeinen Perlboot mit zahlreichen zackigen Farbbändern ausgestattet. Der Kopffuß besteht aus 82 bis 90 Armen und ist ohne Saugnäpfe. Der Trichter ist zweiteilig und nicht verwachsen. Die Raspelzunge weist 13 Zähne je Querreihe auf. Ein Tintenbeutel ist nicht vorhanden. Des weiteren sind je zwei Paar Nieren, Kiemen, Osphradien und Herzvorhöfe sowie zwei Grubenaugen ohne Linse und Glaskörper vorhanden. Die Schale ähnelt im Aufbau einer Kammer.
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Ein Längsschnitt durch die Schale zeigt nämlich, das sie aus einer kleineren oder größeren Anzahl hintereinanderliegender Kammern besteht. Sie sind mit Gas gefüllt und lediglich durch einen röhrenartigen Körperfortsatz in der Mitte mit dem eigentlichen Tier verbunden. Dieses befindet sich in der letzten äußeren Kammer und scheidet, durch das Größenwachstum bedingt, von Zeit zu Zeit an der Mantelfläche eine neue Scheidewand hinter sich ab. Die Verwachsungsnaht einer solchen Trennwand mit dem Gehäuse wird als Anwachs,- Loben- oder Suturlinie bezeichnet. Wie bei den ursprünglichen Schneckenlarven rollt sich die Schale nach oben kopfwärts spiralig ein, diese Art der Einrollung wird auch exogastrisch genannt.

Wie bei allen Weichtieren überdeckt der Mantel die Rückenfläche des Eingeweidesackes, jedoch bildet er beim Gemeinen Perlboot einen oberen Lappen aus, der nach hinten geschlagen der Schale anliegt. Auffallender als diese Besonderheit des Mantels sind die bis zu neunzig Fangarme. Das Männchen und das Weibchen kann man aufgrund der Anzahl der Fangarme unterscheiden. Das Männchen besitzt etwa 60 Fangarme und das Weibchen bis zu 90 Fangarme, von diesen Fangarmen sind zwei Fangarme deutlich länger als die übrigen Fangarme. Im allgemeinen sind die Fangarme kurz und bestehen jeweils aus einem dicken Schaft und einem dünnen geringelten Fühler (Tentakel). Er kann in den Schaft wie in eine Scheide zurückgezogen werden. Die Scheiden der vier vordersten (oberen) Fangarme sind verschmolzen, so dass sie eine Kopfkappe bilden und als schön gezeichneter Schild des Tieres auffallen. Weitere Fangarme umgeben in zwei unvollständigen Kreisen (innen 44 bis 52, außen 38) die Mundöffnung und sind zum Teil als Begattungswerkzeuge umgebildet. An der Bauchseite, also hinter dem Mund, sind sie durch den Trichter unterbrochen. Im Gegensatz zu den Tintenschnecken (Sepiidae) fehlen dem Gemeinen Perlboot die Saugnäpfe an den Fangarmen, jedoch liegt an jedem ein mundseitiges Haftpolster, das einen klebrigen Drüsenstoff produziert. Die Fangarme werden in Geschmacksfühler und in Greiftaster eingeteilt. Die auffallenden großen und gestielten Augen sind einfach gebaut. Der Vergleich mit einer Lochkamera liegt nahe. Sie besitzen weder Linse noch Glaskörper, dafür aber eine sehr gut entwickelte Netzhaut, welche die Strahlen durch das Sehloch aufnimmt. Trotzdem ist dieses Grubenauge lichtschwach. Augen und Gehirn lagern teilweise auf einem H-förmigen Knorpel, der den zweiteiligen Trichter stützt und als Muskelansatz dient. Unter jedem Auge befindet sich ein fingerförmiger Fortsatz, der sogenannte Rhinophor, er ist der Sitz des chemischen Sinnes. Weitere Sinneswerkzeuge zeigen sich als faltenförmiges Organ an jeder der vier Kiemen. Sie arbeiten ebenfalls als Geruchsorgan und entsprechen der Aufgabe der Osphradien (Osphradium = Sinnesorgan in Form einer mit Flimmern bedeckten Hautverdickung am Eingang der Mantelhöhle) bei anderen Weichtieren.

Lebensweise

Schematische Darstellung der Perlboote
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Schematische Darstellung der Perlboote

Das Gemeine Perlboot lebt als nächtlicher Bodenjäger. Tagsüber hält es sich meist versteckt und nur selten, wenn das Gemeine Perlboot aufgestört wird, treibt es als Boot auf der Wasseroberfläche. Neben einer bestimmten Gasmenge enthalten die Schalenkammern auch eine wechselnde Menge Flüssigkeit, die dem Tierkörper mit Hilfe seines bis in die letzte Kammer ziehenden Rohrfortsatzes verringern oder vermehren kann. Dadurch ändert sich die Größe des Gasraumes in den Kammern und damit auch die Auftriebswirkung des Gases. So kann das Gemeine Perlboot im Wasser aufsteigen oder absinken. Es ist dem Druck der Wassertiefen hervorragend angepaßt. Bei dem Gemeinen Perlboot wird zum Schwimmen nicht die gesamte Mantelhöhle als druckerzeugendes Gerät verwendet, sondern nur die stark verformbaren Trichterhälften, die den umschlossenen Raum zusammenpressen oder erweitern. Das Wachstum des Gemeinen Perlbootes erreicht nach etwa einem Jahr mit 23 bis 27 Schalenkammern die Erwachsenenstufe. Das Gemeine Perlboot kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Höchstalter von etwa vier Jahren erreichen. Nach heftigen Stürmen findet man Perlboote und leere Schalen oft massenhaft an den Küsten angeschwemmt, hier werden sie auch von Eingeborenen aufgelesen und als Nahrung verwertet oder zu Schmuck verarbeitet.

Unterarten

Verbreitung

Gemeines Perlboot
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Gemeines Perlboot

Die Verbreitung beschränkt sich auf den indopazifischen Raum der Tropen. Das Gemeine Perlboot kommt etwa vom östlichen Indischen Ozean bis zu den Fidschi-Inseln, Neuguinea, den Sunda-Inseln, den Philippinen sowie an der Küste von Neukaledonien vor. Andere Arten sind nicht so weit verbreitet. Das Gemeine Perlboot bewohnt zumeist die tiefen Hänge der Korallenriffe. Es hält sich zumeist in Tiefen von 400 bis 650 Metern bei Wassertemperaturen zwischen acht und vierundzwanzig Grad Celsius auf, wo es auch seine bevorzugten Beutetiere am Meeresgrund findet. Allerdings hält sich das Gemeine Perlboot während der Paarungszeit und Eiablage dann auch in Tiefen von etwa 50 bis 100 Metern auf.

Ernährung

In 400 bis 650 Meter Tiefe lebt das Gemeine Perlboot am Meeresgrund vor allem von Krebstieren (Crustacea), Garnelen, kleinen Fischen (Pisces) und abgestorbenen Tieren. Jedoch wegen des sehr geringen Energieverbrauchs beim Schwimmen, braucht das Gemeine Perlboot nur einmal im Monat Nahrung zu sich nehmen. Nach Aussagen von Eingeborenen kann sich das Gemeine Perlboot trotzdem schnell wie ein Fisch fortbewegen. Die dreizehnzähnige Raspelzunge dient beim Fressen wohl nur dem Schlingvorgang als Schaufelgerät. Verdaut wird oft ungewöhnlich langsam. Dreißig Stunden und mehr nach Aufnahme konnten im Vorderdarm (Kropf) nach Formbestandteile der Nahrung festgestellt werden. In Ruhe oder bei gleichmäßigem Dahinschwimmen sind alle Fangarme in ihre Scheiden zurückgezogen, obwohl die Spitzen manchmal zu sehen sind. Sobald jedoch ein seitlicher äußerer Geschmacksarm eine Nahrung berührt, strecken sich weitere Greifarme hervor, erfassen die Beute und ziehen sie unter die Schildkappe an sich. Der innere Fangarmkranz hält dann die Beute während des Verzehrens fest.

Fortpflanzung

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Wie bei allen Kopffüßern mit Ausnahme der Scheibenschirme (Opisthoteuthidae) bildet auch das männliche Gemeine Perlboot Samenpakete (Spermatophoren). Diese drei bis zehn Millimeter langen, festwandigen und röhrenförmigen Kapseln werden von einer besonderen Drüse erzeugt und nur ihr hinterer Teil enthält Samenzellen, der vordere Teil ist mit einer gallertartigen Masse angefüllt, die bei Berührung mit der weiblichen Drüsenabsonderung zur explosionsartigen Entleerung dient. Bei der Begattung überträgt das Männchen das Samenpaket mit Hilfe eines oder mehrerer Arme auf das Weibchen. Bei dem Weibchen ist die Eischalendrüse (Nidamentaldrüse) unter der Haut vorhanden, die Stoffe zur Eischalenbildung liefert und in die Mundhöhle mündet. Die Entwicklung der dotterreichen Eier erfolgt unmittelbar ohne echte Larvenstufe. Zur Paarungszeit und zur Eiablage hält sich das Gemeine Perlboot in der Nähe von Felsen im flachen Wasser auf. Dort werden auch die dotterreichen Eier abgelegt. Nach etwa neun bis vierzehn Tagen schlüpfen die Jungen aus den Eiern. Sie können ein Wachstum von 0,1 bis 0,6 Millimeter pro Tag aufweisen und erreichen ausgewachsen eine Gesamtkörperlänge von etwa 20 Zentimetern. Das Weibchen laicht nur einmal pro Jahr und regeneriert ihre Gonaden (Keimdrüse oder Geschlechtsdrüse). Das Gemeine Perlboot ist der einzige Kopffüßer, der durch polyzyklisches Laichen für regelmäßigen Nachwuchs sorgt. Die Lebensdauer des Gemeinen Perlbootes kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa vier Jahre betragen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 3 Weichtiere und Stachelhäuter. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
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