Gemeiner Holzbock

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Gemeiner Holzbock
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Unterklasse: Milben (Acari)
Überordnung: Schmarotzermilben (Parasitiformes)
Ordnung: Zecken (Ixodida)
Unterordnung: Zecken (Ixodides)
Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Unterfamilie: Schildzecken (Ixodinae)
Gattung: Holzböcke (Ixodes)
Art: Gemeiner Holzbock
Wissenschaftlicher Name
Ixodes ricinus
Linnaeus, 1758

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), auch Gemeine Zecke genannt, zählt innerhalb der Familie der Schildzecken (Ixodidae) zur Gattung der Holzböcke (Ixodes). Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Art im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Gemeine Zecke erreicht je nach Entwicklungsstadium eine unterschiedliche Größe. Die Larve erreicht eine Körperlänge von 1,5 Millimeter, die Nymphe eine Länge von 1,5 Millimeter und die adulte Zecke eine Größe von drei bis vier Millimeter. Weibchen der adulten Zecken werden größer als die Männchen. Die Gemeine Zecke ist somit die größte Vertreterin der Milben. Zecken haben als erwachsene Tiere acht Beine, im Larvenstadium sechs Beine. Dorsal weisen Zecken einen recht harten und widerstandsfähigen Schild, das sogenannte Scutum, auf. Der Körper ist insgesamt von leicht ovaler Form und recht flach. Zecken entfalten ihre Hauptaktivität in den Monaten März bis Oktober.

Verbreitung

Die Gemeine Zecke ist weltweit in den gemäßigten Regionen der Erde verbreitet. Sie bevorzugt ein feuchtwarmes Klima mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit. Ideale Bedingungen finden Zecken in Wäldern, deren Rändern und Waldlichtungen. Sie halten sich meist im Unterholz oder in niedrigem Gestrüpp auf und lauern dort auf Wirtstiere. Dabei kann es durchaus mehrere Monate dauern, bis ein passendes Wirtstier gefunden ist.

Ernährung

Holzbock auf Nahrungssuche
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Holzbock auf Nahrungssuche

Zecken in den Stadien der Larve und der Nymphe, sowie die Weibchen der adulten Zecke ernähren sich von Blut und Lymphflüssigkeit. Sie nutzen hierfür Säugetiere, auch den Menschen, als Wirtstiere. Ein vollgesogenes Weibchen kann bis zu 200 mal soviel wiegen, wie vor der Mahlzeit. Zecken warten meist im Unterholz von Wäldern oder an deren Rändern auf ihre Opfer. Sie spüren ihre Wirte mittels grubenförmiger Chemorezeptoren, dem sogenannten Hallerschen Organ, auf. Diese Chemorezeptoren liegen an den Tarsen des ersten Beinpaares. Die Rezeptoren können Opfer aufgrund von Schweiß, Ammoniak und Kohlendioxid lokalisieren. Der Geruch der Buttersäure im Schweiß ist ein Schlüsselreiz für den Gemeinen Holzbock. Er veranlasst ihn instinktiv dazu sich festzuklammern und sich von dem Strauch oder Gras fallen zu lassen (Zecken fallen nicht von Bäumen!).

Hat sich eine Zecke auf einem Wirtstier niedergelassen, so sucht sie einen passenden Platz auf der Haut. Hier ritzt sie nun mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen, den sogenannten Cheliceren, einen Riss in die Haut. Ist der Riss tief genug, schiebt die Zecke ihren Steckapparat (Hypostom) in die Wunde und saugt sich fest. Der Steckapparat wird mit kleinen Widerhaken in der Wunde verankert. Nun wird mit der Blutaufnahme begonnen. Durch ihre ausgesprochen asketische Lebensweise kommt ein Gemeiner Holzblock mit drei Blutmahlzeiten aus. Zu mehr sagt der Gemeine Holzblock jedoch nicht nein.

Zwar enthält der von der Zecke abgegebene Speichel keine eigenen Toxine, jedoch werden nicht selten Krankheiten übertragen. Der Speichel enthält neben einem Gerinnungshemmer, auch ein Betäubungsmittel sowie entzündungshemmende Wirkstoffe. Hauptsächlich werden Viruskrankheiten wie FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und die heimtückische Borreliose übertragen.

Fortpflanzung

Der Lebenszyklus der Gemeinen Zecke erstreckt sich von März bis Oktober. Während dieser Zeit findet auch die Paarung statt. Nur ein mit Blut vollgesogenes Weibchen ist paarungsbereit. Dieses gibt sie mit bestimmten Pheromonen bekannt. Nach erfolgreicher Paarung legt sie zwischen 1.000 und 3.000 Eier an geschützter Stelle ab. Die Eiablage kann sich über Tage oder sogar Wochen hinziehen, da die Ablage eies Eier etwa 10 Minuten dauert. Meist legt sie ihre Eier an die Unterseite von Blättern. Nach der Eiablage Stirbt das Weibchen und der Körper fällt in sich zusammen. Der Entwicklungszyklus erstreckt sich über drei Entwicklungsphasen, also vom Ei über die Larve, die Nymphe bis hin zur adulten Zecke. Diese Zyklen können sich über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren erstrecken. In jedem der Zyklen wird nur eine Blutmahlzeit benötigt. Die Überwinterung erfolgt für gewöhnlich als Nymphe.

Die aus dem Ei schlüpfende Larve erreicht eine Länge von etwa einem halben Millimeter und verfügt über drei Beinpaare. Sie sind anfangs noch farblos, die Ausfärbung stellt sich erst nach einigen Tagen ein. Als Wirtstiere kommen in der Regel kleinere Säugetiere wie Mäuse, Ratten und Igel in Betracht. Hat sich die Larve mit Blut vollgesogen, so läßt sie sich vom Wirtstier abfallen. Sie durchläuft nun eine rund vierwöchige Entwicklung. Am Ende dieser Entwicklungszeit häutet sich die Larve zur Nymphe. Die Nymphen sind geschlechtslos und weisen eine Länge von 1,5 Millimeter auf. Sie haben allerdings schon vier Beinpaare. Je nach Jahreszeit überwintern die Nymphen an einem geschütztem Platz. Meist im Frühjahr befällt die Nymphe ein größeres Säugetier wie zum Beispiel Hase oder ähnliches. Auch hier wird nur eine Blutmahlzeit genommen, danach lassen sie sich vom Wirtstier abfallen. Der letzte Akt ist dann die Reifehäutung zur adulten Zecke.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Spinnentiere (Arachnida)
  • Hauptartikel: die Unterklasse der Milben (Acari)

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • GEO Themenlexikon: Psychologie: Denken, Fühlen, Handeln; Teil 2 / Bd. 13. ISBN 3765394335
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